Nicht nur studieren. Machen. Warumgestalten Studierende überhauptGründungsinitiativen?

Sie organisieren Hackathons, holen bekannte Gründer und Investoren an ihre Vereine, veranstalten Konferenzen und bauen Communities auf, meist ehrenamtlich und neben dem Studium. Studentische Gründungsinitiativen sind längst ein fester Bestandteil des Ökosystems. Doch was bewegt tausende junge Menschen dazu, ihre Freizeit in die Gründungskultur zu investieren? Ein Blick auf Deutschland und den DACH-Raum und auf die Menschen hinter dem Gründungsmagnet und die Frage “Warum”.
Portrait von Gründungsmagnet Gründungsmagnet · München, 20. September 2026

Wer an Deutschlands Startup-Szene denkt, denkt zunächst an Gründer, Finanzierungsrunden und die nächste große Geschäftsidee. Doch das Unternehmertum beginnt schon deutlich früher an Universitäten und sogar schon in der Schule, in studentischen Communities und bei Veranstaltungen, die von Studierenden und Schülern selbst organisiert werden.

Wie entsteht das nächste Isar Aerospace?

Der aktuelle Gründungsradar des Stifterverbands zeigt, wie stark sich die Gründungsförderung an deutschen Hochschulen in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Allein 2023 wurden 2.927 betreute Gründungen an deutschen Hochschulen registriert, gegenüber 2.779 im Jahr 2021. 1.184 davon waren Gründungen mit Wissens- und Technologietransfer. Hinter diesen Zahlen steht eine Generation, für die Entrepreneurship immer früher relevant wird.

Wie groß studentisches Engagement tatsächlich ist, zeigt ein Blick nach München. Allein an der Technischen Universität München gibt es heute mehr als 250 studentische Initiativen. Ihr Spektrum reicht von Entrepreneurship und Nachhaltigkeit über soziale Projekte bis hin zu Technologie, Forschung, Kunst und Kultur.

Dass aus einem solchen Engagement später mehr entstehen kann, zeigt auch die Geschichte von Isar Aerospace: Mitgründer Josef Fleischmann entwickelte bereits während seines Studiums bei WARR Raketensysteme, bevor er gemeinsam mit zwei Kommilitonen das heutige Raumfahrtunternehmen gründete.

Gen Z gründet stärker

Der KfW-Gründungsmonitor 2026 zeichnet ein deutliches Bild: 40 Prozent der Gründer in Deutschland waren 2025 jünger als 30 Jahre. Anfang der 2000er-Jahre lag dieser Anteil noch bei 30 Prozent. Mehr als ein Fünftel der jungen Gründer startete 2025 sogar direkt aus dem Studium heraus. Insgesamt registrierte die KfW für 2025 rund 690.000 Existenzgründer in Deutschland.

Damit werden durch studentische Vereine die Universitäten und Schulen zu einem entscheidenden Ort, an dem junge Menschen erstmals mit Unternehmertum in Berührung kommen. Doch Gründungskultur entsteht dort nicht allein durch Lehrveranstaltungen, Entrepreneurship Center oder Förderprogramme. Ein Teil dieser Kultur wird von Studierenden selbst geschaffen. Sie organisieren Pitch Nights und Ökosystem-Touren, bringen Studierende mit Gründer, VCs und Unternehmen zusammen, veranstalten Workshops oder schaffen mit eigenen Inkubatoren Räume wie beispielsweise der YFN Incubator für Gründer unter 25, in denen aus einer ersten Idee ein Business Model werden kann.

Das Besondere daran: Die Menschen hinter diesen Angeboten müssen nicht selbst bereits gegründet haben. Sie engagieren sich, weil sie Entrepreneurship kennenlernen, Verantwortung übernehmen, Netzwerke aufbauen oder schlicht gemeinsam etwas bewegen wollen.

Machen statt “nur” studieren

Eine Veranstaltung organisieren, Partner gewinnen, Social Media betreuen, Teams führen oder eine Konferenz mit mehreren Hundert Teilnehmern auf die Beine stellen: Studentische Gründungsinitiativen funktionieren vielerorts wie Erfahrungs-Katalysatoren.

Damit bieten sie etwas, das sich im Hörsaal nur schwer vermitteln lässt: die Möglichkeit, Verantwortung für Projekte zu übernehmen.

Gleichzeitig entstehen Netzwerke. Der Kontakt zur Gründerin beim Fireside Chat, zum Investor nach einer Paneldiskussion oder zu anderen Studierenden beim nächsten Community-Event kann der Ausgangspunkt für ein Praktikum, ein gemeinsames Projekt oder irgendwann sogar das eigene Unternehmen sein.

Studentische Gründungsinitiativen ergänzen institutionelle Strukturen um etwas Entscheidendes: eine Community, die von Studierenden für Studierende geschaffen wird. Genau an dieser Stelle kommt der Gründungsmagnet ins Spiel.

The People Who Make It Happen

Heute gehören mehr als 50 Gründungsinitiativen im DACH-Raum zum Gründungsmagnet. Dazu zählen Organisationen mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten im Entrepreneurship Ökosystem.

Der Grundgedanke dahinter ist einfach: Eine Initiative in München steht möglicherweise vor denselben Herausforderungen wie eine Initiative in Berlin, Wien oder Zürich. Warum also jedes Mal bei null anfangen? Durch Austausch von Wissen, Kontakten und Erfahrungen können aus vielen lokalen Initiativen ein gemeinsames Netzwerk und neue Kooperationen entstehen.

Doch was treibt die Menschen an, die sich dafür einsetzen? Dafür haben wir Eindrücke von Luca Mittermaier, 1. Vorsitzender des Gründungsmagnet, und Alexandra Bethke, 2. Vorsitzende. Beide engagieren sich ehrenamtlich im Vorstand des Dachverbands.

Warum engagiert ihr euch persönlich für studentische Gründungsinitiativen?

Luca Mittermaier: „Die Community macht den Unterschied. Die stärksten Impulse kommen oft aus einem inspirierenden Umfeld, das sich gegenseitig unterstützt und antreibt.”

Alexandra Bethke: „Genau dort wird aus Interesse Begeisterung. Wir bringen Menschen zusammen, die Ideen nicht nur diskutieren, sondern umsetzen wollen. Diese Energie begeistert mich bis heute.“

Was können Studierende durch dieses Engagement lernen, das ihnen ein klassisches Studium nicht vermitteln kann?

Luca Mittermaier: „Durch ihr Netzwerk und mit Programmen wie Inkubatoren oder Hackathons zeigen sie, dass Machen am Ende oft sehr viel einfacher ist, als gedacht. Diese Gründungsinitiativen haben eine größere Bühne verdient.“

Alexandra Bethke: “In einer Initiative übernimmt man plötzlich Verantwortung, baut Projekte von null auf, arbeitet im Team und merkt, dass nicht immer alles beim ersten Versuch funktionieren muss. Dieses Learning by Doing kann kein Hörsaal ersetzen.”

Warum braucht es einen Dachverband für studentische Gründungsinitiativen im DACH-Raum?

Luca Mittermaier: “Es ist der Ort, an dem sich junge Gründer:innen, Gründungsunterstützer:innen, Hochschulinitiativen und Macher:innen aus ganz Deutschland vernetzen, austauschen und gemeinsam Zukunft gestalten.”

Alexandra Bethke: “Gemeinsam erreichen wir mehr. Wenn Initiativen Wissen und Erfahrungen teilen, voneinander lernen und ihre Netzwerke verbinden, entstehen neue Kooperationen und Möglichkeiten, die das gesamte Gründungsökosystem stärken.

Und was würdet ihr Studierenden sagen, die überlegen, selbst Teil einer Gründungsinitiative zu werden?

Luca Mittermaier: “Risiko und Unsicherheit lehren uns Mut und Zuversicht. Genau deshalb sollten junge Menschen früh Verantwortung und Risiken übernehmen. Wie sie es zum Beispiel in studentischen Gründungsinitiativen oder Inkubatoren lernen.”

Alexandra Bethke: “Einfach mal machen. Ein einziges Event, eine Begegnung oder der Beitritt in eine Initiative kann Türen öffnen, von denen man vorher nicht einmal wusste, dass es sie gibt.”

Gemeinsam stärker

Vielleicht lässt sich die Bedeutung studentischer Gründungsinitiativen deshalb nicht allein daran messen, wie viele Startups unmittelbar aus ihnen entstehen.

Es geht auch um den Studenten, der zum ersten Mal einen Pitch hält. Um die Studentin, die plötzlich ein Team führt. Und um Kontakte und Freundschaften, die weit über das Studium hinaus bestehen bleiben.

Die Zahlen zeigen gleichzeitig, warum dieses Engagement relevant ist: Junge Menschen machen heute einen erheblichen Teil des deutschen Gründungsgeschehens aus, Hochschulgründungen nehmen zu.

Die nächste Generation von Gründern entsteht deshalb nicht erst mit dem Eintrag ins Handelsregister. Sie entsteht dort, wo junge Menschen erstmals erleben, dass sie selbst etwas aufbauen und verändern können.

Gründungskultur entsteht nicht von allein. Sie entsteht durch die Menschen, die sich für sie engagieren. Gemeinsam stärker.


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