Academic Entrepreneurship Monitor 2025/26: Wissenschaftliche Ausgründungen setzen stärker auf Innovation und KI
Gründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind besonders innovationsorientiert, international ausgerichtet und beschäftigen sich intensiver mit künstlicher Intelligenz. Das zeigen erste Ergebnisse des Academic Entrepreneurship Monitors 2025/26. Auch bei Gründungsmotiven und der Nutzung von Beratungsangeboten gibt es deutliche Unterschiede zu anderen Gründungen.
Wissenschaftliche Ausgründungen spielen eine besondere Rolle im deutschen Startup-Ökosystem. Wie die vorläufigen Ergebnisse des Academic Entrepreneurship Monitors 2025/26 zeigen, unterscheiden sich Gründerinnen und Gründer aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen in mehreren Bereichen deutlich von der Gesamtheit der Gründenden. Besonders auffällig sind die stärkere Innovationsorientierung, die internationale Ausrichtung und die Bedeutung von künstlicher Intelligenz.
Die Untersuchung basiert auf Daten des Global Entrepreneurship Monitors (GEM), der seit 1999 das Gründungsgeschehen in zahlreichen Ländern untersucht. Für Deutschland wird die Erhebung vom RKW Kompetenzzentrum gemeinsam mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie durchgeführt.
Den aktuellen Ergebnissen zufolge geben 2,6 Prozent der deutschen Bevölkerung an, bereits ein Unternehmen aus einer Hochschule oder Forschungseinrichtung heraus gegründet zu haben oder eine entsprechende Gründung zu planen. Dabei soll zumindest ein Teil des wissenschaftlich erarbeiteten Wissens wirtschaftlich genutzt werden.
Das Durchschnittsalter dieser Gruppe liegt bei knapp 30 Jahren und damit deutlich unter dem Durchschnitt aller Gründerinnen und Gründer von rund 36 Jahren. Unterschiede zeigen sich auch beim familiären Hintergrund: Während 60 Prozent der wissenschaftlichen Ausgründenden mindestens einen selbstständigen Elternteil haben oder hatten, liegt dieser Anteil bei den übrigen Gründenden bei gut 30 Prozent.
Innovationsorientierung und internationale Märkte
Ein wesentliches Merkmal wissenschaftlicher Ausgründungen ist ihr Innovationsanspruch. So geben 6,2 Prozent an, Produkte oder Dienstleistungen mit Weltmarktneuheitscharakter anzubieten oder dies zu planen. Bei technologischen und prozessbezogenen Innovationen beträgt der Anteil 5,9 Prozent. Unter allen Gründenden liegen beide Werte bei jeweils 3,9 Prozent.
Auch beim Schutz geistigen Eigentums zeigt sich ein deutlicher Unterschied. Rund 67 Prozent der wissenschaftlichen Ausgründenden beabsichtigen, innerhalb der kommenden zwei Jahre Schutzrechte anzumelden. Unter allen Gründerinnen und Gründern sind es lediglich 27 Prozent.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen ein besonders hohes Innovationspotenzial mitbringen. Sie sind stärker international ausgerichtet, setzen häufiger auf Künstliche Intelligenz und verfolgen ambitionierte Innovationsziele
Dr. Natalia Gorynia-Pfeffer, RKW Kompetenzzentrum
Hinzu kommt eine stärkere internationale Orientierung. Rund 29 Prozent der wissenschaftlichen Ausgründenden weisen eine hohe Exportintensität auf oder planen eine solche. Bei allen Gründenden beträgt dieser Anteil rund 17 Prozent.
Unterschiede bestehen zudem bei den persönlichen Motiven. Während 62 Prozent der wissenschaftlichen Ausgründenden mit ihrem Unternehmen die Welt verändern möchten, verfolgen unter allen Gründenden 42 Prozent dieses Ziel. Auch die Fortführung einer unternehmerischen Familientradition wird bei wissenschaftlichen Ausgründungen häufiger genannt.
KI, Nachhaltigkeit und Hochschulförderung als wichtige Faktoren
Sichtbar wird auch die technologische Ausrichtung beim Thema künstliche Intelligenz. Mehr als die Hälfte der wissenschaftlichen Ausgründenden bewertet KI für das eigene Geschäftsmodell und die Unternehmensstrategie in den kommenden drei Jahren als sehr wichtig. Unter allen Gründenden liegt dieser Anteil bei rund einem Drittel.
Ebenso spielt Nachhaltigkeit eine größere Rolle. Rund 72 Prozent der wissenschaftlichen Ausgründenden haben im Jahr vor der Befragung Maßnahmen zur Verringerung ihrer Umweltauswirkungen ergriffen. Bei den übrigen Gründenden waren es 42 Prozent.
Die Ergebnisse unterstreichen außerdem die Bedeutung universitärer Unterstützungsangebote. Etwa 78 Prozent der wissenschaftlichen Ausgründenden haben eine Gründungsberatung genutzt, gegenüber rund 40 Prozent aller Gründenden. Rund 70 Prozent bezeichnen zudem Angebote zur Vermittlung unternehmerischer Kompetenzen an Hochschulen als ausschlaggebend für ihre Gründung oder Gründungsabsicht.
Um dieses Potenzial besser auszuschöpfen und mehr wissenschaftliche Erkenntnisse in erfolgreiche Geschäftsmodelle zu überführen, müssen die Rahmenbedingungen speziell für Ausgründungen weiter verbessert werden. Entscheidend sind dabei der Abbau bürokratischer Hürden, ein besserer Zugang zu Finanzierung und die gezielte Unterstützung des Wissens- und Technologietransfers.
Dr. Natalia Gorynia-Pfeffer, RKW Kompetenzzentrum
Die vorläufigen Ergebnisse des Academic Entrepreneurship Monitors 2025/26 zeigen die besondere Bedeutung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen für technologieorientierte Unternehmensgründungen. Gleichzeitig wird deutlich, welche Rolle Gründungszentren, Beratungsangebote und der Wissenstransfer für die wirtschaftliche Verwertung wissenschaftlicher Entwicklungen spielen.

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