Startup-Portrait

Wenn der Klick von einem Bot kommt:Wie PYURE die digitale Werbeindustrietransparenter machen will

Wenn Werbeklicks ins Leere laufen, verlieren Unternehmen bares Geld. PYURE will das ändern und digitale Werbung wirtschaftlicher und ökologisch nachhaltiger machen. Der nächste Teil unserer exklusiven Startup-Serie zum Reaktor Wildau.
Portrait von Marc Nemitz Marc Nemitz · Berlin, 31. Oktober 2026

Startbase begleitet Startups aus dem Reaktor Wildau – heute: PYURE

In unserer exklusiven Serie über die Startups des zweiten Batches des Reaktor Wildau stellen wir jeden Samstag eines der 14 teilnehmenden Unternehmen vor. Dabei begleiten wir ihre Entwicklung während des Accelerator-Programms und begleiten, wie aus innovativen Ideen marktfähige Produkte und erfolgreiche Geschäftsmodelle entstehen.

Nach den bisherigen Porträts über Boomerent, Movolta und RK Droneview steht heute PYURE im Mittelpunkt. Das Startup entwickelt eine Technologie, mit der Unternehmen ihre digitalen Werbekampagnen analysieren, Werbebetrug erkennen und ihre Marketingbudgets effizienter einsetzen können. Gleichzeitig macht PYURE den Energieverbrauch und die CO₂-Emissionen digitaler Werbung messbar.

Die Idee entstand aus einer zunächst ganz anderen Fragestellung: Wie nachhaltig ist digitale Werbung eigentlich? Gründer François Roloff, seit über 20 Jahren in der digitalen Werbeindustrie tätig, begann bereits 2023, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Anfang 2024 wurde PYURE gegründet. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen acht Mitarbeitende, betreut knapp 30 Kunden und ist neben Berlin und Düsseldorf auch beim Reaktor Wildau vertreten.

Doch auf dem Weg hat sich die Positionierung verändert. Während anfangs die ökologische Nachhaltigkeit im Vordergrund stand, geht es heute vor allem darum, Unternehmen einen unmittelbar messbaren wirtschaftlichen Nutzen zu bieten. Denn ein erheblicher Teil digitaler Werbebudgets kann durch ineffiziente Ausspielung, automatisierte Klicks oder betrügerische Aktivitäten verloren gehen. PYURE will diese Schwachstellen sichtbar machen und Werbetreibenden helfen, mehr Wirkung mit dem vorhandenen Budget zu erzielen.

Im Gespräch mit Rafael Kugel, Geschäftsführer des Reaktor Wildau, erzählt François Roloff, wie aus einer Nachhaltigkeitsidee ein Geschäftsmodell zur Optimierung digitaler Werbung wurde, welche Rolle künstliche Intelligenz dabei spielt und warum das Startup seine ursprüngliche Mission trotzdem nicht aufgegeben hat. Außerdem geht es um die Herausforderungen der Gründung, erste Kunden, die eigene Technologieplattform und die nächsten Schritte in Richtung Internationalisierung.

Wenn Werbung ins Leere läuft

Wer online Werbung schaltet, möchte Menschen erreichen. Doch was passiert, wenn hinter einem vermeintlichen Klick gar kein Mensch steckt, sondern ein automatisiertes Programm? Oder wenn Unternehmen für Werbeplätze bezahlen, die kaum Wirkung erzielen?

Genau hier setzt PYURE an. Die Plattform analysiert digitale Werbekampagnen, erkennt auffällige Aktivitäten und zeigt, wo Werbebudgets unnötig verloren gehen. Dabei betrachtet das Startup nicht nur klassische Kennzahlen wie Klicks und Reichweiten, sondern auch technische Prozesse und deren Energieverbrauch.

Gründer François Roloff bringt die Idee mit einem ungewöhnlichen Vergleich auf den Punkt: "Wir sind der Bundesrechnungshof für die Werbeindustrie geworden."

Das Ziel ist einfach: Jeder investierte Werbe-Euro soll möglichst viel Wirkung entfalten – und dabei möglichst wenig Ressourcen verbrauchen.

PYURE

Unternehmen investieren erhebliche Summen in digitale Werbung. Doch nicht jeder Klick stammt von einem Menschen, und nicht jeder investierte Euro erzielt die gewünschte Wirkung. Das Startup PYURE analysiert, wo Werbegeld verloren geht, und entwickelt eine Plattform, die Marketingkampagnen effizienter machen soll. Wirtschaftlich und ökologisch.

Ein Klick nach gerade einmal 0,13 Sekunden. Für François Roloff ist das ein ziemlich deutliches Indiz dafür, dass hier möglicherweise kein Mensch auf eine Werbeanzeige reagiert hat. Denn selbst ein besonders aufmerksamer Nutzer dürfte Schwierigkeiten haben, eine Anzeige in dieser Zeit überhaupt wahrzunehmen und darauf zu klicken. Wahrscheinlicher ist, dass ein automatisiertes Programm dahintersteckt.

Solche Bots sind in der digitalen Werbeindustrie längst kein Randphänomen mehr. Sie können Klicks und andere Interaktionen vortäuschen und damit dafür sorgen, dass Unternehmen für vermeintliche Werbekontakte bezahlen, die tatsächlich nie stattgefunden haben. Hinzu kommen weitere Manipulationstechniken, etwa das sogenannte SDK-Spoofing, bei dem technische Signale aus mobilen Anwendungen gefälscht werden, um Werbeaktivitäten oder App-Installationen vorzutäuschen.

Für Unternehmen, die digitale Werbung schalten, ist das ein Problem. Sie investieren Geld, um potenzielle Kunden zu erreichen, können aber häufig nur schwer nachvollziehen, welcher Teil ihres Budgets tatsächlich die gewünschte Wirkung erzielt. Denn zwischen dem Werbetreibenden und dem Nutzer stehen inzwischen zahlreiche technische Plattformen und automatisierte Prozesse.

Genau dort setzt PYURE an. Die Software analysiert die technischen Daten hinter Werbekampagnen und sucht nach Auffälligkeiten, die auf ineffiziente Ausspielung oder betrügerische Aktivitäten hinweisen. Erkennt das System beispielsweise verdächtige IP-Adressen, können diese bei weiteren Werbeausspielungen ausgeschlossen werden. Ziel ist es, unnötige Ausgaben zu reduzieren und möglichst viel vom eingesetzten Budget dort ankommen zu lassen, wo es tatsächlich Wirkung entfalten kann.

Dabei beschränkt sich PYURE nicht auf die Suche nach Bots. Das Unternehmen untersucht auch, wie effizient die technischen Abläufe hinter einer Kampagne sind und wo sich unnötiger Ressourcenverbrauch vermeiden lässt. Denn jede digitale Werbeanzeige benötigt Infrastruktur: Rechenzentren, Netzwerke und Endgeräte verbrauchen Energie, während die Anzeige ausgeliefert wird. Je komplexer die Prozesse, desto größer kann auch der damit verbundene Ressourcenaufwand sein.

Vom Mediaplan zur Optimierung

Wie das in der Praxis funktionieren soll, zeigt die neue Technologieplattform des Unternehmens. Unternehmen können dort ihre geplanten Werbemaßnahmen hochladen, beispielsweise als PDF oder CSV-Datei. PYURE analysiert diese Mediapläne und erstellt innerhalb von maximal 24 Stunden eine Prognose darüber, welche Emissionen entstehen könnten und wo sich die Kampagne verbessern lässt.

Interessant ist dabei vor allem der nächste Schritt. Die Plattform soll nicht einfach nur Zahlen ausgeben, sondern konkrete Empfehlungen liefern. Welche Werbeplätze sind sinnvoll? Wo gibt es Hinweise auf unnötige Kosten? Welche Änderungen könnten den Energieverbrauch reduzieren, ohne die Werbewirkung zu beeinträchtigen?

Marketingverantwortliche können diese Empfehlungen selbst umsetzen. Perspektivisch will PYURE die Ergebnisse aber auch direkt an die Systeme übergeben, über die Unternehmen ihre Werbeflächen einkaufen. Die Optimierung könnte dann weitgehend automatisiert erfolgen.

Für François Roloff und sein Team war die erste vollständige Demonstration der eigenen Plattform ein besonderer Moment. Über einen langen Zeitraum hatten sie an einzelnen Funktionen, Algorithmen und technischen Schnittstellen gearbeitet. Nun waren die verschiedenen Bausteine erstmals in einer integrierten Anwendung zu sehen. Aus einer Idee, die lange vor allem in Präsentationen und Entwicklungskonzepten existiert hatte, war ein tatsächlich nutzbares Produkt geworden.

Bis dahin war es allerdings ein längerer Weg. Wie viele Technologie-Startups stand auch PYURE vor der Herausforderung, ein komplexes Produkt zu entwickeln und gleichzeitig erste Kunden zu gewinnen. Mehrere Jahre ausschließlich an der eigenen Software zu arbeiten, ohne Umsätze zu erzielen, war keine realistische Option. Deshalb setzte das Unternehmen beim Markteintritt zunächst auch auf Technologien von Drittanbietern. So konnte das Team bereits erste Kundenprojekte umsetzen und Erfahrungen sammeln, während die eigene Plattform weiterentwickelt wurde.

Mittlerweile verfügt PYURE nach Angaben des Gründers über knapp 30 zahlende Kunden. Dazu gehören sowohl Unternehmen, die selbst Werbung schalten, als auch Betreiber digitaler Werbeplattformen. François Roloff nennt im Interview unter anderem Lufthansa, Kleinanzeigen und Unternehmen aus dem Finanzsektor.

Die Interessen dieser beiden Kundengruppen unterscheiden sich durchaus. Während Werbetreibende möglichst viel Wirkung aus ihrem Budget herausholen wollen, müssen Betreiber von Werbeplattformen nachweisen können, dass die angebotenen Werbeflächen tatsächlich die versprochene Qualität haben. Für beide Seiten kann eine unabhängige Analyse deshalb interessant sein.

Warum Nachhaltigkeit trotzdem wichtig bleibt

Ein wesentlicher Bestandteil der Technologie ist weiterhin die Messung des ökologischen Fußabdrucks digitaler Werbung. Dabei geht PYURE über einfache Schätzverfahren hinaus, bei denen beispielsweise ein Werbebudget mit einem pauschalen Emissionsfaktor multipliziert wird.

Solche Berechnungen können zwar eine erste Orientierung geben, berücksichtigen aber nur begrenzt, wie eine Kampagne tatsächlich ausgespielt wurde. PYURE will deshalb möglichst konkrete Aktivitätsdaten auswerten und daraus den Energieverbrauch und die damit verbundenen Emissionen ableiten.

Das ist insbesondere für größere Unternehmen interessant, die ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten dokumentieren und entsprechende Berichte erstellen müssen. Allerdings macht Roloff im Interview einen wichtigen Unterschied: Eine Prognose über mögliche Einsparungen ist noch kein Beleg dafür, dass diese Einsparungen tatsächlich erzielt wurden. Dafür braucht es Daten aus den real durchgeführten Kampagnen.

Die wirtschaftliche und die ökologische Betrachtung greifen damit ineinander. Wenn unnötige technische Prozesse vermieden oder Werbekontakte ohne tatsächlichen Nutzen reduziert werden, kann das sowohl Geld als auch Energie sparen. Genau diese Verbindung ist für PYURE interessant. Sie ermöglicht es, auch Unternehmen anzusprechen, bei denen Nachhaltigkeit derzeit nicht ganz oben auf der Prioritätenliste steht.

Acht Mitarbeitende, knapp 30 Kunden und noch viel Entwicklungsarbeit

Mit acht Mitarbeitenden ist PYURE weiterhin ein vergleichsweise kleines Unternehmen. Ein erheblicher Teil der Arbeit entfällt auf Softwareentwicklung, Algorithmen und künstliche Intelligenz. Gleichzeitig müssen neue Kunden gewonnen, bestehende Projekte betreut und weitere Funktionen in die Plattform integriert werden.

Dass die Technologie bereits im Einsatz ist, bedeutet noch nicht, dass das Unternehmen wirtschaftlich auf eigenen Beinen steht. PYURE wird weiterhin von Investoren unterstützt. Den Break-even hat das Gründerteam spätestens für 2028 vorgesehen.

Bis dahin kommt es vor allem darauf an, die Zahl der Kunden zu erhöhen und die eigene Technologie möglichst effizient zu skalieren. Denn mit jedem neuen Kunden wächst nicht nur der Umsatz, sondern zunächst auch der Aufwand für Integration, Betreuung und Weiterentwicklung.

Ein wichtiger Schritt ist deshalb die Zusammenführung möglichst vieler Funktionen in einer gemeinsamen Plattform. Bisher konzentriert sich PYURE vor allem auf Paid Media, also bezahlte digitale Werbung. Mit der Übernahme eines kleinen Berliner Startups hat das Unternehmen sein Angebot inzwischen um Content Marketing und organische Social-Media-Aktivitäten erweitert.

Perspektivisch sollen auch klassische Werbeformen wie Print und Außenwerbung hinzukommen. Das ist technisch allerdings anspruchsvoller, als es zunächst klingt. Während digitale Plattformen große Mengen an Daten automatisch erzeugen, müssen Informationen über analoge Werbemaßnahmen häufig erst erfasst und in eine vergleichbare Form gebracht werden.

Für PYURE geht es deshalb nicht nur darum, neue Funktionen zu entwickeln, sondern unterschiedliche Datenquellen so zusammenzuführen, dass daraus tatsächlich verwertbare Ergebnisse entstehen.

KI-Agenten und der Blick ins Ausland

Auch künstliche Intelligenz soll künftig eine größere Rolle spielen. PYURE arbeitet daran, seine Technologie über Schnittstellen für KI-Agenten zugänglich zu machen. Diese könnten Daten aus Werbeplattformen automatisiert an die Analyseplattform übergeben und die Ergebnisse anschließend direkt für die Optimierung von Kampagnen nutzen.

Das würde die bisherigen Abläufe deutlich verändern. Statt dass Marketingverantwortliche regelmäßig Berichte auswerten und daraus manuell Maßnahmen ableiten, könnten einzelne Schritte künftig automatisiert erfolgen. Voraussetzung ist allerdings, dass die beteiligten Werbeplattformen entsprechende Daten bereitstellen und technische Eingriffe zulassen.

Parallel dazu plant PYURE den Schritt in internationale Märkte. Ab 2027 will das Unternehmen verstärkt Kunden außerhalb des deutschsprachigen Raums gewinnen. Besonders Frankreich und Großbritannien hält François Roloff für interessant. Dort sei das Thema nachhaltige Werbetechnologie innerhalb der Branche bereits stärker verankert als in Deutschland.

Für ein Unternehmen wie PYURE könnte die Internationalisierung eine wichtige Wachstumschance sein. Denn die Probleme, mit denen sich das Startup beschäftigt, machen nicht an Landesgrenzen halt. Digitale Werbekampagnen werden häufig international ausgespielt, und die technischen Plattformen dahinter sind in vielen Märkten dieselben.

Zunächst muss PYURE jedoch zeigen, dass sich die eigene Technologie auch im größeren Maßstab wirtschaftlich betreiben lässt. Die Plattform ist entwickelt, erste Kunden sind gewonnen und weitere Funktionen befinden sich in Arbeit. Nun geht es darum, daraus ein dauerhaft tragfähiges Unternehmen zu machen.

Dass dieser Weg nicht immer geradlinig verläuft, gehört für François Roloff zum Gründen dazu. Im Interview spricht er offen über Kundenprojekte, die trotz erfolgreicher Tests nicht fortgesetzt wurden, und über die Schwierigkeit, in wirtschaftlich unsicheren Zeiten neue Auftraggeber zu überzeugen.

Gleichzeitig zeigt die bisherige Entwicklung, wie wichtig es für ein Startup ist, sein Angebot an die tatsächlichen Bedürfnisse des Marktes anzupassen. PYURE ist mit einer Nachhaltigkeitsidee gestartet und hat daraus ein Geschäftsmodell entwickelt, bei dem wirtschaftliche Effizienz im Vordergrund steht. Die ursprüngliche Zielsetzung ist dabei nicht verschwunden, sondern Teil der Lösung geblieben.

Ob daraus ein international erfolgreiches Unternehmen wird, ist noch offen. Mit der eigenen Technologieplattform und den ersten Kunden hat PYURE dafür jedenfalls eine Grundlage geschaffen.

„Wir holen mehr aus jedem Werbe-Euro heraus“ – PYURE-Gründer François Roloff im Interview

Pyure Gründer Francois Roloff im Gespräch mit Rafael Kugel vom Reaktor Wildau | (c) Jennifer Wickert / Reaktor Wildau

Wie lässt sich digitaler Werbebetrug erkennen, wie können Unternehmen ihre Marketingbudgets effizienter einsetzen und welche Rolle spielt Nachhaltigkeit dabei? PYURE-Gründer François Roloff spricht mit Rafael Kugel, Geschäftsführer des Reaktor Wildau, über die Entwicklung seines Startups, die Herausforderungen beim Aufbau einer eigenen Technologieplattform und die nächsten Wachstumsschritte.

Rafael Kugel: François, schön, dass du da bist. Erzähl doch mal: Was macht PYURE eigentlich?

François Roloff: Wir sind vor ungefähr zweieinhalb Jahren mit dem Ziel an den Markt gegangen, das Thema Nachhaltigkeit in der digitalen Werbung voranzutreiben. Wir wissen aber alle, wie stark dieses Thema aktuell unter Druck steht. Deshalb haben wir uns entschieden, nicht nur Energieeffizienz, sondern vor allem Budgeteffizienz und Budgetmaximierung im Marketing in den Mittelpunkt zu stellen.

Die kurze Antwort auf die Frage, was PYURE macht, lautet also: Wir holen mehr aus deinem Marketingbudget heraus. Aus dem Werbebudget, das du dir gesetzt und sauer verdient hast. Wir sorgen dafür, dass jeder Euro möglichst dort ankommt und in die Werbeflächen und Marketingmaßnahmen investiert wird, die du dir vorgestellt hast.

Rafael Kugel: Das klingt spannend. Auf der einen Seite spart ihr Energie, was gleichzeitig auch Kosten sparen kann. Aber wie funktioniert das konkret?

François Roloff: Als Startup ist man ja immer auf der Suche nach einem Bild, mit dem sich das eigene Geschäftsmodell einfach erklären lässt. Das Bild, das ich aktuell gerne verwende, ist: Wir sind der Bundesrechnungshof für die Werbeindustrie geworden.

Was der Bundesrechnungshof macht, kennen wir alle. Im Prinzip machen wir etwas Ähnliches. Wir legen offen, wo vorgesehenes Budget eingesetzt wird oder eingesetzt werden soll und ob es dort tatsächlich seinen maximalen Effekt erzielt.

Jeder Marketing-Euro, den beispielsweise der Reaktor investiert, ist letztlich sauer verdientes Geld. Dahinter steckt viel Arbeit, und natürlich muss sich das rentieren. Wenn dieser Werbe-Euro dann nur zur Hälfte oder noch weniger dort ankommt, wo du ihn eigentlich eingeplant hast, gibt es erhebliches Korrekturpotenzial.

Genau das decken wir auf. Wir haben eine Technologie entwickelt, die dein Marketing in Echtzeit beobachtet, Schwachstellen identifiziert und sichtbar macht, wo Budget unnötig verbrannt wird.

Rafael Kugel: Was kann so eine Schwachstelle beispielsweise sein?

François Roloff: Nehmen wir an, du möchtest Werbung auf Nachrichtenseiten, Onlineplattformen oder in einem Sportumfeld schalten. Diese Umfelder sind leider teilweise durch sogenannte Bots belastet. Das sind automatisch interagierende Programme, die dir vorgaukeln, dass sie Menschen sind.

Deine Werbung ist dann möglicherweise gar nicht bei einem Menschen angekommen, sondern bei einem Bot, der daraufgeklickt hat.

Wir können solche Auffälligkeiten unter anderem über die Zeitspanne zwischen dem vollständigen Laden einer Anzeige und dem anschließenden Klick erkennen. Wenn da nur 0,13 Sekunden vergehen, kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass das kein normaler menschlicher Nutzer war. Unter Umständen war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal die ganze Seite geladen.

Rafael Kugel: Entweder ist das mit einer solchen Reaktionszeit der Weltmeister im Gaming oder es handelt sich um einen Bot.

François Roloff: Genau. Und der Weltmeister im Gaming ist eher selten auf diesen Seiten unterwegs.

Ein anderes Beispiel ist App-Marketing. Stell dir vor, du hast eine App entwickelt und möchtest sie bekannter machen. Du investierst also Geld, damit sie im App-Store sichtbarer wird und mehr Menschen sie herunterladen.

Hier gibt es Manipulationstechniken wie das sogenannte SDK-Spoofing. Dabei werden technische Aktivitäten oder Nutzer vorgetäuscht. Das kann dazu führen, dass dein Werbebudget zwar ausgegeben wird, die gewünschten Ergebnisse aber gar nicht oder nicht korrekt deiner Kampagne zugeordnet werden.

Rafael Kugel: Bleiben wir mal bei dem Beispiel mit den Bots. Ich schalte eine Werbung für den Reaktor auf irgendeiner Webseite. Ihr erkennt, dass da ein Bot draufklickt. Was passiert dann? Könnt ihr verhindern, dass meine Werbung dort weiterhin angezeigt wird?

François Roloff: Genau. Das ist eine der Ebenen, auf denen wir arbeiten. Wir können beispielsweise IP-Adressen oder ganze IP-Adressbereiche identifizieren, bei denen solche Auffälligkeiten auftreten. Diese können anschließend blockiert werden.

Wenn also ein Bot erkannt wurde, kann verhindert werden, dass dieselbe Anzeige erneut an diese als nicht menschlich eingestufte Adresse ausgeliefert wird.

Rafael Kugel: Das heißt, einmal klickt der Bot darauf, dann habt ihr ihn erkannt und beim zweiten Mal bekommt er die Werbung nicht mehr angezeigt?

François Roloff: Genau.

Rafael Kugel: Ich glaube, ich habe jetzt einigermaßen verstanden, was ihr macht. Wie weit seid ihr inzwischen? Ist das Produkt fertig, seid ihr am Markt, habt ihr schon Kunden?

François Roloff: So richtig fertig wird man mit einem solchen Produkt eigentlich nie. Es entstehen ständig neue Technologien und neue Techniken, mit denen versucht wird, über digitale Werbung fälschlich Geld zu verdienen. Das ist ein bisschen wie bei Hackern. Man entwickelt Schutzmechanismen, und auf der anderen Seite entstehen wieder neue Methoden.

Wir haben uns das Thema Eco-Efficiency vorgenommen. Das bedeutet für uns sowohl ökonomische als auch ökologische Effizienz. Ursprünglich haben wir unsere Technologie entwickelt, um ökologische Ineffizienzen und unnötig hohe Stromverbräuche in diesen komplexen digitalen Prozessketten aufzudecken.

Das machen wir weiterhin. Aber inzwischen betrachten wir eben auch sehr intensiv die wirtschaftlichen Auswirkungen.

Unsere Plattform funktioniert, sie entdeckt Ineffizienzen und hilft Unternehmen dabei, ihre Budgets besser einzusetzen. Und wir haben bereits zahlende Kunden.

Rafael Kugel: Wie viele sind das mittlerweile?

François Roloff: Wir haben aktuell knapp 30 Kunden. Dabei unterscheiden wir grundsätzlich zwei Gruppen.

Auf der einen Seite stehen die Advertiser, also Unternehmen, die Werbung schalten. Dazu gehören bekannte Marken wie Lufthansa, Kleinanzeigen oder Unternehmen aus dem Bankenbereich.

Auf der anderen Seite gibt es die sogenannten Media Owner. Das sind Betreiber von Webseiten, digitalen Medien oder Werbeplattformen, die selbst Werbeflächen anbieten.

Auch für diese Unternehmen ist unsere Technologie interessant. Sie wollen ihren Kunden schließlich nachweisen können, dass ihre Werbeflächen eine gute Qualität haben und nicht durch Bots oder künstlich erzeugten Traffic belastet sind.

Wir helfen also beiden Seiten: den Unternehmen, die Werbung einkaufen, und denen, die Werbeflächen verkaufen.

Rafael Kugel: Und könnt ihr von den Umsätzen schon leben? Seid ihr bereits profitabel?

François Roloff: Nein, noch nicht. Wir sind weiterhin ein Startup und haben glücklicherweise seit unserem Start einige sehr vertraute Investoren an unserer Seite. Die unterstützen uns nicht nur finanziell, sondern helfen uns auch dabei, im Markt sichtbarer zu werden.

Trotzdem müssen wir uns gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation in Deutschland ziemlich strecken, um neue Kunden zu gewinnen und weiterzuwachsen.

Wir wirtschaften gut, aber allein von unseren Umsätzen könnten wir das Unternehmen heute noch nicht finanzieren. Unser Ziel ist es, spätestens 2028 den Break-even zu erreichen. Das basiert auf unseren Wachstumsannahmen und den Erfahrungen, die wir in den vergangenen zweieinhalb Jahren gesammelt haben.

Rafael Kugel: Wie groß ist euer Team inzwischen?

François Roloff: Wir sind aktuell acht Leute. Ein großer Teil unserer Kapazitäten steckt in Forschung und Entwicklung. Wir beschäftigen uns intensiv mit Algorithmen und künstlicher Intelligenz. Dazu kommen Softwareentwicklung, UI/UX-Design und natürlich der Vertrieb.

Wir haben unser Gründungsbüro in Berlin-Kreuzberg, sind hier in Brandenburg beim Reaktor Wildau vertreten und haben seit Anfang 2025 auch ein Büro in Düsseldorf.

Unsere Mitgründerin Corinna sitzt dort. Das ist für uns ein interessanter Standort, weil sich in Düsseldorf viele Mediaagenturen und Unternehmen aus der Werbeindustrie befinden. Wir sind also ziemlich nah an unseren potenziellen Kunden.

Wir mussten den Zusatznutzen zum Hauptnutzen machen

François Roloff

Rafael Kugel: Du hast vorhin erzählt, dass ihr ursprünglich stärker mit dem Nachhaltigkeitsthema gestartet seid und heute vor allem den wirtschaftlichen Nutzen betont. Ist das ein gesellschaftlicher Wandel? Haben die grünen Themen gerade einfach an Bedeutung verloren?

François Roloff: Das ist eine schwierige Frage. Zunächst einmal ist ja völlig klar, dass der Klimawandel nicht aufgehört hat. Weder Corona noch die anderen Krisen, mit denen wir uns gerade beschäftigen, haben daran etwas geändert.

Wir werden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten erhebliche Veränderungen erleben, die unsere Lebensqualität betreffen. Da geht es um Wasser, Landwirtschaft und viele andere Bereiche.

Aber wir Menschen tendieren dazu, uns zuerst mit den Problemen zu beschäftigen, die uns unmittelbar betreffen. Das ist die etwas leerere Geldbörse, das teurere Benzin oder die steigenden Heizkosten. Diese Dinge beschäftigen uns momentan viel stärker als mittel- oder langfristige Herausforderungen.

Und das gilt natürlich auch für Unternehmen. Gerade in der Werbeindustrie müssen wir uns mit den Bedürfnissen unserer Kunden beschäftigen. Für viele werbetreibende Unternehmen ist es aktuell wichtiger, ihre Budgets abzusichern und sicherzustellen, dass sie nicht Opfer von Betrug oder markenschädlichen Einflüssen werden.

Deshalb würde ich weniger von einem grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel sprechen. Ich glaube, es ist eher eine Konsequenz aus der aktuellen Multikrisensituation und dem wirtschaftlichen Druck, den wir gerade in Deutschland und Mitteleuropa erleben.

Für uns war das eine klare Anforderung des Marktes: Bleibt beim Thema Nachhaltigkeit, aber betont stärker den Wachstumsnutzen und den ökonomischen Nutzen eurer Lösung.

Wir mussten also gewissermaßen den bisherigen Zusatznutzen zum Hauptnutzen machen und den bisherigen Hauptnutzen zum Zusatznutzen.

(c) Jennifer Wickert / Reaktor Wildau

Rafael Kugel: Dabei hängt das ja eigentlich eng zusammen. Wenn ich weniger Energie verbrauche, spare ich gleichzeitig Kosten. Ressourcen effizient einzusetzen ist ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll.

François Roloff: Ganz genau. Meiner Meinung nach geht das immer Hand in Hand. Aber bestehende Systeme tun sich oft unglaublich schwer damit, sich zu verändern und aus ihren gewohnten Abläufen auszubrechen.

Nachhaltigkeit wurde lange vor allem als Kostenthema betrachtet. Erst in den vergangenen Jahren haben wir stärker begonnen zu erkennen, dass darin auch ein wirtschaftlicher Gewinn liegen kann.

Bei der Elektromobilität lässt sich dieser Zusammenhang beispielsweise relativ einfach vermitteln. Aber wie übersetzt du das in die Werbeindustrie? Wie zeigst du einem Unternehmen, dass Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Effizienz bei seinem Marketingbudget zusammengehören?

Genau dafür haben wir unsere Technologie entwickelt.

„Dieses Unternehmergen steckt schon sehr lange in mir“

Rafael Kugel: Was treibt dich persönlich an? Möchtest du die Welt ein Stück besser machen, oder was ist deine Motivation?

François Roloff: Ein Stück weit bin ich auf jeden Fall Weltverbesserer.

Ich mag übrigens das Wort Klugscheißer. Ich finde das gar nicht so negativ. Ich nenne auch meine Kinder manchmal so, weil ich glaube, dass Klugscheißer eine wichtige Aufgabe haben. Sie sind Impulsgeber, sie denken nach und stellen Dinge infrage.

Ich wollte tatsächlich schon mit 16 mein erstes Unternehmen gründen. Damals hatte ich die Idee für eine Hochzeitsagentur namens „Marry Me“. Ich habe selbst Flyer auf meinem Computer gestaltet, ausgedruckt und in Briefkästen verteilt.

Nach ungefähr einem Monat hatte ich tatsächlich die ersten Anfragen. Allerdings nicht von Menschen, die heiraten wollten, sondern von Versicherungsmaklern, die mich als Verkäufer einstellen wollten.

Das war natürlich nicht ganz das, was ich mir vorgestellt hatte. Aber dieses Unternehmergen steckt schon sehr lange in mir.

Ich habe nur eine Weile gebraucht, um das mit meinem Selbstvertrauen und meiner Erfahrung zusammenzubringen. Und diese Erfahrung habe ich vor allem im digitalen Marketing und in der digitalen Werbung gesammelt, wo ich inzwischen seit über 20 Jahren tätig bin.

Rafael Kugel: Warst du bei PYURE dann auch die treibende Kraft? Wie habt ihr euch als Gründerteam gefunden?

François Roloff: Initial war ich auf jeden Fall die treibende Kraft.

Ich habe mich mit der Idee schon beschäftigt, bevor ich 2023 meine letzte Unternehmensbeteiligung verkauft habe und aus der Geschäftsführung meines vorherigen Unternehmens ausgestiegen bin.

Damals habe ich angefangen zu überlegen, wie man Mediabudgets überhaupt unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten untersuchen kann. Es gab dafür kaum etablierte Methoden oder konkrete Anforderungen. Gleichzeitig existierte mit dem European Green Deal bereits das Ziel, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen.

Ich habe also recherchiert, erste methodische Ansätze gefunden und mit vielen Partnern und ehemaligen Kollegen gesprochen. Natürlich gab es dabei auch Gegenwind. Aber einige haben ziemlich schnell erkannt, dass hier eine echte Lücke existiert.

Dann habe ich Benjamin Rabinovic angesprochen, unseren heutigen Chief Product Officer.

Wir haben uns immer wieder in Berlin-Mitte getroffen. Benjamin hat meine Ideen auseinandergenommen und überall dort einen Nein-Stempel draufgesetzt, wo er etwas für nicht umsetzbar hielt.

Aber ich bin immer wieder gekommen.

Nachdem ich ihn fast ein Jahr lang bearbeitet hatte, hat er schließlich eingewilligt, und wir sind zunächst zu zweit losgezogen.

Unsere Mitgründerin Corinna kenne ich schon seit ungefähr 15 Jahren. Sie bringt ein enormes Technologie- und Branchen-Know-how mit. Als wir erste Kunden und erste Belege dafür hatten, dass unser Konzept funktioniert, haben wir uns schließlich als Gründerteam zusammengefunden.

Offiziell gegründet haben wir im ersten Quartal 2024. An der Idee haben wir aber schon deutlich länger gearbeitet.

Rafael Kugel: Wenn du auf diese Zeit zurückblickst: Was waren die Highlights und was waren die Tiefpunkte?

François Roloff: Da schlagen viele Herzen in meiner Brust.

Eigentlich ist Gründen voller kleiner Erfolgserlebnisse. Man muss sie nur als solche erkennen. Häufig nimmt man die kleinen Hürden, die einem jeden Tag begegnen, viel stärker wahr als die Dinge, die schon gut funktionieren.

An ein absolutes Lowlight kann ich mich ehrlich gesagt nicht erinnern.

Natürlich ist es enttäuschend, wenn man mit Kunden gemeinsam Tests durchführt und diese anschließend entscheiden, nicht weiterzumachen. Manchmal passiert das aus Gründen, die wir überhaupt nicht beeinflussen können.

Dann bekommst du keine zweite Chance, es besser zu machen. Das setzt uns schon zu.

Ein absolutes Highlight war dagegen unsere jüngste interne Demonstration der eigenen Plattform. Wir haben so lange daran gearbeitet, und plötzlich war das, was wir immer vor Augen hatten, tatsächlich klickbar und funktionierte.

Das war ein unglaublich schöner Moment.

Eine Plattform, die aus Daten konkrete Empfehlungen macht

Rafael Kugel: Dann erklär doch mal, wie eure Plattform funktioniert. Was kann ich damit als Unternehmen konkret machen?

François Roloff: Nehmen wir an, du hast für den Reaktor Wildau einen Mediaplan erstellen lassen. Darin steht, wo du Werbung schalten möchtest, in welchen Zeiträumen und mit welchem Budget.

Diesen Plan gibst du einfach in unsere Plattform. Das kann eine CSV-Datei sein, aber auch ein PDF.

Wir analysieren innerhalb von maximal 24 Stunden den gesamten Inhalt, das Emissionspotenzial und weitere mögliche Ineffizienzen.

Vor allem zeigen wir dir, wo du optimieren kannst, welchen Effekt das haben könnte und über welche Plattformen du diese Verbesserungen umsetzen kannst.

Das machen wir so detailliert, dass daraus direkte Handlungsempfehlungen entstehen.

Rafael Kugel: Und was mache ich anschließend mit diesen Empfehlungen?

François Roloff: Entweder gibst du sie deiner Marketingleiterin oder deinem Marketingteam, das die Optimierungen manuell umsetzt. Oder du übergibst sie direkt an die Plattformen, über die du deine Werbung einkaufst, und lässt die Veränderungen automatisiert vornehmen.

Genau daran arbeiten wir.

Für mich war es wirklich ein besonderer Moment, als wir diese verschiedenen Funktionen zum ersten Mal in unserer eigenen Plattform zusammengeführt gesehen haben. Du hast das Produkt jahrelang im Kopf, entwickelst einzelne Bausteine und irgendwann ist es tatsächlich da.

Rafael Kugel: Wie haben eure Kunden auf die neue Plattform reagiert?

François Roloff: Viele kennen sie in dieser Form noch gar nicht.

Wir haben für unseren Markteintritt zunächst auch mit Dritttechnologien gearbeitet. Du kannst als Startup ja nicht drei Jahre warten, bis deine eigene Technologie vollständig fertig ist, bevor du überhaupt anfängst, mit Kunden zu arbeiten.

Deshalb haben wir die Produktentwicklung und den Markteintritt parallel vorangetrieben.

Jetzt sind wir dabei, unsere Kunden auf das neue integrierte Tool umzuziehen. Die ersten Reaktionen darauf sind sehr positiv.

Rafael Kugel: Ihr beschäftigt euch ja auch mit Nachhaltigkeitsberichten. Wie funktioniert das genau?

François Roloff: Das ist ein wichtiges Thema für uns.

Bisher wird der CO₂-Fußabdruck von Marketingmaßnahmen häufig relativ grob geschätzt. Man nimmt beispielsweise das eingesetzte Werbebudget und multipliziert es mit einem bestimmten Faktor.

Das berücksichtigt aber gar nicht genau, über welche Kanäle und Plattformen die Werbung tatsächlich ausgespielt wurde und welche technischen Prozesse dahinterstehen.

Wir wollen stattdessen die tatsächlichen Aktivitäten messen und auf dieser Grundlage präzisere Ergebnisse liefern.

Dabei muss man allerdings sauber zwischen einer Prognose und einer Messung unterscheiden. Nur weil wir vorab berechnen können, welche Einsparungen möglich wären, kannst du noch nicht behaupten, dass du tatsächlich nachhaltiger geworden bist.

Erst wenn du die Kampagnen durchgeführt und gemessen hast, entsteht die Grundlage für entsprechende Nachweise.

Auf dieser Basis können wir dann einen Bericht direkt aus unserer Plattform erzeugen, der die Emissionen der Werbemaßnahmen dokumentiert und in die Nachhaltigkeitsberichterstattung eines Unternehmens einfließen kann.

Die nächsten Schritte: neue Kunden, KI und Internationalisierung

Rafael Kugel: Wo geht die Reise hin? Was sind eure nächsten Meilensteine? Wir wollen uns ja in zwei oder drei Monaten wieder treffen und schauen, was sich getan hat.

François Roloff: Meilensteine ist genau das richtige Stichwort.

Wir haben unsere Entwicklung grob bis 2030 durchgeplant und wissen, wo wir dann stehen wollen.

Für die nächsten zwei bis drei Monate geht es auf der Business-Seite vor allem darum, neue potenzielle Kunden zu gewinnen und daraus zahlende Kunden zu machen. Wir denken dabei aktuell besonders an Mediaunternehmen, Versicherungen und Banken.

Auf der Produktseite wollen wir unsere Technologie weiter integrieren und ausbauen.

Ein ganz wichtiger Schritt ist, dass wir unsere Technologie über MCP, also Schnittstellen für KI-Agenten, verfügbar machen.

Das bedeutet, dass Werbeplattformen oder Einkäufer, die mit KI-Agenten arbeiten, ihre Daten automatisiert an uns übergeben können. Wir analysieren sie und senden die Ergebnisse und Optimierungsempfehlungen zurück.

Außerdem haben wir gerade ein kleines Berliner Startup übernommen und unser Angebot damit um Content Marketing und Social Media erweitert.

Bisher haben wir uns hauptsächlich mit Paid Media, also bezahlter Werbung, beschäftigt. Jetzt können wir auch organisches Social-Media-Marketing einbeziehen.

Perspektivisch sollen dann noch analoge Werbemaßnahmen wie Außenwerbung und Print hinzukommen. Wir wollen langfristig den gesamten Marketingbereich abdecken.

Rafael Kugel: Habt ihr für Print und Außenwerbung schon Partner?

François Roloff: Wir haben die methodischen Grundlagen bereits und führen gute Gespräche mit verschiedenen Vermarktern und Publishinghäusern.

Die Herausforderung ist weniger, dass die Unternehmen nicht mit uns sprechen wollen. Der Flaschenhals besteht eher darin, Daten aus analogen Werbeprozessen in einen digitalen Analyse- und Berichtskontext zu übertragen.

Welche Daten kommen von wo? Wie können wir sie miteinander verbinden und anschließend für Analyse und Optimierung nutzen? Das müssen wir lösen.

Rafael Kugel: Wenn ich das zusammenfasse, geht es also um die Integration eurer Produktbereiche, neue Kunden und die Weiterentwicklung der Technologie. Gibt es noch ein drittes großes Ziel?

François Roloff: Ja, die beginnende Internationalisierung.

Wir haben uns vorgenommen, ab 2027 stärker internationale und multinationale Kunden anzusprechen. Bisher waren wir sehr auf den DACH-Markt fokussiert.

Wir merken aber, dass beispielsweise auch in Polen oder Slowenien hochinteressante Unternehmen und Werbemärkte existieren, die sich mit Budgeteffizienz und Nachhaltigkeit beschäftigen.

Rafael Kugel: Wenn du dir Europa anschaust: Welche Märkte sind für grüne Technologien besonders offen? Wo ist es einfacher als in Deutschland?

François Roloff: Ich glaube, im europäischen Vergleich dürfte Frankreich in unserer Branche am weitesten sein. Dort wurden Anforderungen und Initiativen zum Ressourcenschutz relativ schnell aufgenommen und umgesetzt.

Großbritannien ist ebenfalls sehr weit.

Ich spreche dabei ausdrücklich von der Marketing- und AdTech-Branche, nicht von Nachhaltigkeit allgemein.

Am schwersten ist es meiner Einschätzung nach aktuell tatsächlich in Deutschland. Auch Österreich ist eher zurückhaltend. Die Schweiz ist inhaltlich schon etwas weiter und beschäftigt sich länger mit diesen Themen.

Deshalb funktioniert unser Argument „mehr für dein Budget“ gerade so gut. Das ist ein Nutzen, den Unternehmen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten unmittelbar verstehen.

Rafael Kugel: Dann haben wir ja einiges, worauf wir beim nächsten Gespräch zurückkommen können. Ich bin gespannt, wie sich eure Plattform weiterentwickelt, wie viele Kunden dazukommen und wie der Schritt ins Ausland läuft. Vielen Dank für die Einblicke, François.

François Roloff: Sehr gerne. Vielen Dank für das Gespräch. Ich bin gerne hier beim Reaktor und freue mich auf das nächste Mal.

Rafael Kugel: Wir können ja auch nur so gut sein wie die Startups, mit denen wir zusammenarbeiten. Danke dir!


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