Kühlsysteme

Fraunhofer-Spin-off Qurie erhält 2,2 Millionen Euro

Qurie sammelt frisches Kapital für Kühlsysteme ohne Kompressor und Kältemittel ein. Das Fraunhofer-Spin-off setzt auf elektrokalorische Materialien.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Freiburg, 20. Mai 2026

Das Freiburger Startup Qurie GmbH hat eine Seed-Finanzierung in Höhe von 2,2 Millionen Euro abgeschlossen. Investoren sind der High-Tech Gründerfonds, TT49 sowie die Aepikur GmbH. Das Startup wurde 2026 als Ausgründung des Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM gegründet und entwickelt elektrokalorische Kühlsysteme, die vollständig ohne klassische Kompressoren und konventionelle Kältemittel auskommen sollen.

Kühlung durch elektrische Felder statt Kompression

Während herkömmliche Kühlsysteme auf Verdichtung und Verdampfung von Kältemitteln basieren, setzt Qurie auf sogenannte elektrokalorische Materialien.

Mit unserem Heatpipe-Ansatz führen wir Wärme im System sehr effizient ab und können deutlich höhere Pumpfrequenzen realisieren als bisher beim Wärmetransport über Flüssigkeiten. Das macht unsere Technologie erstmals wirklich wettbewerbsfähig.

Dr. Kilian Bartholomé, CTO und Mitgründer Qurie 

Bestimmte Keramiken und Polymere verändern ihre Temperatur, sobald elektrische Felder angelegt oder entfernt werden. Diesen physikalischen Effekt nutzt das Unternehmen, um Kühlsysteme mit minimalen mechanischen Komponenten zu entwickeln. Im Zentrum der Technologie steht eine patentierte aktive elektrokalorische Heatpipe (AEH), die über mehr als zehn Jahre am Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM erforscht und getestet wurde.

Höhere Energieeffizienz als klassische Kühlsysteme

Nach Angaben des Unternehmens erreicht die Technologie theoretische Wirkungsgrade von über 80 Prozent. Klassische Kompressor-Systeme lägen dagegen bei maximal etwa 50 Prozent.

Dadurch könnten potenziell rund 40 Prozent Energie eingespart werden. Gleichzeitig arbeitet die Technologie ohne klimaschädliche Kältemittel. Ein echter Win-Faktor angesichts der verschärften EU-F-Gase-Verordnung, die den Einsatz bestimmter Kältemittel zunehmend reguliert.

Schaltschrankklimatisierung

Als ersten Zielmarkt adressiert Qurie GmbH die Klimatisierung von Schaltschränken. In diesem Bereich gelten hohe Anforderungen an Präzision, Zuverlässigkeit und Energieeffizienz.

Langfristig plant das Unternehmen jedoch deutlich breitere Anwendungen. Dazu zählen unter anderem gewerbliche Kühlsysteme, Medizintechnik, Elektronikkühlung, Gebäudetechnik sowie Anwendungen in der Automobilindustrie. Die kompakte Festkörper-Architektur der Technologie eröffnet dabei neue Formfaktoren, so beispielsweise für mobiles Chip-Cooling oder medizinische Geräte.

Forschungsausgründung mit interdisziplinärem Team

Hinter dem Startup stehen Christian Vogel und Kilian Bartholomé. Das Team besteht aus mehr als zehn Expertinnen und Experten aus den Bereichen Materialwissenschaft, Thermodynamik und Ingenieurwesen.

Bis Ende 2026 wird die Weiterentwicklung zusätzlich durch ein Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt.

Investoren sehen regulatorischen und technologischen Wendepunkt

Qurie löst ein Problem, das die Kühl-Industrie seit Jahrzehnten beschäftigt: weg von klimaschädlichen Kältemitteln und ineffizienten Kompressoren – ohne Abstriche bei den Kosten.

Dr. Gernot Berger, Senior Investment Manager, HTGF

Auch die Investoren sehen in der Kühlindustrie erhebliches Transformationspotenzial. Besonders die Kombination aus regulatorischem Druck, steigenden Effizienzanforderungen und dem Verzicht auf konventionelle Kältemittel gilt als Treiber für neue Technologien. Der High-Tech Gründerfonds betont insbesondere die technologische Reife, die Patentbasis sowie die langjährige Forschung am Fraunhofer IPM als entscheidende Faktoren für das Investment.


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