Lieferando überwacht offenbar seine Auslieferer

Der Essenslieferant verfolgt seine Rider laut einem Medienbericht auf jedem Meter. Es drohen bis zu 96 Millionen Euro Strafe.

Lieferando soll die Fahrten seiner Auslieferer im Sekundentakt überwachen. Das geht aus Daten hervor, die der Bayerische Rundfunk ausgewertet hat. Dem öffentlich-rechtlichen Sender liegen die Datenauskünfte von Fahrerinnen und Fahrern vor, die diese von Lieferando nach der DSGVO angefordert haben. Lieferando nutzt die App Scoober für die Abwicklung der Lieferungen. Diese soll für jede Fahrt 39 Datenpunkte erheben. Die App kann demnach sekundengenau nachverfolgen, wie schnell die Rider unterwegs sind, wenn sie zu spät kommen wird das wohl vermerkt. Die Daten der Fahrerinnen und Fahrer sind zudem, so berichtet der BR, personenbezogen hinterlegt. Vollbeschäftigte Rider sammeln so in einem Jahr bis zu 100.000 Datenpunkte, berichtet der BR. Die Daten sollen außerdem bis ins Jahr 2018 zurückreichen.

„Aus unserer Sicht liegt hier totale Überwachung vor. Wir halten es für völlig unverhältnismäßig“, sagt Semih Yalcin, Vorsitzender des Lieferando-Gesamtbetriebsrates für Deutschland, gegenüber dem BR. Zudem beschwerte sich ein Rider beim Datenschutzbeauftragten von Baden-Württemberg. Stefan Brink sagte zum BR: „Es handelt sich um eine sehr engmaschige Überwachung im Beschäftigungsverhältnis, die dort stattfindet.“ Alle 15 bis 20 Sekunden werde der genaue Standort der Rider weitergegeben. Das führe, so der Datenschutzbeauftragte, zu sogenanntem Tracking, also einer „dauerhaften Überwachung der Arbeitsleistung“, die aus seiner Sicht „klar rechtswidrig“ sei. Außerdem sende die App personenbezogene Daten an Google. Auch dafür könne seine Behörde „keine Rechtsgrundlage erkennen“.

Lieferando sieht darin kein Problem. Zum BR sagte ein Sprecher, die App halte alle geltenden Datenschutzbestimmungen ein. Die Daten würden auch nicht zu einer Leistungskontrolle genutzt werden. Weil Lieferando Tochter der niederländischen Just Eat Takeaway ist, muss die niederländische Datenschutzbehörde nun die Vorwürfe prüfen. „Es handelt sich in diesem Fall um einen Maximalverstoß. Ich rechne mit einer möglichen Strafe für Lieferando beziehungsweise 'Just Eat Take Away' in einer zweistelligen Millionenhöhe", sagt Brink dem BR. Er leitete die Vorwürfe bereits an die niederländischen Kollegen weiter. Die DSGVO schreibt Strafen in Höhe von bis vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor. Demnach drohe Lieferando eine Strafe von bis zu 96 Millionen Euro.


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