Public Makers: Den öffentlichen Sektor nicht nur verstehen, sondern mitgestalten
Wer heute studiert und etwas verändern möchte, landet gedanklich schnell bei Startups, Tech Unternehmen oder Beratung. Dort scheint die Möglichkeit zu liegen, neue Ideen umzusetzen, Verantwortung zu übernehmen und Dinge aufzubauen.
Der öffentliche Sektor wird dagegen häufig anders wahrgenommen: als groß, komplex und langsam und vor allem als etwas, das bereits existiert und verwaltet werden muss.
Unseres Erachtens liegt in genau dieser Trennung das Problem.
Einige der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit liegen dort, wo Staat und Gesellschaft organisiert werden. In Kommunen, Verwaltungen und öffentlichen Institutionen. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Mobilität, Bildung oder neue Formen gesellschaftlicher Beteiligung sind keine abstrakten Themen. Sie bestimmen ganz konkret, wie unser Zusammenleben in Zukunft funktioniert.
Die Frage ist deshalb nicht nur, wie der Staat innovativer werden kann.
Sondern auch wer ihn gestaltet.
Wer sind Public Makers?
Die Menschen, die diese Verantwortung für sich annehmen, nennen wir Public Makers. Public Maker ist für uns kein Jobtitel und keine bestimmte Karriere.
Man kann in einer Verwaltung arbeiten und Public Maker sein. Man kann ein Startup gründen und Public Maker sein. Man kann studieren, entwickeln, forschen oder unterrichten und Public Maker sein.
Entscheidend ist die Haltung dahinter.
Ein Public Maker wartet nicht ausschließlich darauf, dass Veränderung von einer anderen Stelle kommt. Er oder sie fragt: Was kann ich selbst dazu beitragen? Was lohnt sich zu verändern? Und wie können wir aus einer Idee etwas machen, das tatsächlich funktioniert?
Genau hier treffen für uns zwei Denkweisen aufeinander, die häufig getrennt betrachtet werden.
Der öffentliche Sektor braucht Kontinuität, institutionelles Wissen und die Fähigkeit, langfristig zu denken. Gründerinnen und Gründer bringen dagegen häufig etwas anderes mit: den Impuls, anzufangen, bevor jede Frage abschließend beantwortet ist, Dinge auszuprobieren und aus dem Ergebnis zu lernen.
Wir glauben, dass wir für die kommenden Jahre beides brauchen.
Menschen, die anfangen können, ohne die langfristigen Konsequenzen aus den Augen zu verlieren. Und Menschen, die bestehende Institutionen verstehen, ohne deshalb zu glauben, dass alles so bleiben muss, wie es ist.
Diese Verbindung verstehen wir als einen Teil von Public Entrepreneurship.
Vom Reden ins Machen

Public Makers soll deshalb nicht nur eine Idee sein.
Unsere Arbeit dreht sich darum, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, den öffentlichen Sektor kennenzulernen, mit Menschen aus diesem Umfeld in Kontakt zu kommen und vor allem selbst Erfahrungen im Gestalten zu sammeln.
Man kann lange darüber sprechen, wie Innovation im öffentlichen Sektor funktionieren sollte. Zum ersten Mal mit solch einer Herausforderungen tatsächlich konfrontiert zu sein, ist etwas anderes.
Wenn ein Team verstehen muss, warum ein Prozess heute so funktioniert, wie er funktioniert. Wenn Studierende mit den Menschen sprechen, die täglich mit einem Problem arbeiten. Wenn aus einer ersten Idee ein Prototyp entsteht. Und wenn dieser Prototyp plötzlich nicht mehr nur eine Präsentation für ein Seminar ist, sondern etwas, das tatsächlich ausprobiert werden kann.
Genau deshalb sind Formate, in denen Menschen selbst entwickeln und experimentieren können, ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit.
Wir bringen junge Talente mit Menschen und Organisationen aus dem öffentlichen Sektor zusammen, schaffen Austausch und entwickeln Räume, in denen aus öffentlichen Herausforderungen konkrete Lösungsansätze entstehen können.
Dabei geht es uns nicht darum, jedem Problem zwangsläufig ein Startup gegenüberzustellen.
Uns interessiert zunächst etwas Grundsätzlicheres: Wie schaffen wir es, dass mehr Menschen Verantwortung für ein Problem übernehmen und anfangen, daran zu arbeiten?
Was Public Entrepreneurship mit Startups zu tun hat
Gerade darin sehen wir eine starke Verbindung zur Gründungswelt.
Entrepreneurship beginnt für uns nicht erst mit einer Unternehmensgründung. Es beginnt früher.
Jemand erkennt ein Problem. Versucht zu verstehen, für wen dieses Problem relevant ist. Entwickelt eine erste Idee. Testet sie. Verwirft Teile davon. Spricht mit Nutzerinnen und Nutzern. Baut weiter.
Ob daraus später ein Startup, ein Projekt innerhalb einer Verwaltung oder eine vollkommen andere Form der Umsetzung entsteht, ist zunächst zweitrangig.
Die Arbeitsweise ist dieselbe: nicht beim Problem stehen bleiben, sondern den nächsten Schritt machen.
Ein Beispiel dafür ist das START Public Makers Lab, bei dem Studierende an realen Herausforderungen aus dem öffentlichen Umfeld arbeiten.
Die Idee dahinter ist bewusst anders als bei einer klassischen Case Study. Die Teilnehmenden sollen nicht nur analysieren, was theoretisch getan werden könnte. Sie sollen gemeinsam mit Partnern verstehen, worin das tatsächliche Problem liegt, Lösungsansätze entwickeln und daraus etwas bauen, das getestet werden kann.
Für Studierende verändert das die Perspektive auf den öffentlichen Sektor.
Plötzlich ist eine Verwaltung nicht mehr nur eine abstrakte Institution. Sie wird zu einem Ort mit Nutzerinnen und Nutzern, Prozessen, technischen Herausforderungen und Problemen, für die neue Lösungen entwickelt werden können.
Und für öffentliche Partner entsteht gleichzeitig die Möglichkeit, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die neue Perspektiven und andere Arbeitsweisen mitbringen.
Genau an dieser Schnittstelle wird aus Gründungsdenken gesellschaftliche Gestaltung.
Nicht jeder muss gründen, aber jeder kann gestalten
Wir möchten nicht aus jedem Studierenden eine Gründerin oder einen Gründer machen.
Vielleicht entsteht aus einem Projekt irgendwann ein GovTech Startup. Vielleicht entscheidet sich jemand danach für eine Karriere im öffentlichen Sektor. Vielleicht nimmt jemand eine bestimmte Art zu arbeiten mit in eine bestehende Institution und verändert dort etwas.
All diese Wege sind relevant.
Denn die Herausforderungen des öffentlichen Sektors werden sich nicht allein dadurch lösen, dass neue Technologie verfügbar wird.
Auch künstliche Intelligenz kann Prozesse beschleunigen, Informationen analysieren oder repetitive Aufgaben übernehmen. Aber sie entscheidet nicht für uns, welches Problem gesellschaftlich besonders wichtig ist, welche Veränderung sinnvoll ist oder welche Verantwortung wir dabei übernehmen wollen.
Dafür braucht es Menschen mit Urteilsvermögen und Menschen, die bereit sind, dieses Urteilsvermögen auch in Handlung zu übersetzen.
Eine Community von Menschen, die anfangen

Langfristig wollen wir mit Public Makers deshalb mehr schaffen als einzelne Projekte oder Veranstaltungen.
Wir wollen Menschen miteinander verbinden, die eine ähnliche Haltung teilen, egal, ob sie innerhalb oder außerhalb öffentlicher Institutionen arbeiten.
Denn alleine gegen bestehende Strukturen anzulaufen, kann frustrierend sein. Wenn Menschen mit ähnlichen Ambitionen einander finden, Erfahrungen austauschen und gemeinsam arbeiten, entsteht dagegen etwas anderes: eine Community, die zeigt, dass Veränderung möglich ist.
Vielleicht ist das am Ende die wichtigste Idee hinter Public Makers.
Der öffentliche Sektor ist nichts, das ausschließlich „der Staat“ gestaltet.
Er ist ein wesentlicher Teil unseres gemeinsamen Lebens und damit auch etwas, für dessen Zukunft wir gemeinsam Verantwortung übernehmen können.
Wir warten nicht darauf, dass sich die Kultur irgendwann verändert.
Wir wollen die Menschen zusammenbringen, die heute schon anfangen, sie zu verändern.

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