Baden-Württemberg: Warum die Wahl auch über die Zukunft der Start-ups entscheidet

Die Parteien haben einiges vor, um Start-ups im Ländle noch besser zu fördern. Das könnte den Standort auf ein neues Level heben. Doch Vertreter der Szene haben die Sorge, dass genau das nicht klappt. 

Die Wahl am 14. März in Baden-Württemberg wird auch zu einer Wahl über die Zukunft der Start-up-Region BW. Denn die Parteien gehen mit teils sehr unterschiedlichen Konzepten in den Wahlkampf, was zu den Fragen führt: Wie lief es denn bisher – und wie könnte es in Zukunft im Ländle aussehen?

Wenn Adrian Thoma auf die vergangenen fünf Jahre zurückblickt, kann er der Politik in Baden-Württemberg durchaus ein zufriedenstellendes Zeugnis ausstellen. „Es hat sich viel für Start-ups in unserem Bundesland getan“, sagt der Gründer und Geschäftsführer von Pioniergeist, der auch Mitglied im Deutschen Start-up-Verband ist. „Es war wirklich ein Wachküssen für die Szene.“ Hinter Pioniergeist steckt ein Company-Builder, mit dem Thoma junge Unternehmen unterstützen und den Start-up-Standort stärken möchte.

Denkt Thoma allerdings an die Zukunft des Standorts Baden-Württemberg, dann verfliegt die Euphorie ganz schnell. Gemeinsam mit anderen Vertretern der Szene hat er die politische Kampagne „Start-ups in Baden Württemberg 2021“ gegründet. Darin fordern sie, die Sichtbarkeit der Start-ups im Land zu erhöhen, nachhaltige Strukturen zu schaffen und die Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und jungen Firmen zu stärken. 

Denn Hindernisse sieht Thoma in Baden-Württemberg noch genug. „In der Gründersprache ausgedrückt haben wir von der Politik bisher lediglich unsere Startfinanzierung erhalten“, sagt er. „Jetzt stehen wir vor der Frage, ob wir auf diesem Niveau verharren – oder wir eine Anschlussfinanzierung bekommen.“ Übersetzt heißt das: Es gebe viele gute Ansätze und werden die nicht weiterverfolgt, drohe das Start-up-Ökosystem in Baden-Württemberg zu stagnieren. 

Zu den guten Ansätzen zählt für Thoma etwa das Programm Start-up BW Pree Seed. 14 Millionen Euro hat das Bundesland für das Finanzierungsprogramm bereitgestellt. Es soll in Start-ups in der Frühphase fließen, die noch nicht auf private Investoren hoffen können. „Das Programm lief so gut, dass das Geld schnell ausgeschöpft war“, sagt Thoma. „Wir müssen es unbedingt verlängern.“ Thoma wünscht sich nicht nur mehr Geld, sondern hätte gerne einen weiteren Fonds für die Anschlussfinanzierung der Start-ups. 

Nicht immer ins Silicon Valley schauen

Der Kampagne von Thoma angeschlossen hat sich auch Professor Dr. Alexander Brem. Er ist an der Universität Stuttgart der Direktor des Instituts für Entrepreneurship und Innovationsforschung, sowie Inhaber des Lehrstuhls für Entrepreneurship in Technologie und Digitalisierung, der vom Daimler-Fonds im Stifterverband gefördert wird. „Es geht gar nicht immer darum nach Bayern, Berlin oder gar Israel sowie ins Silicon Valley zu schauen“, sagt er. „Es gibt in Baden-Württemberg hervorragende Start-ups, umtriebige Gründungsförderer sowie aktive Family Offices – nur kennt diese eben kaum jemand. Entscheidend ist, auf den vorhandenen Stärken aufzubauen und sich die Bälle zuzuspielen.“

Laut Brem fehlt es in Baden-Württemberg an Transparenz. „Gründer wissen noch oft nicht, wo sie welche Förderung erhalten können“, sagt er. Zu oft werde noch in kleineren Ökosystemen, etwa der einzelnen Institution, oder der Stadt wie Stuttgart und Karlsruhe gedacht. „Gründer haben noch immer keine richtige Lobby.“ Brem wünscht sich daher einen Gründungsreferenten aus den Reihen des Landtags oder einen Beauftragten der Landesregierung, der das Thema überparteilich vorantreibt und als Ansprechpartner zur Verfügung steht.

Die zentralen Forderungen der Parteien im Überblick

Und die Politik? Der Digitalverband Bitkom hat alle aktuell im Landtag vertretenen Parteien angeschrieben und nach ihren Plänen für Start-ups befragt. Bis bis auf die AfD haben alle Parteien dem Verband geantwortet.

Die Grünen wollen demnach die staatlichen Mittel für Start-up-Risikokapital aufstocken, um zusätzliches privates Kapital anzuziehen und folgen damit einer der zentralen Forderungen der Kampagne „Start-ups in Baden Württemberg 2021“. Insbesondere will die Partei GreenTech und Social Entrepreneurship unterstützen. Auch wollen sie dafür sorgen, in öffentlichen Vergabeprozessen verstärkt Start-ups zu berücksichtigen. 

Die CDU will einen einheitlichen Ansprechpartner für Unternehmensgründer schaffen. Start-ups in der öffentlichen Vergabe möchte sie ebenfalls stärker berücksichtigen. Auch soll es nach dem Willen der Partei einen neuen Gründerfonds geben, der mit einem Teil der Mittel auch Anreize für ein klimaneutrales Wirtschaften schaffen soll. 

Die SPD will mit der Start-up-Förderung bereits in der Schule beginnen, eine Idee, die sowohl Thoma als Brem gut finden. Start-ups stärker finanziell fördern, wollen die Genossen auch, etwa indem ein neuer Risikokapitalfonds aufgelegt wird. Die Sozialdemokraten sind allerdings gegen eine stärkere Berücksichtigung bei der öffentlichen Vergabe, weil dies vergaberechtlich ohnehin nicht möglich sei. 

Die FDP benennt als große Schwächen die „bürokratischen Hürden und die unzureichenden Finanzierungsmöglichkeiten“ für Gründer. Nach den Vorstellungen der Liberalen soll es mehr „wirtschaftliche Freiheitszonen“ geben, in denen insbesondere Startups „Möglichkeiten zur schnellen Entfaltung“ erhalten. Das soll auch mehr Venture Capital nach Baden-Württemberg locken.

Die Linke setzt ebenfalls stark auf das Mittel der öffentlichen Vergabe. Um Gründungen zu fördern, solle sich die Landesregierung für bezahlbaren Wohnraum und Kita-Plätze einsetzen – das Bereitstellen von Wagniskapital sei dagegen keine Aufgabe der Landespolitik.

Schaffen es die meisten der Forderungen der Parteien in einen Koalitionsvertrag, könnte das den Start-up-Standort. „Baden-Württemberg ist heute schon ein Startup-Hotspot in Deutschland. Das Land kann vor allem mit der engen Zusammenarbeit mit seinen Hochschulen und den vielen starken mittleren und großen Industriebetrieben punkten“, sagt Wolfgang Hackenberg, Bitkom-Landessprecher für Baden-Württemberg. „Die Landespolitik ist von entscheidender Bedeutung, wenn es um die Unterstützung von Gründerinnen und Gründern geht.“


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