Primogene sammelt 4,1 Mio. Euro für industrielle Muttermilchmoleküle
Das Leipziger Biotechnologie-Startup Primogene GmbH hat in einer Seed-Finanzierungsrunde 4,1 Millionen Euro eingesammelt. Angeführt wird die Runde vom High-Tech Gründerfonds (HTGF). Weitere Investoren sind unter anderem der Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS), better ventures, die Sächsische Beteiligungsgesellschaft (SBG), Golzern Holding, FS Life Science Investment sowie Marc Struhalla.
Das Kapital soll insbesondere in den Ausbau von Produktionskapazitäten, die Weiterentwicklung des IP-Portfolios sowie in strategische Partnerschaften fließen.
Muttermilch als Blaupause für industrielle Innovation
Im Zentrum der Technologie stehen komplexe bioaktive Moleküle, die in der Natur vorkommen, besonders in Muttermilch. Diese gelten als entscheidend für die Entwicklung des Immunsystems, die Darmgesundheit und kognitive Prozesse, vor allem bei Frühgeborenen. Studien legen nahe, dass Kinder, die im ersten Jahr gestillt werden, später im Leben über ein deutlich besseres Immunsystem verfügen und weniger anfällig für Allergien sind.
Besonders relevant sind sogenannte humane Milcholigosaccharide (HMOs), darunter das komplexe Molekül DSLNT. Diese Stoffe lassen sich bislang nur schwer und kostenintensiv im industriellen Maßstab herstellen.
Enzymatische Plattform als technologischer Durchbruch
Primogene setzt auf ein enzymatisches Herstellungsverfahren, das es ermöglicht, komplexe Moleküle naturidentisch, nachhaltig und skalierbar zu produzieren. Im Vergleich zu klassischen fermentativen Verfahren verspricht der Ansatz geringere Kosten und bessere Skalierbarkeit.
Das Unternehmen hat bereits Prozesse für mehrere HMOs entwickelt, darunter auch LNDFH I, eines der häufigsten Moleküle in Muttermilch. Der Markt entwickelt sich aktuell sehr dynamisch. Der globale HMO-Markt wächst jährlich um rund 18 bis 20 Prozent, während ein Großteil neuer Säuglingsnahrungsprodukte bereits entsprechende Inhaltsstoffe enthält.
Breites Anwendungsspektrum über die Säuglingsernährung hinaus
Die Plattformtechnologie von Primogene ist nicht auf den Einsatz in Säuglingsnahrung beschränkt. Die hergestellten Moleküle finden Anwendung in verschiedenen Bereichen:
- Unterstützung der Darmgesundheit bei Erwachsenen
- Förderung kognitiver Funktionen im Alter
- Einsatz in Kosmetik und Körperpflege
- Rohstoffe für pharmazeutische und biopharmazeutische Anwendungen
Durch die europäische Produktion leistet das Unternehmen zudem einen Beitrag zur Stabilisierung kritischer Lieferketten.
Erste kommerzielle Erfolge und starke Forschungspartner
Primogene hat bereits erste Inhaltsstoffe für Kosmetikprodukte in Zusammenarbeit mit Partnern auf den Markt gebracht. Weitere pharmazeutische Anwendungen befinden sich in der Testphase.
Parallel arbeitet das Unternehmen mit dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie zusammen, um das Potenzial der Moleküle zur Prävention von Infektionskrankheiten zu erforschen. Zudem bestehen Kooperationen mit Intensivstationen für Frühgeborene, um klinisch relevante Anwendungen zu entwickeln.
Aufbau integrierter Produktion in Leipzig
Primogene bildet den gesamten Produktionsprozess von der Enzymentwicklung über die Biotransformation bis hin zur Aufreinigung am Standort Leipzig ab. Der Techteil ist durch ein wachsendes Patentportfolio abgesichert. Das Unternehmen wurde 2023 von Reza Mahour, Valerian Grote und Linda Karger gegründet.
Skalierung und Markteintritt im Fokus
Mit der neuen Finanzierung will Primogene seine Produktion skalieren, das Team ausbauen und gezielt Partnerschaften eingehen, insbesondere im Bereich Säuglingsnahrung und Functional Food.
Langfristig verfolgt das Unternehmen das Ziel, komplexe bioaktive Inhaltsstoffe in industriellem Maßstab verfügbar zu machen und damit die menschliche Gesundheit über alle Lebensphasen hinweg zu unterstützen.

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