PraxiOps: Digitale Sichtbarkeit für Heilberufe – ohne dauerhafte Abhängigkeit von Werbung
Startbase begleitet Startups aus dem Reaktor Wildau – heute: PraxiOps.
In unserer exklusiven Serie über die Startups des zweiten Batches des Reaktor Wildau stellen wir jeden Samstag eines der 14 teilnehmenden Unternehmen vor. Dabei begleiten wir ihre Entwicklung während des Accelerator-Programms und zeigen, mit welchen Ideen, Technologien und Geschäftsmodellen die Gründerinnen und Gründer neue Märkte erschließen wollen.
Diesmal geht es um ein Thema, das für viele Arztpraxen, Kliniken und andere Heilberufe zunehmend an Bedeutung gewinnt: die digitale Sichtbarkeit. Wer neue Patienten oder qualifizierte Mitarbeitende gewinnen möchte, muss im Internet gefunden werden. Doch eine dauerhaft starke Onlinepräsenz aufzubauen, kostet Zeit, erfordert Fachwissen und ist häufig mit laufenden Werbeausgaben verbunden.
Genau hier setzt PraxiOps an. Gründerin Fateme Taghiniai entwickelt mit ihrem Team eine KI-gestützte Plattform, die medizinischen Einrichtungen dabei helfen soll, ihre digitale Reputation systematisch aufzubauen und langfristig unabhängiger von bezahlter Werbung zu werden.
Nach erfolgreichen Tests mit fünf Pilotpraxen steht das Startup vor dem nächsten entscheidenden Schritt: der Gewinnung zahlender Kunden. Im Gespräch mit Reaktor-Wildau-Geschäftsführer Rafael Kugel erzählt Fateme Taghiniai, wie aus ihrer Erfahrung in der Softwareentwicklung ein Geschäftsmodell für den Gesundheitsmarkt entstand, warum sie sich zunächst auf größere Einrichtungen konzentriert und welche Rolle ein neuer Co-Founder beim weiteren Wachstum spielen könnte.
Sichtbarkeit wird zum Wettbewerbsfaktor
Für Arztpraxen und Kliniken reicht es längst nicht mehr aus, medizinisch gute Leistungen anzubieten. Patienten informieren sich online, vergleichen Angebote und suchen gezielt nach spezialisierten Behandlungen. Gleichzeitig konkurrieren medizinische Einrichtungen um qualifizierte Fachkräfte. Wer im digitalen Raum kaum sichtbar ist, hat es schwerer, beide Zielgruppen zu erreichen.
Viele Einrichtungen reagieren darauf mit bezahlter Werbung. Doch diese Form der Sichtbarkeit hat einen Nachteil: Sobald das Werbebudget reduziert wird, kann auch die Reichweite zurückgehen. Eine langfristig tragfähige digitale Präsenz erfordert dagegen kontinuierliche Arbeit an Auffindbarkeit, Reputation und Kommunikation.
Hier setzt PraxiOps an. Das Startup entwickelt ein KI-gestütztes Operating System, das Heilberuflern helfen soll, ihre digitale Sichtbarkeit systematisch aufzubauen und langfristig zu verbessern. Ziel ist es, Praxen und Kliniken dabei zu unterstützen, Patienten und Mitarbeitende zu gewinnen, ohne dauerhaft auf bezahlte Anzeigen angewiesen zu sein.
Von der Softwareentwicklung zum Gesundheitsmarkt
Hinter PraxiOps steht Fateme Taghiniai. Die Gründerin bringt langjährige Erfahrung als Softwareentwicklerin und Engineering Managerin mit. Gemeinsam mit ihrem Team hat sie bereits vor mehr als zehn Jahren ein Technologieunternehmen im Iran aufgebaut. Damals entwickelte das Team eine Payment-Gateway-Lösung, die später an einen Zahlungsdienstleister verkauft wurde.
Mit PraxiOps bewegt sich die Gründerin heute in einem anderen Markt. Geblieben sind die technische Expertise und ein eingespieltes Team, dessen Mitglieder bereits über viele Jahre zusammenarbeiten.
Der Weg zum aktuellen Produkt verlief über mehrere Entwicklungsstufen. Zunächst beschäftigte sich das Team mit anderen KI-basierten Anwendungen, bevor sich die Idee einer spezialisierten Plattform für den Gesundheitsbereich herauskristallisierte. Entscheidend war die Frage, wie sich technologische Möglichkeiten in einen konkreten und dauerhaft relevanten Kundennutzen übersetzen lassen.
Eine Plattform für nachhaltige Onlinepräsenz
PraxiOps versteht sich nicht als klassische Marketingagentur, die einzelne Werbekampagnen organisiert. Stattdessen soll eine Softwareplattform medizinische Einrichtungen kontinuierlich beim Aufbau ihrer digitalen Sichtbarkeit unterstützen.
Der Ansatz ist langfristig angelegt. Praxen sollen nicht erst dann mit ihrer Onlinepräsenz beginnen, wenn sie dringend neue Patienten oder Mitarbeitende benötigen. Vielmehr soll über einen längeren Zeitraum eine digitale Reputation entstehen, von der sie dauerhaft profitieren können.
Die Plattform ist bereits online und ermöglicht interessierten Einrichtungen die Anmeldung und ein anschließendes Onboarding. Nach Angaben der Gründerin wurden bereits zahlreiche Funktionen integriert und mit fünf Pilotpraxen getestet.
Diese ersten Kundenkontakte waren für die Produktentwicklung besonders wichtig. Taghiniai nutzte dafür zunächst ihr bestehendes Netzwerk im medizinischen Umfeld. Die Pilotpraxen testeten die Plattform und gaben Rückmeldungen zur Bedienbarkeit und zum praktischen Nutzen.
Für das Team ging es dabei nicht nur darum, ob die Software technisch funktioniert. Entscheidend war auch, ob die entwickelten Funktionen tatsächlich auf einen Bedarf treffen und sich ohne große Hürden im Praxisalltag einsetzen lassen.
Das Geschäftsmodell: Einmalige Einrichtung und laufendes Abonnement
PraxiOps setzt auf ein B2B-Geschäftsmodell mit wiederkehrenden Umsätzen. Kunden zahlen zunächst für die Einrichtung der Plattform und anschließend eine regelmäßige Abonnementgebühr.
Die vorgesehene Mindestlaufzeit beträgt sechs Monate. Danach können Kunden ihr Abonnement kündigen.
Aus Sicht der Gründerin passt dieses Modell zum Produktversprechen. Digitale Reputation und organische Sichtbarkeit entstehen nicht über Nacht. Je länger eine Einrichtung kontinuierlich an ihrer Onlinepräsenz arbeitet, desto größer soll der langfristige Nutzen werden.
Für PraxiOps entsteht dadurch zugleich die Möglichkeit, stabile Kundenbeziehungen und wiederkehrende Einnahmen aufzubauen. Der wirtschaftliche Erfolg hängt allerdings davon ab, ob die Plattform den versprochenen Mehrwert tatsächlich liefert und die Kunden auch nach Ablauf der Mindestlaufzeit bleiben.
Konkrete Preise für Einrichtung und Abonnement nennt das Startup im Gespräch noch nicht.
Der Markteintritt beginnt bei größeren Einrichtungen
Nach der Pilotphase richtet sich der Fokus auf die Gewinnung zahlender Kunden. PraxiOps führt nach eigenen Angaben bereits Gespräche mit größeren Kliniken und medizinischen Unternehmen, die teilweise mehr als 50 Ärztinnen und Ärzte beschäftigen.
Die Konzentration auf größere Einrichtungen ist eine bewusste Entscheidung. Dort können der Bedarf an digitaler Sichtbarkeit und der organisatorische Nutzen einer zentralen Lösung besonders groß sein. Gleichzeitig sind die Entscheidungsprozesse aufwendiger.
Taghiniai rechnet damit, dass zwischen dem ersten Kontakt und einem konkreten Angebot drei bis vier Monate vergehen können. Der B2B-Vertrieb im Gesundheitswesen verlangt deshalb Geduld und eine klare Ansprache der jeweiligen Entscheider.
Die Zielgruppe ist allerdings noch nicht abschließend definiert. Neben Kliniken und Arztpraxen sieht das Team auch Potenzial bei anderen Heilberuflern, beispielsweise bei Anbietern medizinischer Fortbildungen und Seminare, die an unterschiedlichen Standorten tätig sind.
Für die kommenden drei Monate hat sich Taghiniai ein ambitioniertes Ziel gesetzt: fünf zahlende Kunden gewinnen. Ebenso wichtig ist ihr deren Zufriedenheit. Denn nur wenn die Kunden den langfristigen Nutzen erkennen, kann aus dem Abonnementmodell ein nachhaltig wachsendes Geschäft werden.
Gesucht: Ein Co-Founder für Marketing und B2B-Vertrieb

Technologisch sieht sich das Team gut aufgestellt. Die größere Herausforderung liegt inzwischen auf der Marktseite.
Deshalb sucht PraxiOps gezielt nach einer weiteren Person für das Gründerteam. Gesucht wird kein klassischer Marketingmitarbeiter, sondern ein Co-Founder, der den Markteintritt und den B2B-Vertrieb mitgestaltet.
Idealerweise bringt diese Person Erfahrungen im Gesundheitsmarkt mit, kennt die Entscheidungswege größerer medizinischer Einrichtungen und kann langfristige Kundenbeziehungen aufbauen.
Taghiniai ist überzeugt, dass eine solche Rolle mehr erfordert als operative Unterstützung. Ein Co-Founder soll Verantwortung übernehmen, strategisch mitdenken und sich dauerhaft an der Entwicklung des Unternehmens beteiligen.
Erst Kunden, dann Wachstumskapital
Bislang finanziert sich PraxiOps aus eigenen Mitteln. Externes Kapital ist für die Gründerin eine mögliche nächste Entwicklungsstufe, aber keine unmittelbare Voraussetzung.
Zunächst möchte das Team beweisen, dass sich das Produkt verkaufen lässt und die Kunden zufrieden sind. Erst auf dieser Grundlage soll gegebenenfalls zusätzliches Kapital eingeworben werden, um Vertrieb, Markterschließung und Produktentwicklung zu beschleunigen.
Als mögliche Größenordnung nennt Taghiniai eine Finanzierung zwischen 200.000 und 500.000 Euro. Bereits 200.000 Euro könnten nach ihrer Einschätzung helfen, die weitere Entwicklung für etwa zwölf Monate abzusichern.
Neben Business Angels und Venture-Capital-Investoren prüft das Team auch Fördermöglichkeiten und weitere Unterstützungsangebote für Startups.
Reaktor Wildau als Teil des nächsten Entwicklungsschritts
Mit der Teilnahme am zweiten Batch des Reaktor Wildau hat PraxiOps Zugang zu einem Umfeld erhalten, in dem sich das Team mit anderen Gründern, Experten und potenziellen Partnern austauschen kann.
Für Taghiniai hat diese Einbindung auch eine persönliche Bedeutung. Als Gründerin, die nach Deutschland gekommen ist, musste sie sich ein neues unternehmerisches Netzwerk aufbauen. Während sie aus ihrer früheren Tätigkeit als Angestellte bereits berufliche Kontakte kannte, war der Einstieg in die deutsche Startup-Szene zunächst eine Herausforderung.
Startup-Hubs und Gründungsnetzwerke halfen ihr dabei, neue Kontakte zu knüpfen und sich zunehmend sicherer im Ökosystem zu bewegen.
Für PraxiOps beginnt nun eine Phase, in der sich der Erfolg weniger an neuen Softwarefunktionen als an Kundenabschlüssen, Kundenzufriedenheit und wiederkehrenden Umsätzen messen lassen wird.
Das technische Fundament steht, die ersten Praxen haben das Produkt getestet und Gespräche mit größeren potenziellen Kunden laufen. Ob daraus ein skalierbares Geschäftsmodell entsteht, werden die nächsten Monate zeigen.
„Wir wollen, dass Arztpraxen sichtbar bleiben, ohne ständig Anzeigen schalten zu müssen“
Fateme Taghiniai hat mit PraxiOps eine KI-gestützte Plattform für digitale Sichtbarkeit im Gesundheitswesen entwickelt. Im Gespräch mit Rafael Kugel, Geschäftsführer des Reaktor Wildau, spricht sie über ihre Erfahrungen als Technologiegründerin, die ersten Pilotkunden, den schwierigen Vertrieb an Kliniken und ihre Suche nach einem Co-Founder.
Das Interview als Video
Rafael Kugel: Fateme, schön, dass du da bist. Du bist Gründerin von PraxiOps. Was genau macht ihr?
Fateme Taghiniai: PraxiOps ist ein KI-gestütztes Operating System, also eine Plattform, die Ärztinnen und Ärzten sowie anderen Heilberuflern hilft, ihre digitale Sichtbarkeit aufzubauen und langfristig zu verbessern. Wir wollen erreichen, dass diese Einrichtungen online gefunden werden, neue Patienten und Mitarbeitende gewinnen können und dabei möglichst unabhängig von bezahlten Anzeigen werden.
Es geht uns vor allem um die langfristige Perspektive. Viele Praxen beschäftigen sich erst dann mit ihrer Sichtbarkeit, wenn sie gerade neue Patienten oder Mitarbeiter brauchen. Aber digitale Reputation entsteht nicht von heute auf morgen. Daran muss man kontinuierlich arbeiten. Genau dabei soll unsere Plattform unterstützen.
Rafael Kugel: Ihr wollt also nicht einfach kurzfristig Werbung machen, sondern dauerhaft Reputation und Sichtbarkeit aufbauen. Wie bist du überhaupt auf diese Idee gekommen? Was ist dein beruflicher Hintergrund?
Fateme Taghiniai: Ich komme ursprünglich aus der Softwareentwicklung und war auch als Engineering Managerin tätig. Ich wollte schon immer mit neuen Technologien arbeiten und habe mich deshalb intensiv mit KI beschäftigt. Zunächst haben wir ein anderes Produkt entwickelt, das Searchio hieß. Danach stellte sich die Frage, wie wir unsere technologische Expertise in einen konkreten Markt bringen können.
Wir haben verschiedene Ideen diskutiert und unterschiedliche Anwendungsbereiche betrachtet. Daraus hat sich schließlich PraxiOps entwickelt. Heute sind wir überzeugt, dass es im Gesundheitsbereich einen großen Bedarf für diese Lösung gibt.
Rafael Kugel: Wenn ich mir eure Website anschaue, sieht das schon ziemlich weit entwickelt aus. Wie weit seid ihr mit dem Produkt? Ist es fertig?
Fateme Taghiniai: Ich glaube, man kann bei einem Softwareprodukt nie wirklich sagen, dass es fertig ist. Wir entwickeln natürlich ständig weiter. Aber die Plattform ist bereits verfügbar, unsere Website ist online und man kann sich anmelden. Wir haben schon viele Funktionen integriert und können neue Kunden durch das Onboarding führen.
Besonders wichtig war für uns, dass wir das Produkt bereits mit fünf Pilotpraxen testen konnten. Diese Praxen haben die Plattform ausprobiert und uns Feedback gegeben. Jetzt konzentrieren wir uns darauf, die ersten zahlenden Kunden zu gewinnen.
Rafael Kugel: Fünf Pilotpraxen sind für diese Entwicklungsphase eine gute Grundlage. Wie bist du an diese Praxen gekommen und was habt ihr aus den Tests gelernt?
Fateme Taghiniai: Am Anfang habe ich mein eigenes Netzwerk genutzt. Ich kannte bereits einige Ärzte, die bereit waren, uns zu unterstützen und die Plattform zu testen. Das war sehr hilfreich.
Als Entwickler hat man viele Ideen, welche Funktionen sinnvoll sein könnten. Aber man muss herausfinden, ob die Kunden diese Funktionen tatsächlich brauchen. Gibt es überhaupt eine Nachfrage? Verstehen die Nutzer die Oberfläche? Können sie die Plattform einfach bedienen? Solche Fragen lassen sich nicht allein am Schreibtisch beantworten.
Das Feedback der Pilotpraxen hat uns geholfen, die Plattform weiterzuentwickeln und besser zu verstehen, was unsere Kunden wirklich benötigen.
Rafael Kugel: Jetzt kommt der nächste Schritt: Aus den Pilotkunden sollen zahlende Kunden werden. Wie weit seid ihr dabei?
Fateme Taghiniai: Wir sind bereits mit größeren Unternehmen und Kliniken im Gespräch. Teilweise handelt es sich um Einrichtungen mit mehr als 50 Ärztinnen und Ärzten. Dort ist das Thema digitale Sichtbarkeit bereits bekannt und der Bedarf vorhanden.
Wir haben unsere Lösung vorgestellt und sprechen inzwischen über konkrete Angebote. Das ist natürlich ein anderer Prozess als bei einer kleinen Praxis, die vielleicht relativ schnell entscheiden kann.
Rafael Kugel: Das heißt, eure Vertriebspipeline ist bereits aufgebaut. Du hast gerade von eurem Team gesprochen. Bist du alleinige Gründerin oder gibt es weitere Personen, die an PraxiOps arbeiten?
Fateme Taghiniai: Wir sind ein Team und kennen uns schon sehr lange. Einige von uns arbeiten seit mehr als zehn Jahren zusammen. Wir haben früher bereits gemeinsam ein Startup im Iran aufgebaut.
Damals waren wir im Banking- und Payment-Bereich tätig und haben ein Internet Payment Gateway entwickelt. Nachdem wir genügend Kunden gewonnen hatten, konnten wir das Produkt an einen Zahlungsdienstleister verkaufen.
Rafael Kugel: Das ist ja ein ganz anderer Bereich als heute.
Fateme Taghiniai: Ja, völlig anders. Aber wir haben damals gelernt, gemeinsam ein Produkt zu entwickeln, Kunden zu gewinnen und ein Unternehmen aufzubauen. Diese Erfahrungen verbinden uns bis heute.
Als die neuen Möglichkeiten durch künstliche Intelligenz entstanden, haben wir wieder gemeinsam über Geschäftsideen nachgedacht. Daraus sind zunächst Searchio und später PraxiOps entstanden.
Rafael Kugel: Ihr habt also ein Team mit viel technischer Erfahrung und habt bereits gezeigt, dass ihr gemeinsam ein Unternehmen entwickeln könnt. Wie habt ihr PraxiOps bisher finanziert?
Fateme Taghiniai: Bisher finanzieren wir alles aus eigenen Mitteln. Das hat bislang gut funktioniert. Allerdings merken wir jetzt, dass wir zusätzliche Kompetenzen brauchen.
Wir sind sehr stark in der Technologie. Wir können Software entwickeln und komplexe technische Probleme lösen. Aber jetzt geht es darum, unser Produkt erfolgreich in den Markt zu bringen. Deshalb suchen wir jemanden, der uns bei Marketing und Vertrieb unterstützt.
Und wir suchen nicht einfach nur einen Mitarbeiter. Wir würden gerne einen weiteren Co-Founder ins Team holen.
Rafael Kugel: Also jemanden, der nicht nur Marketing macht, sondern wirklich den B2B-Vertrieb aufbaut. Wenn ihr größere Kliniken ansprecht, braucht diese Person vermutlich Erfahrung mit komplexeren Vertriebsprozessen.
Fateme Taghiniai: Genau. B2B-Vertrieb ist für uns besonders wichtig, und idealerweise sollte diese Person bereits Erfahrungen in der Gesundheitsbranche haben.
Wir haben allerdings auch festgestellt, dass unsere Zielgruppe möglicherweise größer ist, als wir anfangs gedacht haben. Es geht nicht ausschließlich um Kliniken oder Arztpraxen. Auch andere Heilberufler können interessant sein, zum Beispiel Menschen, die medizinische Seminare anbieten und dafür in verschiedenen Städten sichtbar sein müssen.
Wir sind noch dabei, unsere idealen Kundenprofile genauer zu definieren. Das wird sich mit weiteren Kundengesprächen sicher noch entwickeln.
Rafael Kugel: Und diese Person soll tatsächlich als Co-Founder einsteigen, also unternehmerische Verantwortung übernehmen?
Fateme Taghiniai: Ja. Ich glaube, ein Co-Founder bringt etwas anderes mit als ein normaler Mitarbeiter. Es geht nicht nur um Fachwissen, sondern auch um Commitment. Jemand, der das Unternehmen mit aufbaut, denkt langfristig und übernimmt eine andere Verantwortung.
Wir würden uns deshalb sehr freuen, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die Erfahrung im B2B-Vertrieb haben und sich vorstellen können, gemeinsam mit uns PraxiOps weiterzuentwickeln.
Rafael Kugel: Wie sieht eure Finanzierungsstrategie für die nächsten Schritte aus? Wollt ihr weiterhin aus eigenen Mitteln wachsen oder sucht ihr Investoren?
Fateme Taghiniai: Unser Plan ist, zunächst genügend zahlende Kunden zu gewinnen. Wir möchten zeigen, dass es einen Markt gibt, dass die Kunden unser Produkt nutzen und damit zufrieden sind.
Danach können wir uns vorstellen, mit Business Angels oder Venture-Capital-Investoren zu sprechen. Aber wir wollen nicht unbedingt sofort eine Finanzierungsrunde machen, bevor wir ausreichend Kunden haben.
Rafael Kugel: Habt ihr schon eine Vorstellung davon, wie viel Kapital ihr später aufnehmen möchtet?
Fateme Taghiniai: Wir denken, dass eine Größenordnung zwischen 200.000 und 500.000 Euro für uns sinnvoll sein könnte. Aber wir sind flexibel.
Mit zusätzlichem Kapital könnten wir unsere Entwicklung beschleunigen und vor allem mehr in die Markterschließung investieren. Wir müssen uns dabei immer fragen, was wir mit dem Geld konkret erreichen können.
Rafael Kugel: Wenn ich dich richtig verstehe, wollt ihr also erst beweisen, dass euer Geschäftsmodell funktioniert. Ihr gewinnt die ersten zahlenden Kunden, sammelt Erfahrungen und könnt dann mit zusätzlichem Kapital den Vertrieb deutlich ausbauen.
Fateme Taghiniai: Ja, genau das ist unsere Strategie.

Rafael Kugel: Ihr seid jetzt Teil des zweiten Batches im Reaktor Wildau. Was sind die wichtigsten Meilensteine, die ihr in den nächsten Monaten erreichen wollt?
Fateme Taghiniai: Zunächst einmal sind wir sehr dankbar für die Unterstützung und das Umfeld hier im Reaktor Wildau. Für uns ist es wichtig, Teil einer Community zu sein, in der wir wachsen und uns austauschen können.
Wir haben außerdem ein weiteres Unterstützungsprogramm gewonnen. Aber unser wichtigstes Ziel ist jetzt wirklich das Geschäft. Wir wollen Kunden gewinnen, verstehen, wie zufrieden sie mit unserer Plattform sind, und herausfinden, wie wir sie langfristig halten können.
Daneben schauen wir uns weitere Startup-Programme und Fördermöglichkeiten an. Wenn uns andere Hubs oder Netzwerke dabei helfen können, deutschlandweit neue Kunden zu erreichen, ist das für uns natürlich interessant.
Rafael Kugel: Stell dir vor, wir sitzen in drei Monaten wieder hier und sprechen darüber, was inzwischen passiert ist. Woran würdest du festmachen, dass diese drei Monate erfolgreich waren?
Fateme Taghiniai: Ganz klar an den Kunden. Wie viele zahlende Kunden haben wir gewonnen? Wie zufrieden sind sie? Und schaffen wir es, dass sie langfristig bei uns bleiben?
Das sind für mich die wichtigsten Fragen. Natürlich wäre es auch schön, erste Kontakte zu Business Angels aufzubauen oder vielleicht schon ein Investment zu bekommen. Wenn wir beispielsweise 200.000 Euro einwerben könnten, würde uns das für mindestens zwölf Monate zusätzliche Sicherheit geben.
Aber die Kunden stehen für mich an erster Stelle.
Rafael Kugel: Wenn wir das konkret machen: Wie viele zahlende Kunden wären für dich in drei Monaten ein Erfolg? Fünf? Zehn?
Fateme Taghiniai: Ich würde sagen, fünf zahlende Kunden wären ein gutes Ergebnis. Wir konzentrieren uns im Moment eher auf größere Kliniken und medizinische Einrichtungen als auf kleine Praxen. Deshalb kann bereits eine relativ geringe Anzahl an Kunden für uns viel bedeuten.
Rafael Kugel: Fünf größere Kliniken in drei Monaten sind schon ein ambitioniertes Ziel. Solche Einrichtungen entscheiden ja nicht von heute auf morgen.
Fateme Taghiniai: Das stimmt. Wir merken bereits, dass die Vertriebsprozesse relativ lang sind. Vom ersten Kontakt bis zu einem konkreten Angebot können drei oder vier Monate vergehen.
Das liegt auch daran, dass größere Einrichtungen andere Entscheidungsstrukturen haben. Man muss mit verschiedenen Personen sprechen und verstehen, welche Anforderungen sie haben. Deshalb ist es für uns so wichtig, jetzt konsequent an diesen Gesprächen zu arbeiten.
Rafael Kugel: Lass uns noch einmal über euer Geschäftsmodell sprechen. Wenn eine Klinik Kunde wird, zahlt sie zunächst für die Einrichtung der Plattform und anschließend eine monatliche Gebühr? Ist das richtig?
Fateme Taghiniai: Ja, genau. Wir haben zunächst eine einmalige Zahlung für das Setup und danach ein laufendes Abonnement.
Unsere Kunden verpflichten sich zunächst für mindestens sechs Monate. Danach können sie das Abonnement kündigen. Natürlich hoffen wir, dass sie das nicht tun, weil sie den Nutzen unserer Plattform erkennen.
Unser Ansatz ist ja gerade, dass Sichtbarkeit langfristig entsteht. Wir wollen, dass unsere Kunden irgendwann möglichst keine bezahlten Anzeigen mehr brauchen. Je länger sie mit unserer Plattform arbeiten, desto stärker soll ihre digitale Präsenz werden.
Deshalb ist ein längerfristiges Abonnement aus unserer Sicht sinnvoll.
Rafael Kugel: Das bedeutet, der Kunde investiert nicht einfach in eine kurzfristige Marketingkampagne, sondern in eine digitale Präsenz, die über einen längeren Zeitraum aufgebaut wird und langfristig einen Wert haben soll.
Fateme Taghiniai: Genau. Das ist die Idee hinter PraxiOps.
Rafael Kugel: Fateme, ich finde besonders spannend, dass ihr technologisch schon so weit seid und jetzt an dem Punkt steht, an dem sich zeigen muss, wie gut das Geschäftsmodell im Markt funktioniert. Ich bin sehr gespannt, wo ihr in zwei oder drei Monaten stehen werdet.
Fateme Taghiniai: Ich auch. Ich freue mich schon darauf, dann über unsere Fortschritte zu sprechen.
Rafael Kugel: Vielen Dank für das Gespräch.
Fateme Taghiniai: Vielen Dank. Und ich glaube, das war gerade eines meiner ersten Interviews auf Deutsch. Das war auch eine Herausforderung!
Vom beruflichen Netzwerk zur eigenen Gründung
Nach dem eigentlichen Interview erzählt Fateme Taghiniai noch von einer persönlichen Erfahrung, die ihren Weg als Gründerin in Deutschland geprägt hat.
Fateme Taghiniai: Als ich in Deutschland als Angestellte gearbeitet habe, hatte ich natürlich berufliche Kontakte. Aber als ich angefangen habe, selbst ein Unternehmen aufzubauen, war das plötzlich ganz anders.
Ich hatte am Anfang das Gefühl, dass ich ganz allein bin. Ich kannte kaum jemanden im Startup-Ökosystem und wusste nicht genau, an wen ich mich wenden sollte.
Dann habe ich angefangen, mich mit Startup-Hubs und Gründernetzwerken in Berlin zu beschäftigen. Schritt für Schritt habe ich neue Menschen kennengelernt und Kontakte aufgebaut. So bin ich schließlich auch mit euch in Verbindung gekommen.
Am Anfang war das wirklich schwer. Aber je länger ich dabei bin, desto einfacher wird es. Heute merke ich, wie wichtig dieses Netzwerk für mich und für die Entwicklung unseres Unternehmens ist.
Rafael Kugel: Das ist ein spannender Punkt. Ein Unternehmen aufzubauen ist ohnehin eine große Herausforderung. Wenn man sich gleichzeitig erst ein neues Netzwerk erschließen muss, kommt noch einmal etwas dazu. Umso schöner, dass du jetzt Teil unseres Ökosystems bist.
Fateme Taghiniai: Danke. Ich freue mich sehr darüber.

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