Das sind die fünf größten Fintechs Deutschlands

Mittlerweile gibt es mehr als 900 Finanz Startups, sogenannte Fintechs in Deutschland, die technologiegetriebene Finanzinnovationen entwickeln und vermarkten. Startbase hat sich die fünf größten von ihnen angesehen.

Für ihren Ideenreichtum in der Finanzbranche konnten deutsche Fintechs 2021 so viel Geld einsammeln wie noch nie: 2,2 Milliarden US-Dollar trommelten sie im zweiten Quartal des Jahres bei Investoren ein. Im internationalen Vergleich ist der Wert zwar niedrig – übertrifft jedoch bereits die Quote der vergangenen drei Jahre. Rund ein Viertel der gesamten deutschen Startup-Finanzierung steckt damit in Fintechs, die Finanztechnologie wächst. Wir stellen die fünf größten vor:

Trade Republic: 4,4 MILLIARDEN EURO

Das größte deutsche Fintech ist aktuell Trade Republic, ein digitales Kreditinstitut aus Berlin. Kunden haben mithilfe ihres Smartphones die Möglichkeit, über die mobile App des Unternehmens börsennotierte Wertpapiere und Kryptowährungen zu handeln. Die Auswahl für die rund eine Million Kunden ist groß: sie können zwischen mehr als 7.000 Aktien, 500 ETFs und 40.000 Derivaten wählen.

Trade Republic erhebt dabei anders als andere Broker keine Provision. Ganz kostenlos ist die Nutzung aber nicht. Anleger zahlen eine so genannte Fremdkostenpauschale in Höhe von einem Euro pro Handelsgeschäft. Wer also eine DAX-Aktie kauft, zahlt genauso viel wie jemand, der gesammelt zehn Aktien kauft. Abgewickelt werden die Zahlungen unter anderem über die Lang & Schwarz Aktiengesellschaft (LSX).

Investoren reißen sich um das Unternehmen, das 2015 die drei Entrepreneure Christian Hecker, Thomas Pischke und Marco Cancellieri in Berlin gegründet haben. Alle drei sind auch heute noch im Unternehmen. Für ihre Idee des provisionsfreien Online-Handels mit Aktien, ETFs und Derivaten nahm das Unternehmen Juli 2019 die ersten zehn Millionen Euro von Investoren ein. Im April 2020 folgten in einer weiteren Finanzierungsrunde 62 Millionen Euro. Geldgeber waren unter anderem Peter Thiels Founders Fund sowie Creandum. 

In der letzten Finanzierungsrunde sammelte das Trio dann 900 Millionen US-Dollar ein. Mit einer Bewertung von rund 4,4 Milliarden Euro ist Trade Republic damit nicht nur das aktuell wertvollste Fintech in Deutschland, sondern auch die Nummer eins unter allen Start-ups in der Bundesrepublik. 

Mitte des Jahres beschäftigte das Fintech rund 400 Mitarbeiter. In der Zwischenzeit erntete es aber auch einiges an Kritik. Anfang 2021 verärgerte Trade Republic viele Kunden, als es den Kauf von Aktien des Videospiel-Händlers GameStop beschränkte. Anleger konnten die Aktien zeitweise nicht mehr erwerben, sondern nur noch verkaufen.

N26: 3,5 MILLIARDEN EURO

Maximilian Tayenthal hat N26 mitgegründet. (Foto: Alexander Babic/N26)

N26 ist eine Direktbank, die sich auf Kontoführung und Zahlungsverkehr via Smartphone spezialisiert hat. Unbescheiden nennt sie sich selbst „Die beste Bank der Welt“. Zuletzt war jedoch bekannt geworden, dass mehr als 1600 Konten für kriminelle Machenschaften gehackt worden sein könnten.

Ziel des im Jahr 2013 gegründeten Unternehmens ist es, den Zahlungsverkehr einfach, bequem und besonders schnell zu gestalten. Realtime-Banking nennt sich das. Und wird auch von der Bafin und EZB anerkannt: Im Juli 2016 erhielt das Startup die Vollbanklizenz. 

Seither wächst N26 rasant. Seit 2019 zählt das Unternehmen zu den deutschen Einhörnern - Investoren bewerteten die Direktbank mit mehr als einer Milliarde Euro. Aktuell liegt die Unternehmensbewertung bei 3,5 Milliarden Euro.  Und das trotz roter Zahlen: Im jüngsten Geschäftsjahr machte die Direktbank noch ein Minus von 110 Millionen Euro bei rund sieben Millionen Kunden.

Die Zahl im Unternehmensnamen ist auf die erste Adresse des Fintechs zurückzuführen: „Unter den Linden 26“. Wie die meisten der deutschen Fintechs stammt auch N26 aus Berlin. Gründer sind der Österreicher Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal. Sie sammelten bei Investoren wie dem chinesischen Finanzriesen Tencent, Allianz X und Mitgliedern des Zalando-Vorstandes mehr als 740 Millionen Euro ein.

Für die Zukunft hat das Duo noch viel vor. Aktuell bereitet das Unternehmen eine weitere Finanzierungsrunde vor und strebt damit eine Bewertung von acht bis elf Milliarden US-Dollar an. Damit würde es mehr wert sein als die Commerzbank mit 8,3 Milliarden US-Dollar. Doch damit nicht genug. Die Neobank plant in den kommenden zwei Jahren auch noch an die Börse zu gehen.

Wefox: 2,5 MILLIARDEN EURO

Wefox ist eine digitale Versicherungsplattform, die 2015 zunächst auf dem deutschen und dem Schweizer Markt startete. Mittlerweile arbeitet das Unternehmen in drei weiteren Ländern. Wefox versteht sich dabei als digitaler Marktplatz, auf dem Versicherte, Makler und Versicherungsanbieter unkompliziert zusammenkommen sollen.

Auf der einen Seite können Makler auf der Plattform ihre Produktpalette anbieten. Von der privaten Altersvorsorge bis zur Lebensversicherung ist die Auswahl groß. Wefox verdient dabei Geld, indem es für jede abgeschlossene Versicherung eine vorher festgelegte Provision erhält.

Haben gut lachen: Die Wefox-Gründer (v.l.) Fabian Wesemann, Dario Fazlic, Julian Teicke und Jonathan Seoane. (Foto: Wefox)

Auf der anderen Seite können Privatkunden auf der Plattform mit wenigen Klicks Schäden und Unfälle melden oder neue Versicherungen abschließen. „Insurtech“ nennt sich das. Die Nutzung und das Angebot, seine bisherigen Versicherungen zu optimieren, ist kostenlos. Über 600.000 Versicherte nutzen die App.

Das Geschäftsmodell zieht viele Investoren an. Erster Hauptgeldgeber war der milliardenschwere Staatsfonds von Abu Dhabi. Auch Bankgrößen wie Goldman Sachs konnten die Gründer Julian Teicke und Dario Fazlic überzeugen. Im Juni 2021, in der letzten Finanzierungsrunde des Unternehmens, sammelte Wefox rund 533 Millionen Euro von Investoren ein, darunter die Partners Group, Jupiter und Decisive Wealth. Die Unternehmensbewertung stieg auf rund 2,5 Milliarden Euro. Das Besondere: Als eines der wenigen Fintechs ist Wefox schon länger profitabel. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei rund 117 Millionen Euro.

Das Geld investiert das Unternehmen dabei nicht nur in die eigene Expansion. In diesem Jahr steigt Wefox ins Sportsponsoring ein: Kürzlich sicherte es sich die Namensrechte am Stadion des Schweizer Klubs FC Schaffhausen.

Raisin DS: 2,5 MILLIARDEN EURO

Raisin DS ist im Juni 2021 aus einem Zusammenschluss der Zinsportale Deposit Solutions (Zinspilot) und Raisin entstanden. Das fusionierte Fintech hat derzeit eine Unternehmensbewertung von 2,5 Milliarden Euro. Dabei erreichte es erst im Juli diesen Jahres den Einhornstatus.

Die Raisin-Gründer (v.l.): Michael Stephan, Tamaz Georgadze und Frank Freund. (Foto: Lukas Schramm)

Drei ehemalige McKinsey-Berater gründeten Raisin vor neun Jahren. Sie machten das Unternehmen unter dem Namen WeltSparen bekannt. Zusammen mit N26 ist Raisin eines der wenigen deutschen Fintechs mit einer eigenen Vollbank-Lizenz.

Die Fusion mit Deposit Solutions gilt als die bisher größte Fusion der deutschen Fintech-Branche. Deposit Solutions stammt als eines der wenigen Fintechs aus Hamburg und ist unter der Marke Zinspilot bekannt geworden. Gemeinsam bildet Raisin DS eine Art digitalen Marktplatz für Tagesgeld- und Festgeld-Anlagen im europäischen Ausland. Sparer und Unternehmenskunden können ihr gespartes Vermögen kostenfrei und ohne Gebühren auf Konten von Raisins Partnerbanken anlegen. Dabei können sie aus diversen Sparprodukten aus ganz Europa wählen. Unter der Marke WeltInvest werden inzwischen auch ETF-Investments angeboten.

Experten vermuten einen rasanten Start der Unternehmensbewertung nach oben, sobald Raisin DS eine neue Finanzierungsrunde startet. Beide Unternehmen haben eine große Kundenbasis und gute Marktprognosen aufgestellt.

Mambu: 1,7 MILLIARDEN EURO

Erst im Januar 2021 mutierte das Berliner Startup Mambu, ein Anbieter von cloudfähiger Bankensoftware, zum Einhorn. Nach eigenen Aussagen liefert das Unternehmen Banken die notwendige Technik, um „moderne, erstklassige Bankprodukte zu entwickeln“.

Anfang 2021 sammelte Mambu für die Unternehmensidee bei Investoren 110 Millionen Euro ein. Die Unternehmensbewertung schnellte auf 1,7 Milliarden Euro, nachdem sie zwei Jahre zuvor noch bei gerade einmal ungefähr einem Zehntel, rund 180 Millionen Euro, lag.

Eugene Danikis hat Mambu gegründet. (Foto: Mambu)

Im ersten Jahr fokussierten sich die Gründer Frederik Pfisterer und Eugene Danilkis zunächst noch auf Mikrofinanzinstitute in Lateinamerika und Afrika. Ziel war es die Finanzinstitute von veralteten und zu komplexen Betriebssystemen zu befreien, um die Menschen besser in den formellen Bankensektor zu integrieren. Drei Milliarden Menschen sollten dadurch den Zugang für kostengünstige, digitale Finanzprodukte erhalten.

Ziel war es Einzelpersonen und aufstrebende Unternehmen in die Lage zu versetzen, durch den Zugang zu Finanzdienstleistungen wirtschaftliche Chancen wahrzunehmen. Mittlerweile ist das Unternehmen in 50 Ländern aktiv und hat mehr als 160 Kunden. Darunter auch N26 oder andere bekannte Banken wie OakNorth, ABN AMRO und Santander. Märkte in Brasilien, Japan und den USA bilden den Hauptfokus.

Das Fintech beschäftigt aktuell mehr als 500 Mitarbeiter. Innerhalb des nächsten Jahres möchte es die Zahl verdoppeln. 2019 waren es noch unter 40.


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