Startupnews zum Wochenende KW 38/26

Millionen für Arcos und Aitiologic, eine aufgestockte Series A bei Isometric und gleich mehrere Übernahmen im Bildungs- und LegalTech-Sektor: Zum Wochenende gibt es noch einmal Bewegung in der Startup- und Tech-Szene. Dazu kommen neue Partnerschaften rund um KI, Klima und Compliance sowie mehrere prominente Personalien.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Stuttgart, 18. September 2026

Funding

Arcos sammelt 5,5 Millionen Euro ein

Das Münchner Sicherheits-Startup Arcos hat eine Seed-Finanzierung über 5,5 Millionen Euro abgeschlossen. An der Runde beteiligen sich der High-Tech Gründerfonds (HTGF), Bayern Kapital, Pact, Haufe und Robin Capital sowie mehrere Business Angels. Arcos entwickelt und betreibt eine integrierte Sicherheitsinfrastruktur, die Signale unterschiedlicher Sensoren verarbeitet, Sicherheitsvorfälle bewertet und deren operative Bearbeitung zentral steuert. Mit dem Kapital will das Unternehmen sein Team in Deutschland vergrößern, die Plattform weiterentwickeln und zunächst das Geschäft mit Betreibern kritischer Infrastruktur ausbauen. Anschließend ist die Expansion in weitere europäische Märkte geplant.

WIN-Initiative soll auf 25 Milliarden Euro wachsen

Die Bundesregierung und die KfW wollen die WIN-Initiative für Wachstums- und Innovationskapital ausbauen und zusätzliche private Investitionen in Startups und junge Technologieunternehmen mobilisieren. Das angestrebte Investitionsvolumen soll von bislang zwölf auf 25 Milliarden Euro steigen, wofür weitere 13 Milliarden Euro eingeworben werden sollen. Neue Partner sollen insbesondere unter Family Offices, Stiftungen, Versicherungen, Pensionskassen und Corporate-Venture-Investoren gewonnen werden. Seit dem Start der Initiative im September 2024 wurden bis Ende 2025 insgesamt 2,64 Milliarden Euro investiert; sechs der zehn vereinbarten strukturellen Maßnahmen wurden nach Angaben der KfW bereits umgesetzt.

Isometric erweitert Series A auf 50 Millionen Dollar

Das Zertifizierungs-Startup Isometric hat seine im Juni angekündigte Series-A-Finanzierung durch den Einstieg von Intercontinental Exchange (ICE), dem Betreiber der New York Stock Exchange, auf 50 Millionen US-Dollar erweitert. Insgesamt hat das Unternehmen damit bislang 75 Millionen Dollar eingesammelt. Isometric entwickelt mit Certify eine KI-gestützte Plattform, die gemeinsam mit unabhängigen Prüfern Daten und Angaben unter anderem zu CO₂-Entfernung, industriellen Emissionen, Energie, Kraftstoffen und Materialien verifiziert. Nach eigenen Angaben arbeitet das Unternehmen mit mehr als 200 Projekten und Kunden wie Microsoft, Boeing, Anglo American und JPMorgan Chase zusammen.

WEMAG beteiligt sich mit 15 Prozent an 360Volt

Die WEMAG-Gruppe beteiligt sich mit 15 Prozent an der 360Volt Group GmbH und erweitert damit ihr Engagement im Bereich der Wärmeversorgung. 360Volt ist auf die technische Planung, Lieferung und Installation von Wärmepumpensystemen spezialisiert und setzt dabei auf standardisierte sowie digital unterstützte Prozesse. Das Angebot richtet sich unter anderem an Mehrfamilienhäuser, Gewerbeimmobilien und komplexe Bestandsgebäude. Mit der Minderheitsbeteiligung will WEMAG insbesondere für Kunden aus der Wohnungswirtschaft künftig eigene Wärmepumpenangebote entwickeln. 360Volt soll dabei als eigenständiges Unternehmen weiter wachsen und gemeinsam mit WEMAG neue Lösungen für die Wärmewende umsetzen.

Aitiologic sammelt 6,4 Millionen Euro ein

Das Wiener Biotech-Unternehmen Aitiologic hat eine überzeichnete Seed-Finanzierung über 6,4 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Heal Capital und Ananda Impact Ventures, beteiligt sind zudem bestehende Investoren wie PUSH VC und LANA Ventures. Das Kapital soll vor allem die Weiterentwicklung und klinische Validierung der Aitios-Plattform finanzieren, die zellfreie DNA aus Blutproben mithilfe verschiedener molekularer Signale und KI analysiert. Im ersten Anwendungsbereich soll die Technologie bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel das Risiko für Präeklampsie bestimmen; derzeit läuft dazu eine Validierungsstudie mit mehr als 1.000 Schwangerschaften. Zudem steigt der frühere Oxford-Nanopore-CEO Gordon Sanghera als Investor und Beirat ein, während Rebecca Ertl zur Chief Medical Officer ernannt wurde.

Allianz beteiligt sich am Scaleup Europe Fund

Die Allianz beteiligt sich über mehrere Konzerngesellschaften am europäischen Wachstumsfonds Scaleup Europe Fund. Der von EQT verwaltete Fonds strebt ein Volumen von fünf Milliarden Euro an und wurde auf Initiative der Europäischen Kommission und des European Innovation Council aufgelegt. Er soll europäische Wachstumsunternehmen mit Investments von jeweils mindestens 100 Millionen Euro unterstützen und konzentriert sich auf Bereiche wie Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Halbleiter, Robotik, Energie, Raumfahrt und Biotechnologie. Die Allianz investiert vor allem Kundengelder ihrer deutschen Lebens- und Krankenversicherung sowie Mittel von Allianz France. Die konkrete Höhe der Beteiligung wurde nicht genannt.

Mergers & Acquisitions

beglaubigt.de übernimmt registercheck.de

Openlaw Founders (Links Alexander Sporenberg - Rechts Felix Gerlach)

Das Münchner LegalTech beglaubigt.de übernimmt die Handelsregister-Plattform registercheck.de mit rund fünf Millionen Firmendatensätzen und 28 Millionen Registerdokumenten. Die Registerdaten sollen künftig in die Gründungsplattform integriert und über Schnittstellen unter anderem Banken, Kanzleien und KI-Assistenten zur Verfügung gestellt werden. Damit will beglaubigt.de Prozesse wie die Prüfung von Unternehmensdaten, Änderungen bei Gesellschaftern oder Geschäftsführern sowie das laufende Monitoring automatisieren. registercheck.de bleibt als eigene Marke bestehen.

Main Capital Partners plant Übernahme der Tribal Group und des Bildungsanbieters Watermark

Der Software-Investor Main Capital Partners will die operativen Geschäftsbereiche des britischen Bildungssoftware-Anbieters Tribal Group übernehmen und damit seine Präsenz im Vereinigten Königreich ausbauen. Tribal beschäftigt rund 915 Mitarbeiter und betreut weltweit mehr als 660 Bildungseinrichtungen, darunter über 200 Universitäten. Das Unternehmen entwickelt unter anderem Student Information Systems und Software für zentrale Prozesse von der Zulassung und Immatrikulation bis zum Studienabschluss. Nach der Übernahme will Main die Cloud-Transformation und Produktentwicklung beschleunigen, die internationale Expansion vorantreiben und Tribal durch gezielte Zukäufe weiter ausbauen. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Aktionäre sowie weiterer regulatorischer und üblicher Vollzugsbedingungen.

Main Capital Partners plant weiterhin die Übernahme des US-amerikanischen Bildungssoftware-Anbieters Watermark Insights. Das Unternehmen aus Austin betreut mit mehr als 300 Mitarbeitern rund 1.500 Hochschulen und Universitäten und bietet Software für Akkreditierung, Personalentwicklung und Studienerfolg. Gemeinsam mit Main soll Watermark künftig sowohl in Nordamerika als auch in Europa weiter wachsen.

Spaggiari übernimmt Bildungssoftware-Anbieter ESDS

Der italienische Bildungssoftware-Anbieter Spaggiari übernimmt die E-Schooling Dream Shaper Group (ESDS) und expandiert damit erstmals durch eine Akquisition außerhalb Italiens. ESDS ist in Spanien, Portugal und Lateinamerika aktiv und bietet mit eSchooling und iScholar Software für die digitale Verwaltung von Bildungseinrichtungen sowie mit DreamShaper eine Plattform für projektbasiertes Lernen. Die Lösungen werden von mehr als 3.000 Schulen und rund 1,5 Millionen Schülern genutzt. Für Spaggiari ist ESDS die vierte Übernahme seit dem Einstieg des auf Nachhaltigkeit spezialisierten Vermögensverwalters Ambienta.

Kooperationen & Partnerschaften

Sustaind sichert KI-Compliance-Lösung über Munich Re ab

Das Bielefelder KI-Startup Sustaind kooperiert mit der zur Munich Re Gruppe gehörenden Great Lakes Insurance SE und versieht seinen Compliance-Service mit einer Leistungsgarantie. Die Plattform überwacht rechtliche Anforderungen und Änderungen in mehr als 120 Ländern und erstellt daraus Rechtskataster für Unternehmen. Wird bei der Nutzung der KI-basierten Technologie eine relevante Rechtsänderung übersehen, steht Sustaind nach eigenen Angaben gegenüber dem Kunden dafür ein; das damit verbundene Risiko ist im Rahmen der vereinbarten Versicherungsbedingungen bei Great Lakes abgesichert.

FMC und EUCLYD entwickeln Alternative zu klassischen KI-GPUs

Das Dresdner Halbleiterunternehmen FMC und das niederländische Technologieunternehmen EUCLYD haben eine strategische Zusammenarbeit zur Entwicklung einer europäischen KI-Infrastruktur angekündigt. Dabei soll EUCLYDs für KI-Anwendungen entwickelte Craftwerk-Architektur mit den Speichertechnologien nvDRAM+ und Cache+ von FMC kombiniert werden. Ziel ist eine Alternative zu bestehenden GPU-basierten Systemen, die insbesondere bei großen KI-Workloads eine höhere Energieeffizienz und geringere Abhängigkeit von klassischem DRAM ermöglichen soll. Zugleich wollen die Unternehmen Anforderungen an Datensouveränität und Sicherheit stärker berücksichtigen. FMC und EUCLYD arbeiten zunächst an Architektur, Systemintegration und dem Aufbau eines entsprechenden Technologie-Ökosystems.

Aroundtown setzt auf Climate X für Klimarisikoanalysen

Der Immobilienkonzern Aroundtown arbeitet künftig mit dem Climate-Tech-Unternehmen Climate X zusammen, um physische Klimarisiken innerhalb seines Immobilienportfolios detaillierter zu bewerten. Climate X passt seine datenbasierten Modelle dafür an die spezifischen Eigenschaften des Aroundtown-Portfolios an und analysiert mögliche Auswirkungen verschiedener Klima- und Emissionsszenarien sowohl auf einzelne Gebäude als auch auf den Gesamtbestand. Die Ergebnisse sollen Aroundtown dabei unterstützen, klimabedingte Risiken frühzeitig zu erkennen und bei Investitions-, Nachhaltigkeits- und Immobilienentscheidungen zu berücksichtigen. Ein individuell entwickelter Climate-X-Bericht kam bereits im Rahmen eines BREEAM-Zertifizierungsprozesses zum Einsatz.

Personalien

Florian Taitsch übernimmt Kommunikation bei ARX Robotics

ARX Robotics hat Florian Taitsch zum Senior Director Marketing & Communications ernannt. In der neu geschaffenen Position verantwortet er seit dem 1. September 2026 die Bereiche Kommunikation, Marketing und Branding des Münchner Defence-Tech-Unternehmens. Taitsch bringt mehr als 20 Jahre Kommunikationserfahrung in der Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie mit und war unter anderem für Airbus tätig. Zuletzt leitete er vier Jahre als Vice President Communications and Marketing die Kommunikation der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH. Bei ARX Robotics soll er insbesondere die Positionierung und Sichtbarkeit des Unternehmens weiterentwickeln.

Peter Schmetz wird Partner bei Vorwerk Ventures

Peter Schmetz | (c) Viktor Strasse

Der Berliner Venture-Capital-Investor Vorwerk Ventures beruft Peter Schmetz mit sofortiger Wirkung zum Partner. Schmetz gehört dem Unternehmen seit 2018 an und war zuletzt als Principal tätig. In dieser Zeit verantwortete er unter anderem Investments in Planted Foods, Spot my Energy und pace club. Mit seiner Beförderung erweitert Vorwerk Ventures das bestehende Partner-Team. Der Investor wurde 2007 als Investmentvehikel der Vorwerk Gruppe gegründet und agiert seit 2019 als eigenständiger Fonds. Über vier Fondsgenerationen hat Vorwerk Ventures nach eigenen Angaben bislang in mehr als 60 Unternehmen investiert und 18 Exits realisiert, darunter zwei Unicorns.

Björn Franke übernimmt DACH-Geschäft von Legora

Das Legal-AI-Unternehmen Legora hat Björn Franke zum Regional Vice President für Deutschland, Österreich und die Schweiz ernannt. Der ehemalige Principal der Boston Consulting Group ist seit Juni 2026 bei Legora und übernimmt die Leitung des neuen Münchner Büros, das im September eröffnet wird. In seiner neuen Position verantwortet Franke das regionale Wachstum, den Teamaufbau und die Zusammenarbeit mit Kanzleien und Rechtsabteilungen. Nach Unternehmensangaben nutzen bereits mehr als 150 Organisationen in der DACH-Region die Plattform, darunter CMS, Linklaters, Henkel und Commerzbank. Weltweit zählt Legora rund 1.800 Kanzleien und Rechtsabteilungen in mehr als 50 Märkten zu seinen Kunden und plant, seine Belegschaft in der EMEA-Region innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate auf 700 Mitarbeiter auszubauen.

Weitere Meldungen

Innovatisten eröffnen Innovationszentrum in Vechta

Die Innovatisten GmbH eröffnet am 1. Oktober in Vechta das neue Innovationszentrum innoLab. Auf rund 200 Quadratmetern entstehen etwa zwölf flexible Coworking-Plätze sowie Konferenz-, Schulungs- und Gemeinschaftsflächen für Unternehmen, Startups und Gründer. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf digitaler Transformation, Künstlicher Intelligenz und Change Management. Unternehmen sollen dort unter anderem ihre Mitarbeiter im Umgang mit KI-Anwendungen schulen lassen können. Die Stadt Vechta stellt vier vergünstigte Plätze für Gründer bereit, zusätzlich unterstützt der Landkreis junge Unternehmen mit einem Mietzuschuss. Ergänzt wird das Angebot durch den bestehenden START sowie einen angrenzenden Makerspace der Ulderup Stiftung.


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