EnergyTech

Contigo Energie Holding steigt bei Bremer EnergyTech-Startup fleXality ein

fleXality verbindet Kälteanlagen, Batteriespeicher und weitere flexible Verbraucher über seine Plattform fEnOMS. Mit dem Einstieg der Contigo Energie Holding wird die Technologie künftig enger mit Energiebeschaffung und Stromhandel verzahnt.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Bremen, 15. Oktober 2026

Das Bremer EnergyTech-Unternehmen fleXality erhält mit der Contigo Energie Holding einen neuen strategischen Gesellschafter. Im Rahmen einer Kapitalerhöhung beteiligt sich die Holding maßgeblich an dem 2022 gegründeten Startup. Gemeinsam mit dem B2B-Energieversorger Contigo Energie AG und dem Stromhandelsspezialisten Impuls Energy Trading soll eine integrierte Lösung für industrielle Energieflexibilität entstehen. Ziel ist es, insbesondere mittelständischen Industrieunternehmen dabei zu helfen, ihre Energiekosten durch intelligente Anlagensteuerung und die Nutzung von Strommarktchancen zu senken. Die Höhe der Beteiligung wurde nicht veröffentlicht.

Kapitalerhöhung bringt strategischen Investor an Bord

Mit der Beteiligung der Contigo Energie Holding wird fleXality Teil eines Unternehmensverbunds, der unterschiedliche Bereiche der industriellen Energieversorgung miteinander verbindet.
Die Transaktion erfolgt über eine Kapitalerhöhung. Die Holding steigt dadurch als wichtiger strategischer Gesellschafter bei dem Bremer Technologieunternehmen ein. Angaben zum investierten Betrag, zur Unternehmensbewertung oder zur genauen Beteiligungshöhe machen die Unternehmen nicht.

fleXality bringt die intelligente Steuerung flexibler Anlagen ein, unser Unternehmensverbund die Erfahrung in Energiebeschaffung, Vermarktung und Finanzierung.

Gerhard Gaedecke, Aufsichtsratsvorsitzender Contigo Energie Holding GmbH

Das zusätzliche Kapital soll in die Weiterentwicklung der KI-basierten Optimierungsplattform fEnOMS, neue Anwendungsbereiche und gemeinsame Kundenprojekte fließen. Für fleXality eröffnet die Partnerschaft insbesondere die Möglichkeit, die eigene Technologie enger mit Energiebeschaffung, Stromhandel und der Vermarktung flexibler Anlagen zu verknüpfen.

Drei Unternehmen bündeln ihre Kompetenzen

Innerhalb des Verbunds übernehmen die beteiligten Unternehmen unterschiedliche Aufgaben.
fleXality liefert die Software zur intelligenten Steuerung von Energieanlagen innerhalb eines Unternehmensstandorts. Die Contigo Energie AG ist für Energieversorgung und -beschaffung zuständig. Die Kölner Impuls Energy Trading GmbH ergänzt das Angebot durch Kurzfriststromhandel, Direktvermarktung und die energiewirtschaftliche Abwicklung flexibler Anlagen.
Damit sollen technische Optimierung und wirtschaftliche Vermarktung stärker zusammengeführt werden.
Für Industriekunden könnte sich dadurch der Aufwand verringern, verschiedene Anbieter und Systeme miteinander koordinieren zu müssen. Die einzelnen Dienstleistungen bleiben jedoch unabhängig voneinander verfügbar. Kunden von fleXality können weiterhin mit ihren bisherigen Energieversorgern und Direktvermarktern zusammenarbeiten.

Ungenutzte Flexibilität in Industrieanlagen

Viele energieintensive Unternehmen verfügen bereits über technische Anlagen, deren Stromverbrauch sich innerhalb bestimmter Grenzen zeitlich verschieben lässt. Dazu gehören beispielsweise industrielle Kälteanlagen, Batteriespeicher und bestimmte Produktionsprozesse.
Wird der Betrieb solcher Anlagen an Strompreise und betriebliche Anforderungen angepasst, können sich wirtschaftliche Vorteile ergeben.
In der Praxis werden technische Prozesse, Energielieferverträge, Netzentgelte und Vermarktungsmöglichkeiten allerdings häufig getrennt betrachtet.
Genau hier setzt fleXality an. Das Unternehmen will vorhandene Flexibilität nicht nur für die interne Energieoptimierung nutzen, sondern auch wirtschaftlich mit den Möglichkeiten des Strommarkts verbinden. Mitgründer und Geschäftsführer Dyke Wilke sieht darin einen Ansatz, um bisher ungenutzte Einsparpotenziale industrieller Energiesysteme zu erschließen.

KI-Plattform fEnOMS steuert komplexe Energiesysteme

Die technologische Grundlage bildet die von fleXality entwickelte Plattform fEnOMS. Die Software verarbeitet bestehende Anlagen- und Prozessdaten und kombiniert diese mit Informationen über Energiepreise, Lieferverträge, Netzentgelte und weitere wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Mithilfe KI-basierter Optimierungsverfahren sollen verschiedene Energieanlagen als zusammenhängendes System gesteuert werden.
Dazu können Kälteanlagen, Batteriespeicher, Erzeugungsanlagen und weitere flexible Stromverbraucher gehören.
Die Plattform berücksichtigt dabei die betrieblichen Anforderungen der jeweiligen Standorte. Produktions- und Kühlprozesse müssen beispielsweise auch dann zuverlässig funktionieren, wenn der Stromverbrauch zeitlich angepasst wird.
Auf dieser Grundlage kann fEnOMS den Energieeinsatz in Zeiträume verlagern, in denen die wirtschaftlichen Bedingungen günstiger sind.
Zusätzlich stellt die Plattform Informationen über Energiekosten, erzielte Einsparungen und weitere Optimierungsmöglichkeiten bereit.

Von der Kälteoptimierung zum industriellen Energiemanagement

Die Technologie von fleXality hat ihren Ursprung in der Optimierung energieintensiver Kälteanlagen.
Solche Anlagen eignen sich unter bestimmten Voraussetzungen für eine flexible Steuerung, weil Kühlprozesse zeitliche Spielräume bieten können, ohne dass die erforderlichen Temperaturen überschritten werden dürfen.
Diesen Ansatz überträgt das Unternehmen inzwischen auf umfassendere Energiesysteme.
Dabei werden unterschiedliche Verbraucher, Speicher und Erzeugungsanlagen gemeinsam betrachtet, um deren Betrieb aufeinander abzustimmen.
Im Mittelpunkt stehen energieintensive Industrie- und Logistikunternehmen, die ihre Energiekosten und CO₂-Emissionen reduzieren wollen.
Die Plattform kann nach Unternehmensangaben sowohl einzelne Standorte als auch mehrere Betriebsstätten eines Unternehmens berücksichtigen.

Erstes gemeinsames Batteriespeicherprojekt in Entwicklung

Die Zusammenarbeit innerhalb des neuen Unternehmensverbunds soll nicht ausschließlich auf strategischer Ebene stattfinden.
Nach Angaben von fleXality befindet sich bereits ein gemeinsames Batteriespeicherprojekt in der Entwicklung.
Dieses soll als technischer Machbarkeitsnachweis für die Verbindung von Anlagensteuerung, Energiebeschaffung und Strommarktvermarktung dienen.
Batteriespeicher können grundsätzlich dazu eingesetzt werden, Strom zu günstigen Zeiten aufzunehmen und bei höherem Bedarf oder veränderten Marktbedingungen wieder bereitzustellen.
Welche konkreten Leistungen das gemeinsame Projekt erbringen soll, wie groß der Speicher ausfallen wird und wann die Inbetriebnahme geplant ist, teilen die Unternehmen bislang nicht mit.
Auch zu den erwarteten wirtschaftlichen Ergebnissen liegen noch keine konkreten Angaben vor.

Partnerschaft soll Wachstum beschleunigen

Für die Contigo Energie Holding ergänzt fleXality die bisherigen Aktivitäten im Energiegeschäft um eine technologische Komponente.
Gerhard Gaedecke, Aufsichtsratsvorsitzender der Holding, sieht insbesondere in der intelligenten Verbindung verschiedener Technologien Potenzial für eine wirtschaftlichere Energieversorgung von Unternehmen.
Die Beteiligung soll sowohl das Wachstum von fleXality unterstützen als auch die Kompetenzen des bestehenden Unternehmensverbunds erweitern.
Das 2022 gegründete Startup wurde bereits 2025 mit dem Bremer Gründungspreis und dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.
Mit dem neuen strategischen Gesellschafter will fleXality nun die Entwicklung seiner Plattform beschleunigen und weitere industrielle Anwendungen erschließen.
Ob und in welchem Umfang sich die geplanten Kostenvorteile realisieren lassen, hängt von den technischen Voraussetzungen, den Energieverträgen und den jeweiligen Marktbedingungen der Kunden ab.
Die Beteiligung zeigt zugleich, wie sich Softwareanbieter für industrielle Energieoptimierung zunehmend mit Unternehmen aus Energieversorgung und Stromhandel verbinden, um technische Flexibilität auch wirtschaftlich nutzbar zu machen.


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