M&A

OpenAI holt deutsches Startup Ona ins Codex-Team

OpenAI verstärkt seine Ambitionen im Enterprise-Segment: Mit der Übernahme von Ona sollen KI-Agenten künftig sicherer, kollaborativer und direkt in Unternehmensprozesse integriert werden.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Kiel / New York, 11. Juni 2026

OpenAI baut seine Position im Markt für KI-gestützte Unternehmenssoftware weiter aus. Das Unternehmen hinter ChatGPT hat eine Vereinbarung zur Übernahme des Startups Ona bekanntgegeben. Nach Abschluss der Transaktion soll das Team in die Codex-Organisation von OpenAI integriert werden.

Mit dem Schritt verstärkt OpenAI seine Aktivitäten rund um agentische KI-Systeme für Unternehmen und will den Einsatz von KI-Agenten über einzelne Anwendungen hinaus in komplexe Unternehmensprozesse ausweiten.

Von Cloud-Entwicklungsumgebungen zu Enterprise-Agenten

Ona wurde ursprünglich mit der Vision gegründet, Softwareentwicklung aus lokalen Rechnern in die Cloud zu verlagern. Entwickler sollten von jedem Gerät aus auf vollständige Entwicklungsumgebungen zugreifen können. Die Gründungsgeschichte beginnt in Kiel unter dem Namen Gitpod, für das wir auf der Startbase auch noch entsprechendes Profil samt Erfolgsmeldungen haben.

Mit dem rasanten Fortschritt generativer KI entwickelte sich daraus jedoch ein deutlich größerer Markt. Das Startup begann, sichere Cloud-Infrastrukturen für KI-Agenten aufzubauen, die eigenständig Aufgaben ausführen, Informationen verarbeiten und in Unternehmenssystemen arbeiten können. Der entgültige Pivot wurde 2023 vollzogen.

(c) Ona

Zu den Kunden zählen laut Unternehmen einige der anspruchsvollsten Organisationen weltweit, darunter die älteste Bank der USA, große europäische Pharmaunternehmen sowie führende asiatische Staatsfonds. Allein im laufenden Jahr habe sich die produktive Nutzung der Ona-Agenten bei Unternehmenskunden um das 13-Fache erhöht.

OpenAI setzt auf sichere Unternehmens-KI

Für OpenAI ist die Übernahme ein weiterer Baustein auf dem Weg, KI stärker in den Unternehmensalltag zu integrieren. Im Fokus stehen dabei nicht einzelne Chatbots oder Coding-Assistenten, sondern cloudbasierte Agenten, die dauerhaft Aufgaben übernehmen, Informationen über verschiedene Systeme hinweg verarbeiten und in sicheren Unternehmensumgebungen arbeiten können.

KI-Agenten sollen künftig nicht nur Code schreiben, sondern auch Geschäftsprozesse begleiten, Analysen durchführen, Präsentationen erstellen, Workflows koordinieren und Wissen organisationsweit nutzbar machen. Besonders wichtig seien dabei laut Ona drei Faktoren:

  • Kontext innerhalb bestehender Unternehmenssysteme
  • Kontrolle über Daten, Zugriffsrechte und Infrastruktur
  • Zusammenarbeit zwischen Menschen und KI-Agenten

Enterprise-KI als nächste Wachstumswelle

Während viele Unternehmen als langsam bei der Einführung neuer Technologien gelten, sieht Ona die Ursachen vor allem in den hohen Risiken fehlerhafter Entscheidungen. Gerade in regulierten Branchen wie Banken, Pharmaunternehmen oder dem öffentlichen Sektor müssen KI-Systeme nicht nur leistungsfähig, sondern auch nachvollziehbar, kontrollierbar und sicher sein.

Hier setzt die Technologie von Ona an. Die Plattform ermöglicht den Betrieb von KI-Agenten in kundeneigenen Cloud-Umgebungen, inklusive Zugriffskontrolle, Audit-Trails, Versionsverwaltung und Sicherheitsmechanismen. Mit den Ressourcen von OpenAI sollen diese Fähigkeiten nun deutlich schneller weiterentwickelt werden.

Verstärkung für das Codex-Team

Besonders überzeugt zeigte sich das Ona-Management von den Gesprächen mit OpenAI-CEO Sam Altman sowie dem Codex-Team. Nach Angaben des Unternehmens vereinen beide Seiten komplementäre Stärken: Während Ona die Infrastruktur für sichere Enterprise-Agenten aufgebaut habe, bringe OpenAI die führenden KI-Modelle, Forschungsressourcen sowie die globale Reichweite mit.

Die Übernahme soll es ermöglichen, KI-Arbeit von einzelnen Geräten zu lösen und in skalierbare Cloud-Workflows zu überführen, in denen Agenten eigenständig Aufgaben übernehmen und organisationsübergreifend zusammenarbeiten.

Transaktion steht noch unter Vorbehalt

Der Abschluss der Übernahme steht noch unter den üblichen regulatorischen Genehmigungen und weiteren Vollzugsbedingungen. Bis dahin bleiben beide Unternehmen eigenständig und setzen ihre bisherigen Geschäftsaktivitäten unabhängig voneinander fort.

Mit der Integration von Ona unterstreicht OpenAI jedoch erneut seine Ambitionen, nicht nur führende KI-Modelle zu entwickeln, sondern auch die Infrastruktur bereitzustellen, auf der Unternehmen ihre zukünftigen KI-gestützten Arbeitsprozesse aufbauen können.


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