Mögliche Auswirkungen eines digitalen Euros auf die Internationalisierungsvorhaben deutscher Entrepreneurs
Der digitale Euro gehört zu den ambitioniertesten finanzpolitischen Vorhaben Europas. Während Politik, Zentralbanken und Finanzwirtschaft über seine Ausgestaltung diskutieren, bleibt die Perspektive von Startups bislang häufig außen vor. Dabei könnten gerade junge, international ausgerichtete Unternehmen von Veränderungen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr profitieren. Thilo Hett von der TU Dortmund untersucht im Rahmen seiner Dissertation, welche Chancen, Risiken und Auswirkungen der digitale Euro für die Internationalisierung von Startups mit sich bringen könnte. In seinem Gastbeitrag erläutert er die Hintergründe seiner Forschung und lädt Gründerinnen und Gründer ein, ihre Erfahrungen und Einschätzungen in die wissenschaftliche Untersuchung einzubringen. Die Startbase unterstützt dieses Forschungsvorhaben gern:
Gastbeitrag Thilo Hett
Wer ein Start-up gründet, denkt selten zuerst an Zentralbanken. Meistens geht es um das Produkt, das Team und oder die Finanzierung. Spätestens wenn die ersten Kunden im Ausland auftauchen, wird aber ein Thema plötzlich sehr konkret: Wie kommt das Geld eigentlich von A nach B? Genau hier setzt meine Dissertation an. Mein Weg zu diesem Thema führte über eine einfache Beobachtung: Digitale Geschäftsmodelle sind heute oft von Anfang an international gedacht, die Zahlungsinfrastruktur dahinter ist es aber in dem meisten Fällen nicht immer. Wer als junges Unternehmen Kunden, Lieferanten oder Partner in mehreren Ländern hat, kennt die Folgen. Diese sind meist hohe Gebühren, Überweisungen, die Tage dauern und je nach Land zusätzlich noch unterschiedliche regulatorische Anforderungen. Für große Konzerne mit eigenen Finanzabteilungen ist dies Alltag, den sie managen können. Für Start-ups mit begrenzten Ressourcen kann es dagegen ein echtes Hindernis auf dem Weg ins Ausland sein.
Gleichzeitig arbeitet die Europäische Zentralbank an einem digitalen Euro. Er soll das Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen und eine digitale Zahlungsoption bieten, die schnell, sicher und effizient ist. Noch befindet sich das Projekt in der Entwicklungsphase, soll aber 2029 realisiert werden. Genau das fand ich reizvoll: Es gibt bereits viele Debatten über Technik, Datenschutz und die Rolle der Banken, aber erstaunlich wenig Forschung dazu, was das Ganze für Start-ups bedeutet, also für diejenigen, die später vielleicht am stärksten davon profitieren oder davon herausgefordert werden.
Mich fasziniert die Schnittstelle von Entrepreneurship, Internationalisierung und Geldpolitik. Ein digitaler Euro könnte den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr verändern, der bislang oft teuer, langsam und kompliziert ist. Ob und wie stark sich das tatsächlich auf Internationalisierungsentscheidungen auswirkt, ist offen. Würde ein Start-up früher in neue Märkte gehen, wenn Zahlungen einfacher wären? Oder sind ganz andere Faktoren ausschlaggebend, etwa Sprache, Recht, Vertrieb oder Kundenvertrauen? Besonders spannend finde ich außerdem die Frage nach Vertrauen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Ein digitaler Euro verspricht Transaktionssicherheit, Effizienz und neue Innovationsmöglichkeiten. Zugleich gibt es jedoch auch Bedenken. Wie steht es um den Datenschutz? Wie viel staatliche Kontrolle ist denkbar? Welche Regulierung kommt auf Unternehmen zu? Diese Fragen lassen sich nicht allein durch Literatur beantworten. Deshalb möchte ich wissen, wie Start-ups selbst darüber denken, und zwar auf Basis ihrer realen Erfahrungen und nicht nur theoretischer Annahmen.
Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen Experteninterviews mit Start-ups, die entweder bereits international tätig sind oder eine Expansion planen. Die Interviews dauern ca. 30 Minuten und gliedern sich in vier Bereiche: Zunächst geht es um das allgemeine Verständnis und die Einstellung zum digitalen Euro, anschließend um mögliche
Auswirkungen auf die Internationalisierung. Danach betrachten wir Vertrauen und rechtliche Rahmenbedingungen und zum Schluss Wettbewerbsfähigkeit und Innovation. Wichtig ist mir: Es braucht kein Fachwissen über den digitalen Euro. Auch eine skeptische, kritische oder noch unentschlossene Haltung ist sehr willkommen. Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven helfen mir, ein realistisches Bild zu zeichnen.
Für Start-ups sehe ich dabei gleich mehrere Mehrwerte. Erstens bekommen die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich frühzeitig mit einem Thema auseinanderzusetzen, das in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen könnte. Wer sich jetzt Gedanken macht, ist später besser vorbereitet, ob es um Chancen im Zahlungsverkehr, neue Geschäftsmodelle oder regulatorische Anforderungen geht. Zweitens liefert die Studie einen Überblick darüber, wie andere Start-ups das Thema einschätzen. Das ermöglicht einen Perspektivwechsel und zeigt, wo gemeinsame Sorgen und Hoffnungen liegen. Drittens fließen die Ergebnisse in eine wissenschaftliche Arbeit ein, die Stimmen aus der Praxis sichtbar macht. Start-ups werden in politischen und wirtschaftlichen Debatten oft nur am Rande berücksichtigt. Mit meiner Dissertation möchte ich dazu beitragen, dass ihre Erfahrungen und Anforderungen in die Diskussion einfließen, wenn es darum geht, wie ein digitaler Euro aussehen und wirken soll. Und letzten endlich wer sich auf ein Interview einlässt, reflektiert ganz nebenbei die eigene Internationalisierungs strategie. Allein das Nachdenken über Zahlungsströme, Vertrauen und Wettbewerbsfähigkeit kann neue Ideen für das eigene Unternehmen anstoßen. Ich freue mich über Start-ups, die Lust haben, ihre Einschätzungen und Erfahrungen mit mir zu teilen. Das Interview findet nach Absprache digital statt und lässt sich unkompliziert in den Arbeitsalltag integrieren. Wenn Sie sich angesprochen fühlen oder jemanden kennen der gut passen könnte, freue ich mich über eine Kontaktaufnahme. Ich freue mich auf den Austausch und darauf, gemeinsam herauszufinden, was der digitale Euro für die nächste Generation internationaler Start-ups bedeuten könnte.
Kontakt
Thilo Hett
TU Dortmund: Juniorprofessur Entrepreneurship
E-Mail: Thilo.Hett@tu-dortmund.de
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/thilo-hett-bb632720b/

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