FLÆ Robotics erhält über eine Million Euro für KI-Rezeptionisten in Hotels
Das tschechische TravelTech-Startup FLÆ Robotics hat in einer Seed-Finanzierungsrunde mehr als eine Million Euro eingesammelt. Das Kapital stammt von Purple Ventures und Garage Angels und soll die Weiterentwicklung des KI-Hotelassistenten BE-A sowie die internationale Expansion finanzieren. Bereits mehr als 60 Hotels in Großbritannien, Deutschland und Tschechien setzen die Technologie ein. Neben dem Ausbau der Präsenz in Deutschland und Österreich bereitet das Unternehmen auch den Markteintritt in den USA vor.
Mehr als eine Million Euro für internationale Expansion
FLÆ Robotics wurde 2023 von Filip Linek gegründet und entwickelt mit BE-A eine KI-basierte Softwarelösung für die Automatisierung von Gästekommunikation und administrativen Abläufen in Hotels.
Mit der neuen Seed-Finanzierung über mehr als eine Million Euro will das Unternehmen seine Produktentwicklung beschleunigen und die Integration in bestehende Hotelmanagementsysteme verbessern. Gleichzeitig sollen zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und neue internationale Märkte erschlossen werden.
Als Investoren beteiligen sich Purple Ventures und Garage Angels. Angaben zur Unternehmensbewertung oder zur genauen Verteilung der Finanzierungssumme macht das Startup nicht.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem deutschsprachigen Markt. FLÆ Robotics will seine Aktivitäten in Deutschland intensivieren und nach Österreich expandieren. Darüber hinaus soll die bereits gestartete Geschäftstätigkeit in Großbritannien ausgebaut werden. Parallel bereitet das Unternehmen den Eintritt in den US-amerikanischen Hotelmarkt vor.
KI-Assistent übernimmt Aufgaben an der Rezeption
Das Kernprodukt BE-A ist ein KI-Agent, der Hotels bei wiederkehrenden Aufgaben im Gästeservice unterstützt.
Die Software kommuniziert über verschiedene Kanäle mit Hotelgästen. Dazu gehören WhatsApp, E-Mail, Webchat und Telefonanrufe. Nach Unternehmensangaben unterstützt BE-A mehr als 100 Sprachen und ist rund um die Uhr verfügbar.
Typische Anwendungsfälle sind Fragen zu Zimmerverfügbarkeiten, Reservierungen, Hotelleistungen und allgemeinen Informationen zum Aufenthalt.
Durch die Anbindung an bestehende Hotelsysteme kann der KI-Agent über die reine Beantwortung von Fragen hinausgehen und operative Vorgänge ausführen.
So soll BE-A beispielsweise Reservierungen bearbeiten oder Anfragen an die zuständigen Mitarbeiter weiterleiten können.
Das Unternehmen verfolgt damit das Ziel, einen digitalen Rezeptionisten zu entwickeln, der unterschiedliche Kommunikationskanäle mit den internen Abläufen eines Hotels verbindet.
Mehr als 265.000 Interaktionen in zwei Monaten
Nach Angaben von FLÆ Robotics wurde BE-A im Juli und August 2026 für rund 265.000 Nachrichten und Sprachinteraktionen eingesetzt.
Diese verteilten sich auf knapp 160.000 Gespräche. Im Durchschnitt bearbeitete die Plattform damit mehr als 4.000 einzelne Interaktionen pro Tag.
Im selben Zeitraum wurden nach Unternehmensangaben über 3.400 Hotelbuchungen ohne menschliches Eingreifen abgeschlossen.
Die Zahlen beziehen sich auf die gesamte Plattformnutzung in den beiden Monaten. Angaben dazu, wie sich die Buchungen auf einzelne Hotels verteilen oder welchen Umsatz sie generierten, macht das Unternehmen nicht.
Zu den Hotels, die BE-A einsetzen, gehören das Weetwood Hall Hotel in Großbritannien und das Hotel Atlantis in der Nähe der tschechischen Stadt Brünn.
Insgesamt nutzen nach Unternehmensangaben mittlerweile mehr als 60 Hotels in Großbritannien, Deutschland und Tschechien die Software.
Integration in Hotelsysteme als Wettbewerbsvorteil
Ein zentraler Bestandteil der Produktstrategie ist die Verbindung der KI-Kommunikation mit den operativen Systemen der Hotels.
Viele automatisierte Chatlösungen können allgemeine Informationen bereitstellen. FLÆ Robotics will dagegen auch die anschließenden Arbeitsschritte automatisieren.
Dazu gehört beispielsweise, dass der Assistent eine Buchungsanfrage nicht nur beantwortet, sondern bei entsprechender Systemanbindung direkt eine Reservierung abschließt.
Darüber hinaus kategorisiert BE-A eingehende Nachrichten und ordnet sie bestimmten Abteilungen oder Arbeitsabläufen zu.
So können Anfragen etwa an die Rezeption oder andere zuständige Teams weitergegeben werden.
Für Hotelmitarbeiter soll dadurch weniger Zeit für wiederkehrende Verwaltungsaufgaben anfallen. Gleichzeitig sollen sie sich stärker auf persönliche Gästebetreuung und komplexere Anliegen konzentrieren können.
Welche konkreten Hotelmanagementsysteme unterstützt werden und wie umfangreich die einzelnen Integrationen ausfallen, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Entlastung für Hotels mit hohem Kommunikationsaufkommen
Hotels bearbeiten täglich eine Vielzahl wiederkehrender Anfragen. Dazu zählen Informationen zu Anreisezeiten, Parkmöglichkeiten, Zimmerausstattung, Buchungsänderungen und verfügbaren Zusatzleistungen.
Gerade wenn solche Fragen über mehrere Kommunikationskanäle eingehen, entsteht zusätzlicher organisatorischer Aufwand.
FLÆ Robotics setzt hier auf eine zentrale KI-Lösung, die unterschiedliche Anfragen automatisiert erfassen und bearbeiten kann.
Gründer und CEO Filip Linek sieht das Potenzial insbesondere darin, nicht nur Informationen bereitzustellen, sondern auch nachgelagerte Aufgaben innerhalb der Hotelsysteme auszuführen.
Aus Sicht des Unternehmens kann dies den Mitarbeitern mehr Zeit für Situationen verschaffen, in denen persönliche Erfahrung und individuelle Entscheidungen gefragt sind.
Das Hotel Atlantis bestätigt in der Unternehmensmitteilung, dass BE-A das Team im Arbeitsalltag unterstütze. Besonders hervorgehoben wird dabei die natürliche und höfliche Kommunikation des Assistenten.
Deutschland, Österreich und USA im Fokus
Mit der neuen Finanzierung will FLÆ Robotics seine bisherige Marktpräsenz deutlich erweitern.
Deutschland gehört bereits zu den Ländern, in denen Hotels die Software einsetzen. Hier soll die Kundenbasis weiter wachsen.
Österreich ist als zusätzlicher Markt vorgesehen. In Großbritannien will das Unternehmen auf seiner bisherigen Einführung aufbauen.
Mittelfristig steht auch der US-amerikanische Hotelmarkt auf der Expansionsagenda.
Die internationale Skalierung setzt voraus, dass BE-A mit unterschiedlichen Hotelmanagementsystemen, Buchungsprozessen und betrieblichen Anforderungen kompatibel ist.
Daher fließt ein Teil der Finanzierung gezielt in die technische Weiterentwicklung und zusätzliche Schnittstellen.
Investoren setzen auf Automatisierung im Gastgewerbe
Purple Ventures sieht in FLÆ Robotics einen Anbieter, der bereits konkrete Anwendungen im Hotelalltag vorweisen kann.
Jan Davídek, General Partner bei Purple Ventures, verweist insbesondere auf die Kombination aus Branchenerfahrung, Produktentwicklung und internationaler Wachstumsstrategie.
Mit mehr als 60 angeschlossenen Hotels und mehreren Tausend automatisiert abgewickelten Buchungen hat FLÆ Robotics erste Nutzungszahlen veröffentlicht.
Offen bleiben bislang Kennzahlen zum Umsatz, zu wiederkehrenden Softwareerlösen und zur Profitabilität.
Für die nächste Entwicklungsphase wird entscheidend sein, wie zuverlässig sich komplexere Buchungs- und Serviceprozesse automatisieren lassen und ob die Technologie in weiteren Märkten ähnliche Akzeptanz erreicht.
Die Finanzierung über mehr als eine Million Euro soll dafür die Grundlage schaffen und BE-A von einer KI-Kommunikationslösung zu einem umfassenderen digitalen Hotelassistenten weiterentwickeln.

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