Veganes Fastfood für jedermann

Yuicery verkauft gesunde und vegane Mahlzeiten. Dafür setzt das Stuttgarter Start-up auf Filialen, auch mithilfe eines Fußball-Torhüters. Wir haben eins der Restaurants getestet.

„Die haben mich nicht ernst genommen“, sagt Yuicery-Gründer Oliver Neuzerling über seine Idee, eine vegane Restaurantkette aufzubauen. „Alte Kollegen sagten zu mir: Es kann doch nicht sein, dass du jetzt Bowls anbietest, ganz ohne Fleisch und Fisch.“ Doch, genau das tat Neuzerling und ist damit recht erfolgreich. In bereits fünf Filialen verkauft Yuicery veganes Essen, drei der Filialen finden sich in Stuttgart, eine in Köln und die neueste in Wien. Die Filiale in Österreich wird als erste als Franchise betrieben. Ein Bekannter von Neuzerling betreibt den Laden.  

Das Konzept der Yuicery-„Stores“, so nennt Neuzerling seine veganen Gaststätten, hebt sich von Konkurrenten ab: ein offener Küchenbereich, schwarz gefliest, an den Wänden hängen Kunstwerke und Neonschriftzüge, an einer anderen Pflanzen. Es läuft Musik und das Licht ist gedämmt. „Wir wollen die gesunde Ernährung in einem ansprechenden Ambiente anbieten“, sagt Neuzerling. Yuicery will ein „Starbucks-Gefühl“ für vegane Restaurants bieten. Anders als bei der Konkurrenz sollen Gäste hier nicht nur schnell eine Mittagspause verbringen, sondern sich wohlfühlen. „Das Store-Konzept ist überhaupt nicht altmodisch. Nach Corona sollten wir uns wieder mehr in Restaurants treffen und beisammensitzen”, so die Hoffnung von Neuzerling. 

Testessen in der Kölner Filiale: Die Mitarbeitenden nehmen sich für jede Kundin und jeden Kunden Zeit, sind sehr freundlich. Wer noch nie da war, bekommt eine Einführung in das Konzept der Bowl und eine Erklärung zu den einzelnen Zutaten. Dadurch kann es aber passieren, dass man etwas auf sein Essen warten muss. 

Knapp 20 Euro für eine große Bowl und ein Getränk

Yuicery bietet bereits fertig zusammengestellte Bowls, aber genauso kann man selbst Wählen: eine Basis, entweder Salat, Reis oder Quinoa, dazu gibt es vegane Fleischalternativen, Gemüse, Obst, Körner und Saucen. Es lohnt sich die veganen Fleischersatzprodukte aus zu probieren. Für zwei Euro mehr bekommt man veganes Hühnchen oder Pulled Pork, beides schmeckt täuschend echt und hervorragend.  Sonst noch auf der Zutatenliste: veganer Käse, Edamame, Seegras, Mango. Neben herzhaften Bowls bietet Yuicery auch süße an. Leider sind die Zutatenlisten nur auf Englisch. Beim Test wusste auch die Mitarbeiterin bei “Flax Seeds” nicht auf Anhieb, dass es sich um Leinsamen handelt.

Die Bowl schmeckt im Test frisch und sehr natürlich, wenig nach Geschmacksverstärkern, aber auch etwas fad. Vielleicht liegt es daran, dass die Bowl selbst zusammengestellt wurde oder die Soßen zu wenig Bums haben. Die große Portion macht aber dafür nachhaltig satt. Für eine Mahlzeit aus großer Bowl und einem Smoothie muss man allerdings auch knapp 20 Euro zahlen. Der Smoothie wurde frisch zubereitet, schmeckt wie selbst gemacht. 6,40 Euro allein dafür ist allerdings etwas happig. Bei der Konkurrenz bekommt man sowohl Bowl als auch Smoothie günstiger. Dazu kommt: Die ist zumindest in Köln am Friesenwall in unmittelbarer Nähe. Neuzerling hofft, dass die Preise bald sinken werden, wenn mehr und mehr Kundinnen und Kunden vorbei kommen. Er wirbt: alles frisch, alles vegan. Tatsächlich steht Yuicery relativ allein da auf dem Markt der rein veganen Bowl-Restaurants. Wem die tierfreie Ernährung wichtig ist, und wer wenig Lust hat bei jedem Produkt nachzufragen, ob es wirklich vegan ist, der ist bei Yuicery richtig. 

Die Geschichte von Yuicery ist voller Wendungen. 2014 wurde die Marke von einem Münchner Unternehmer gegründet, damals noch als Vertreiber von Saftfastenkuren, die damals aus den USA nach Europa schwappten. Allerdings floppte die Idee. Schon ein Jahr später kam Neuzerling, gelernter Hotelfachmann, mit neuen Ambitionen dazu. Sein Traum war schon immer ein eigener Laden. „Ich wollte einen Hotspot schaffen, an dem man gesunde Produkte bekommt.“ Er übernimmt die Saftmanufaktur vom Gründer erweitert sofort die Produktpalette. Yuicery bietet nun auch vegane Supplements an. Vor drei Jahren eröffnet die erste Filiale in Stuttgart. Die kaltgepressten Säfte und Supplements sind heute noch online sowie in den Geschäften erhältlich. Allerdings hat Neuzerling seine Anteile der Supplements-Firma zum größten Teil verkauft, auch um das Geld in die Filialen investieren zu können. 

Yuicery expandiert – bald auch mit Investor?

Yuicery macht noch keinen Gewinn. Am besten läuft das Geschäft im Stuttgarter Stammhaus. Etwa 300 bis 350 Kundinnen und Kunden schafft die Filiale am Tag. Dort erwirtschaftet Yuicery schon einen operativen Überschuss. Bisher werden die Geschäfte rein aus Darlehen und Eigenmitteln finanziert, erst ab 25 Läden plant Neuzerling mit einem Investor. An der Kölner FIliale ist auch Tim Boss beteiligt, Kölner und aktuell Fußballtorhüter beim Drittligisten Wehen Wiesbaden. Mehr und mehr Läden sollen aber als Franchise betrieben werden, so wie bei der ersten Filiale in Österreich. Yuicery erhält dabei eine Umsatzbeteiligung.

Für die Zukunft plant Neuzerling groß. „Unser Fokus liegt jetzt voll auf Franchise, Wachstum und Investorensuche.” Zwei neue Stores in Konstanz und Bietigheim-Bissingen sind bereits für Anfang kommenden Jahres geplant, doch wenn es nach Neuzerling geht, wird Yuicery schon bald europäisch. Seine Marke würde er gern in Amsterdam, Brüssel, Oslo, Stockholm und Luxemburg sehen. 


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