Ubitium erhält 14 Millionen Dollar für universellen KI-Prozessor aus Düsseldorf
Das Düsseldorfer Halbleiter-Startup Ubitium hat eine Seed-Finanzierung über 14 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Ibex Investors, weitere Mittel kommen unter anderem von OpenOcean und bestehenden Investoren. Auch Florian Seibel, Mitgründer und Co-CEO des Drohnenherstellers Quantum Systems, beteiligt sich privat. Ubitium entwickelt einen rekonfigurierbaren Prozessor, der Signalverarbeitung, KI-Berechnungen und Echtzeitsteuerung auf einem einzigen Chip vereinen soll. Ein erster Prototyp wurde bereits erfolgreich getestet.
Gesamtfinanzierung steigt auf 18 Millionen Dollar
Mit der neuen Finanzierungsrunde erhöht sich das seit der Gründung im Jahr 2024 eingeworbene Seed-Kapital auf insgesamt 18 Millionen US-Dollar. Neben Lead-Investor Ibex Investors beteiligen sich OpenOcean sowie die bisherigen Kapitalgeber KBC Focus Fund, Runa Capital und Inflection.
Zu den neuen Investoren gehört außerdem Florian Seibel, Mitgründer und Co-CEO des Münchner DefenseTech-Unternehmens Quantum Systems. Er investiert als Privatperson.
Das frische Kapital soll Ubitium dabei unterstützen, seine bislang entwickelte Prozessorarchitektur in ein kommerziell nutzbares Produkt zu überführen. Für 2027 plant das Unternehmen erste Evaluierungseinheiten seines neuen Chips.
Physical AI stellt neue Anforderungen an Prozessoren
Ubitium konzentriert sich auf den Bereich Physical AI. Darunter versteht man KI-Systeme, die ihre Umgebung erfassen, Entscheidungen treffen und anschließend physische Aktionen ausführen.
Zu den möglichen Anwendungen gehören autonome Drohnen, Industrieroboter, Fahrzeuge und andere intelligente Maschinen.
Solche Systeme müssen unterschiedliche Rechenaufgaben gleichzeitig bewältigen. Sensoren liefern kontinuierlich Daten, KI-Modelle interpretieren diese Informationen und Steuerungssysteme setzen die Ergebnisse in Bewegungen oder andere Aktionen um.
Bislang werden dafür häufig mehrere spezialisierte Prozessoren eingesetzt. Digitale Signalprozessoren (DSP) übernehmen beispielsweise die Verarbeitung von Sensordaten, Neural Processing Units (NPU) beschleunigen KI-Berechnungen und CPUs kümmern sich um Steuerungsaufgaben.
Die Kommunikation zwischen diesen Komponenten kann zusätzlichen Energiebedarf, Datenübertragungen und Entwicklungsaufwand verursachen.
Ubitium will diese Aufgaben deshalb in einer einheitlichen Prozessorarchitektur zusammenführen.
Rekonfigurierbare Architektur statt mehrerer Spezialchips
Im Mittelpunkt der Technologie steht eine Anordnung programmierbarer Rechenelemente, die sich dynamisch für unterschiedliche Aufgaben einsetzen lassen.
Die verfügbaren Ressourcen sollen während des Betriebs zwischen Signalverarbeitung, KI-Inferenz und Echtzeitsteuerung aufgeteilt werden können.
Dadurch kann sich der Prozessor an wechselnde Anforderungen einer Maschine anpassen, ohne für jede Aufgabe eine separate spezialisierte Recheneinheit vorauszusetzen.
Die Architektur basiert auf RISC-V und soll mit einer gemeinsamen Speicherstruktur sowie standardisierten Entwicklungswerkzeugen arbeiten.
Für Hersteller intelligenter Maschinen könnte das den Aufwand bei der Integration unterschiedlicher Chips und der Softwareentwicklung reduzieren.
Ob sich daraus tatsächlich geringere Kosten oder ein niedrigerer Energieverbrauch ergeben, hängt von den späteren Anwendungen und den Leistungsdaten der kommerziellen Produkte ab. Entsprechende Vergleichswerte veröffentlicht Ubitium bislang nicht.
Erster Chip im 8-Nanometer-Verfahren gefertigt
Einen wichtigen Entwicklungsschritt hat das Unternehmen bereits erreicht. Sein erster Testchip mit der Bezeichnung UB108 wurde im 8-Nanometer-Fertigungsverfahren von Samsung hergestellt.
Der Prozessor verfügt über 256 programmierbare Rechenelemente. Nach Angaben von Ubitium konnte damit nachgewiesen werden, dass Signalverarbeitung, KI-Inferenz und Echtzeitsteuerung auf derselben rekonfigurierbaren Architektur ausgeführt werden können.
Das sogenannte First Silicon wurde bereits rund ein Jahr nach der Unternehmensgründung fertiggestellt.
Für Ubitium ist dies ein technologischer Machbarkeitsnachweis. Der Testchip ist allerdings noch nicht mit einem marktreifen Prozessor gleichzusetzen.
Als nächster Schritt ist der UB410 geplant. Dieser soll über 4.096 Rechenelemente verfügen und damit deutlich umfangreicher ausfallen als der erste Prototyp.
Der Abschluss des Chipdesigns für die Fertigung, das sogenannte Tape-out, ist für 2027 vorgesehen. Im selben Jahr will Ubitium erste Evaluierungseinheiten bereitstellen.
Erste Anwendungen in Radar- und Audiosystemen
Bei der Kommerzialisierung konzentriert sich Ubitium zunächst auf Anwendungen, bei denen hohe Anforderungen an Signalverarbeitung und KI-Auswertung bestehen.
Dazu gehören insbesondere hochauflösende Radar- und Audiosysteme. Erste Kunden entwickeln nach Unternehmensangaben bereits entsprechende Anwendungen auf Basis der Technologie.
In diesen Bereichen sollen die bislang getrennten Aufgaben der Sensordatenverarbeitung und KI-Auswertung auf einer gemeinsamen Prozessorarchitektur zusammengeführt werden.
Langfristig will Ubitium auch vollständige autonome Systeme adressieren, bei denen Wahrnehmung, Entscheidungsfindung und Steuerung gleichzeitig ablaufen müssen.
Ein wichtiger Zielmarkt sind dabei Drohnen. Für solche Anwendungen sind insbesondere ein niedriger Energieverbrauch, geringes Gewicht und die Fähigkeit zur Verarbeitung von Daten direkt auf dem Gerät entscheidend.
Gründerteam mit Erfahrung aus der Halbleiterindustrie
Ubitium wurde 2024 von CEO Hyun Shin Cho und CTO Martin Vorbach gegründet. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Düsseldorf.
Vorbach beschäftigt sich seit mehr als drei Jahrzehnten mit rekonfigurierbaren Rechenarchitekturen und verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Halbleiterentwicklung.
Nach Unternehmensangaben hält Ubitium 17 erteilte Patente auf seine Kerntechnologie. Weitere Patentanmeldungen befinden sich im Verfahren.
Das Team vereint zudem Erfahrung aus Unternehmen wie Intel, Nvidia, Apple und Texas Instruments. Insgesamt verweist Ubitium auf mehr als 250 Patente aus den bisherigen Karrieren seiner Mitarbeiter sowie über 350 wissenschaftliche Veröffentlichungen.
Mit der neuen Finanzierung will das Startup diese technische Expertise für die Entwicklung einer kommerziellen Prozessorfamilie nutzen.
Investoren sehen Potenzial für autonome Systeme
Die Beteiligung von Florian Seibel unterstreicht die Bedeutung autonomer Anwendungen für die Unternehmensstrategie.
Der Quantum-Systems-Mitgründer verweist insbesondere auf die Anforderungen an Drohnen, die ihre Umgebung auch ohne stabile Kommunikationsverbindung selbstständig erfassen und verarbeiten müssen.
Auch Ibex Investors und OpenOcean sehen in der rekonfigurierbaren Architektur einen Ansatz, um die Hardwareentwicklung an die steigenden Anforderungen KI-basierter Maschinen anzupassen.
Ob Ubitium seine Technologie in größerem Umfang kommerzialisieren kann, wird sich jedoch erst mit der nächsten Chipgeneration und deren Einsatz bei Kunden zeigen.
Mit 14 Millionen US-Dollar frischem Kapital, einem bereits gefertigten Testchip und dem für 2027 geplanten UB410 verfügt das Düsseldorfer Unternehmen über eine Grundlage für die nächste Entwicklungsphase. Ziel ist es, eine universell einsetzbare Prozessorarchitektur für unterschiedliche Anwendungen im Bereich Physical AI zu etablieren.

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