Startup-Portrait

Sonne für den Trailer: Wie MOVOLTA die Kühllogistik elektrisiert

Die Logistikbranche steht unter Druck: Steigende Dieselpreise und strengere Lärmschutzauflagen machen den Transport von Lebensmitteln zur Herausforderung. Das Startup MOVOLTA hat eine Lösung entwickelt, die nicht nur die Bilanz der Spediteure verbessert, sondern auch die Umwelt schont. Wir haben mit den Gründern über ihren Weg vom ersten Prototypen bis zur Musterzulassung gesprochen.
Portrait von Marc Nemitz Marc Nemitz · Wildau, 17. Oktober 2026

Startbase begleitet Startups aus dem Reaktor Wildau – heute: MOVOLTA

In unserer exklusiven Serie über die Startups des zweiten Batches des Reaktor Wildau stellen wir jeden Samstag eines der 14 teilnehmenden Unternehmen vor. Dabei begleiten wir ihre Entwicklung während des Accelerator-Programms und zeigen, wie aus innovativen Ideen marktfähige Produkte und erfolgreiche Geschäftsmodelle entstehen.

Nach dem Auftakt mit dem PropTech Boomerent steht heute MOVOLTA im Mittelpunkt. Das Startup entwickelt Solarlösungen für Nutzfahrzeuge, mit denen unter anderem die Kühlung von Lkw energieeffizienter betrieben werden kann.

Die Verbindung zum Reaktor Wildau begann bereits auf der deGUT 2025, als MOVOLTA noch am Anfang seiner Entwicklung stand. Seitdem hat sich einiges getan: Das Startup wurde in den zweiten Batch des Reaktor Wildau aufgenommen, gewann die zweite Stufe des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg und hat inzwischen seinen ersten Lkw mit Solarmodulen auf dem Dach auf die Straße gebracht.

Wie sich MOVOLTA von der ersten Idee bis zum Praxiseinsatz entwickelt hat, welche Herausforderungen das Team dabei meistern musste und welche Ziele als Nächstes anstehen, erzählt das Startup im heutigen Interview.

Wer an Solarenergie auf Fahrzeugen denkt, hat meist futuristische E-Autos im Kopf. Doch  die wahre Revolution findet derzeit auf den Autobahnen statt – und zwar auf den Dächern  von Kühlaufliegern. Hier setzt das Startup MOVOLTA an. Die Mission: Den Dieselverbrauch  von Kühlaggregaten massiv senken und den Transport von Lebensmitteln leiser und  sauberer machen.  

Das Problem: Ein „schmutziger“ Motor im Schatten  

Kühlauflieger sind in der Logistik autarke Einheiten. Sie verfügen über ein eigenes  Kühlaggregat mit eigenem Dieseltank, das völlig unabhängig von der Zugmaschine arbeitet.  Das Problem dabei: Der Dieselmotor dient primär dazu, eine Lichtmaschine anzutreiben, die  wiederum Strom für die Kältekompressoren liefert. Ein ineffizienter Umweg, der zudem  „schmutzig“ verbrennt, da diese Aggregate oft keine modernen Abgasnormen erfüllen. Hinzu  kommt der Lärm: Wer schon einmal neben einem stehenden Kühl-LKW übernachten  musste, weiß, dass an ein Gespräch – geschweige denn an Schlaf – kaum zu denken ist.  

Das Team: Solar-Experten mit Logistik-Genen  

Hinter MOVOLTA stehen drei Gründer, die sich blind verstehen: Christoph Sekura, Hanno  Siemer und Joachim Ranzmeyer. Sie kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit in der  Solarindustrie.  

- Joachim Ranzmeyer ist der Techniker des Teams, ist Physiker und Ingenieur. Er bringt das  Know-how von der Solarzellen-Entwicklung bis zur Anwendung auf die Straße.  

- Hanno Siemer ist der Mann für die Skalierung. Zehn Jahre Erfahrung im Fulfillment bei  Amazon haben ihn gelehrt, wie man operative Prozesse aufbaut, die auch bei hohem  Volumen funktionieren.  

- Christoph Sekura ist der Ideengeber und Kopf hinter MOVOLTA und komplettiert das Trio  mit 20 Jahren Branchenerfahrung und dem Blick für den wirtschaftlichen Business Case.  

MOVOLTA im Gespräch mit Rafael Kugel | (c) Jennifer Wickert/Reaktor Wildau

Vom „Klack“ zum Erfolg: Die Lernkurve  

Die Gründung vor knapp einem halben Jahr war kein linearer Prozess. Die Gründer erinnern  sich noch gut an einen Freitagnachmittag in einer Werkstatt, als ihr erster Prototyp bei einem  Testlauf sofort in die Knie ging. Die Elektronik schaltete mit einem lauten „Klack“ wegen  Überlast ab – die Anfahrströme des Kühlaggregats waren schlicht zu hoch.  

Statt den Kopf in den Sand zu stecken, bewies das Team, was ein agiles Startup ausmacht:  Sie analysierten den Fehler, überarbeiteten das Setup und standen zwei Wochen später  wieder in der Werkstatt. Diesmal lief das System „wie Butter“. Diese Erfahrung prägte ihre 

Philosophie: „Nicht lange am Schreibtisch planen, sondern raus ins Feld, Prototypen bauen  und lernen.“  

Die Lösung: Ein Solarnachrüstsatz für die Flotte  

Das Produkt von MOVOLTA ist ein modulares System aus Solarmodulen auf dem Dach und  einer Batterie- sowie Steuerungseinheit, die in einem ungenutzten Palettenkasten am Trailer  untergebracht wird. Der Clou: Das System ist reversibel. Das ist entscheidend für die  Branche, da viele Trailer geleast oder gemietet sind.  

Der Proof of Concept ist erbracht, die Musterzulassung liegt vor. Jetzt geht es in die  Skalierung. Das Ziel für die nächsten 12 Monate: Zehn Anlagen in Pilotflotten installieren.  Doch die Gründer denken größer. Ein erfolgreicher Pilot bei einem großen Logistiker kann  den Weg für den Rollout in Flotten mit hunderten Fahrzeugen ebnen.  

Der Blick nach vorn: „Kluges Geld“ gesucht  

MOVOLTA ist bisher komplett gebootstrapped gewachsen. Um die Produktentwicklung und  den Vertrieb zu beschleunigen, sucht das Team nun 500.000 Euro Risikokapital. Dabei geht  es den Gründern nicht nur um das Geld. Sie suchen „kluges Geld“ – Investoren, die mit dem  

Unternehmen wachsen wollen und ein Netzwerk mitbringen, das MOVOLTA dabei hilft,  Solarenergie auf Fahrzeugen zum neuen Standard in Europa zu machen.  

Die Zeichen stehen auf Wachstum. Während die Dieselpreise die Branche belasten, bietet  MOVOLTA eine nachhaltige Antwort, die sich rechnet – ganz unabhängig von politischen  Tankrabatten. Die Gründer sind überzeugt: Die Zukunft der Logistik ist elektrisch, leise und  kommt direkt von oben. 

„Wir wollen Solarenergie auf Fahrzeugen normal machen“ – Ein  Gespräch mit den Gründern von MOVOLTA 

Rafael Kugel (Reaktor Wildau): Schön dass ihr da seid, herzlich Willkommen! Vielleicht erst mal: Wer  ist eigentlich Movolta? Wer seid ihr? Erzählt mal.  

Christoph Sekura: Vielen Dank für die Einladung, Rafael. Wer sind wir? Wir sind Joachim, Christoph  und Hanno. Einige von uns haben schon lange in der Solarindustrie gearbeitet, ich selber bin seit 20  Jahren dabei. Wir alle drei kennen uns aus unserer Zeit bei Enpal. Wir kamen auf die Idee, dass es  sinnvoll wäre, Solarsysteme in Fahrzeugen einzusetzen, um Strom einzusparen, Emissionen zu  reduzieren und daraus einen Business Case zu generieren. So ist die Idee von Movolta entstanden.  

Rafael Kugel: Jetzt sieht man hier auf dem Bild im Hintergrund den Kühlauflieger vom LKW. Das ist  das, mit dem ihr einsteigt, oder?  

Hanno Siemer: Genau, das ist einer der ersten Anwendungsfälle. Relativ einfach formuliert: Es ist ein  Solarnachrüstsatz für Kühllaster. Diese Laster haben ein Kühlaggregat, das mit Diesel läuft. Wir  möchten ein Solarsystem auf dem Trailer installieren, um dieses Aggregat mit Strom zu versorgen  und den Dieselverbrauch zu senken.  

Rafael Kugel: Ist dieser Dieselverbrauch des Kühlaggregats entkoppelt vom eigentlichen Fahrzeug?  

Christoph Sekura: Ja, der hat einen eigenen Tank und ein eigenes Aggregat. Das ist im Grunde  unabhängig von der Zugmaschine. Man sieht teilweise, dass die Zugmaschine wegfährt, der Trailer  steht irgendwo am Rand und die Kühlmaschine läuft autark weiter. Die Dieselmaschine in dieser  Kühlung läuft eigentlich nur, um Strom zu erzeugen – da geht super viel Effizienz verloren. Zudem  verbrennt der Motor relativ dreckig, weil er keine Euronorm erfüllt. Wir erzeugen den Strom einfach  direkt.  

Rafael Kugel: Ich habe oft erlebt, dass LKW-Kühlungen nachts vor Häusern stehen – das ist relativ  laut. Würde das wegfallen?  

Joachim Ranzmeyer: Tatsächlich ist mit Abstand am lautesten dieser Generator und das Verbrennen  von Diesel. Wenn der rein elektrisch läuft, ist es deutlich leiser. Das bestätigt deine Vermutung: Die  Hauptlärmemission kommt aus dem Dieselbetrieb.  

Rafael Kugel: Wie muss man sich das Produkt vorstellen? Solarpaneele auf dem Dach und dann eine  Batterie?  

Christoph Sekura: Genau, die Module sind oben auf dem Dach. Wir haben aktuell einen  Palettenkasten, da bauen wir unsere Elektronik, die Batterie und die Kommunikationsboards rein.  Das ist ein sehr praktischer Ort, da Europapaletten dort heutzutage selten gestapelt werden.  

Rafael Kugel: Ist das System reversibel? Wenn der LKW Schrott ist, kann man das System auf den  nächsten packen?  

Hanno Siemer: Ja, es ist reversibel. Das ist sehr wichtig in der Branche, weil wir auch auf den Markt  der Leasing- und Mietauflieger abzielen.  

Rafael Kugel: Wie seid ihr als Team aufgestellt? 

Christoph Sekura: Gegründet haben wir vor knapp einem halben Jahr. Hanno und ich hatten die Idee,  Joachim ist zur Gründung mit eingestiegen. Wir kennen uns alle von unserem ehemaligen  Arbeitgeber.  

Joachim Ranzmeyer: Für mich war das ein wichtiges Argument, zum Team zu stoßen, weil man sich  wohlfühlt und es einfach Spaß macht. Von unseren Skills sind wir gut aufgestellt: Ich bin Ingenieur,  habe mich auf Halbleiterphysik und Solarzellen spezialisiert und bin für die Technik verantwortlich.  

Hanno Siemer: Ich bin wahrscheinlich der, der für die Skalierung verantwortlich ist. Ich habe zehn  Jahre bei Amazon im Fulfillment gearbeitet und kenne mich damit aus, wie man in kurzer Zeit viel  operative Power bereitstellt.  

Rafael Kugel: Was waren die bisherigen Highlights und Tiefpunkte eurer Gründungsgeschichte?  

Christoph Sekura: Der Tiefpunkt war ein Freitagnachmittag. Wir hatten unser erstes technisches  Setup zusammengebaut, sind zu einem Kühlaggregathersteller gefahren, haben das Aggregat  angeschmissen – und unsere Elektronik ist direkt in Überlast gegangen und hat abgeschaltet.  

Rafael Kugel: Ein kurzer Test also.  

Christoph Sekura: Ja, ein sehr kurzer Test. Aber wir haben das Setup überarbeitet, sind zwei Wochen  später wieder hingefahren, und dann lief das Ding wie Butter. Das war das positivste Moment der  letzten Monate. Man muss ins Feld, man muss Prototypen bauen und nicht lange am Schreibtisch  planen.  

Rafael Kugel: Wie viele Kunden habt ihr? Wen sucht ihr?  

Joachim Ranzmeyer: Wir haben jetzt Installationen auf Fahrzeugen, die uns der Ankerkunde zur  Verfügung gestellt hat. Die Musterzulassung ist abgeschlossen. Der nächste Step ist, weitere Kunden  zu aktivieren. Wir suchen Kühl-Spediteure mit hohem Dieselverbrauch, vorzugsweise im Food Bereich.  

Rafael Kugel: Hardware ist teuer. Müsst ihr das finanzieren?  

Hanno Siemer: Ja, mit Bootstrapping kommen wir da nicht weit. Wir sind auf der Suche nach  Risikokapital, wir zielen auf 500.000 Euro ab.  

Rafael Kugel: Was muss ein Investor mitbringen?  

Joachim Ranzmeyer: Wir brauchen jemanden, der mit uns wachsen möchte. Im Idealfall ist es  „kluges Geld“, also jemand, der Netzwerk mitbringt und Lust hat, uns zu unterstützen.  

Rafael Kugel: Was müsste in zwei, drei Monaten passiert sein, damit ihr sagt: „Super gelaufen“?  

Christoph Sekura: Dass wir gute Daten gesammelt haben, das Ding problemlos läuft und der Kunde  zufrieden ist.  

Joachim Ranzmeyer: Und dass wir mindestens LOIs (Letter of Intent) oder Bestellungen haben, die  Finanzierung gesichert ist und wir eine konkrete Idee für die nächste Produktgeneration haben.  

Rafael Kugel: Ich bin sehr gespannt und drücke die Daumen! Wir treffen uns in ein paar Monaten  wieder. Danke euch! 

Die Gründer: Sehr gerne, danke dir! 

Wer noch mehr aus der Serie lesen möchte, findet hier den ersten Teil zu Boomerent!


Like it? Please spread the word:


Newsletter

Startups, Geschichten und Statistiken aus dem deutschen Startup-Ökosystem direkt in deinen Posteingang. Abonnieren mit 2 Klicks. Noice.

LinkedIn Connect

FYI: English edition available

Hello my friend, have you been stranded on the German edition of Startbase? At least your browser tells us, that you do not speak German - so maybe you would like to switch to the English edition instead?

Go to English edition

FYI: Deutsche Edition verfügbar

Hallo mein Freund, du befindest dich auf der Englischen Edition der Startbase und laut deinem Browser sprichst du eigentlich auch Deutsch. Magst du die Sprache wechseln?

Deutsche Edition öffnen

Ähnliche Beiträge