Biotech

Epitome Therapeutics startet mit 4 Millionen Euro

Das EMBL-Spin-off entwickelt mit CADENCE eine Plattform zur präzisen Steuerung der Genexpression und geht mit 4 Mio € Finanzierung an den Start.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Wien, 30. Juni 2026

Das österreichische Biotechnologie-Startup Epitome Therapeutics hat zum offiziellen Unternehmensstart eine Gesamtfinanzierung in Höhe von 4 Millionen Euro abgeschlossen. Die Finanzierung setzt sich aus einer überzeichneten Pre-Seed-Runde über 2 Millionen Euro sowie weiteren 2 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln zusammen. Das Unternehmen entwickelt eine neuartige Plattform zur präzisen Steuerung der Genexpression und will damit neue Therapieansätze für genetische und komplexe Erkrankungen ermöglichen.

Starke Investoren für eine neue Generation der Genregulation

Die Pre-Seed-Finanzierung wurde gemeinsam von XISTA Science Ventures und Caesar Ventures angeführt. Darüber hinaus beteiligte sich die Navec Venture Holding GmbH. Weitere Mittel stammen aus Förderprogrammen der Austria Wirtschaftsservice (AWS) sowie der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG).

Mit dem Kapital plant Epitome Therapeutics, seine Entwicklungsprogramme bis zur Auswahl eines ersten Wirkstoffkandidaten voranzutreiben, die firmeneigene Plattform CADENCE weiter auszubauen und das wissenschaftliche sowie operative Team zu erweitern.

Der erfolgreiche Abschluss einer überzeichneten Finanzierungsrunde ist ein starkes Signal für die Qualität unseres Teams und das Potenzial unserer Technologie.

Dr. Guido Gualdoni, CEO und Co-Founder Epitome Therapeutics

Ein neuer Ansatz für die Steuerung der Genexpression

Epitome Therapeutics wurde 2025 von Dr. Guido Gualdoni und Dr. Jamie Hackett als Spin-off des European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Rom gegründet. Im Zentrum steht die Frage, wie Gene nicht nur an- oder ausgeschaltet, sondern präzise reguliert werden können.

Während viele bestehende Gentherapien auf das Ausschalten fehlerhafter Gene abzielen, benötigen zahlreiche Erkrankungen eine gezielte Wiederherstellung oder Feinregulierung der Genaktivität. Genau hier setzt die firmeneigene Plattform CADENCE an.

Gene müssen nicht einfach nur aktiv oder inaktiv sein – sie müssen im richtigen Maß exprimiert werden.

Dr. Jamie Hackett, Chief Scientific Officer und Co-Founder Epitome Therapeutics

Störungen dieser Balance seien die Ursache zahlreicher Erkrankungen.

Epigenom-Editierung ohne Veränderung der DNA

Die CADENCE-Plattform ermöglicht eine präzise, langfristige und fein abgestimmte Aktivierung von Genen, ohne dabei die eigentliche DNA-Sequenz zu verändern. Stattdessen greift die Technologie auf die Ebene der epigenetischen Regulation zu und nutzt ein modulares System optimierter epigenetischer Effektoren. Dadurch soll eine deutlich höhere Präzision, Flexibilität und Sicherheit erreicht werden als bei bisherigen Verfahren der Genaktivierung. Das Unternehmen sieht Einsatzmöglichkeiten insbesondere bei seltenen Erkrankungen sowie Stoffwechselerkrankungen.

Forschung aus dem EMBL als Fundament

Die technologische Grundlage von Epitome Therapeutics basiert auf Forschungsarbeiten des EMBL in Rom. Ein Teil dieser Forschung wurde bereits 2024 in einer wegweisenden Veröffentlichung in Nature Genetics publiziert. Das Unternehmen verfügt über exklusive Lizenzrechte an den entsprechenden Schutzrechten des EMBL.

Für die Investoren liegt genau hierin die Attraktivität des Unternehmens. "Uns hat insbesondere die Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz und der klaren therapeutischen Anwendbarkeit überzeugt", erklärt Alexander Schwartz von XISTA Science Ventures.

Epigenom-Editierung gewinnt an Dynamik

Mit Epitome Therapeutics entsteht ein weiteres europäisches Unternehmen in einem Bereich, der in den kommenden Jahren erheblich an Bedeutung gewinnen dürfte. Während klassische Gen-Editing-Verfahren weiterhin vor Herausforderungen hinsichtlich Präzision und Sicherheit stehen, eröffnet die gezielte Steuerung der Genexpression über epigenetische Mechanismen neue therapeutische Möglichkeiten.

Mit seiner CADENCE-Plattform positioniert sich das Wiener Unternehmen frühzeitig in einem Marktsegment, das von vielen Forschenden als eine der nächsten großen Entwicklungsstufen der Präzisionsmedizin betrachtet wird.


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