Wirtschaftszahlen

Deutsche Wirtschaft wächst im zweiten Quartal um 0,3 Prozent

Deutschlands Wirtschaft wächst wieder: Das BIP legt im zweiten Quartal um 0,3 Prozent zu. Doch hinter der positiven Zahl verbergen sich sinkende Investitionen und 212.000 weniger Erwerbstätige.
Report von Marc Nemitz Marc Nemitz · Wiesbaden, 25. August 2026

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 stärker gewachsen als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg gegenüber dem ersten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent. In der ersten Schnellmeldung war das Statistische Bundesamt noch von einem Plus von 0,2 Prozent ausgegangen. Gegenüber dem Vorjahresquartal legte die Wirtschaftsleistung um 1,0 Prozent zu.

Damit setzt sich die leichte Erholung der deutschen Wirtschaft fort. Bereits im ersten Quartal 2026 war das BIP um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Ausschlaggebend für die positive Entwicklung waren erneut vor allem die Exporte. Gleichzeitig zeigen schwache Investitionen und der Arbeitsmarkt, dass der Aufschwung weiterhin auf einem fragilen Fundament steht.

Exporte treiben das Wachstum

Der Außenhandel entwickelte sich im zweiten Quartal deutlich positiv. Deutschland exportierte preis-, saison- und kalenderbereinigt 2,0 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen als im ersten Quartal. Bei den Warenausfuhren lag das Plus sogar bei 2,6 Prozent, während die Dienstleistungsexporte stagnierten.

Auch die Importe nahmen zu, mit insgesamt 1,5 Prozent allerdings weniger stark als die Exporte. Die Warenimporte stiegen um 2,1 Prozent und die Einfuhren von Dienstleistungen um 0,3 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahresquartal fällt die Exportentwicklung noch deutlicher aus. Die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen stiegen um 3,7 Prozent, die Warenausfuhren allein um 5,0 Prozent. Zu den Wachstumstreibern gehörten chemische Erzeugnisse, Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Produkte sowie der sonstige Fahrzeugbau. Besonders der Warenhandel mit anderen EU-Staaten legte zu.

Unternehmen halten sich bei Investitionen zurück

Weniger positiv fällt die Entwicklung der Investitionen aus. Die Bruttoanlageinvestitionen gingen gegenüber dem ersten Quartal um 0,2 Prozent zurück. Besonders deutlich zeigt sich die Zurückhaltung bei Ausrüstungen wie Maschinen, Geräten und Fahrzeugen. Hier sanken die Investitionen um 1,4 Prozent. Die Bauinvestitionen legten mit 0,1 Prozent nur geringfügig zu. Auch vom Konsum kamen kaum Wachstumsimpulse: Sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben erhöhten sich gegenüber dem Vorquartal lediglich um 0,1 Prozent.

Für Startups und wachstumsorientierte Unternehmen ist gerade die Investitionsentwicklung ein wichtiger Indikator. Zwar wächst die Gesamtwirtschaft wieder, eine breite Investitionsdynamik lässt sich aus den Zahlen für das zweite Quartal jedoch noch nicht ableiten.

Industrie wächst erstmals wieder

Positiv entwickelte sich dagegen die Wertschöpfung. Sie stieg gegenüber dem Vorquartal insgesamt um 0,4 Prozent. Das Verarbeitende Gewerbe legte sogar um 0,9 Prozent zu. Insbesondere die chemische Industrie und die Hersteller elektrischer Ausrüstungen trugen dazu bei.

Auch Information und Kommunikation, Grundstücks- und Wohnungswesen sowie öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit verzeichneten jeweils ein Plus von 0,6 Prozent. Finanz- und Versicherungsdienstleister mussten dagegen einen Rückgang ihrer Wertschöpfung um 0,7 Prozent hinnehmen.

Der Vergleich mit dem Vorjahr ist noch deutlicher. Die Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes lag 1,1 Prozent über dem zweiten Quartal 2025. Damit verzeichnete die deutsche Industrie erstmals seit dem ersten Quartal 2023 wieder ein Wachstum gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal.

Wachstum erreicht den Arbeitsmarkt noch nicht

Während das BIP wächst, entwickelt sich der Arbeitsmarkt in die entgegengesetzte Richtung. Im zweiten Quartal waren rund 45,7 Millionen Menschen mit Arbeitsort in Deutschland erwerbstätig. Das waren 212.000 beziehungsweise 0,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Wichtig ist dabei, dass die Beschäftigung erstmals seit der Corona-Krise auch in den Dienstleistungsbereichen zurückging. Im Verarbeitenden Gewerbe und im Bau waren ebenfalls deutlich weniger Menschen beschäftigt als ein Jahr zuvor. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen sank um 0,5 Prozent.

Gleichzeitig erhöhte sich die Arbeitsproduktivität. Das preisbereinigte BIP je Erwerbstätigenstunde lag 1,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Auch je Erwerbstätigen gerechnet betrug der Zuwachs 1,5 Prozent.

Deutschland wächst langsamer als die EU

Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland trotz der verbesserten Zahlen zurück. Während die deutsche Wirtschaft gegenüber dem ersten Quartal um 0,3 Prozent zulegte, wuchs die EU insgesamt um 0,5 Prozent.

Unter den großen EU-Volkswirtschaften entwickelte sich Spanien mit einem Quartalsplus von 0,7 Prozent am stärksten. Frankreich und Italien kamen jeweils auf 0,2 Prozent. Auch im Vergleich zum Vorjahresquartal liegt Deutschland mit 1,0 Prozent leicht unter dem EU-Durchschnitt von 1,2 Prozent.

Frühere Wirtschaftskrise fällt nach Revision milder aus

Die turnusmäßige Überarbeitung älterer BIP-Daten durch das Statistische Bundesamt bringt einige Veränderungen hervor. Besonders deutlich fällt die Korrektur für 2024 aus. Bislang ging Destatis für das Jahr von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent aus. Nach der Revision wird für 2024 nun eine Stagnation von 0,0 Prozent ausgewiesen.

Für 2025 bleibt es dagegen bei einem leichten Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent. Auch Daten für die Jahre 2011 bis 2021 wurden rückwirkend angepasst. Über diesen Zeitraum fällt das kumulierte BIP-Wachstum nun insgesamt 0,8 Prozentpunkte höher aus als zuvor berechnet.

Erholung mit Fragezeichen

Die aktuellen Zahlen zeichnen damit ein gemischtes Bild. Nach Jahren mit Stagnation und schwacher Konjunktur wächst die deutsche Wirtschaft wieder. Exporte und Teile der Industrie entwickeln sich positiv, und das BIP legt inzwischen zwei Quartale in Folge zu.

Von einem breit getragenen Aufschwung kann allerdings noch kaum gesprochen werden. Unternehmen reduzieren ihre Ausrüstungsinvestitionen, der private Konsum bewegt sich nur wenig und die Zahl der Erwerbstätigen sinkt. Gleichzeitig wächst Deutschland weiterhin langsamer als die EU insgesamt.

Die Frage für die kommenden Quartale wird deshalb sein, ob aus der exportgetriebenen Erholung eine stärkere Investitions- und Wachstumsdynamik im Inland entsteht.


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