Gastbeitrag

Vom Pilotprojekt zum echten Mehrwert: Erfahrungen aus acht Jahren Venture Clienting bei MAHLE

Wie Venture Clienting mit PoCs, Standards und KI messbare Innovation schafft: Drei Learnings von Dr. Selina Lehmann von MAHLE.
Interview von Dr. Selina Lehmann Dr. Selina Lehmann · Stuttgart, 19. Januar 2026

Dieser Beitrag erscheint in der Venture Clienting Themenwelt powered by LBBW. Als mittelständische Universalbank mit eigenem Venture-Clienting-Modell arbeitet die LBBW gezielt mit Startups zusammen, um innovative Technologien in die Bankpraxis zu übertragen. Mit dieser Themenwelt schafft sie einen Raum, in dem Best Practices aus führenden Unternehmen sichtbar werden – als Orientierung für den Mittelstand, für Innovationsverantwortliche und Startups. 

Wie Venture Clienting in der Praxis gelingt und welche Erfolgsfaktoren zählen, zeigt Dr. Selina L. Lehmann in diesem Gastartikel auf. Sie verantwortet seit fast drei Jahren das Venture Clienting Programm von MAHLE. In dieser Rolle sorgt sie nicht nur durch das Management von Proofs of Concept (PoCs) für messbaren Mehrwert, sondern entwickelt das Programm auch kontinuierlich weiter, durch Richtlinien, Vorlagen und Standards, zunehmend unterstützt durch KI. Im Folgenden teilt sie drei zentrale Erkenntnisse aus der Venture Clienting Erfahrung von MAHLE, die für Venture Clienting Units, die gerade erst starten, und für fortgeschrittene Einheiten gleichermaßen wertvoll sind.

#1: Groß denken, aber klein anfangen

Zu Beginn der Venture Clienting Aktivitäten ist es hilfreich, dir vorzustellen, wie die eigene Einheit in einigen Jahren aussehen könnte. Benötigt werden dedizierte Venture Clienting Manager für Kernbereiche wie Entwicklung oder Produktion, 15–20 PoCs pro Jahr, ein messbarer Business Impact in Millionenhöhe und ein CEO, der das Programm begeistert unterstützt. Diese Vorstellung ist wichtig, sie ist das Bild der Zukunft. Am Anfang zählt aber vor allem Fokus, Fokus auf das hier und jetzt. Konzentriere dich darauf, ein konkretes internes Problem zu lösen, indem du das Projekt im Rahmen von Venture Clienting von Anfang bis Ende konsequent und erfolgreich durchführst. Warum ist das so wichtig? Ohne eine greifbare Erfolgsgeschichte ist es schwierig, interne Fürsprecher oder auch die Unterstützung des Managements zu gewinnen. Beide sind entscheidend, um das Programm nachhaltig aufzubauen.

Also: immer klein anfangen, aber groß denken!

#2: Menschen als Erfolgsfaktor

Noch ein Mittagessen mit einem Kollegen, noch ein Einführungsgespräch, um das Venture Clienting Programm zu erklären. Viele Gespräche und das kontinuierliche Erklären des Projekts und des Ansatzes gehören einfach dazu. Venture Clienting funktioniert nur über und mit Menschen und ihr Engagement für Startups. Manchmal gilt es zunächst, Vorurteile abzubauen: Startups sind nicht immer unreife Unternehmen mit bloßen Mock-ups. Viele bringen bereits marktreife Lösungen mit echtem Mehrwert. Welche Kriterien für ein Projekt am Ende wirklich zählen, entscheidet in der Regel die Fachabteilung oder der „Pain-Point-Owner“. Um Projekte voranzutreiben und die passenden Lösungen zu finden, ist oftmals ein Perspektivwechsel notwendig. Dafür ist es ratsam, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Nur wer die Herausforderungen der internen Kunden wirklich versteht, kann relevante Ansätze identifizieren. Im Laufe der Zeit musste ich selbst denken wie eine Ingenieurin, Produktentwicklerin oder auch wie eine Produktionsleiterin. Genau das macht die Arbeit so spannend: Die Menschen, mit denen man zusammenarbeitet, und die Vielfalt ihrer Aufgaben und Themen.

Also: sei bereit, die jeweilige Rolle einzunehmen!

#3: Kenne deine Ressourcen – und überschätze sie nicht

Wenn du, wie wir bei MAHLE, ein kleines Venture Clienting Team hast, kann es passieren, dass du irgendwann mehr Pain Points hast, als du bewältigen kannst. Ich sehe das als Luxusproblem. Denn es bedeutet, das Programm funktioniert. Du hast Traktion und deine Arbeit wird geschätzt. Trotzdem kannst du nicht jedes Thema gleichzeitig angehen. Dann ist es wichtig, Prioritäten zu setzen und offen mit den Stakeholdern zu kommunizieren, welche Projekte realisierbar sind und welche nicht. Unsere Priorisierung ist klar: Business Impact hat oberste Priorität. Daneben spielen die erwartete Umsetzungsdauer sowie das Engagement des internen Kunden eine entscheidende Rolle. Ein kleines Team zu führen, heißt daher, fokussiert und selektiv zu bleiben; auch wenn man am liebsten jedes spannende Thema aufgreifen würde.

Also: setze klare Schwerpunkte!

Das Venture Clienting Programm von MAHLE, bekannt als „MAHLE Piloting“, läuft nun seit fast acht Jahren und hat bereits zahlreiche erfolgreiche Kooperationen hervorgebracht. Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier:

MAHLE New Ventures - MAHLE Konzern


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