Bis zu fünf Millionen Euro pro Projekt: Bund startet neues Förderprogramm für digitale Technologien
Der Bund will den Weg von digitaler Forschung zum marktfähigen Produkt verkürzen. Mit dem neuen Förderprogramm "Digital-Tech-to-Product" unterstützt das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) insbesondere Startups und kleine und mittlere Unternehmen dabei, bereits erprobte Technologien bis zur vorkommerziellen Marktreife weiterzuentwickeln. Pro Vorhaben sind bis zu fünf Millionen Euro Förderung möglich. Der erste Förderaufruf konzentriert sich auf Künstliche Intelligenz, Datenökosysteme, Cybersicherheit sowie Cloud und Edge Computing. Bewerbungen sind bis zum 11. Oktober 2026 möglich.
Hinter dem Programm steht ein bekanntes Problem des deutschen Innovationsstandorts: Deutschland verfügt über eine starke Forschungslandschaft, aus technologischen Entwicklungen entstehen aber nicht automatisch international skalierende Unternehmen und Produkte. Digital-Tech-to-Product setzt deshalb bewusst nach der frühen Forschungsphase an.
Vom Proof of Concept zum marktfähigen Produkt
Im Mittelpunkt stehen nicht neue Grundlagenforschungsprojekte, sondern Technologien, deren grundsätzliche Machbarkeit bereits nachgewiesen wurde.
Gefördert werden vor allem produktorientierte Innovationsprojekte, die nach einer erfolgreichen Technologiedemonstration bis zum Technology Readiness Level 8 (TRL 8) weiterentwickelt werden sollen. Damit adressiert das Programm die Phase zwischen funktionierender Technologie und vorkommerzieller Marktreife.
Pro Vorhaben kann das BMDS bis zu fünf Millionen Euro bereitstellen. Projekte auf einem früheren Entwicklungsstand nach einem Proof of Concept, ungefähr auf TRL 4 oder 5, können in Einzelfällen ebenfalls berücksichtigt werden, stehen aber nicht im Mittelpunkt.
Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger sieht insbesondere beim Transfer von Forschung in skalierbare Technologieunternehmen Handlungsbedarf. Deutschland gehöre zu den Spitzenreitern bei Forschung und Entwicklung. Entscheidend sei nun, diese Stärke "in Innovationen und skalierende Tech-Unternehmen zu übersetzen".
Startups und KMU stehen im Mittelpunkt
Adressiert werden insbesondere Startups sowie kleine und mittlere Unternehmen. Bewerbungen sind sowohl als Einzelprojekt als auch gemeinsam mit weiteren Partnern in einem Konsortium möglich. Grundsätzlich ist Digital-Tech-to-Product technologieoffen. Die konkreten technologischen Schwerpunkte werden allerdings über einzelne Förderaufrufe definiert.
Der erste Call konzentriert sich auf vier Bereiche: Künstliche Intelligenz und KI-basierte Lösungen, Datenökosysteme, Cybersicherheit und Kryptografie sowie Cloud und Edge Computing. Damit setzt das BMDS vor allem auf Technologien, die sowohl für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit als auch für die technologische Unabhängigkeit Deutschlands und Europas als relevant angesehen werden.
"Market Pull" statt "Technology Push"
Das BMDS formuliert ausdrücklich in seiner Förderlogik den Grundsatz "Market Pull statt Technology Push". Es soll also nicht ausreichen, eine technisch interessante Lösung zu entwickeln und anschließend nach einem möglichen Anwendungsfall zu suchen. Antragsteller müssen ein konkretes Problem aus Wirtschaft oder Gesellschaft adressieren und einen nachvollziehbaren Bedarf für ihre Technologie belegen.
Entsprechend müssen Unternehmen bereits bei der Bewerbung eine Perspektive für Geschäftsmodell, Verwertung und Markteinführung vorlegen. Die Förderung soll damit genau jene Phase adressieren, in der aus einem Forschungs- oder Entwicklungsprojekt ein tatsächlich vermarktbares Produkt werden muss.
Digitale Souveränität wird zum Auswahlkriterium
Neben Marktpotenzial und technischer Innovation spielt die digitale Souveränität eine zentrale Rolle. Antragsteller sollen ihren Technologie-Stack transparent darstellen und erklären, wie ihre Lösung zu größerer Resilienz, technologischer Selbstbestimmung oder einer geringeren Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern beitragen kann.
Damit wird technologische Souveränität nicht nur als politisches Ziel formuliert, sondern unmittelbar zu einem Kriterium für die Vergabe von Fördermitteln. Das BMDS nennt vier zentrale Auswahlkriterien: Geschäftsmodell und Marktpotenzial, digitale Souveränität, Innovativität sowie Umsetzungsansatz.
Gerade für Startups dürfte damit relevant werden, wie konkret sie den Beitrag ihrer Technologie zur europäischen Wertschöpfung und zu resilienteren digitalen Infrastrukturen darstellen können.
Bewerbungsfrist endet am 11. Oktober
Der erste Förderaufruf läuft bereits. Interessierte Unternehmen und Konsortien können ihre Projektskizzen noch bis zum 11. Oktober 2026 einreichen. Das Verfahren ist zweistufig aufgebaut. Zunächst wird eine Projektskizze digital über das Antragssystem easy-Online eingereicht. Unternehmen mit positiv bewerteten Konzepten werden anschließend aufgefordert, einen vollständigen Förderantrag vorzulegen.
Die Förderberatung übernehmen TÜV Rheinland Forschungs- und Innovationsmanagement sowie VDI/VDE Innovation + Technik. Weitere Förderaufrufe sollen nach Angaben des Ministeriums in den kommenden Monaten folgen.
Fünf Millionen Euro können die Lücke zur Series A verkleinern
Für Startups ist insbesondere die Größenordnung interessant. Bis zu fünf Millionen Euro pro Projekt können gerade bei kapitalintensiven digitalen Technologien einen erheblichen Unterschied machen. Das Programm setzt dabei an einer Phase an, die für junge Technologieunternehmen besonders schwierig sein kann: Der Proof of Concept funktioniert, für eine breite kommerzielle Nutzung fehlen jedoch Produktentwicklung, Integrationen, Zertifizierungen, Infrastruktur oder Ressourcen für Pilotprojekte.
Private Investoren wiederum erwarten häufig bereits klare Hinweise auf Product-Market-Fit und skalierbare Umsätze. Genau zwischen diesen beiden Entwicklungsstufen kann eine Finanzierungslücke entstehen. Digital-Tech-to-Product versucht, einen Teil dieses Risikos über öffentliche Förderung abzufangen, allerdings mit einem klaren Anspruch an die spätere wirtschaftliche Verwertung.
Entscheidend wird, was nach der Förderung passiert
Damit adressiert das BMDS einen wichtigen Punkt der deutschen Innovationspolitik. Nicht die Zahl der Forschungsprojekte allein entscheidet darüber, ob Deutschland im internationalen Technologiewettbewerb mithalten kann. Entscheidend ist, wie häufig aus Forschung wettbewerbsfähige Produkte und aus Technologien skalierende Unternehmen entstehen.
Der Ansatz "Market Pull statt Technology Push" ist deshalb bemerkenswert. Statt primär technologische Entwicklung zu finanzieren, soll von Beginn an ein konkreter Markt im Mittelpunkt stehen.
Bis zu fünf Millionen Euro öffentliche Förderung können Unternehmen über eine schwierige Entwicklungsphase helfen. Langfristig wird sich der Erfolg des Programms jedoch daran messen lassen müssen, wie viele der geförderten Projekte nach TRL 8 tatsächlich Kunden gewinnen, privates Wachstumskapital mobilisieren und sich international skalieren lassen. Denn digitale Souveränität entsteht letztlich nicht allein dadurch, Technologien in Deutschland zu entwickeln. Sie entsteht auch dann, wenn daraus Unternehmen hervorgehen, deren Produkte im internationalen Wettbewerb bestehen.

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