Interview mit der Newcomerin des Jahres Ruth Bosse

Ausgezeichnet als „Newcomerin des Jahres“: Ruth Bosse spricht im Startbase-Interview über ihre Gründungsreise, den Aufbau von Ark Software und die Chancen von KI in der öffentlichen Verwaltung.
Interview von Marc Nemitz Marc Nemitz · Berlin, 03. Juni 2026

Mit Ark Software hat Ruth Bosse innerhalb kurzer Zeit eines der spannendsten Gov-Tech-Startups Deutschlands aufgebaut. Nach einer erfolgreichen Pre-Seed-Finanzierungsrunde über 2,1 Millionen Euro wurde sie nun bei den German Startup Awards als "Newcomerin des Jahres" ausgezeichnet. Im Gespräch mit Startbase spricht Ruth über die Bedeutung dieser Ehrung, ihre persönliche Gründungsreise, die Auswirkungen des Awards auf Ark und ihre Pläne für die kommenden Jahre.

Ruth, herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung als “Newcomerin des Jahres” bei den German Startup Awards. Nimm uns doch einmal mit in den Moment der Preisverleihung: Was ist Dir durch den Kopf gegangen, als Dein Name aufgerufen wurde?

Ich hab mich total gefreut, was für eine Auszeichnung!! 

Was bedeutet dieser Award für Dich persönlich, als Gründerin, aber auch als Mensch, der in den vergangenen Jahren viel Zeit, Energie und Überzeugung in den Aufbau von Ark Software investiert hat? 

Sehr viel. Als ich 2024 die Idee hatte, KI in den öffentlichen Sektor zu bringen, kam mir viel Zweifel entgegen. Die meisten waren der Meinung, dass Verwaltungen zu analog und zu langsam seien. Meiner Meinung nach ist es genau andersrum: Wenn ich mit der Software arbeiten müsste, wie sie heute in Verwaltungen verwendet wird, wär ich auch langsam. Jetzt, zwei Jahre später, ist KI für den öffentlichen Sektor ein zentrales Thema. Friedrich Merz hat selbst in seiner Begrüßung bei den German Startup Awards genau das hervorgehoben. Dass wir jetzt ausgezeichnet wurden, bestätigt mich darin, an den Dingen zu arbeiten, die ich persönlich wichtig finde. 

Wenn Du auf Deine bisherige Gründungsreise zurückblickst: Gab es einen Moment, in dem Du das Gefühl hattest, dass Ark Software wirklich das Potenzial hat, etwas Großes zu bewegen? 

Auf jeden Fall. Zum einen ganz stark, als die Empfehlungen und Inbound Requests angefangen haben, richtig hoch zu gehen. Städte haben bereits von uns gehört aus Nachbarkommunen und Netzwerktreffen, andere Abteilungen fragen, ob sie das Tool nicht auch nutzen können, und Landkreise beschaffen die Software für all ihre Gemeinden. Zum anderen, als wir die ersten sehr großen Kunden gewonnen haben, wie Berlin oder Schleswig-Holstein. 

Der Preis zeichnet zwar Dich als Gründerin aus, aber hinter jedem Startup steht ein Team. Wem hast Du nach der Verleihung als Erstes geschrieben und warum?

Als erstes Carla, unserer ersten Employee, die schon vor Kund:innen oder Investor:innen an uns geglaubt hat. Aber genauso hätte ich Alex oder Nick, die bei uns Engineering und Product leiten und dabei einen mega Job machen, meinem CoS Lennart oder Sophia, Tassilo, Julia, Daniel, Merlin, Toni, Daniel oder Chiara schreiben können. Jede und jeder einzelne aus dem Team sind mega der Mehrwert und ohne sie wäre Ark nicht, was es ist: alle übernehmen extrem viel Verantwortung, gehen die Extrameile wo notwendig, entwickeln sich schnell weiter und haben gleichzeitig das Herz am rechten Fleck und sind ganz ganz tolle Menschen. Ich bin unglaublich dankbar, so ein tolles Team jeden Tag um mich zu haben und würde jedem Founder empfehlen, genug Zeit in Hiring zu investieren und wählerisch zu sein. Es zahlt sich extrem aus. Und falls jemand Interesse hat - wir haben grad ein paar Positionen offen, gerne melden :-)

Die Jury hat Dich aus einer Vielzahl von Gründerinnen und Gründern ausgewählt. Was glaubst Du, hat die Jury in Deiner Geschichte oder in der Entwicklung von Ark Software gesehen? 

Die Jury hat nach Persönlichkeiten gesucht, die ein Vorbild für künftige Gründer:innen sind. Ich hab schon immer an den großen Herausforderungen unserer Gesellschaft gearbeitet, von meinem politischen Engagement als Teenager über den Aufbau der Climate Practice bei McKinsey bis hin zu meiner Promotion dazu, wie Politik einen echten Unterschied machen kann. Mit all der Erfahrung dachte ich mir: Wenn ich jetzt nicht daran arbeite, dass Politik effektiver wird, darf ich mich auch nicht beschweren, dass es sonst keiner macht. Also hab ich Ark gegründet. 

Ich vermute, dass die Jury meine Begeisterung dafür, Herausforderungen unserer Gesellschaft zu lösen, in Kombination mit konsequentem Handeln als Vorbild für künftige Gründer:innen gesehen hat. 

Hat die Auszeichnung Deinen Blick auf Deine Rolle als Gründerin verändert?

Nein, ehrlich gesagt nicht. Mir war auch vorher klar, dass wir ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen und die Rolle als Gründerin eine Aufgabe ist, in der mir meine Talente in die Karten spielen: ich liebe es, mit meinen Kund:innen Lösungen für ihre Probleme zu entwickeln, Investor:innen, Kandidat:innen und Kommunen von uns zu überzeugen und ich hab ein gutes Auge dafür, was wirklich wesentlich ist, um nicht in Arbeit unterzugehen. 

Was mich an dieser Auszeichnung sehr freut, ist, dass das auch von außen so gesehen wird. Es ist eine besondere Ehre, mich mit dem Award in eine Reihe faszinierender Frauen wie Julie Lepique, Judith Dada, Pia Wülfing und Ann-Kristin Achleitner einreihen zu dürfen. 

Spürst Du jetzt eine andere Form von Verantwortung oder Sichtbarkeit innerhalb der Startup-Szene? 

Das ist jetzt direkt nach der Preisverleihung schwer zu sagen. Ich würde mich sehr freuen, mehr Verantwortung und Sichtbarkeit in der Startup-Szene zu übernehmen. Für unseren Sektor, also Startups, die an die öffentliche Verwaltung verkaufen, tue ich das bereits als Sprecherin der GovTech Allianz. Ich arbeite dort an der Schnittstelle zwischen Startups und Politik, und das würde ich sehr gerne auch für die gesamte Startup-Szene tun. Mir liegen vor allem zwei Themen am Herzen: dass mehr Funding in Europa zur Verfügung steht, und dass mehr Frauen gründen sowie mehr in sie investiert wird. 

Ark verfolgt eine ambitionierte Mission im Bereich Klimaschutz und kommunale Transformation. Inwiefern hilft ein solcher Award dabei, dieser Mission mehr Aufmerksamkeit und Gehör zu verschaffen? 

Er hilft sehr! Im öffentlichen Sektor spielt Vertrauen eine zentrale Rolle. Der Award erhöht unsere Reputation Kunden gegenüber. 

Ihr habt erst vor Kurzem eine erfolgreiche Pre-Seed-Runde abgeschlossen, über die wir auf der Startbase berichten durften. Kommt die Auszeichnung für Ark zum perfekten Zeitpunkt und welche Chancen ergeben sich daraus möglicherweise für das Unternehmen? 

Ja, auf jeden Fall. Wir sind gerade an einem spannenden Wendepunkt für unser Unternehmen: Kommunen bekommen immer mehr Aufgaben zugewiesen, die früher z.B. bei den Ländern lagen. Gleichzeitig haben sie nicht mehr Personal und schon heute sind über 600.000 Stellen unbesetzt. Auf der anderen Seite arbeiten Verwaltungen mit Software aus den 90er Jahren, müssen Aufgaben händisch erledigen, die in der Wirtschaft längst automatisiert sind und haben eine KI-Adoption von 2%. 

Bei Ark stehen wir an dem Punkt, wo wir uns von einem KI Co-Piloten für die Klimaschutzabteilungen der Städte weiterentwickeln zu einem KI Co-Piloten für die gesamte Verwaltung. Dafür raise ich Ende des Jahres eine Seed-Runde. Daher könnte das Timing des Awards passender nicht sein. Wer Interesse hat, kann sich sehr gerne unter hello@ark-climate.de melden. 

Die Startup-Welt feiert oft Erfolge, spricht aber seltener über die Hürden dahinter. Welche Lektion aus Deiner bisherigen Gründungsreise würdest Du heute anderen angehenden Gründerinnen und Gründern mitgeben? 

Spontan wäre mein Tipp, das Unternehmen zu bauen, auf das Du wirklich Lust hast. Die Gründungsreise ist hart genug. Such Dir Menschen aus, die Du toll findest, ein Thema, für das Du brennst, und setze die Company so auf, dass Dir Deine Arbeit Freude bereitet. In der Szene wird viel darüber diskutiert, was der richtige oder beste Weg ist. Aus meiner Erfahrung gibt es verschiedenste Wege, die alle erfolgreich sein können. Mach das, was Dir Freude bereitet, und mach das dann gut. 

Zum Abschluss der Blick nach vorn: nach Pre-Seed-Finanzierung und der Auszeichnung als Newcomerin des Jahres scheint die Reise gerade erst richtig zu beginnen. Wenn wir uns in 12 Monaten wieder zum Interview treffen, was dürfen wir von Dir und Ark Software in diesem Jahr erwarten? 

Uuuh, was für einen schöne Frage! Ich freu mich riesig auf das kommende Jahr!! Im Sommer 2027 werden in Deutschland erste Rathäuser komplett auf Ark laufen. Das ist mega cool. Unser Team wird zudem größer sein und wir haben unser zweites Büro in Berlin eröffnet. Ich bin sehr gespannt, was ich auf der Reise dahin alles erleben und lernen darf! 

Liebe Ruth, vielen Dank für das Gespräch und die spannenden Einblicke in Deine Gründungsreise. Wir gratulieren Dir noch einmal herzlich zum Award und wünschen Dir sowie dem gesamten Team von Ark Software weiterhin viel Erfolg bei der Umsetzung Eurer Vision.


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