AgriTech

NUNOS erhält 570.000 Euro für Dünger-Technologie aus der Raumfahrt

Die NRW.BANK investiert 300.000 Euro in das AgrarTech-Startup aus Hürth. Weitere 270.000 Euro kommen von deutschen Business Angels.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Köln, 22. September 2026

Das AgrarTech-Startup NUNOS aus Hürth hat 570.000 Euro in einer Pre-Seed-Finanzierungsrunde eingesammelt. Davon investiert die NRW.BANK 300.000 Euro über ihr Programm NRW.SeedCap, weitere 270.000 Euro kommen von Business Angels aus Deutschland. Das Spin-off des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) überträgt eine ursprünglich für Mond- und Marsstationen entwickelte Technologie auf die Landwirtschaft. Damit sollen Rindergülle und Gärreste aus Biogasanlagen zu höherwertigen Düngemitteln aufbereitet werden.

Vom Weltraum auf den Bauernhof

Gegründet wurde NUNOS 2024 von Tim Paulke und Fabian Mielbach als Spin-off des DLR am Standort Köln. 2025 kam CTO Xenia Steurer zum Team. Die technologische Grundlage des Unternehmens stammt aus der Raumfahrtforschung. Das Verfahren wurde ursprünglich entwickelt, um stickstoffhaltige Abwässer in geschlossenen Habitaten aufzubereiten. Für mögliche Stationen auf Mond oder Mars sollten dabei unter anderem Nährstoffe aus Urin zurückgewonnen und anschließend als Pflanzendünger für die Lebensmittelproduktion in Gewächshäusern eingesetzt werden.

NUNOS überträgt dieses Prinzip nun auf ein deutlich irdischeres Problem: den Umgang mit Rindergülle und Gärresten aus Biogasanlagen.

Gülle soll zu höherwertigem Dünger werden

Die Technologie soll die enthaltenen Nährstoffe so aufbereiten, dass daraus ein höherwertiges Düngemittel entsteht. Nach Angaben des Unternehmens entstehen dabei chemisch stabilere Verbindungen. Der gewonnene Dünger sei nahezu geruchsneutral und lasse sich besser lagern. Landwirtschaftliche Betriebe sollen Nährstoffe dadurch gezielter einsetzen und gleichzeitig Kosten einsparen können.

Darüber hinaus soll das Verfahren helfen, Nährstoffüberschüsse zu reduzieren. Diese können insbesondere durch Stickstoffverbindungen zu Belastungen von Grundwasser und Luft beitragen. Eine erste Pilotanlage installierte NUNOS 2025 bei einer Biogasanlage im Raum Köln. Damit hat das Startup den Schritt aus der ursprünglichen Forschung in einen ersten landwirtschaftlichen Praxiseinsatz vollzogen.

NRW.BANK investiert weitere 300.000 Euro

Die NRW.BANK begleitet NUNOS bereits seit 2024. Über das Programm NRW.SeedCon hatte die Förderbank zunächst Wandeldarlehen über insgesamt 200.000 Euro bereitgestellt. Diese wurden durch Investments privater Business Angels ergänzt.

Die Wandeldarlehen wurden mittlerweile in Unternehmensanteile umgewandelt. Im Rahmen der aktuellen Pre-Seed-Runde investiert die NRW.BANK nun zusätzlich 300.000 Euro über NRW.SeedCap. Zusammen mit den 270.000 Euro der beteiligten Business Angels stehen NUNOS damit weitere 570.000 Euro für die nächste Entwicklungsphase zur Verfügung.

Zwei weitere Pilotanlagen noch 2026

Mit dem Kapital will NUNOS insbesondere den bevorstehenden Markteintritt vorbereiten und Marketing und Vertrieb ausbauen. Parallel soll die Technologie unter realen Bedingungen weiter erprobt werden. Noch 2026 plant das Startup zwei weitere Pilotanlagen auf landwirtschaftlichen Betrieben.

Für 2027 sind zusätzliche Pflanzversuche vorgesehen. Dabei soll der aus Gülle und Gärresten gewonnene Dünger an unterschiedlichen landwirtschaftlichen Kulturen getestet werden. Ebenfalls 2027 will NUNOS die ersten kommerziellen Anlagen verkaufen.

Raumfahrttechnologie muss ihre Wirtschaftlichkeit auf der Erde beweisen

Der Technologietransfer aus der Raumfahrt in die Landwirtschaft bietet NUNOS einen ungewöhnlichen Ausgangspunkt. Für den kommerziellen Erfolg wird allerdings weniger die Herkunft des Verfahrens als dessen Wirtschaftlichkeit im landwirtschaftlichen Alltag entscheidend sein.

Landwirte und Betreiber von Biogasanlagen müssen mit der Aufbereitung einen konkreten wirtschaftlichen Vorteil erzielen und die Technologie zuverlässig in bestehende Betriebsabläufe integrieren können.

Dafür sind die nächsten Pilotanlagen und Pflanzversuche wichtig. Gelingt es NUNOS, die technische Funktionsfähigkeit mit niedrigeren Kosten, besserer Nährstoffnutzung und einfacher Handhabung zu verbinden, könnte aus einer ursprünglich für geschlossene Habitate im Weltraum entwickelten Technologie ein skalierbares Verfahren für die Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft entstehen.


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