Beirats-Mitglied Christoph Gerlinger tritt zurück

Damit übernimmt der Investor die Verantwortung für das umstrittene Thesenpapier. Frank Thelen will eine „faire Partnerschaft“ zwischen Start-ups und der Presse.

Das Mitglied des Beirats Junge Digitale Wirtschaft Christoph Gerlinger hat Konsequenzen aus dem pressefeindlichen Thesenpapier gezogen und ist von seinem Amt zurückgetreten. Er war verantwortlich für die Passagen, die die Einschränkung der Pressefreiheit forderten, damit Börsengänge von Start-ups weniger kritisch begleitet werden. „Ich möchte mich bei allen Journalistinnen und Journalisten dafür entschuldigen, bedauere es außerordentlich und übernehme die Verantwortung dafür, dass eine unpassende und missverständliche Formulierung von mir aus einem frühen Teilkonzept des Positionspapiers aufgrund eines handwerklichen Fehlers in der finalen, veröffentlichten Fassung gelandet ist“, schreibt Gerlinger in einem Post auf LinkedIn. „Unser Fehler als Beirat ist, dass unsere internen Kontrollmechanismen versagt haben“, heißt es weiter in dem Statement des Beirats Junge Digitale Wirtschaft. Durch die Umstellung auf agiles Arbeiten hätten Korrekturschleifen nicht funktioniert. Zusammen mit dem Ministerium will der Beirat nun interne Abläufe überprüfen.

Der Beirat hatte ein Positionspapier auf der Webseite des Bundeswirtschaftsministeriums hochgeladen. Darin heißt es unter anderem, in der Presse gebe es ein „IPO- und New-Economy-Bashing“. Der Staat solle für die „Gewährleistung einer ausgewogenen Berichterstattung“ sorgen. Eine Forderung in dem Maßnahmenkatalog: „Disziplinierung der Presse zu sachlicher, richtiger und vollständiger Information“. Die freien Medien sollten zudem verpflichtet werden, auch über kleine Börsengänge zu berichten.

Distanzierung vom Positionspapier 

Kritik kam von allen Seiten: Der Deutsche Journalisten Verband nannte die Forderungen „völlig absurd“. Wirtschaftsminister Peter Altmaier, den das Gremium beraten soll, missbilligte die Forderungen. Er beauftragte die Löschung des Papiers von der Webseite des Ministeriums. „In einem persönlichen Gespräch habe ich den Rücktritt von Herrn Gerlinger angenommen. Für seine ehrenamtliche Arbeit im Beirat habe ich ihm gedankt“, sagt Altmaier in einer Stellungnahme. 

Auch weitere Mitglieder des Beirats und Co-Autoren des Positionspapiers, darunter Alex von Frankenberg, Vorsitzender des High-Tech Gründerfonds Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer entschuldigten sich. Cramer selbst habe an der entscheidenden Sitzung des Beirats nicht teilgenommen und sich „in die Entwicklung der veröffentlichten Version des Papiers nicht weiter eingebracht“, sagte sie dem Handelsblatt. Das aber sei ein Versäumnis, das bei derartig wichtigen Themen und Positionen, unter denen am Ende ihr Name stehe, nicht vorkommen dürfe. Auch von Frankenberg gestand ein, dass er das Papier vor der Veröffentlichung nicht noch einmal gelesen habe.

Frank Thelen fordert “faire Partnerschaft”

Auch Frank Thelen, der nicht Mitglied des Beirats ist, findet das Papier „zu hundert Prozent daneben“, wie er dem Handelsblatt sagte. Thelen fordert aber gleichzeitig eine „faire Partnerschaft zwischen Start-ups und Medien“, wenn „in Europa ein gutes Ökosystem aufgebaut werden soll“. Thelen weiter: „Die Presse zerreißt oft Start-ups unnötigerweise und das ist eben nicht ideal.“ Er wünsche sich mehr Freude und Enthusiasmus für Start-ups – auch in der Medienlandschaft. Thelens Aussagen kritisierte der Deutsche Journalisten Verband auf Twitter. „Wir brauchen keine ‚faire Partnerschaft‘ zwischen Redaktionen und Start-ups, sondern Pressefreiheit. Und wir haben den Pressekodex für die journalistische Arbeit.“


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