Energytech

Rabot Energy mit 50 Millionen Euro Series-B

Rabot Energy will Batteriespeicher, Wallboxen und Wärmepumpen intelligent zusammenschalten. Für die nächste Wachstumsphase erhält das Unternehmen 50 Millionen Euro.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Hamburg, 15. Oktober 2026

Das Hamburger EnergyTech-Unternehmen Rabot Energy hat eine Series-B-Finanzierungsrunde über 50 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom europäischen Growth-Capital-Investor Endeit, gemeinsam mit dem DeepTech & Climate Fonds (DTCF). Auch mehrere Bestandsinvestoren beteiligen sich erneut. Mit dem Kapital will Rabot Energy seine Kundenbasis von derzeit mehr als 200.000 auf eine Million ausbauen und Haushaltsbatterien, Wallboxen und Wärmepumpen zu einem intelligent gesteuerten Energienetzwerk verbinden.

Damit entwickelt sich das Unternehmen zunehmend vom Anbieter dynamischer Stromtarife zu einer Technologieplattform für dezentrale Energieversorgung. Die Idee: Millionen Haushalte sollen ihren Strom nicht nur möglichst günstig beziehen, sondern durch die intelligente Steuerung ihres Verbrauchs und ihrer Speicher aktiv zur Stabilisierung des Energiesystems beitragen.

Endeit und DTCF führen Series B an

Neuer Lead-Investor der Finanzierungsrunde ist Endeit, ein auf europäische Technologieunternehmen spezialisierter Growth-Capital-Investor. Ebenfalls neu beteiligt sich der DeepTech & Climate Fonds (DTCF).

Zu den erneut investierenden Bestandsinvestoren gehören HV Capital, High-Tech Gründerfonds (HTGF), Bosch Ventures, CNI, Acurio Ventures und vent.io.

Die Finanzierung folgt auf eine Wachstumsphase, in der Rabot Energy nach eigenen Angaben innerhalb von dreieinhalb Jahren mehr als 200.000 Kunden gewinnen konnte. Darunter befinden sich rund 15.000 Geschäfts- und Industriekunden.

Das Unternehmen beziffert seinen Umsatz inzwischen auf 200 Millionen Euro und die gelieferte Strommenge auf mehr als 600 Millionen Kilowattstunden Ökostrom.

Mit dem frischen Kapital soll nun insbesondere die technologische Infrastruktur für die nächste Wachstumsstufe ausgebaut werden.

Aus dynamischen Stromtarifen wird eine Energieplattform

Das bisherige Geschäftsmodell von Rabot Energy basiert wesentlich auf dynamischen Stromtarifen. Anders als bei klassischen Festpreistarifen verändert sich der Strompreis dabei abhängig von den Entwicklungen am Strommarkt.

Verbraucher können davon profitieren, wenn sie ihren Stromverbrauch gezielt in günstigere Stunden verlagern.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Elektroautos, Wärmepumpen und Batteriespeichern wächst allerdings auch die Möglichkeit, solche Verschiebungen automatisch vorzunehmen.

Rabot Energy will diese Flexibilität künftig systematisch nutzen. Eine eigene Technologieplattform soll unterschiedliche Geräte im Haushalt miteinander verbinden und deren Betrieb anhand von Strompreisen und Verfügbarkeit steuern.

Ein Batteriespeicher könnte beispielsweise dann geladen werden, wenn viel erneuerbarer Strom verfügbar und der Börsenstrompreis niedrig ist. In teuren Stunden kann der gespeicherte Strom anschließend im Haushalt genutzt werden.

Die gleiche Logik lässt sich grundsätzlich auch auf das Laden von Elektroautos oder den Betrieb von Wärmepumpen übertragen.

Rabot Flow soll auch Mietwohnungen zu Energiespeichern machen

Einen wichtigen Baustein hat das Unternehmen bereits im Juni 2026 vorgestellt.

Mit Rabot Flow kombiniert Rabot Energy einen dynamischen Stromtarif, einen Smart Meter und einen Plug-and-play-Batteriespeicher zu einer integrierten Lösung.

Nach Unternehmensangaben können Haushalte damit ihre Energiekosten um durchschnittlich 15 Prozent senken.

Das System soll innerhalb von drei Tagen geliefert werden können. Der Batteriespeicher lässt sich laut Rabot Energy an einer normalen Steckdose anschließen und innerhalb von rund zwei Minuten über die App aktivieren.

Eine eigene Photovoltaikanlage ist für die Nutzung nicht erforderlich. Damit richtet sich das Angebot ausdrücklich auch an Menschen in Mietwohnungen.

Dieser Ansatz könnte die Zielgruppe für flexible Stromspeicherung erheblich erweitern. Während Batteriespeicher bislang häufig gemeinsam mit einer eigenen Solaranlage installiert werden, will Rabot Energy die Nutzung unabhängig vom Besitz einer Immobilie oder einer PV-Anlage ermöglichen.

Millionen Haushalte als virtuelles Kraftwerk

Das langfristige Ziel geht allerdings über die Optimierung einzelner Stromrechnungen hinaus.

Rabot Energy will viele dezentrale Batteriespeicher und steuerbare Verbraucher zu einem virtuellen Kraftwerk (Virtual Power Plant, VPP) zusammenschalten.

Ein virtuelles Kraftwerk besteht nicht aus einer einzelnen großen Anlage. Stattdessen werden zahlreiche räumlich verteilte Geräte über eine gemeinsame Software koordiniert.

Wenn viele Haushalte ihre Speicher zu Zeiten hoher Stromproduktion laden und bei knapper Versorgung weniger Netzstrom benötigen, kann dies dazu beitragen, Preisspitzen abzufedern und erneuerbare Energie besser zu nutzen.

„Die nächste Kraftwerksgeneration wird nicht gebaut, sie wird zusammengeschaltet“, erklärt Jan Rabe, CEO von Rabot Energy.

Damit beschreibt das Unternehmen einen grundlegenden Wandel im Energiesystem: Neben der Frage, wie viel erneuerbarer Strom erzeugt wird, gewinnt zunehmend an Bedeutung, wann er verbraucht oder gespeichert werden kann.

45 Millionen Euro Einsparungen für Kunden

Nach Berechnungen von Rabot Energy haben die eigenen Kunden im Jahr 2025 insgesamt rund 45 Millionen Euro gegenüber den jeweiligen Grundversorgerpreisen eingespart.

Diese Zahl ist eine Unternehmensberechnung auf Basis eines bestimmten Vergleichsmaßstabs und bedeutet nicht, dass jeder Kunde gegenüber sämtlichen alternativen Stromtarifen entsprechend günstiger versorgt wurde.

Für Rabot Energy ist die Kostenersparnis dennoch ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells.

Denn das Unternehmen will Haushalte nicht allein mit dem Beitrag zur Energiewende überzeugen, sondern mit einem unmittelbaren finanziellen Vorteil.

Die intelligente Steuerung von Speichern und Verbrauchern könnte diesen Effekt künftig verstärken. Voraussetzung ist allerdings, dass die erzielten Einsparungen die Kosten der benötigten Hardware und Dienstleistungen rechtfertigen.

Eine Million Kunden als nächstes Ziel

Mit den 50 Millionen Euro will Rabot Energy seine Kundenbasis mittelfristig auf eine Million ausbauen.

Kundenentwicklung und Wachstumsziel

Aktueller Kundenbestand +200.000

Angestrebte Kundenbasis 1.000.000

Der aktuelle Kundenbestand entspricht bereits mehr als einem Fünftel des angestrebten Ziels. Das Ziel ist noch nicht erreicht. Parallel soll die Plattform zusätzliche Geräte integrieren und ihre Steuerungsfunktionen erweitern. Dazu gehören neben stationären Batteriespeichern insbesondere Wallboxen und Wärmepumpen. Auch das Geschäft mit Gewerbe- und Industriekunden soll weiterentwickelt werden.

Endeit-Partnerin Sara Resvik verweist dabei auf die Kombination aus einem nach Angaben des Investors profitablen Kerngeschäft und der technologischen Fähigkeit, Stromnachfrage intelligent zu steuern.

Für den DTCF steht insbesondere der Beitrag zur Flexibilisierung des Energiesystems im Vordergrund.

Die Energiewende wird zunehmend zur Softwarefrage

Die Finanzierungsrunde zeigt, wie sich die Geschäftsmodelle im Energiesektor verändern.

Während sich viele EnergyTech-Unternehmen bislang auf den Ausbau erneuerbarer Stromerzeugung oder den Vertrieb günstigerer Tarife konzentriert haben, entsteht ein weiterer Markt rund um die intelligente Steuerung dezentraler Energieanlagen.

Mit jedem zusätzlichen Elektroauto, Batteriespeicher und jeder Wärmepumpe wächst das Potenzial, Stromverbrauch zeitlich zu verschieben.

Die dafür erforderliche Hardware ist jedoch nur ein Teil der Lösung. Entscheidend wird zunehmend die Software, die Millionen einzelner Geräte koordiniert und dabei Strompreise, Nutzerbedürfnisse und technische Grenzen berücksichtigt.

Der Schritt vom Stromanbieter zum Betreiber einer vernetzten Energieplattform bringt allerdings auch neue Anforderungen mit sich: Geräte unterschiedlicher Hersteller müssen integriert, Steuerungsentscheidungen zuverlässig umgesetzt und wirtschaftliche Vorteile für Kunden dauerhaft nachgewiesen werden.

Die Series B über 50 Millionen Euro finanziert deshalb nicht nur weiteres Kundenwachstum. Sie soll den Übergang von einem Anbieter dynamischer Stromtarife zu einem Technologieunternehmen ermöglichen, das Millionen dezentrale Energieanlagen als gemeinsame Infrastruktur steuert.

Ob daraus tatsächlich ein virtuelles Kraftwerk in relevantem Maßstab entsteht, wird sich vor allem daran messen lassen, wie viele Kunden ihre Geräte aktiv vernetzen und wie viel steuerbare Leistung Rabot Energy dadurch bereitstellen kann.


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