Graduate Ventures startet zweiten Seed-Fonds mit Zielvolumen von 125 Millionen Euro
Der niederländische Frühphaseninvestor Graduate Ventures legt seinen zweiten Seed-Fonds mit einem Zielvolumen von 125 Millionen Euro auf. Davon sind nach Angaben des Investors bereits 100 Millionen Euro zugesagt. Hinter dem Fonds stehen neben öffentlichen Kapitalgebern zahlreiche bekannte niederländische Unternehmer. Investiert werden soll insbesondere in Startups aus Künstlicher Intelligenz, DeepTech, Gesundheit und ClimateTech.
Graduate Ventures verbindet sein Investmentmodell eng mit dem niederländischen Hochschulökosystem. Mittlerweile arbeitet die Organisation mit acht Universitäten und drei Universitätskliniken zusammen und verfügt damit nach eigenen Angaben über eine landesweite Präsenz.
100 von 125 Millionen Euro bereits zugesagt
Zu den Unterstützern des zweiten Fonds gehören mehrere prominente Technologieunternehmer. Genannt werden unter anderem Frank Slootman von Snowflake, Picnic-Mitgründer Michiel Muller, DataSnipper-Mitgründer Jonas Ruyter und der ehemalige ASML-CEO Peter Wennink.
Auch die staatliche niederländische Investitionsgesellschaft Invest-NL und die regionale Entwicklungsgesellschaft Oost NL beteiligen sich.
Insgesamt hat Graduate Ventures innerhalb von zehn Monaten bereits Zusagen über 100 Millionen Euro erhalten. Damit fehlen noch 25 Millionen Euro bis zum angestrebten Fondsvolumen von 125 Millionen Euro.
Parallel zum neuen Seed-Fonds betreibt Graduate Ventures einen Pre-Seed-Fonds. Der Investor kann Startups damit bereits in einer sehr frühen Phase begleiten.
Fokus auf Hochschulen und wissenschaftliche Ökosysteme
Graduate Ventures wurde 2021 zunächst aus dem Umfeld der Technischen Universität Delft und der Erasmus Universität Rotterdam aufgebaut. Inzwischen wurde das Netzwerk auf weitere Hochschulstandorte ausgeweitet.
Zum Partnernetzwerk gehören heute acht niederländische Universitäten sowie drei Universitätskliniken. Vertreten sind akademische Ökosysteme in Rotterdam, Amsterdam, Delft, Eindhoven, Wageningen, Leiden und Twente.
Damit setzt Graduate Ventures gezielt auf Startups, die im Umfeld von Hochschulen und Forschungseinrichtungen entstehen.
„Innovation entsteht häufig in Ökosystemen rund um akademische Zentren“, erklärt Managing Partner Auke van den Hout. Kapital allein reiche allerdings nicht aus. Gründer benötigten zusätzlich Zugang zu Menschen, die selbst Unternehmen aufgebaut hätten und mit Erfahrung, Kontakten und Marktzugängen unterstützen könnten.
Mehr als 200 Unternehmer und Alumni im Netzwerk
Neben dem Kapital ist deshalb ein Netzwerk aus mittlerweile mehr als 200 erfahrenen Unternehmern und Alumni Bestandteil des Modells.
Diese sollen die Portfoliounternehmen mit Expertise, Kontakten und Einführungen bei potenziellen Geschäftspartnern unterstützen. Graduate Ventures versucht damit, Hochschulnetzwerke nicht nur zur Identifikation neuer Startups zu nutzen, sondern Alumni auch als Investoren und Unterstützer wieder in die jeweiligen Ökosysteme einzubinden.
Seit dem Start 2021 hat Graduate Ventures nach eigenen Angaben bereits in mehr als 90 Technologie-Startups investiert.
Die Organisation wird von Managing Partner Auke van den Hout und einem zehnköpfigen Team geführt. Zusätzlich arbeiten jedes Jahr rund 20 Studierende bei Graduate Ventures und sammeln dabei praktische Erfahrungen im Venture Capital.
QuantWare als bisheriges Erfolgsbeispiel
Als Beispiel für die bisherige Investmentstrategie verweist Graduate Ventures auf das Delfter Quantencomputing-Unternehmen QuantWare.
Graduate Ventures investierte bereits 2021 in das damals noch junge Unternehmen. 2026 schloss QuantWare eine Series-B-Finanzierungsrunde über 152 Millionen Euro ab.
Mit dem zweiten Seed-Fonds will Graduate Ventures nun weitere Unternehmen aus technologieintensiven Bereichen frühzeitig finanzieren. Neben Quantentechnologien und anderen DeepTech-Feldern stehen insbesondere Künstliche Intelligenz, Gesundheit und Klimatechnologien im Fokus.
Niederlande wollen mehr Technologieunternehmen im Land skalieren
Hinter dem Fonds steht auch die Frage, wie sich aus niederländischer Forschung mehr international erfolgreiche Technologieunternehmen entwickeln lassen.
Graduate Ventures will dafür Kapital mit den Netzwerken erfolgreicher Gründer und Manager verbinden. Zu den Gründern der Organisation gehören der ehemalige Philips-CEO Frans van Houten, Xindao-Mitgründer Sandro van Hellenberg Hubar, H2-Equity-Partners-Gründer Gert Jan van der Hoeven und der ehemalige 3i-Managing-Partner Menno Antal.
Mit dem zweiten Seed-Fonds erhält das Modell nun deutlich mehr Kapital für die nächste Generation akademisch geprägter Startups. Die bereits zugesagten 100 Millionen Euro zeigen, dass dafür eine relevante Kapitalbasis vorhanden ist.
Entscheidend wird sein, ob Graduate Ventures den Zugang zu den niederländischen Hochschulen und sein Alumni-Netzwerk nutzen kann, um wissenschaftliche Ausgründungen nicht nur früh zu finanzieren, sondern auch bei der späteren internationalen Skalierung im niederländischen beziehungsweise europäischen Ökosystem zu halten.

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