Sonne für den Trailer: Wie MOVOLTA die Kühllogistik elektrisiert
Startbase begleitet Startups aus dem Reaktor Wildau – heute: MOVOLTA
In unserer exklusiven Serie über die Startups des zweiten Batches des Reaktor Wildau stellen wir jeden Samstag eines der 14 teilnehmenden Unternehmen vor. Dabei begleiten wir ihre Entwicklung während des Accelerator-Programms und zeigen, wie aus innovativen Ideen marktfähige Produkte und erfolgreiche Geschäftsmodelle entstehen.
Nach dem Auftakt mit dem PropTech Boomerent steht heute MOVOLTA im Mittelpunkt. Das Startup entwickelt Solarlösungen für Nutzfahrzeuge, mit denen unter anderem die Kühlung von Lkw energieeffizienter betrieben werden kann.
Die Verbindung zum Reaktor Wildau begann bereits auf der deGUT 2025, als MOVOLTA noch am Anfang seiner Entwicklung stand. Seitdem hat sich einiges getan: Das Startup wurde in den zweiten Batch des Reaktor Wildau aufgenommen, gewann die zweite Stufe des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg und hat inzwischen seinen ersten Lkw mit Solarmodulen auf dem Dach auf die Straße gebracht.
Wie sich MOVOLTA von der ersten Idee bis zum Praxiseinsatz entwickelt hat, welche Herausforderungen das Team dabei meistern musste und welche Ziele als Nächstes anstehen, erzählt das Startup im heutigen Interview.
Wer an Solarenergie auf Fahrzeugen denkt, hat meist futuristische E-Autos im Kopf. Doch die wahre Revolution findet derzeit auf den Autobahnen statt – und zwar auf den Dächern von Kühlaufliegern. Hier setzt das Startup MOVOLTA an. Die Mission: Den Dieselverbrauch von Kühlaggregaten massiv senken und den Transport von Lebensmitteln leiser und sauberer machen.
Das Problem: Ein „schmutziger“ Motor im Schatten
Kühlauflieger sind in der Logistik autarke Einheiten. Sie verfügen über ein eigenes Kühlaggregat mit eigenem Dieseltank, das völlig unabhängig von der Zugmaschine arbeitet. Das Problem dabei: Der Dieselmotor dient primär dazu, eine Lichtmaschine anzutreiben, die wiederum Strom für die Kältekompressoren liefert. Ein ineffizienter Umweg, der zudem „schmutzig“ verbrennt, da diese Aggregate oft keine modernen Abgasnormen erfüllen. Hinzu kommt der Lärm: Wer schon einmal neben einem stehenden Kühl-LKW übernachten musste, weiß, dass an ein Gespräch – geschweige denn an Schlaf – kaum zu denken ist.
Das Team: Solar-Experten mit Logistik-Genen
Hinter MOVOLTA stehen drei Gründer, die sich blind verstehen: Christoph Sekura, Hanno Siemer und Joachim Ranzmeyer. Sie kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit in der Solarindustrie.
- Joachim Ranzmeyer ist der Techniker des Teams, ist Physiker und Ingenieur. Er bringt das Know-how von der Solarzellen-Entwicklung bis zur Anwendung auf die Straße.
- Hanno Siemer ist der Mann für die Skalierung. Zehn Jahre Erfahrung im Fulfillment bei Amazon haben ihn gelehrt, wie man operative Prozesse aufbaut, die auch bei hohem Volumen funktionieren.
- Christoph Sekura ist der Ideengeber und Kopf hinter MOVOLTA und komplettiert das Trio mit 20 Jahren Branchenerfahrung und dem Blick für den wirtschaftlichen Business Case.

Vom „Klack“ zum Erfolg: Die Lernkurve
Die Gründung vor knapp einem halben Jahr war kein linearer Prozess. Die Gründer erinnern sich noch gut an einen Freitagnachmittag in einer Werkstatt, als ihr erster Prototyp bei einem Testlauf sofort in die Knie ging. Die Elektronik schaltete mit einem lauten „Klack“ wegen Überlast ab – die Anfahrströme des Kühlaggregats waren schlicht zu hoch.
Statt den Kopf in den Sand zu stecken, bewies das Team, was ein agiles Startup ausmacht: Sie analysierten den Fehler, überarbeiteten das Setup und standen zwei Wochen später wieder in der Werkstatt. Diesmal lief das System „wie Butter“. Diese Erfahrung prägte ihre
Philosophie: „Nicht lange am Schreibtisch planen, sondern raus ins Feld, Prototypen bauen und lernen.“
Die Lösung: Ein Solarnachrüstsatz für die Flotte
Das Produkt von MOVOLTA ist ein modulares System aus Solarmodulen auf dem Dach und einer Batterie- sowie Steuerungseinheit, die in einem ungenutzten Palettenkasten am Trailer untergebracht wird. Der Clou: Das System ist reversibel. Das ist entscheidend für die Branche, da viele Trailer geleast oder gemietet sind.
Der Proof of Concept ist erbracht, die Musterzulassung liegt vor. Jetzt geht es in die Skalierung. Das Ziel für die nächsten 12 Monate: Zehn Anlagen in Pilotflotten installieren. Doch die Gründer denken größer. Ein erfolgreicher Pilot bei einem großen Logistiker kann den Weg für den Rollout in Flotten mit hunderten Fahrzeugen ebnen.
Der Blick nach vorn: „Kluges Geld“ gesucht
MOVOLTA ist bisher komplett gebootstrapped gewachsen. Um die Produktentwicklung und den Vertrieb zu beschleunigen, sucht das Team nun 500.000 Euro Risikokapital. Dabei geht es den Gründern nicht nur um das Geld. Sie suchen „kluges Geld“ – Investoren, die mit dem
Unternehmen wachsen wollen und ein Netzwerk mitbringen, das MOVOLTA dabei hilft, Solarenergie auf Fahrzeugen zum neuen Standard in Europa zu machen.
Die Zeichen stehen auf Wachstum. Während die Dieselpreise die Branche belasten, bietet MOVOLTA eine nachhaltige Antwort, die sich rechnet – ganz unabhängig von politischen Tankrabatten. Die Gründer sind überzeugt: Die Zukunft der Logistik ist elektrisch, leise und kommt direkt von oben.
„Wir wollen Solarenergie auf Fahrzeugen normal machen“ – Ein Gespräch mit den Gründern von MOVOLTA
Rafael Kugel (Reaktor Wildau): Schön dass ihr da seid, herzlich Willkommen! Vielleicht erst mal: Wer ist eigentlich Movolta? Wer seid ihr? Erzählt mal.
Christoph Sekura: Vielen Dank für die Einladung, Rafael. Wer sind wir? Wir sind Joachim, Christoph und Hanno. Einige von uns haben schon lange in der Solarindustrie gearbeitet, ich selber bin seit 20 Jahren dabei. Wir alle drei kennen uns aus unserer Zeit bei Enpal. Wir kamen auf die Idee, dass es sinnvoll wäre, Solarsysteme in Fahrzeugen einzusetzen, um Strom einzusparen, Emissionen zu reduzieren und daraus einen Business Case zu generieren. So ist die Idee von Movolta entstanden.
Rafael Kugel: Jetzt sieht man hier auf dem Bild im Hintergrund den Kühlauflieger vom LKW. Das ist das, mit dem ihr einsteigt, oder?
Hanno Siemer: Genau, das ist einer der ersten Anwendungsfälle. Relativ einfach formuliert: Es ist ein Solarnachrüstsatz für Kühllaster. Diese Laster haben ein Kühlaggregat, das mit Diesel läuft. Wir möchten ein Solarsystem auf dem Trailer installieren, um dieses Aggregat mit Strom zu versorgen und den Dieselverbrauch zu senken.
Rafael Kugel: Ist dieser Dieselverbrauch des Kühlaggregats entkoppelt vom eigentlichen Fahrzeug?
Christoph Sekura: Ja, der hat einen eigenen Tank und ein eigenes Aggregat. Das ist im Grunde unabhängig von der Zugmaschine. Man sieht teilweise, dass die Zugmaschine wegfährt, der Trailer steht irgendwo am Rand und die Kühlmaschine läuft autark weiter. Die Dieselmaschine in dieser Kühlung läuft eigentlich nur, um Strom zu erzeugen – da geht super viel Effizienz verloren. Zudem verbrennt der Motor relativ dreckig, weil er keine Euronorm erfüllt. Wir erzeugen den Strom einfach direkt.
Rafael Kugel: Ich habe oft erlebt, dass LKW-Kühlungen nachts vor Häusern stehen – das ist relativ laut. Würde das wegfallen?
Joachim Ranzmeyer: Tatsächlich ist mit Abstand am lautesten dieser Generator und das Verbrennen von Diesel. Wenn der rein elektrisch läuft, ist es deutlich leiser. Das bestätigt deine Vermutung: Die Hauptlärmemission kommt aus dem Dieselbetrieb.
Rafael Kugel: Wie muss man sich das Produkt vorstellen? Solarpaneele auf dem Dach und dann eine Batterie?
Christoph Sekura: Genau, die Module sind oben auf dem Dach. Wir haben aktuell einen Palettenkasten, da bauen wir unsere Elektronik, die Batterie und die Kommunikationsboards rein. Das ist ein sehr praktischer Ort, da Europapaletten dort heutzutage selten gestapelt werden.
Rafael Kugel: Ist das System reversibel? Wenn der LKW Schrott ist, kann man das System auf den nächsten packen?
Hanno Siemer: Ja, es ist reversibel. Das ist sehr wichtig in der Branche, weil wir auch auf den Markt der Leasing- und Mietauflieger abzielen.
Rafael Kugel: Wie seid ihr als Team aufgestellt?
Christoph Sekura: Gegründet haben wir vor knapp einem halben Jahr. Hanno und ich hatten die Idee, Joachim ist zur Gründung mit eingestiegen. Wir kennen uns alle von unserem ehemaligen Arbeitgeber.
Joachim Ranzmeyer: Für mich war das ein wichtiges Argument, zum Team zu stoßen, weil man sich wohlfühlt und es einfach Spaß macht. Von unseren Skills sind wir gut aufgestellt: Ich bin Ingenieur, habe mich auf Halbleiterphysik und Solarzellen spezialisiert und bin für die Technik verantwortlich.
Hanno Siemer: Ich bin wahrscheinlich der, der für die Skalierung verantwortlich ist. Ich habe zehn Jahre bei Amazon im Fulfillment gearbeitet und kenne mich damit aus, wie man in kurzer Zeit viel operative Power bereitstellt.
Rafael Kugel: Was waren die bisherigen Highlights und Tiefpunkte eurer Gründungsgeschichte?
Christoph Sekura: Der Tiefpunkt war ein Freitagnachmittag. Wir hatten unser erstes technisches Setup zusammengebaut, sind zu einem Kühlaggregathersteller gefahren, haben das Aggregat angeschmissen – und unsere Elektronik ist direkt in Überlast gegangen und hat abgeschaltet.
Rafael Kugel: Ein kurzer Test also.
Christoph Sekura: Ja, ein sehr kurzer Test. Aber wir haben das Setup überarbeitet, sind zwei Wochen später wieder hingefahren, und dann lief das Ding wie Butter. Das war das positivste Moment der letzten Monate. Man muss ins Feld, man muss Prototypen bauen und nicht lange am Schreibtisch planen.
Rafael Kugel: Wie viele Kunden habt ihr? Wen sucht ihr?
Joachim Ranzmeyer: Wir haben jetzt Installationen auf Fahrzeugen, die uns der Ankerkunde zur Verfügung gestellt hat. Die Musterzulassung ist abgeschlossen. Der nächste Step ist, weitere Kunden zu aktivieren. Wir suchen Kühl-Spediteure mit hohem Dieselverbrauch, vorzugsweise im Food Bereich.
Rafael Kugel: Hardware ist teuer. Müsst ihr das finanzieren?
Hanno Siemer: Ja, mit Bootstrapping kommen wir da nicht weit. Wir sind auf der Suche nach Risikokapital, wir zielen auf 500.000 Euro ab.
Rafael Kugel: Was muss ein Investor mitbringen?
Joachim Ranzmeyer: Wir brauchen jemanden, der mit uns wachsen möchte. Im Idealfall ist es „kluges Geld“, also jemand, der Netzwerk mitbringt und Lust hat, uns zu unterstützen.
Rafael Kugel: Was müsste in zwei, drei Monaten passiert sein, damit ihr sagt: „Super gelaufen“?
Christoph Sekura: Dass wir gute Daten gesammelt haben, das Ding problemlos läuft und der Kunde zufrieden ist.
Joachim Ranzmeyer: Und dass wir mindestens LOIs (Letter of Intent) oder Bestellungen haben, die Finanzierung gesichert ist und wir eine konkrete Idee für die nächste Produktgeneration haben.
Rafael Kugel: Ich bin sehr gespannt und drücke die Daumen! Wir treffen uns in ein paar Monaten wieder. Danke euch!
Die Gründer: Sehr gerne, danke dir!
Wer noch mehr aus der Serie lesen möchte, findet hier den ersten Teil zu Boomerent!

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