CereGate schließt überzeichnete Series-C-Runde
Das Münchner MedTech-Unternehmen CereGate hat eine überzeichnete Series-C-Finanzierungsrunde abgeschlossen. Angeführt wird die Finanzierung von einem international tätigen US-Medizintechnikkonzern, dessen Name nicht genannt wird. Neben bestehenden Investoren beteiligt sich auch Impact Ventures aus Budapest. Mit dem Kapital will CereGate die klinische Entwicklung seiner Brain-Computer-Interface-Technologie vorantreiben, die insbesondere bei Gangblockaden von Parkinson-Patienten zum Einsatz kommen soll. Die Höhe der Finanzierung wurde nicht veröffentlicht.
Strategischer Investor führt Finanzierungsrunde an
CereGate gewinnt mit der neuen Finanzierungsrunde einen nicht näher benannten, strategischen Investor aus der US-amerikanischen Medizintechnikbranche. Auch die bisherigen Anteilseigner beteiligen sich erneut, während Impact Ventures erstmals in das Münchner Unternehmen investiert.
Nach Angaben von CereGate war die Finanzierungsrunde überzeichnet. Das bedeutet, dass die Nachfrage der Investoren das ursprünglich vorgesehene Finanzierungsvolumen überstieg. Angaben zur tatsächlich aufgenommenen Summe, zur Bewertung oder zu den Beteiligungsquoten macht das Unternehmen nicht.
Für CereGate steht nun insbesondere die klinische Weiterentwicklung seiner Technologie im Mittelpunkt. Das Kapital soll helfen, die laufenden Untersuchungen fortzuführen und die Voraussetzungen für einen möglichen späteren therapeutischen Einsatz zu schaffen.
Brain-Computer-Interface für neurologische Erkrankungen
CereGate wurde 2019 gegründet und entwickelt Brain-Computer-Interface-Technologie, kurz BCI, zur Behandlung neurologischer Erkrankungen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in München und verfügt über eine Tochtergesellschaft in den Vereinigten Staaten.
Im Mittelpunkt steht eine Softwarelösung, die auf Systemen zur tiefen Hirnstimulation von Boston Scientific läuft. Die Technologie wird derzeit im Rahmen klinischer Studien eingesetzt.
Bei der tiefen Hirnstimulation werden bestimmte Hirnregionen durch implantierte Elektroden elektrisch stimuliert. Das Verfahren kommt bereits bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen zum Einsatz, insbesondere bei Parkinson.
CereGate arbeitet daran, die Möglichkeiten solcher Systeme mithilfe seiner eigenen Software zu erweitern. Dabei konzentriert sich das Unternehmen zunächst auf ein Krankheitsbild, für das bestehende Behandlungsmöglichkeiten häufig nicht ausreichend wirksam sind.
Fokus auf Gangblockaden bei Parkinson
Die erste klinische Indikation von CereGate ist das sogenannte Freezing of Gait, kurz FoG. Dabei handelt es sich um eine plötzliche Blockade des Gehens, die bei einem Teil der Parkinson-Patienten auftritt.
Betroffene können vorübergehend Schwierigkeiten haben, einen Schritt einzuleiten oder eine bereits begonnene Bewegung fortzusetzen. Solche Episoden können den Alltag erheblich beeinträchtigen und das Sturzrisiko erhöhen.
Besonders herausfordernd ist, dass die Symptome bei manchen Patienten trotz optimierter medikamentöser Behandlung bestehen bleiben. Auch etablierte Verfahren der tiefen Hirnstimulation können diese Gangblockaden häufig nur unzureichend beeinflussen.
CereGate will mit seiner Technologie zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten für diese Patientengruppe entwickeln. Die Software wird dafür bereits in klinischen Studien untersucht.
Ergebnisse zur therapeutischen Wirksamkeit, zur Zahl der Studienteilnehmer oder zu möglichen Zulassungszeitpunkten nennt das Unternehmen in der aktuellen Mitteilung nicht.
Software auf Systemen von Boston Scientific
Ein Bestandteil des Entwicklungsansatzes ist die Nutzung bestehender Medizintechnik-Hardware. Die Software von CereGate läuft auf Systemen zur tiefen Hirnstimulation des US-Medizintechnikunternehmens Boston Scientific.
Damit konzentriert sich das Münchner Unternehmen auf die softwarebasierte Weiterentwicklung neurologischer Stimulationsverfahren.
Die technische Integration in bestehende Systeme kann für die klinische Entwicklung relevant sein, da entsprechende Hardware bereits für medizinische Anwendungen eingesetzt wird. Daraus ergibt sich allerdings keine automatische Zulassung oder Bestätigung der Wirksamkeit der zusätzlichen CereGate-Technologie.
Die Zusammenarbeit beziehungsweise technische Nutzung der Boston-Scientific-Systeme ist außerdem nicht mit der Identität des neuen Lead-Investors gleichzusetzen. CereGate nennt den führenden Investor der Series C ausdrücklich nicht.
Forschung auch zur Rückenmarksstimulation
Neben der klinischen Entwicklung für Parkinson-Patienten betreibt CereGate weitere Forschungsarbeiten im Bereich der Rückenmarksstimulation. Bei diesem Verfahren werden elektrische Impulse eingesetzt, um die Signalverarbeitung im Nervensystem zu beeinflussen. Die Technologie wird in unterschiedlichen medizinischen Zusammenhängen untersucht und eingesetzt.
Welche konkreten Anwendungen CereGate in diesem Forschungsbereich verfolgt und wie weit die jeweiligen Projekte entwickelt sind, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Der aktuelle Schwerpunkt des Unternehmens liegt weiterhin auf der klinischen Entwicklung seiner BCI-Technologie für Freezing of Gait.
Kapital für die nächste klinische Entwicklungsphase
CereGate-CEO Matthias Puls bezeichnet die Beteiligung des strategischen Investors und den Einstieg von Impact Ventures als wichtigen Schritt für das Unternehmen. Die neue Finanzierung soll es ermöglichen, die klinische Arbeit an der Technologie fortzusetzen. Gerade bei Parkinson-Patienten mit anhaltenden Gangblockaden bestehe ein erheblicher Bedarf an zusätzlichen therapeutischen Möglichkeiten.
Mit der abgeschlossenen Series C verfügt CereGate nach eigenen Angaben über zusätzliche finanzielle Unterstützung für diese Entwicklungsphase.
Für den weiteren Unternehmensverlauf werden insbesondere die Ergebnisse der klinischen Studien entscheidend sein. Erst auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, welchen therapeutischen Nutzen die Technologie bietet und welche weiteren Schritte in Richtung einer möglichen Marktzulassung erforderlich sind. Die neue Finanzierung stärkt damit vor allem die klinische Entwicklung des Münchner Neurotechnologie-Unternehmens. Ein konkreter Zeitplan für eine kommerzielle Einführung wurde nicht veröffentlicht.

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