UniSieve erhält 9 Millionen Dollar für industrielle Membrantechnologie
Das Zürcher DeepTech-Unternehmen UniSieve hat eine Series-A-Finanzierungsrunde über 9 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom Orano Venture Fund, der von Supernova Invest verwaltet wird. Auch der Amadeus APEX Technology Fund, Founderful, die Zürcher Kantonalbank und Guenat Holding beteiligen sich. Mit dem Kapital will UniSieve seine Membrantechnologie für die industrielle Gastrennung und CO₂-Abscheidung in die kommerzielle Skalierung bringen. Insgesamt hat das Unternehmen damit 25 Millionen US-Dollar eingesammelt.
UniSieve wurde 2018 gegründet und entwickelt hochpräzise Membranen, mit denen sich unterschiedliche Gase voneinander trennen lassen. Die Technologie soll industrielle Trennverfahren energieeffizienter machen und Unternehmen dabei unterstützen, Rohstoffe besser zu nutzen sowie Emissionen zu reduzieren.
Energieintensive Trennverfahren ersetzen
Die Trennung unterschiedlicher Stoffe gehört zu den grundlegenden Prozessen in der chemischen Industrie und anderen industriellen Wertschöpfungsketten. Häufig werden dafür thermische Verfahren eingesetzt, bei denen große Energiemengen benötigt werden.
UniSieve entwickelt eine Alternative auf Basis spezieller Membranmaterialien. Diese sollen bestimmte Moleküle gezielt passieren lassen, während andere zurückgehalten werden. Dadurch können Gase voneinander getrennt werden, ohne dass dafür dieselben energieintensiven thermischen Prozesse erforderlich sind.
Die Technologie soll insbesondere dort eingesetzt werden, wo Unternehmen große Gasströme verarbeiten und die Trennung einzelner Bestandteile einen wesentlichen Anteil am Energieverbrauch ausmacht.
UniSieve verspricht sich davon kompaktere Anlagen, geringere Betriebskosten und eine bessere Rückgewinnung industriell genutzter Stoffe.
Konkrete Angaben zu möglichen Energieeinsparungen oder Kostenvorteilen gegenüber bestehenden Verfahren macht das Unternehmen in seiner aktuellen Mitteilung allerdings nicht.
Vom Membranmaterial zur industriellen Anwendung
Die technische Herausforderung liegt nicht allein in der Entwicklung geeigneter Materialien. Entscheidend ist auch, daraus langlebige Membranen herzustellen, die sich unter industriellen Bedingungen zuverlässig einsetzen und in größeren Mengen produzieren lassen.
Nach eigenen Angaben hat UniSieve diese Hürde mit einer neuartigen Klasse hybrider Membranen überwunden.
Das Unternehmen verbindet dafür fortschrittliche Materialien mit einem skalierbaren Herstellungsverfahren. Auf dieser Grundlage sollen Membransysteme entstehen, die sich auch für größere industrielle Anwendungen eignen.
UniSieve hat seine Technologie bislang in zwei Anwendungsfeldern bis zur vorkommerziellen Reife entwickelt: bei der Trennung von Olefinen sowie bei der CO₂-Abscheidung direkt an industriellen Emissionsquellen.
In beiden Bereichen verweist das Unternehmen auf reproduzierbare Herstellungsprozesse, im praktischen Einsatz validierte Leistungsdaten und einsatzfähige Systeme.
Zwei Anwendungsfelder mit industriellem Potenzial
Die Olefintrennung ist insbesondere für die chemische Industrie relevant. Olefine wie Ethylen und Propylen werden als Ausgangsstoffe für zahlreiche chemische Produkte und Kunststoffe benötigt.
Ihre Trennung und Aufbereitung ist technisch anspruchsvoll und kann erhebliche Energiemengen erfordern. Membranbasierte Verfahren könnten hier bestehende Prozesse ergänzen oder teilweise ersetzen.
Das zweite Einsatzgebiet ist die industrielle CO₂-Abscheidung. Dabei soll Kohlendioxid unmittelbar aus Gasströmen industrieller Anlagen abgetrennt werden.
Auch hier verfolgt UniSieve das Ziel, energieintensive Trennschritte durch kompaktere Membransysteme zu ersetzen.
Welche Abscheideraten, Reinheitsgrade oder wirtschaftlichen Vorteile die Technologie unter unterschiedlichen industriellen Bedingungen erreicht, beziffert UniSieve in der Mitteilung nicht.
Erste zahlende Kunden und größere Systeme
Nach Angaben des beteiligten Investors APEX Ventures hat sich UniSieve in den vergangenen Jahren von ersten Pilotanwendungen hin zu größeren Anlagen mit zahlenden Kunden entwickelt.
Damit befindet sich das Unternehmen an der Schwelle zwischen technologischer Validierung und breiterer kommerzieller Nutzung.
Die neue Finanzierung soll vor allem dazu dienen, die bestehenden Anwendungen weiter zu skalieren und zusätzliche industrielle Einsatzmöglichkeiten zu erschließen.
CEO Samuel Hess sieht insbesondere in der Ablösung thermischer Trennverfahren einen wichtigen Ansatzpunkt. Die Membrantechnologie solle Unternehmen ermöglichen, mehr verwertbare Produkte zurückzugewinnen, Emissionen zu kontrollieren und gleichzeitig ihre Kosten zu senken.
Orano Venture Fund führt Series A an
Angeführt wird die Finanzierung vom Orano Venture Fund, einem von Supernova Invest verwalteten Investmentvehikel.
Der Fonds konzentriert sich auf europäische DeepTech-Unternehmen, die Technologien für industrielle Leistungsfähigkeit, fortschrittliche Verfahrenstechnik und nachhaltige Chemie entwickeln.
Neben dem Kapital sollen Portfoliounternehmen auch von industrieller Infrastruktur und technischem Know-how der Orano-Gruppe profitieren können.
Weitere Investoren der Runde sind der Amadeus APEX Technology Fund, Founderful, die Zürcher Kantonalbank und Guenat Holding.
Mit der aktuellen Series A steigt das insgesamt von UniSieve eingesammelte Kapital auf 25 Millionen US-Dollar.
Kommerzielle Skalierung als nächste Herausforderung
Mit der neuen Finanzierung rückt für UniSieve die industrielle Umsetzung stärker in den Vordergrund. Nach der Entwicklung und Validierung der Membranen muss das Unternehmen nun zeigen, dass sich die Technologie auch in größeren Anlagen wirtschaftlich betreiben lässt.
Dabei spielen neben der Trennleistung insbesondere die Lebensdauer der Membranen, die Zuverlässigkeit im Dauerbetrieb und die Kosten der Herstellung eine Rolle.
Der potenzielle Einsatzbereich reicht von chemischen Produktionsprozessen über die industrielle Gastrennung bis zur CO₂-Abscheidung.
Mit 9 Millionen US-Dollar zusätzlichem Kapital und ersten zahlenden Kunden verfügt UniSieve über eine Grundlage für den nächsten Entwicklungsschritt. Ob die Membrantechnologie tatsächlich in größerem Umfang bestehende thermische Trennverfahren ersetzen kann, wird sich jedoch erst mit der weiteren industriellen Skalierung zeigen.

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