Sona8: Was Unternehmen über sich selbst nicht wissen
Ein neuer Prozess kann auf dem Papier fertig eingeführt sein, während die Teams längst wieder mit ihren alten Listen arbeiten. Vielleicht fehlt eine Funktion. Vielleicht passt der Ablauf an einem Standort nicht. Wer wissen will, was dahintersteckt, muss die Menschen fragen, die jeden Tag damit arbeiten.
Anton Hantel und Thilo Tamme kennen diese Aufgabe aus der Beratung. Sie haben selbst Mitarbeitende interviewt und aus den Gesprächen Empfehlungen entwickelt. Dabei blieb offen, was die Menschen erzählt hätten, die nicht auf der Interviewliste standen. Mit Sona8 wollen sie solche Gespräche at scale führen und auch während der Umsetzung dranbleiben.
Vom Interview zur Umsetzung
Mitarbeitende bekommen einen Link und sprechen mit einem Voice Agent über ihren Arbeitsalltag. Sie beschreiben Abläufe in eigenen Worten. Erzählt jemand von einem Workaround, fragt der Agent nach: Welche Informationen fehlen? Wer muss einspringen? Warum wird ein Schritt weiterhin manuell erledigt?
Sona8 erstellt daraus Process Maps und eine priorisierte Übersicht der Painpoints nach Team und Standort. Die Plattform richtet sich an Transformation und Strategy Teams, Beratungen und Private Equity Firmen. Nach einem Rollout kann der Agent erneut nachfragen, was sich verändert hat. So sollen Projektverantwortliche auch erkennen, wenn eine Maßnahme das Problem nur in ein anderes Team verschiebt.
Die Teilnahme ist freiwillig. Ein Gespräch mit einer KI garantiert noch keine Offenheit. Für das Team gehören deshalb Datenschutz, Mitbestimmung und Security zum Produkt. Mitarbeitende müssen verstehen, wer ihre Aussagen sehen kann und wofür sie verwendet werden.
Aus der Beratung ein Unternehmen bauen
Anton ist in München und im Umland aufgewachsen. Nach BCG begann er einen MBA am MIT. Thilo hat an der TUM studiert, war bei BCG X und forschte an der TUM zu Conversational AI. Anfangs bauten die beiden neben Studium und Promotion an Sona8. Als die ersten Piloten anliefen, entschieden sie sich für die Firma in Vollzeit. Anton verließ den MBA, Thilo die Promotion.
Antons Fokus als CEO liegt auf Sales, daneben kümmert er sich um Fundraising. Er hat die Beziehungen zu Investoren und Acceleratoren aufgebaut, darunter zu Y Combinator. Gemeinsam mit Thilo arbeitet er außerdem an Papers zu AI Voice und Organizational Intelligence im Bereich Information Systems. Ein gemeinsamer Beitrag mit weiteren Autoren ist bei der European Conference on Information Systems erschienen.
Thilo arbeitet als CPO am Product und iteriert es im direkten Austausch mit den Pilotpartnern. Die dritte Mitgründerin ist Madeleine Malmsten. Die Schwedin war AI Engineer bei QuantumBlack, der AI Unit von McKinsey, und ist heute CTO von Sona8. Sie baut selbst am Produkt und bringt Erfahrung aus der Entwicklung von Software und KI für große Unternehmen mit.
Heute arbeitet das Team in San Francisco und gehört zum Fall Batch 2026 von Y Combinator. Für das Team stehen dort Tempo und der Zugang zu Kapital im Vordergrund. Deutschland bleibt mit den ersten Kunden und den Kontakten aus der Beratungszeit ein wichtiger Markt.

Madeleine und Jakob bauen das Produkt
Jakob war schon früh dabei und hat als Founding Engineer die erste Plattform von Sona8 gebaut. Er studiert ebenfalls an der TUM, hat seinen Bachelor als Jahrgangsbester abgeschlossen und bringt Erfahrung aus der Group IT von Volkswagen mit, wo er an Systemen für die Fahrzeugproduktion gearbeitet hat. Heute baut er mit Madeleine am Produkt und verantwortet die Plattform, von der Architektur bis zum Deployment.
Das AI Engineering dahinter stammt von ihm, von den Voice Models des Agenten bis zur Auswertung der Gespräche. Wenn viele Interviews zusammengefasst werden, können gerade die entscheidenden Details verloren gehen. Was an einem Standort einen Ablauf blockiert, taucht in einer Übersicht der häufigsten Themen womöglich kaum auf.
Jakob hat die Analyse so gebaut, dass solche Hinweise durch jede Stufe der Auswertung erhalten bleiben, statt dass die Häufigkeit entscheidet, was bei der Führung ankommt. Die Findings zeigen, wo ein Problem sitzt, wen es betrifft und unter welchen Bedingungen es auftritt. Dafür reicht es nicht, aus vielen Transkripten einen kürzeren Text zu machen.
Die langfristige Vision hinter Sona8
Die langfristige Vision geht über das heutige Produkt hinaus: Aus den Gesprächen und Informationen bestehender Tools soll eine Live Map des Unternehmens entstehen. Die Idee dahinter: Jede große Entscheidung ist eine Wahl zwischen Alternativen. Welche man sieht, hängt davon ab, welchen Kontext man hat. Sona8 will das Wissen aus dem Arbeitsalltag dorthin bringen, wo entschieden wird, und laufend aktuell halten.
Sona8 soll für eine konkrete Frage die relevanten Insights herausfiltern und einordnen. Transformation, Strategy und Consulting Teams könnten damit Alternativen bewerten, statt zunächst denselben Kontext neu zusammenzusuchen. Der Anspruch ist, mit kleineren Teams schneller von der Analyse zur Umsetzung zu kommen.
Zu dieser Vision gehört auch ein Synthetic Layer, der Perspektiven und Abhängigkeiten der Mitarbeitenden modellieren soll. Teams könnten ihre Optionen vor einem Rollout auf mögliche Folgen für verschiedene Standorte prüfen. Ob die Annahmen stimmen, müsste sich anschließend in der Umsetzung zeigen.
Auf lange Sicht könnte diese Map auch AI Agents als Context Layer dienen. Ein Agent würde dort nachlesen, wie ein Prozess heute läuft, wer daran beteiligt ist und warum bestimmte Ausnahmen bestehen, bevor er etwas verändert. Sona8 will der Ort werden, an dem dieses Wissen verfügbar bleibt. Der Ausgangspunkt sind die Menschen, die es heute schon haben.

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