Seed

reebuild holt sich 3 Millionen Euro für KI-Automatisierung in der Baubranche

Fortino Ventures führt die Seed-Runde des Wiener PropTechs an. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine KI-Plattform weiterentwickeln und insbesondere in Deutschland wachsen.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Wien, 13. Oktober 2026

Das Wiener PropTech reebuild hat eine Seed-Finanzierung über 3 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Fortino Ventures, beteiligt sind außerdem Rise PropTech und CuriosityVC. Das Unternehmen entwickelt eine KI-Plattform, die Rechnungsprüfung, Kostenkontrolle und Materialverwaltung bei Bauunternehmen automatisiert. Mit dem Kapital will reebuild insbesondere sein Deutschlandgeschäft ausbauen und weitere europäische Märkte erschließen.

Die Bauwirtschaft gehört zu den Branchen, in denen zahlreiche kaufmännische Abläufe weiterhin auf manueller Dokumentenbearbeitung beruhen. Rechnungen, Lieferscheine, Auftragsbestätigungen und Projektkosten werden häufig über unterschiedliche Systeme, Tabellen und Papierunterlagen verwaltet. Die Wiener wollen diese Prozesse mit einer speziell für die Bau- und Immobilienwirtschaft entwickelten Software zusammenführen und weitgehend automatisieren.

Mehr als 530 Millionen Euro Rechnungsvolumen verarbeitet

Nach eigenen Angaben betreut reebuild inzwischen mehr als 120 Unternehmen in Deutschland und Österreich. Über die Plattform wurden bislang mehr als 345.000 Dokumente mit einem Rechnungsvolumen von über 530 Millionen Euro verarbeitet. Die Software kommt demnach bei mehr als 8.200 Baustellen und Projekten zum Einsatz. Zu den Kunden gehören unter anderem die Kratzert Gruppe, Rödl & Herdegen, Pittel+Brausewetter und die 3SI Immogroup.

Das verarbeitete Rechnungsvolumen beschreibt dabei den Umfang der über die Plattform abgewickelten Dokumente und ist nicht mit dem Umsatz von reebuild gleichzusetzen.

KI prüft Rechnungen und Lieferscheine

Im Mittelpunkt der Plattform steht die automatisierte Verarbeitung kaufmännischer Dokumente. Die Software kann elektronische Rechnungen ebenso wie PDF-Dateien, eingescannte Unterlagen und Fotos auslesen. Die enthaltenen Informationen werden auf Positionsebene erfasst, strukturiert und mit anderen Dokumenten abgeglichen.

Wir kennen die Probleme der Branche aus erster Hand und entwickeln reebuild gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden extrem nah an der Praxis

Alexander Kornell, CEO und Gründer von reebuild

So lassen sich beispielsweise Rechnungspositionen mit Lieferscheinen und Auftragsbestätigungen vergleichen. Bei Abweichungen kann das System Korrekturen berechnen und die weitere Bearbeitung vorbereiten. Auch auf Baustellen sollen sich Informationen direkt erfassen lassen. Fotografiert ein Mitarbeiter einen Lieferschein mit der App, wird das Dokument in die Plattform übernommen und kann anschließend dem jeweiligen Vorgang zugeordnet werden.

Die eigentliche Freigabe bleibt dabei Bestandteil eines definierten Workflows. Während KI-Agenten wiederkehrende Prüf- und Abgleichaufgaben übernehmen, treffen die zuständigen Mitarbeiter weiterhin die abschließenden Entscheidungen.

E-Rechnung erhöht den Digitalisierungsdruck

Zusätzliche Bedeutung erhält die Dokumentenautomatisierung durch die schrittweise Einführung der elektronischen Rechnung in Deutschland. Seit Anfang 2025 müssen Unternehmen grundsätzlich in der Lage sein, elektronische Rechnungen zu empfangen. Für die verpflichtende Ausstellung gelten Übergangsregelungen, die schrittweise auslaufen.

Gerade in der Bauwirtschaft bleibt die Dokumentenlandschaft dennoch vielfältig. Neben strukturierten E-Rechnungen werden weiterhin PDF-Dokumente, fotografierte Lieferscheine und eingescannte Unterlagen verarbeitet. reebuild setzt deshalb auf eine einheitliche Datenverarbeitung unabhängig vom ursprünglichen Dateiformat.

Nach Unternehmensangaben unterstützt die Plattform unter anderem die Rechnungsstandards EN 16931 und ZUGFeRD sowie GoBD-konforme Arbeitsabläufe. Die Software wird in Wien entwickelt und in Deutschland gehostet.

Rechnungsbearbeitung soll siebenmal schneller werden

reebuild verweist auf deutliche Zeitersparnisse bei seinen Kunden. Demnach verkürzt sich die Bearbeitung einer Rechnung von mehr als 20 Minuten auf rund drei Minuten. Auch die Zeitspanne zwischen Rechnungseingang und Freigabe soll von durchschnittlich fünf auf eineinhalb Tage sinken. Darüber hinaus berichten Kunden laut Angaben des Startups von Einsparungen bei den Beschaffungskosten von bis zu 20 Prozent.

Diese Werte stammen aus Unternehmensangaben beziehungsweise Kundenfeedback. Angaben zur Zahl der untersuchten Unternehmen oder zur Methodik der Messungen werden in der Mitteilung nicht gemacht. Bei Bauprojekten können schnellere Prüfprozesse und aktuellere Kostendaten jedoch wirtschaftlich relevant sein. Verzögerte Freigaben, unerkannte Preisabweichungen oder verpasste Skontofristen wirken sich unmittelbar auf die Projektkosten aus.

Gründerteam verbindet Baupraxis und KI-Entwicklung

Hinter reebuild steht ein vierköpfiges Gründerteam. CEO Alexander Kornell und CRO Matteo Cimadom bringen durch ihre Familienbetriebe praktische Erfahrungen aus der Bauwirtschaft mit. Gemeinsam mit CTO Luca Papay und COO Nicolaus Lederer verbindet das Team Branchenwissen mit Erfahrung in Softwareentwicklung und Künstlicher Intelligenz.

Das Unternehmen beschäftigt derzeit 25 Mitarbeiter am Standort Wien. Nach Angaben von Kornell entsteht die Software in enger Zusammenarbeit mit den Kunden. Ziel sei es, die tatsächlichen kaufmännischen Abläufe auf Baustellen und in Bauunternehmen abzubilden, statt lediglich bestehende Verwaltungsprozesse zu digitalisieren.

Expansion nach Deutschland und in weitere europäische Märkte

Die Finanzierung über 3 Millionen Euro soll reebuild in drei Bereichen voranbringen. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau des Geschäfts in Deutschland. Dort ist das Unternehmen bereits mit Kunden vertreten und will seine Marktpräsenz weiter erhöhen. Darüber hinaus sind zusätzliche europäische Märkte vorgesehen, in denen nach Unternehmensangaben bereits erste Entwicklungspartnerschaften bestehen.

Zweitens soll die Plattform funktional erweitert werden. Geplant sind zusätzliche KI-Module, die kaufmännische Abläufe von der Kalkulation bis zur Buchhaltung abdecken. Langfristig verfolgt reebuild die Entwicklung eines sogenannten Agentic Backoffice, in dem KI-Agenten wiederkehrende Verwaltungsaufgaben weitgehend selbstständig vorbereiten und bearbeiten. Drittens will das Unternehmen sein derzeit rund 25-köpfiges Team vergrößern.

Fortino Ventures führt Seed-Runde an

Mit Fortino Ventures gewinnt reebuild einen europäischen Investor, der auch von München aus tätig ist. Rise PropTech soll insbesondere beim Zugang zu Entscheidungsträgern der Immobilien- und Bauwirtschaft außerhalb der DACH-Region unterstützen. Auch CuriosityVC beteiligt sich an der Finanzierungsrunde.

Für reebuild steht nun die Übertragung seines bisherigen Geschäftsmodells auf eine größere Kundenbasis im Mittelpunkt. Mit mehr als 120 Kunden und einem verarbeiteten Rechnungsvolumen von über 530 Millionen Euro verfügt das Startup nach eigenen Angaben bereits über eine Grundlage für die weitere Expansion.

Die Zeit wird zeigen, ob sich die versprochenen Effizienzgewinne bei unterschiedlichen Unternehmensgrößen und Projektstrukturen reproduzieren lassen. Mit der neuen Finanzierung will reebuild dafür sowohl seine Technologie als auch seine Vertriebsaktivitäten ausbauen.


Like it? Please spread the word:


Newsletter

Startups, Geschichten und Statistiken aus dem deutschen Startup-Ökosystem direkt in deinen Posteingang. Abonnieren mit 2 Klicks. Noice.

LinkedIn Connect

FYI: English edition available

Hello my friend, have you been stranded on the German edition of Startbase? At least your browser tells us, that you do not speak German - so maybe you would like to switch to the English edition instead?

Go to English edition

FYI: Deutsche Edition verfügbar

Hallo mein Freund, du befindest dich auf der Englischen Edition der Startbase und laut deinem Browser sprichst du eigentlich auch Deutsch. Magst du die Sprache wechseln?

Deutsche Edition öffnen

Ähnliche Beiträge