Trade Republic kündigt kostenloses Altersvorsorgedepot an
Der Berliner Neobroker Trade Republic will ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot ohne laufende Depotgebühren anbieten. Auch die Ausführung regelmäßiger Sparpläne soll kostenlos sein. Darüber hinaus kündigt das FinTech eine Auswahl von ETFs ohne Produktkosten an. Kunden sollen von staatlichen Zuschüssen von bis zu 540 Euro jährlich sowie weiteren Förderungen für Kinder und Berufseinsteiger profitieren können. Richtig wichtig ist das Altersvorsorgedepot allerdings für Gründer und Selbstständige, aber dazu mehr am Ende des Artikels.
Mit dem Altersvorsorgedepot erweitert Trade Republic sein Angebot um eine langfristig ausgerichtete Form der privaten Altersvorsorge. Das Unternehmen will damit den Zugang zu staatlich geförderten Kapitalmarktanlagen vereinfachen und insbesondere die Kosten beim langfristigen Vermögensaufbau reduzieren.
Die Ankündigung steht im Zusammenhang mit der Reform der privaten Altersvorsorge in Deutschland. Trade Republic setzt dabei auf ein Modell, bei dem Kunden über einen langen Zeitraum in Wertpapiere investieren und gleichzeitig von staatlicher Förderung profitieren können.
Bis zu 540 Euro jährliche Förderung
Nach Angaben von Trade Republic sieht das neue Altersvorsorgedepot staatliche Zuschüsse von bis zu 540 Euro pro Jahr vor. Zusätzlich sollen Eltern eine Förderung von bis zu 300 Euro je Kind erhalten können. Für Berufseinsteiger ist ein einmaliger Bonus von 200 Euro vorgesehen.
Auch steuerliche Vorteile gehören zum angekündigten Modell. Einzahlungen sollen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben steuerlich absetzbar sein. Während der Ansparphase sollen Kapitalerträge innerhalb des Altersvorsorgedepots ohne laufende Besteuerung reinvestiert werden können.
Die genannten Förderbeträge sind allerdings Höchstwerte. Welche Zuschüsse im Einzelfall tatsächlich gewährt werden, hängt von den gesetzlichen Voraussetzungen und den jeweiligen Einzahlungen ab. Auch die steuerliche Behandlung der späteren Auszahlungen ist für die Gesamtbetrachtung der Altersvorsorge entscheidend. Eine steuerlich begünstigte Ansparphase bedeutet nicht, dass die spätere Rente grundsätzlich steuerfrei ausgezahlt wird.
Keine Depotgebühren und kostenlose Sparpläne
Trade Republic will das Altersvorsorgedepot von Beginn an auch in einer Variante ohne laufende Depotgebühren anbieten. Zusätzlich soll die regelmäßige Ausführung von Sparplänen kostenlos sein. Damit verzichtet die Bank bei dieser Variante auf zwei Gebührenarten, die sich beim langfristigen Vermögensaufbau auf die Gesamtrendite auswirken können.
Gerade bei Anlagezeiträumen von mehreren Jahrzehnten spielen laufende Kosten eine wichtige Rolle. Gebühren reduzieren nicht nur das unmittelbar investierbare Kapital, sondern auch dessen mögliche zukünftige Wertentwicklung. Mit dem kostenlosen Angebot will Trade Republic deshalb insbesondere Anleger ansprechen, die regelmäßig kleinere Beträge für ihre Altersvorsorge investieren.
ETFs von BlackRock, DWS und Vanguard ohne Produktkosten
Über die kostenlose Depotführung hinaus kündigt Trade Republic eine weitere Besonderheit an. Mehrere Dutzend ETFs der Anbieter BlackRock, DWS und Vanguard sollen langfristig ohne Produktkosten angeboten werden. Damit würde das Unternehmen bei ausgewählten Fonds auch Kosten reduzieren, die üblicherweise direkt innerhalb des ETF-Vermögens anfallen.
Welche konkreten ETFs zu diesem Angebot gehören und wie die Kostenübernahme technisch und vertraglich umgesetzt wird, geht aus der Ankündigung nicht hervor. Ebenso bleibt zunächst offen, ob und unter welchen Bedingungen weitere Kosten entstehen können, etwa bei besonderen Transaktionen, einem Depotwechsel oder während der späteren Auszahlungsphase.
Die angekündigte Gebührenfreiheit bezieht sich ausdrücklich auf die kostenlose Angebotsvariante und die dafür vorgesehenen Leistungen.
Altersvorsorge als langfristiger Wachstumsmarkt
Für Trade Republic ist das neue Altersvorsorgedepot eine Erweiterung seines bisherigen Geschäftsmodells. Der Neobroker hat sich zunächst mit einem kostengünstigen Zugang zum Wertpapierhandel und regelmäßigen Sparplänen positioniert. Inzwischen gehört der langfristige Vermögensaufbau zu den zentralen Anwendungsfällen der Plattform.
Das Unternehmen verweist darauf, dass bereits Millionen Menschen regelmäßig über seine Plattform investieren. Ein gefördertes Altersvorsorgedepot würde diesen bestehenden Sparplanansatz mit staatlichen Zuschüssen und steuerlichen Vorteilen verbinden. Für Trade Republic eröffnet sich damit zugleich die Möglichkeit, Kunden über besonders lange Zeiträume an die Plattform zu binden.
Größte Werbekampagne der Unternehmensgeschichte
Begleitend zur Produkteinführung kündigt Trade Republic seine bislang umfangreichste Werbekampagne an. Die Kampagne soll im Fernsehen, im Radio und auf Plakatflächen ausgespielt werden. Im Mittelpunkt stehen nach Unternehmensangaben echte Kunden, die bereits regelmäßig für ihre finanzielle Zukunft investieren.
Damit will Trade Republic das Thema private Altersvorsorge stärker in der breiten Öffentlichkeit positionieren. Die Kampagne dürfte zugleich dazu dienen, das neue Altersvorsorgedepot frühzeitig als kostengünstige Alternative innerhalb des entstehenden Marktes für staatlich geförderte Kapitalmarktanlagen bekannt zu machen.
Kostenfreiheit allein entscheidet nicht über die Altersvorsorge - Spezialfall Gründer!
Mit dem angekündigten Altersvorsorgedepot setzt Trade Republic insbesondere bei den laufenden Kosten an. Die Kombination aus kostenloser Depotführung, gebührenfreien Sparplänen und ausgewählten ETFs ohne Produktkosten könnte das Angebot für langfristig orientierte Anleger attraktiv machen.
Für einen vollständigen Vergleich mit anderen Altersvorsorgeprodukten sind allerdings weitere Faktoren entscheidend. Dazu gehören die konkreten Förderbedingungen, die Auswahl der investierbaren Wertpapiere, mögliche Einschränkungen bei der Kapitalverfügbarkeit sowie die steuerliche Behandlung der späteren Auszahlungen.
Minimalsicherheit Schonvermögen!
Für Gründer und Selbstständige ist das Altersvorsorgedepot aber vielleicht die spannenste Nachricht. Vielleicht handelt es sich als Nebeneffekt dabei um die größte Unterstützung für Startups der aktuellen Regierung. Scheitern gehört zum Gründerleben dazu und 90 % der Startups scheitern in den ersten 10 Jahren. Die meisten Jungunternehmer setzen dabei alles auf eine Karte, beuten sich selbst aus und erleben oft nach ein, zwei Jahren den Rauswurf aus den gesetzlichen Sozialkassen.
Bisher gab es dafür nur die Rürup-Basisrente als Ersatz, welche durch hohe Produktkosten überhaupt keine Rendite erzielte oder sogar reale Verluste für den Sparer erwirtschaftete. Aus diesem Grund sparen viele in eigene Depots Geld an, welches aber nicht steuerlich absetzbar war und vor allem nicht als Schonvermögen zählt. Geht die Gründung des Bach runter, stehen oft die gesamten Ersparnisse ebenfalls im Feuer. Einzahlungen ins AV-Depot zählen stand jetzt zum Schonvermögen und sind dadurch nicht durch Insolvenz und Arbeitslosigkeit bedroht. Ein echter Pluspunkt, auch wenn die Erträge im Alter versteuert werden sollten.
Auch Kapitalmarktanlagen unterliegen Kursschwankungen und können Verluste verursachen. Mit seiner Ankündigung positioniert sich Trade Republic frühzeitig im Markt für die neue staatlich geförderte private Altersvorsorge. Wie wettbewerbsfähig das Angebot insgesamt ist, wird sich anhand der endgültigen Produktbedingungen und des gesetzlichen Rahmens beurteilen lassen. Es handelt sich hierbei nicht um eine Anlageberatung, Rechtsberatung oder Steuerberatung durch die Startbase oder den Autor. Der Beitrag dient lediglich zur Information.

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