Mögliche Auswirkungen eines digitalen Euros auf die Internationalisierungsvorhaben deutscher Entrepreneurs

Hohe Gebühren, lange Überweisungszeiten und regulatorische Hürden erschweren Startups die internationale Expansion. Könnte der digitale Euro daran etwas ändern? Eine wissenschaftliche Untersuchung der TU Dortmund geht dieser Frage nach und sucht Startups, die ihre Erfahrungen und Einschätzungen teilen möchten.
Interview von Marc Nemitz Marc Nemitz · Dortmund, 19. Oktober 2026

Der digitale Euro gehört zu den ambitioniertesten finanzpolitischen Vorhaben Europas. Während Politik, Zentralbanken und Finanzwirtschaft über seine Ausgestaltung diskutieren, bleibt die Perspektive von Startups bislang häufig außen vor. Dabei könnten gerade junge, international ausgerichtete Unternehmen von Veränderungen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr profitieren. Thilo Hett von der TU Dortmund untersucht im Rahmen seiner Dissertation, welche Chancen, Risiken und Auswirkungen der digitale Euro für die Internationalisierung von Startups mit sich bringen könnte. In seinem Gastbeitrag erläutert er die Hintergründe seiner Forschung und lädt Gründerinnen und Gründer ein, ihre Erfahrungen und Einschätzungen in die wissenschaftliche Untersuchung einzubringen. Die Startbase unterstützt dieses Forschungsvorhaben gern:

Gastbeitrag Thilo Hett 

Wer ein Start-up gründet, denkt selten zuerst an Zentralbanken. Meistens geht es um  das Produkt, das Team und oder die Finanzierung. Spätestens wenn die ersten  Kunden im Ausland auftauchen, wird aber ein Thema plötzlich sehr konkret: Wie  kommt das Geld eigentlich von A nach B? Genau hier setzt meine Dissertation an. Mein Weg zu diesem Thema führte über eine einfache Beobachtung: Digitale  Geschäftsmodelle sind heute oft von Anfang an international gedacht, die  Zahlungsinfrastruktur dahinter ist es aber in dem meisten Fällen nicht immer. Wer als  junges Unternehmen Kunden, Lieferanten oder Partner in mehreren Ländern hat,  kennt die Folgen. Diese sind meist hohe Gebühren, Überweisungen, die Tage dauern und je nach Land zusätzlich noch unterschiedliche regulatorische Anforderungen. Für  große Konzerne mit eigenen Finanzabteilungen ist dies Alltag, den sie managen  können. Für Start-ups mit begrenzten Ressourcen kann es dagegen ein echtes  Hindernis auf dem Weg ins Ausland sein. 

Gleichzeitig arbeitet die Europäische Zentralbank an einem digitalen Euro. Er soll das  Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen und eine digitale Zahlungsoption bieten,  die schnell, sicher und effizient ist. Noch befindet sich das Projekt in der  Entwicklungsphase, soll aber 2029 realisiert werden. Genau das fand ich reizvoll: Es  gibt bereits viele Debatten über Technik, Datenschutz und die Rolle der Banken, aber  erstaunlich wenig Forschung dazu, was das Ganze für Start-ups bedeutet, also für  diejenigen, die später vielleicht am stärksten davon profitieren oder davon  herausgefordert werden. 

Mich fasziniert die Schnittstelle von Entrepreneurship, Internationalisierung und  Geldpolitik. Ein digitaler Euro könnte den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr  verändern, der bislang oft teuer, langsam und kompliziert ist. Ob und wie stark sich  das tatsächlich auf Internationalisierungsentscheidungen auswirkt, ist offen. Würde  ein Start-up früher in neue Märkte gehen, wenn Zahlungen einfacher wären? Oder  sind ganz andere Faktoren ausschlaggebend, etwa Sprache, Recht, Vertrieb oder  Kundenvertrauen? Besonders spannend finde ich außerdem die Frage nach  Vertrauen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Ein digitaler Euro verspricht  Transaktionssicherheit, Effizienz und neue Innovationsmöglichkeiten. Zugleich gibt es  jedoch auch Bedenken. Wie steht es um den Datenschutz? Wie viel staatliche  Kontrolle ist denkbar? Welche Regulierung kommt auf Unternehmen zu? Diese  Fragen lassen sich nicht allein durch Literatur beantworten. Deshalb möchte ich  wissen, wie Start-ups selbst darüber denken, und zwar auf Basis ihrer realen  Erfahrungen und nicht nur theoretischer Annahmen. 

Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen Experteninterviews mit Start-ups, die entweder  bereits international tätig sind oder eine Expansion planen. Die Interviews dauern ca.  30 Minuten und gliedern sich in vier Bereiche: Zunächst geht es um das allgemeine  Verständnis und die Einstellung zum digitalen Euro, anschließend um mögliche 

Auswirkungen auf die Internationalisierung. Danach betrachten wir Vertrauen und  rechtliche Rahmenbedingungen und zum Schluss Wettbewerbsfähigkeit und  Innovation. Wichtig ist mir: Es braucht kein Fachwissen über den digitalen Euro. Auch  eine skeptische, kritische oder noch unentschlossene Haltung ist sehr willkommen.  Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven helfen mir, ein realistisches Bild zu  zeichnen. 

Für Start-ups sehe ich dabei gleich mehrere Mehrwerte. Erstens bekommen die  Teilnehmenden die Gelegenheit, sich frühzeitig mit einem Thema  auseinanderzusetzen, das in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen  könnte. Wer sich jetzt Gedanken macht, ist später besser vorbereitet, ob es um  Chancen im Zahlungsverkehr, neue Geschäftsmodelle oder regulatorische  Anforderungen geht. Zweitens liefert die Studie einen Überblick darüber, wie andere  Start-ups das Thema einschätzen. Das ermöglicht einen Perspektivwechsel und  zeigt, wo gemeinsame Sorgen und Hoffnungen liegen. Drittens fließen die  Ergebnisse in eine wissenschaftliche Arbeit ein, die Stimmen aus der Praxis sichtbar  macht. Start-ups werden in politischen und wirtschaftlichen Debatten oft nur am  Rande berücksichtigt. Mit meiner Dissertation möchte ich dazu beitragen, dass ihre  Erfahrungen und Anforderungen in die Diskussion einfließen, wenn es darum geht,  wie ein digitaler Euro aussehen und wirken soll. Und letzten endlich wer sich auf ein  Interview einlässt, reflektiert ganz nebenbei die eigene Internationalisierungs strategie. Allein das Nachdenken über Zahlungsströme, Vertrauen und  Wettbewerbsfähigkeit kann neue Ideen für das eigene Unternehmen anstoßen. Ich freue mich über Start-ups, die Lust haben, ihre Einschätzungen und Erfahrungen  mit mir zu teilen. Das Interview findet nach Absprache digital statt und lässt sich  unkompliziert in den Arbeitsalltag integrieren. Wenn Sie sich angesprochen fühlen oder jemanden kennen der gut passen könnte, freue ich mich über eine  Kontaktaufnahme. Ich freue mich auf den Austausch und darauf, gemeinsam  herauszufinden, was der digitale Euro für die nächste Generation internationaler  Start-ups bedeuten könnte. 

Kontakt 

Thilo Hett 

TU Dortmund: Juniorprofessur Entrepreneurship 

E-Mail: Thilo.Hett@tu-dortmund.de 

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/thilo-hett-bb632720b/


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