Interview mit der Wirtschaftsministerin

Wie Martina Klement Brandenburg zum Gewinner des technologischen Wandels machen will

Aus Forschung müssen Produkte, aus Ideen Unternehmen und aus Innovation neue Wertschöpfung werden. Im Interview spricht Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement darüber, wie das Land zum Gewinner des technologischen Wandels werden soll.
Interview von Marc Nemitz Marc Nemitz · Potsdam, 12. September 2026

Seit dem 18. März 2026 führt Martina Klement das Brandenburger Wirtschaftsministerium und damit ein Ressort, das mitten im technologischen und industriellen Wandel des Landes steht. Ihre Agenda lautet, mehr Innovation in die Anwendung bringen, Startups und Mittelstand enger mit der Wissenschaft verzahnen, privates Kapital mobilisieren und neue Wertschöpfung in Brandenburg schaffen. Dabei sieht Klement das Land nicht als verlängerten Wirtschaftsraum Berlins, sondern als eigenständigen Technologie- und Industriestandort mit großen Ambitionen. Im Interview erklärt die Ministerin, wo Brandenburg heute tatsächlich steht, was dem Land noch fehlt und wie es zu einem Gewinner des technologischen Wandels werden kann.

1. Wo steht Brandenburg 2026 wirtschaftlich – besser oder schlechter, als es von außen wahrgenommen wird?

Unser Bundesland steht wirtschaftlich besser da, als es manchmal wahrgenommen wird. Von 2015 bis 2025 ist das reale BIP um 7,5 Prozent gestiegen – deutlich stärker als in Ostdeutschland insgesamt und nahezu auf Bundesniveau. Auch das Pro-Kopf-Einkommen ist in den vergangenen fünf Jahren um ein Viertel gestiegen.

Gleichzeitig befindet sich Brandenburg in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Unser Land ist heute ein Standort für Zukunftstechnologien, moderne Industrie, erneuerbare Energien, Wissenschaft und Innovation. Entscheidend ist jetzt, diese Dynamik weiter auszubauen und Startups, Mittelstand, innovative Wissenschaft und Kapital noch enger zu vernetzen.

2. Was sind heute die größten wirtschaftlichen Stärken des Landes?

Unsere größte Stärke ist die Kombination aus Wissen, Raum und Können. Brandenburg verbindet eine starke Wissenschafts- und Forschungslandschaft mit leistungsfähigen Unternehmen und einer breiten industriellen Basis.

Stark sind unter anderem Automobilwirtschaft, Energie. und Ernährungswirtschaft sowie Metall- und Maschinenbau. Gleichzeitig wachsen Zukunftsfelder wie erneuerbare Energien, Elektromobilität, Luft- und Raumfahrt, Pharma, Biotech, Digitalisierung und KI.

3. Wo hat Brandenburg noch echten Nachholbedarf?

Wir können schneller werden – vor allem dabei, Forschung in marktfähige Produkte und erfolgreiche Geschäftsmodelle zu übersetzen. Aus guten Ideen müssen schneller Unternehmen werden.

Dafür brauchen innovative Unternehmen vor allem besseren Zugang zu Wachstumskapital. Mit dem Future Tech Fonds Brandenburg haben wir hier einen wichtigen Schritt gemacht. Gleichzeitig bleibt die Fachkräftesicherung entscheidend: Innovation entsteht durch Menschen – deshalb müssen wir Talente gewinnen, ausbilden und auch im Land halten.

4. Welche Rolle sollen Startups in der Wirtschaftsstrategie des Landes spielen?

Startups sind ein wichtiger Motor für Innovation, Wachstum und wirtschaftliche Erneuerung. Sie bringen neue Technologien, Märkte und Geschäftsmodelle in die Wirtschaft. Unsere Aufgabe ist es, dafür die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen – mit Beratung, Finanzierung, Netzwerken und engen Verbindungen zu Wissenschaft und etablierten Unternehmen. Mit der Gründungsoffensive Brandenburg und unseren sechs Startup-Zentren haben wir dafür wichtige Strukturen geschaffen.

5. Brandenburg verfügt über starke Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Wie bekommen wir mehr dieser Innovationen in Unternehmen?

Wir müssen die Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft weiter stärken. Und um mehr Ausgründungen zu ermutigen, brauchen wir starke Kooperationen zwischen Forschung und Wirtschaft und noch bessere Unterstützung für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Weg ins Unternehmertum. Unser Ziel ist klar: mehr erfolgreiche Unternehmen „Made in Brandenburg“.

6. Wie kann Brandenburg mehr privates Kapital für innovative Unternehmen gewinnen?

Innovative Unternehmen brauchen Kapital, um wachsen zu können. Öffentliche Förderung kann hier Impulse geben, aber langfristig brauchen wir mehr privates Kapital im Land.

Dafür können wir Katalysator sein: wir müssen Unternehmen und Investoren noch besser zusammenbringen und Brandenburg international sichtbarer machen – als Standort für innovative Technologien, starke Gründerteams und attraktive Wachstumsperspektiven.

7. Was erwarten Sie von etablierten Unternehmen und Mittelstand bei Innovation und Transformation?

Unsere KMU sind das Rückgrat der brandenburgischen Wirtschaft. Viele haben bereits gezeigt, dass sie Veränderung können. Jetzt muss Innovation noch stärker zur strategischen Aufgabe werden.

Digitalisierung, Energieeffizienz und neue Geschäftsmodelle entscheiden heute schon über die Wettbewerbsfähigkeit von morgen. Kooperationen mit Startups können dabei einen wichtigen Beitrag leisten: Junge Unternehmen bringen neue Technologien und agile Arbeitsweisen ein, etablierte Unternehmen Erfahrung, Kunden und industrielle Kompetenz.

8. Welche wirtschaftliche Chance bietet die Energiewende speziell für Brandenburg?

Wir haben große Potenziale bei Wind- und Solarenergie, Wasserstoff und Speichertechnologien. In der Energiewende liegen für Brandenburg also große wirtschaftliche Chancen.

Entscheidend ist aber: Wir wollen nicht nur Energie erzeugen, sondern daraus zusätzliche industrielle Wertschöpfung entwickeln – etwa bei Batterien, Wasserstoff, Speichern, Netzen und klimaneutraler Produktion. Die Transformation ist deshalb nicht nur Herausforderung, sondern eine der größten wirtschaftlichen Chancen unserer Zeit.

9. Künstliche Intelligenz wird ganze Branchen verändern. Wo sehen Sie besondere Chancen für Brandenburg?

Gerade für ein Land wie Brandenburg mit einer starken Forschungslandschaft bietet KI enorme Potenziale – besonders in Industrie, Produktion, Automatisierung und Energieeffizienz, aber auch in Gesundheitswirtschaft, Verwaltung und Landwirtschaft.

Entscheidend ist, KI als Werkzeug zu nutzen, um unsere Wirtschaft produktiver, nachhaltiger und wettbewerbsfähiger zu machen.

10. Viele Mittelständler suchen Nachfolger. Muss Unternehmensnachfolge stärker als Innovations- und Gründungsthema verstanden werden?

Unbedingt. Mehr als 47.000 Unternehmen in Brandenburg suchen aktuell eine Nachfolge. Das ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine große Chance für Innovation.

Junge Unternehmerinnen und Unternehmer bringen häufig neue Ideen, digitale Geschäftsmodelle und frische Perspektiven mit. Erfolgreiche Nachfolge kann deshalb ein wichtiger Innovationsimpuls für den gesamten Betrieb sein. Wir müssen mehr Menschen für diesen unternehmerischen Weg gewinnen.

11. Berlin zieht internationale Gründer und Kapital an. Wie kann Brandenburg stärker davon profitieren, ohne lediglich „Umland von Berlin“ zu sein?

Brandenburg profitiert von der Hauptstadtregion, ist aber ein eigenständiger Wirtschafts- und Innovationsstandort mit eigenen Stärken.

Brandenburg bringt industrielle Kompetenz, Wissenschaft, Flächen, Infrastruktur und Lebensqualität ein. Entscheidend ist, diese Stärken noch besser zu kommunizieren und gemeinsam als Hauptstadtregion aufzutreten.

12. Woran würden Sie 2030 erkennen, dass Brandenburgs Innovationspolitik erfolgreich war?

Am Ende zählt, was bei den Menschen und Unternehmen ankommt – durch neue Arbeitsplätze, zusätzliche Wertschöpfung und nachhaltiges Wachstum.

Erfolg bedeutet für mich, dass mehr Innovationen aus Brandenburg auf den Markt kommen: mehr wachsende Startups, mehr Ausgründungen aus Wissenschaft und Forschung und ein Mittelstand, der noch stärker von neuen Technologien profitiert.

13. Welche drei Menschen oder Gruppen sollten sich Ihrer Meinung nach auf der FUSION unbedingt kennenlernen?

Gründerinnen und Gründer mit innovativen Ideen und etablierte Unternehmen aus dem Mittelstand. Hier entstehen oft die spannendsten Kooperationen. Dazu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Investoren.

Denn gute Forschung braucht den Weg in die Anwendung – und dafür braucht es Kapital, unternehmerischen Mut und starke Netzwerke. Die Zukunft Brandenburgs entsteht dort, wo diese Menschen zusammenkommen und gemeinsam Lösungen entwickeln.

Brandenburgs Zukunft trifft sich in fünf Tagen

Martina Klements Antwort auf die letzte Frage führt damit direkt zu einem der zentralen Punkte ihrer wirtschaftspolitischen Agenda: Brandenburg mangelt es nicht an Ideen, Forschung oder industrieller Kompetenz. Entscheidend ist, die richtigen Akteure zusammenzubringen. Gründerinnen und Gründer. Wissenschaft. Mittelstand. Kapital. Genau diese Gruppen treffen fünf Tage später bei der FUSION in Wildau aufeinander. Ergänzt um die Politik, die dafür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen muss. Wenn Brandenburg tatsächlich zu einem Gewinner des technologischen Wandels werden will, könnte genau hier ein Teil der Antwort liegen: Connecting the dots.

Wir bedanken uns bei Wirtschaftsministerin Martina Klement für das spannende Gespräch und die Einblicke in ihre Pläne für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Brandenburg und wünschen ihr für die kommenden Aufgaben weiterhin viel Erfolg. Weitere Informationen zur FUSION, zum Programm und zur Veranstaltung gibt es direkt bei uns in der Eventdatenbank sowie auf der offiziellen Website der FUSION.


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