Recap

FUSION 2026: Brandenburg will Forschung, Kapital und Unternehmertum endlich zusammenbringen

Deep Tech, Energiewende, Finanzierung, 18 Startup-Pitches, ein neues Investorennetzwerk und zum Abschluss die Brücke zum Mittelstand: Die FUSION 2026 in Wildau wollte nicht einfach die nächste Startup-Konferenz sein. Unter dem Motto "Connecting the Dots" ging es vielmehr um die Frage, wie aus den vielen starken Einzelteilen des Brandenburger Innovationsökosystems ein funktionierendes Ganzes werden kann. Rund 140 angemeldete Gäste kamen dafür nach Wildau. Ein Rückblick auf einen Tag, an dem erstaunlich häufig nicht über fehlende Ideen, sondern über die Wege zwischen Idee und Umsetzung gesprochen wurde.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Wildau, 26. September 2026

Wie wird aus Forschung ein marktfähiges Produkt? Wie findet eine gute Idee das notwendige Kapital? Wie gelangen Startups an ihre ersten großen Kunden? Und was passiert, wenn junge Technologieunternehmen auf einen Mittelstand treffen, der gleichzeitig vor Digitalisierung, Transformation und einer gewaltigen Nachfolgeaufgabe steht?

Es waren große Fragen, die sich die FUSION 2026 in Wildau vorgenommen hatte. Doch schon das Motto der Veranstaltung deutete darauf hin, dass die Antworten nicht zwangsläufig in neuen Institutionen, Förderprogrammen oder Einzelmaßnahmen gesucht werden sollten: "Connecting the Dots of Science, Innovation and Entrepreneurship."

Denn viele der notwendigen Punkte existieren längst. Hochschulen forschen, Gründer entwickeln Technologien, Investoren suchen Beteiligungen, Förderbanken stellen Kapital bereit, etablierte Unternehmen brauchen Innovationen und öffentliche Institutionen wollen wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen. Die Herausforderung besteht darin, aus diesen einzelnen Punkten tatsächlich Linien zu ziehen.

Genau das versuchte die FUSION 2026.

Wildau als Beispiel dafür, wie Transformation funktionieren kann

Dass die Veranstaltung ausgerechnet in Wildau stattfand, passte zur Geschichte des Standorts. Bürgermeister Frank Nerlich erinnerte daran, dass die industrielle Entwicklung der Stadt Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Lokomotivbau begann. Nach dem wirtschaftlichen Bruch infolge der Wiedervereinigung folgte eine zweite Transformation: 1991 wurde die Technische Hochschule Wildau gegründet, 1994 kam das Technologie und Gründerzentrum hinzu. Heute bilden unter anderem Hochschule, TGZ, Zentrum für Luft und Raumfahrt, Fraunhofer und Reaktor Wildau ein neues Innovationsökosystem.

Aus Lokomotiven und Schwermaschinenbau wurden damit über die Jahrzehnte Deep Tech, Künstliche Intelligenz, Mobilität und Energie.

Prof. Dr. Klaus Martin Melzer, Vizepräsident für Forschung und Transfer der TH Wildau, machte allerdings deutlich, dass eine Ansammlung von Institutionen allein noch kein funktionierendes Ökosystem ergibt. Entscheidend sei das tatsächliche Zusammenspiel der Menschen dahinter. Unter dem Dach von „Dahme Innovation“ seien dafür in den vergangenen Jahren Wissenschaft, Wirtschaftsförderung und Politik enger zusammengerückt. Gleichzeitig plädierte Melzer dafür, administrative Grenzen zwischen Berlin und Brandenburg im Innovationsalltag stärker zu überwinden.

Marion Schirmer von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dahme Spreewald brachte die Voraussetzungen für erfolgreiche Unternehmensentwicklung auf drei Faktoren herunter: Menschen, die an ihre Idee glauben, ein funktionierendes Netzwerk und die notwendige Infrastruktur. Allein in den Zentren für Luft und Raumfahrt sowie Zukunftstechnologien stehen laut Schirmer rund 30.000 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, mehr als 90 Unternehmen haben dort bereits ihren Sitz.

Marion Schirmer | (c) Ralph Pache/Reaktor Wildau

Wildau ist damit selbst ein Anschauungsbeispiel für das zentrale Thema der Konferenz:. Ein Innovationsstandort entsteht nicht durch einen einzelnen großen Wurf, sondern dadurch, dass über Jahre verschiedene Strukturen miteinander verbunden werden.

Brandenburg will aus Forschung endlich mehr Wertschöpfung machen

Carsten Schöning, Leiter der Abteilung Wirtschaftsordnung, Gründungen und Außenwirtschaft im Brandenburger Wirtschaftsministerium, rückte anschließend die wirtschaftspolitische Dimension in den Mittelpunkt.

Startups seien für Brandenburg längst kein Nebenthema mehr. Gerade in Feldern wie KI, Energie, Mobilität und Gesundheit sieht das Land sie als Bestandteil seiner zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung. Mehr als 17 Millionen Euro sollen bis 2028 in die Infrastruktur für technologieorientierte Gründungen und die geförderten Startup-Zentren fließen. Zusätzlich kündigte Schöning den Future Tech Fonds Brandenburg als Instrument für Aufbau und Skalierung von Unternehmen an.

Gleichzeitig sprach er die bekannten Bremsklötze an. Bearbeitungszeiten, Bürokratie und langwierige Netzanschlüsse können Investitionen verzögern. Als konkretes Ziel nannte Schöning unter anderem eine Halbierung der Bearbeitungszeiten bei der JTF Unternehmensförderung.

Seine eigentliche Botschaft reichte jedoch über Förderprogramme hinaus: Innovation lasse sich nicht verordnen. Sie entstehe durch Begegnung. Damit war früh eine Leitlinie gesetzt, die sich durch fast alle folgenden Programmpunkte ziehen sollte.

Günter Faltin: Erst denken, dann finanzieren

Günter Faltin FUSION 2026 | (c) Ralph Pache/Reaktor.Wildau

Einen bewussten Gegenpol zur allgegenwärtigen Finanzierungsdebatte setzte Prof. Dr. Günter Faltin.

Der Entrepreneurship-Pionier und Gründer der TEEKAMPAGNE stellte seine Keynote unter ein ebenso einfaches wie provokantes Credo: "Kopf schlägt Kapital." (hier ein äußerst spannendes Interview mit Prof. Dr. Günter Faltin auf der Startbase)

Für Faltin beginnt Entrepreneurship nicht mit der Frage nach der nächsten Finanzierungsrunde. Am Anfang müsse ein außergewöhnlich gutes und belastbares unternehmerisches Konzept stehen. Auch der Businessplan dürfe dabei nicht mit der Realität verwechselt werden. Er sei zunächst ein Bündel von Hypothesen über Produkt, Preis und Vertrieb. Entscheidend sei deshalb, möglichst früh mit realen Kunden in Kontakt zu treten und diese Annahmen zu überprüfen.

Damit stellte Faltin eine Frage in den Raum, die gerade im finanzierungsgetriebenen Startup-Ökosystem gelegentlich verloren geht: Ist ein Unternehmen gut, weil Investoren bereit sind, Geld hineinzustecken, oder investieren Geldgeber, weil ein außergewöhnlich gutes Unternehmen entsteht?

Für ihn ist Entrepreneurship zudem mehr als Unternehmensgründung. Unternehmertum bedeute, Verantwortung zu übernehmen und Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Sein Appell: Gründer sollten sich das Gründen nicht ausreden lassen, ihre Konzepte aber deutlich gründlicher durchdenken.

Gute Konzepte brauchen trotzdem Kapital

Ulrich Scheppan | (c) Ralph Pache/Reaktor.Wildau

Ganz ohne Geld geht es allerdings auch mit dem besten Konzept nicht.

Ulrich Scheppan, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank des Landes Brandenburg, beschrieb die Rolle der ILB deshalb als die eines Brückenbauers. Zuschüsse, Förderdarlehen und Beteiligungskapital sollen insbesondere dort helfen, wo private Märkte in frühen Unternehmensphasen noch nicht ausreichend Finanzierung bereitstellen. Öffentliches Kapital soll dabei nicht an die Stelle privaten Kapitals treten, sondern dieses mobilisieren.

Besonders schwierig bleibt die Situation bei technologieorientierten Unternehmen. Batterietechnologien, Medizintechnik und andere Deep Tech Felder benötigen häufig lange Entwicklungszeiten, bevor relevante Umsätze entstehen.

Und selbst wenn diese Hürde genommen ist, wartet bereits die nächste: die Skalierung.

Wer Produktionskapazitäten aufbauen oder international expandieren will, braucht schnell erheblich größere Kapitalmengen. Scheppans Ziel ist deshalb, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen erfolgreiche Unternehmen ihre nächste Wachstumsphase in Brandenburg absolvieren können, statt dafür den Standort wechseln zu müssen.

Eve Büchner: "Team schlägt Idee"

Eve Büchner FUSION 2026 | (c) Ralph Pache/Reaktor.Wildau

Business Angel Eve Büchner betrachtete dasselbe Problem aus Investorensicht und zeichnete ein ambivalentes Bild.

Brandenburg verfüge ihrer Einschätzung nach über eine ausgesprochen attraktive Förderarchitektur. Die Schwächen lägen weniger in den vorhandenen Instrumenten als in deren Geschwindigkeit, Planbarkeit und Flexibilität. Gerade Startups müssten ihr Geschäftsmodell verändern können, ohne dadurch in Konflikt mit starren Förderlogiken zu geraten. Auch Finanzierungslücken zwischen verschiedenen Programmen könnten für junge Unternehmen existenzbedrohend werden.

Ihr Investment-Credo formulierte Büchner ähnlich prägnant wie Faltin: „Team schlägt Idee.“

Kapital allein reicht aus ihrer Sicht nicht. Investoren sollten Business Development, Erfahrung und Netzwerke einbringen. Aus Geld müsse „Smart Money“ werden. Gleichzeitig warb Büchner dafür, mehr Menschen an Angel Investments heranzuführen und damit zusätzliches privates Kapital für junge Unternehmen zu mobilisieren.

Die scheinbar gegensätzlichen Aussagen „Kopf schlägt Kapital“ und „Team schlägt Idee“ ergaben zusammengenommen beinahe eine kleine Formel der FUSION: Kapital ist notwendig, aber es kann weder ein schwaches Konzept noch ein ungeeignetes Team kompensieren.

Deep Tech und das berühmte "Valley of Death"

Alex Erdmann FUSION 2026| (c) Ralph Pache/Reaktor.Wildau

Wie konkret diese Probleme bei wissenschaftsbasierten Gründungen werden, zeigte das Deep Tech Panel.

Dr. Alex Erdmann von Aerlin präsentierte ein Nurflügelflugzeug, das nach Angaben des Unternehmens eine deutliche Effizienzsteigerung in der Luftfahrt ermöglichen soll. Roy Uhlmann von Motor AI wiederum zeigte seinen Ansatz für autonomes Fahren auf Level 4. Im Zentrum steht eine erklärbare KI, die ihre eigene Unsicherheit bewerten soll.

Gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Zaby von SPRIND und Prof. Dr. Jörg Reiff Stephan von der TH Wildau führte die Diskussion schnell zu einem der Kernprobleme des europäischen Deep Tech Ökosystems: dem „Valley of Death“ zwischen erfolgreicher Forschung und kommerzieller Anwendung.

Dabei geht es nicht ausschließlich um Kapital. IP Transfer, Kunden, regulatorische Anforderungen und lange Entwicklungszyklen können ebenso entscheidend sein. Im Panel wurde etwa eine durchschnittliche Verhandlungsdauer von mehr als 18 Monaten beim Transfer geistigen Eigentums kritisiert.

Die Botschaft: Technologische Exzellenz ist nur der Anfang. Ein Deep Tech Startup muss irgendwann auch verkaufen können.

Und genau an dieser Stelle fiel ein Begriff, der später erneut auftauchen sollte: Venture Clienting. Statt Startups ausschließlich mit Fördergeld zu unterstützen, könnte der Staat häufiger selbst zum ersten Kunden innovativer Unternehmen werden.

Energiewende: Nicht die Technologie ist das größte Problem

FUSION 2026 | (c) Ralph Pache/Reaktor.Wildau

Auch im Panel zur Energiewende verschob sich die Diskussion überraschend schnell weg von der Technologie.

Dr. Arwen Colell von decarbon1ze.com, Dr. Isabelle Canu vom GET Fund, Lucie Töpfer von Pyropower und Carsten Schöning diskutierten unter Moderation von Annett Möller vor allem über regulatorische Rahmenbedingungen, Netzinfrastruktur, Finanzierung und Planbarkeit.

Die grundlegende technologische Machbarkeit wurde von den Diskutierenden weniger als Engpass gesehen. Problematisch seien vielmehr Projekte mit langen Vorlaufzeiten, wenn sich während ihrer Entwicklung regulatorische oder wirtschaftliche Voraussetzungen verändern. Töpfer verwies dabei auf Vorlaufzeiten von teilweise zwölf bis 18 Monaten.

Canu griff erneut Venture Clienting auf. Der Staat könnte als Erstkunde auftreten und damit nicht nur Geld bereitstellen, sondern jungen Unternehmen reale Referenzen und Marktzugang ermöglichen.

Damit zeichnete sich ein bemerkenswertes Muster ab: Sowohl bei Deep Tech als auch bei der Energiewende wurde nicht primär nach noch mehr Forschung gerufen. Vielmehr ging es darum, vorhandene Technologien schneller in reale Anwendungen zu bringen.

Mit dem Brandenburg Investors Network entsteht direkt etwas Neues

Dass Connecting the Dots nicht ausschließlich Konferenzmotto bleiben sollte, zeigte der offizielle Start des Brandenburg Investors Network, kurz BIN.

Das neue Netzwerk will Startups und Ökosystempartner mit aktiven und zukünftigen Business Angels zusammenbringen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Menschen, die erstmals in Startups investieren wollen und bei ihren ersten Deals Unterstützung benötigen.

Langfristig soll daraus eine Community von rund 150 aktiven Investorinnen und Investoren entstehen. Wissenschaft, öffentliches Kapital und privates Unternehmertum sollen dabei bewusst miteinander verbunden werden.

Damit brachte die FUSION zumindest ein unmittelbar sichtbares Ergebnis hervor: Während auf der Bühne darüber gesprochen wurde, wie mehr privates Kapital für Innovation mobilisiert werden kann, ging gleichzeitig ein Netzwerk online, das genau diese Aufgabe übernehmen will.

18 Startups zeigen, worüber den ganzen Tag gesprochen wurde

Bei aller Diskussion über Rahmenbedingungen sollte die eigentliche Innovation auf der FUSION nicht zu kurz kommen.

Auf zwei Pitch-Stages präsentierten sich insgesamt 18 Startups.

Beim Reaktor Pitch standen sechs Unternehmen aus dem Umfeld des Reaktor Wildau auf der Bühne: AURY, DECD, PLACED, PYURE, MOVOLTA und TOYS RELOVED. Das Spektrum reichte von digitalen Gesundheitslösungen über KI in der Personalvermittlung und nachhaltiges digitales Marketing bis zu Solar-Hybrid-Systemen für Kühlauflieger und Kreislaufwirtschaft für Spielzeug.

AURY arbeitet an digitaler therapeutischer Unterstützung, DECD an personalisierten Patientenschulungen für Menschen mit Herz Kreislauf Erkrankungen. PLACED setzt KI Agenten ein, um Personalvermittlung effizienter zu machen. PYURE will den CO₂ Fußabdruck digitaler Werbung messbar und optimierbar machen. MOVOLTA stattet Kühlauflieger mit Solarmodulen und Leistungselektronik aus, während TOYS RELOVED mithilfe automatisierter Objekterkennung einen Kreislauf für gebrauchtes Spielzeug schaffen will.

Die zweite Bühne gehörte der STAR*PARADE. Dort zeigte sich die thematische Breite des Ökosystems noch deutlicher.

AIYU, KI-Marketingmitarbeiter.de und REYO adressierten unterschiedliche Aspekte KI gestützter Unternehmensprozesse. PraxiOps und Cleverano brachten Anwendungen aus Gesundheit und Bildung mit. NUWAM, Quasi und LumaLod repräsentierten Deep Tech und industrielle Anwendungen. CARLA und iKAUF beschäftigten sich mit Mobilität beziehungsweise Handel im ländlichen Raum, Aroundly mit realen sozialen Begegnungen und Sollnaa mit der Vision einer europäischen Super App.

Gerade diese Bandbreite machte sichtbar, worüber zuvor abstrakt gesprochen worden war: Innovation ist längst vorhanden. Die entscheidende Frage lautet, wie daraus skalierbare Unternehmen entstehen.

Annett Möller und der bewusste Optimismus

Annett Möller und Carsten Schöning FUSION 2026| (c) Ralph Pache/Reaktor.Wildau

Durch den Tag führte Moderatorin Annett Möller. Sie setzte gleich zu Beginn einen Kontrapunkt zur wirtschaftlichen Krisenstimmung und gab die Richtung mit dem Satz vor: "Wir wollen positiv nach vorne schauen."

Dieser Optimismus bedeutete auf der FUSION allerdings nicht, Probleme auszublenden.

Bürokratie, fehlendes Wachstumskapital, langsamer IP Transfer, Netzanschlüsse, Förderlogiken und mangelnde Planbarkeit wurden durchaus deutlich angesprochen. Auffällig war vielmehr der Versuch, die Diskussion immer wieder von der Problembeschreibung zur Frage nach konkreten Lösungen zurückzuführen.

Und vielleicht passte gerade deshalb ein anderer spontaner Satz Möllers noch besser zu diesem Tag. Bei einem Bühnenumbau und technischen Herausforderungen kommentierte sie: "Hier gibt es Emotionen, hier gibt es Lebendigkeit – das ist hier nicht KI, was wir hier machen."

Bei einer Veranstaltung, auf der KI beinahe zwangsläufig in zahlreichen Geschäftsmodellen auftauchte, war das eine passende Erinnerung: Am Ende entstehen Unternehmen immer noch zwischen Menschen.

Zum Abschluss treffen Startups auf den Mittelstand

Am Abend wurde der Kreis noch einmal deutlich größer.

Beim gemeinsamen „Treffen der Generationen“ von FUSION und IHK Veranstaltung zur Unternehmensnachfolge kamen Startup-Szene und etablierter Mittelstand im Volkshaus Wildau zusammen. Im Zentrum stand eine Frage, die in den kommenden Jahren für zehntausende Unternehmen relevant werden dürfte: Was passiert, wenn eine familieninterne Nachfolge nicht mehr selbstverständlich ist?

Dr. Alexandra Treutler machte deutlich, dass erfolgreiche Nachfolge nicht erst mit der Suche nach einem Käufer beginnt. Unternehmen müssten überhaupt erst „nachfolgefähig“ werden: Verantwortung verteilen, Führungskräfte entwickeln und Strukturen schaffen, die nicht dauerhaft vom bisherigen Inhaber abhängig sind. Ein solcher Prozess könne drei bis fünf Jahre dauern.

Auch neue Modelle wie Rollups wurden diskutiert, bei denen mehrere Unternehmen einer Branche unter einem gemeinsamen Dach weiterentwickelt werden. Gleichzeitig rückte Felix Berghöfer die psychologische Dimension von Übernahmen in den Mittelpunkt. Wer ein Unternehmen übernimmt, müsse zunächst verstehen, warum es funktioniert, bevor er beginnt, es grundlegend zu verändern.

Und plötzlich war die Verbindung zur Startup-Welt offensichtlich.

Der Mittelstand verfügt über Kunden, Marktkenntnis, Fachkräfte, Erfahrung und bestehende Strukturen. Startups und eine neue Unternehmergeneration bringen Technologien, digitale Geschäftsmodelle und neue Herangehensweisen mit. Unternehmensnachfolge kann deshalb mehr sein als die Weitergabe eines bestehenden Betriebs. Sie kann selbst zu einem Instrument für Innovation werden.

Connecting the Dots war am Ende mehr als ein Motto

Nach einem langen Konferenztag blieb weniger eine einzelne große Forderung hängen als eine ganze Reihe von Verbindungen.

Forschung braucht Unternehmertum. Unternehmertum braucht Kunden. Deep Tech braucht Kapital und Geduld. Kapital braucht gute Teams und tragfähige Konzepte. Startups brauchen etablierte Partner. Der Mittelstand braucht Innovation und Nachfolger. Und alle zusammen brauchen Orte, an denen sie sich überhaupt begegnen.

Darin lag die eigentliche Stärke der FUSION 2026.

Sie versuchte nicht, Wissenschaft, Politik, Startups, Investoren und Mittelstand als getrennte Welten zu behandeln. Stattdessen stellte sie die Schnittstellen in den Mittelpunkt. Und an vielen dieser Schnittstellen liegen derzeit die größten Probleme des deutschen Innovationssystems.

Das vielleicht interessanteste Ergebnis des Tages war deshalb auch, dass Brandenburg offenbar nicht an Ideenmangel leidet. Es mangelt auch nicht grundsätzlich an Forschung, Förderprogrammen oder engagierten Unternehmerinnen und Unternehmern.

Die schwierigere Aufgabe besteht darin, daraus funktionierende Ketten zu bauen: von der Forschung zum Startup, vom Startup zum ersten Kunden, vom ersten Kunden zum skalierbaren Geschäftsmodell, vom Förderkapital zum privaten Investment und schließlich vom jungen Unternehmen zum dauerhaft etablierten Mittelstand.

Das ist weniger spektakulär als die nächste große Technologieankündigung. Wirtschaftlich dürfte es aber entscheidender sein.

Die FUSION 2026 hat versucht, genau diese Punkte miteinander zu verbinden oder eben: Connecting the Dots.

Und Wildau will weitermachen. Zum Abschluss wurde bereits der Termin für die nächste Ausgabe genannt: Am 16. September 2027 soll die zweite FUSION stattfinden.

Bist du selbst nicht auf der Fusiion dabei gewesen und neugierig geworden? Hier kannst du die Playlist der FUSION 2026 auf YouTube nachschauen.


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