Politik trifft studentische Gründungsinitiativen: Wie stärkt Bayern die nächste Gründergeneration?

Vernetzen, vertreten und politisch mitgestalten. Studentische Gründungsinitiativen treiben die Gründungskultur an Universitäten und Hochschulen voran. Doch welche Unterstützung erhalten sie von der Politik? Welche Rahmenbedingungen braucht die nächste Gründergeneration und welche konkreten Angebote schafft die bayerische Politik für studentische Gründungsinitiativen? Darüber haben wir mit Tobias Gotthardt, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gesprochen.
Portrait von Gründungsmagnet Gründungsmagnet · Stuttgart, 13. September 2026

Gastbeitrag Gründungsmagnet - Der Gründungsmagnet vernetzt und vertritt studentische Gründungsinitiativen im DACH-Raum. Das politische Vertreten tritt mit dem heutigen Interview mit Tobias Gotthardt über Gründungskultur, politische Unterstützung und die Rolle studentischer Gründungsinitiativen in näheren Fokus. Tobias Gotthardt ist seit 2023 Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.

Gründungskultur beginnt an der Hochschule

Warum ist eine starke Gründungskultur an Hochschulen aus Ihrer Sicht heute wichtiger denn je und welche Rolle spielen studentische Gründungsinitiativen dabei?

Tobias Gotthardt: “Eine lebendige Gründungskultur ist heute der entscheidende Treiber für wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit, Innovationskraft und gesellschaftlichen Wandel. In einer Welt, die sich durch Digitalisierung, Dekarbonisierung und globalen Wettbewerb rasant verändert, können etablierte Strukturen allein den Wandel oft nicht schnell genug bewältigen. Gründerkultur an Bayerns Hochschulen wird da zum Teilchenbeschleuniger: Start-ups bringen disruptive Technologien wie Künstliche Intelligenz, Quantencomputing oder Biotechnologie schneller auf den Markt als Großkonzerne. Start-ups schaffen neue, hochqualifizierte Arbeitsplätze in zukunftsträchtigen Branchen. Regionen mit einer hohen Gründungsdichte ziehen internationales Kapital und Talente an, was den gesamten Wirtschaftsstandort stärkt.

Hochschulen tragen zu einer starken Gründungskultur bei, denn Universitäten und Fachhochschulen sind die zentralen Brutstätten für Innovationen und die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Sie sind längst nicht mehr nur Orte der reinen Wissensvermittlung, sondern dienen als Treiber für den strukturellen und technologischen Wandels. Die Entrepreneurship-Aktivitäten und -Akteure an allen bayerischen Hochschulen werden durch das Entrepreneurship-Netzwerk HOCHSRPUNG miteinander verknüpft. HOCHSPRUNG unterstützt die Gründungsaktivitäten der Hochschulen durch Information, Austausch und Qualifizierung und organisiert verschiedene Veranstaltungen, die die Vernetzung fördern.”

Doch eine starke Gründungskultur allein reicht nicht aus. Entscheidend ist auch, wie einfach der Schritt von der ersten Idee zur tatsächlichen Gründung gelingt und welche Hürden jungen Menschen dabei noch immer begegnen. 

Gute Ideen, zu viele Hürden?

Wo sehen Sie aktuell die größten Hürden für junge Menschen, die aus einer Idee heraus gründen wollen, und wie können Gründungsinitiativen genau dort ansetzen?

Tobias Gotthardt: “Zunächst brauchen wir aus meiner Sicht ein praxisnahes Entrepreneurship-Wissen während der Ausbildung, um unternehmerisches Denken und Handeln früh zu fördern. Dieses Wissen sollte also bereits in der Schule vermittelt werden. Gründungsinitiativen sind sehr wertvoll für eine gründungsfreundliche Kultur, durch ihre Netzwerke, das sichtbar machen von Gründerinnen und Gründern, dem Vermitteln eines positiven Bildes von Unternehmertum sowie eine offene Fehlerkultur. Damit können Gründungsinitiativen dazu beitragen, die Unsicherheiten im Vorfeld einer Gründung zu minimieren. Darüber hinaus muss der Gründungsprozess schneller und einfacher werden. Unser Ziel: 24-Stunden-Gründen. Bundesweit.”

Was kann die Politik konkret bewegen?

Neben einer Gründungskultur braucht es Strukturen, die Gründungsinitiativen konkret unterstützen. Gerade der Zugang zu Kapital, Wissen und relevanten Netzwerken entscheidet häufig darüber, ob aus einer Idee tatsächlich ein Unternehmen entsteht. Hier ist auch die Politik gefragt. 

Welche Rolle kann die Politik dabei spielen, studentischen Gründungsinitiativen den Zugang zu Kapital, Wissen und Netzwerken zu erleichtern?

Tobias Gotthardt: “In Bayern bestehen zur Schließung der Finanzierungslücke zwischen der ersten Idee und einem investitionsfähigen Start-up bereits ein starkes Instrumentarium: Die Bayern Kapital kann innovative Start-ups bereits ab der Seed-Phase mit Eigenkapital begleiten und privates Kapital als Co-Investor mobilisieren. Für kredit- und bankfähige Gründer stehen zinsgünstige Darlehensfinanzierungen über den Gründungskredit und dem Gründungskredit Smart der LfA Förderbank Bayern grundsätzlich offen. Förderprogramme wie beispielsweise FLÜGGE oder der m4-Award und Medical Valley-Award verfolgen das Ziel, Unternehmensgründungen aus Hochschulen in Bayern im Bereich Innovation, Forschung und Technologie zu unterstützen. Mit den Bayerischen Businessplan Wettbewerben von BayStartUP profitieren innovative Gründer in einer sehr frühen Phase von marktnahem professionellem Feedback zur eigenen Idee. Als zentraler Ansprechpartner ist auch der Gründerlotse Bayern bei Bayern Innovativ bei Fragen zu Finanzierung & Förderung, Beratung & Coaching, Netzwerken & Infrastruktur zu nennen.”

Gemeinsam für studentisches Gründen

Förderprogramme sind ein Teil eines funktionierenden Gründungsökosystems. Ebenso entscheidend ist jedoch, dass sich junge Gründer und studentische Initiativen über Hochschul- und Landesgrenzen hinweg vernetzen und ihre Perspektiven gemeinsam sichtbar machen.

Initiativen wie der Gründungsmagnet vernetzen junge Gründer im gesamten DACH-Raum abseits klassischer Strukturen. Wie bewerten Sie den Beitrag solcher zivilgesellschaftlicher Netzwerke für den Gründungsstandort Deutschland?

Tobias Gotthardt: “Zivilgesellschaftliche Netzwerke wie der Gründungsmagnet leisten einen sehr wichtigen Beitrag für den Gründungsstandort Deutschland, denn sie sorgen für eine lebendige und zukunftsfähige Entrepreneurship-Kultur, und zwar bezogen auf den deutschsprachigen Raum.”

Wie Bayern studentisches Gründen stärken will

Welche konkreten Maßnahmen planen Sie, um studentische Gründungsinitiativen gezielter zu fördern und Forschung stärker in gründungsfähige Ideen zu übersetzen?

Tobias Gotthardt: “Bayern verfügt über ein starkes, regional verankertes und aktiv vernetztes Start-up-Ökosystem. Dazu gehören auch studentische Gründungsinitiativen. StMWi und StMWK haben im Juni 2026 eine bayernweite Initiative gestartet, um durch eine Optimierung der Vernetzung der Gründungsunterstützer vor Ort die Schlagkraft des bayerischen Start-up-Ökosystems weiter zu erhöhen. Auch studentische Gründungsinitiativen sind herzlich eingeladen, aktiver Teil von Gründerland Bayern zu werden und damit zu einer flächendeckenden Förderung beizutragen.”

Einfach machen! Der erste Schritt zur Gründung

Was würden Sie jungen Menschen raten, die eine Gründungsidee haben, sich aber noch nicht trauen, den ersten Schritt zu gehen und welche Rolle können Initiativen wie der Gründungsmagnet dabei übernehmen?

Gotthardt: “Geht in die Gründerzentren, zu Start-up-Meetups oder Hochschul-Inkubatoren. Dort erhalten junge Menschen, neben unserer Gründerland Bayern Homepage, wichtige Informationen und treffen Menschen, die in derselben Phase sind wie sie - das motiviert enorm. Für Schülerinnen und Schüler gibt es STARTUP TEENS, die unabhängig von Herkunft und Schulform den Zugang zu Entrepreneurship & Innovationsthemen ermöglichen. Auch hier sind Initiativen wie der Gründungsmagnet eine wichtige Ergänzung, um das Gründungsklima zu stärken, Informationen weiterzugeben und für das Thema Gründen zu sensibilisieren.”

Vernetzen, vertreten und gemeinsam Gründungskultur gestalten

Studentische Gründungsinitiativen sind längst mehr als Treffpunkte für gründungsinteressierte Studierende. Sie schaffen Netzwerke, vermitteln Wissen, machen das Unternehmertum sichtbar und bringen die Perspektiven der nächsten Gründergeneration zusammen. Gleichzeitig zeigt das Gespräch mit Tobias Gotthardt, dass ihre Wirkung eng mit den politischen und strukturellen Rahmenbedingungen des Gründungsstandorts verbunden ist.

Vernetzung über Hochschulgrenzen hinweg ist ein wichtiger Schritt, genauso wie studentischen Gründungsinitiativen eine politische Stimme zu geben und ihre Perspektiven stärker in den Austausch einzubringen. Der Gründungsmagnet schafft dafür einen Raum, in dem sich Initiativen gegenseitig austauschen, voneinander lernen und gemeinsam sichtbar werden.


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