Sion von Sono Motors im Test

Der Sion soll 25.500 Euro kosten. So schneidet das Elektroauto im Startbase-Test ab. 

Die Leute könnten einen Ford ja in jeder Farbe haben, so hat es Gründer Henry Ford Anfang des 20 Jahrhunderts einmal festgestellt, „Hauptsache er ist schwarz“. Bereits bis 1927 soll er 15 Millionen Autos verkauft haben, das Model T war zu dieser Zeit gefragt wie kaum ein anderes Fahrzeug. Zumindest was die Farbauswahl angeht, macht es das Münchener Start-up Sono Motors dem US-Amerikaner gleich. Den Sion, so wie sie ihr Elektroauto nennen, das mit Solarzellen zum Aufladen ausgestattet ist, wird es nur in mattem Schwarz geben, lediglich mit einer einzigen Ausstattungsvariante. Entschieden haben sie das in München aber nicht alleine, die Community bezieht das Start-up regelmäßig mit ein. 

Wenn alles so läuft, wie sich Sono Motors das vorstellt, könnte das Unternehmen vielleicht noch Ende 2023 die ersten Elektroautos.ausliefern. Geladen werden sie über die Ladesäule oder die Solarzellen auf dem Auto. Das macht das Fahrzeug deutlich nachhaltiger als gewöhnliche Elektroautos. Eine Reichweite von bis zu 305 Kilometern schon ohne Solarunterstützung wird das fertige Auto damit haben, die Maximalgeschwindigkeit liegt bei 140 Kilometer pro Stunde, 25.500 Euro wird der fertige Sion kosten. 

Für diesen Sommer hat Sono Motors erstmal zur großen Community-Tour geblasen, wohl auch um einmal „Danke“ zu sagen. Denn als Ende 2019 plötzlich ein Investor absprang, drohte dem Start-up noch, das Geld auszugehen. Mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne und über seine Reservierer konnte sich das Unternehmen nochmal retten. 53 Millionen Euro kamen so damals zusammen. Eine weitere Finanzierungsrunde später, so hat es zumindest den Anschein, steht das Start-up erstmal auf sicheren Füßen. Zuletzt gab es gar Gerüchte um einen Börsengang.

Mit seinen beiden bisherigen Prototypen tourt das siebenköpfige Event-Team des Start-ups gerade quer durch Deutschland, in zehn Städten macht es halt, in der Regel für jeweils zwei Tage. Das junge Unternehmen will zeigen, wie weit es mit der Entwicklung seines eigenen Autos bereits gekommen ist. Interessierte können sich reinsetzen und oft auf einem Parkplatz auch eine kleine Probetour drehen, ein kleines Armband gibt es ebenfalls geschenkt.

Im Startbase-Test zeigt sich schon jetzt: Viele Dinge funktionieren schon sehr gut, wer einmal hinterm Steuer sitzt, der bekommt bereits einen guten Eindruck, wie sich das Fahren mit dem finalen Auto anfühlen dürfte. Bis zur Zulassung für die Straße fehlt allerdings noch einiges.

Der Blick von außen

Insgesamt 248 Solarzellen hat das Start-up außen an seinem Sion angebracht. Sie sind verteilt auf die Seiten, das Dach, die Motorhaube und die Kofferraumklappe. Damit können sie einen Spitzenwert von bis zu 1,2 Kilowatt generieren, verspricht Sono Motors. Das wäre ausreichend, um den Sion bis zu 245 Kilometer pro Woche über Solarenergie zu fahren. Je nachdem wie die Sonne steht, schimmern die Zellen unter dem mattschwarzen Lack hervor. Ein Kratzer könne ihnen nichts anhaben, so das Unternehmen. Und selbst wenn eine Solarzelle ausfällt, soll sich das auf die weiteren nicht auswirken. 

Der fertige Sion ist wie seine bisherigen Prototypen ein Minivan – und sieht auch von außen dementsprechend aus: Die Kofferraumklappe ist komplett flach. Das Heckfenster ist recht klein, auch um mehr Platz für die Solarzellen zu bieten. Die Motorhaube dafür recht kurz.

Die Schlichtheit, mit der sich das Start-up rühmt, ist damit schon von außen erkennbar. Das Auto wird im Großstadtverkehr genau so wenig auffallen, wie all die anderen kleinen Familienkutschen.

Die Innenausstattung ist spartanisch

Aktuell gibt es nichtmals einen Startknopf für den Sion. Der soll aber noch kommen, verspricht das Start-up, der Wunsch dazu kam aus der Community. Allzu viele Knöpfe finden sich in dem Auto, dessen Stoffpolster selbstverständlich grau bis schwarz sind, ohnehin nicht. Ledersitze kämen nicht in Frage, aller höchstens Kunstleder: Das Unternehmen will so vegan wie es nur geht sein. Der Sion ist vor allem als Stadtauto für die Familie gedacht, vielleicht ist er auch was für einen Handwerker. Bei den Sitzen ist genügend Platz vorhanden.

Das Moos lässt sich in verschiedenen Farben beleuchten. (Foto: Sono Motors GmbH)

In der Mitte prangt ein Touch-Display, über den sich unter anderem das Radio auswählen lässt, die Verbindung mit dem Smartphone eingerichtet werden kann und das anzeigt, über welche Solarzelle gerade wie viel Energie erzeugt wird. 

Am auffälligsten ist sicherlich eine Leiste aus totem grünen Moos, das hinter einer Scheibe in die Frontamartur eingesetzt ist. Das lässt sich in verschiedenen Farben beleuchten und soll die Luftfilter unterstützen. Alle zwei Jahre muss es ausgetauscht werden, das soll dem Start-up zufolge aber leicht selbst zu bewerkstelligen sein. 

Ohne eigene App geht es nicht

Das Start-up will zwar einen klassischen Autoschlüssel mit herausgeben, wenn es seinen Sion verkauft, setzt aber vor allem auf die Sono App. Mit der lässt sich nicht nur das Auto öffnen. Besitzerinnen oder Besitzer können so auch anderen den durch das Fahrzeug gewonnen Strom anbieten, so der aktuelle Plan. Wer seinen Sion zum Beispiel längere Zeit in der Sonne stehen lässt, hat gewissermaßen sein eigenes kleines Kraftwerk. Vorne gibt es Anschlüsse, für Ladekabel von E-Autos, aber auch eine ganz klassische Steckdose. 

Der Sion soll zudem zum Community-Auto werden. Besitzerinnen und Besitzer können festlegen, welche App-Nutzer noch ihr Fahrzeug nehmen dürfen – auch zu welchem Preis je Kilometer. Ebenfalls einstellen können sie, in welchem Bereich das Auto am Ende wieder geparkt werden soll. Ein kleines privates Carsharing wäre damit also möglich.

Das Fahrerlebnis ist recht unspektakulär

Besonders für all diejenigen, die noch nie in einem Elektro-Auto saßen, dürfte der Sion eine ordentlich Umstellung bedeuten. Das von Benzinern gewohnte leichte ruckeln durch den gestarteten Motor fällt völlig Weg. Der Wagen reagiert zu Beginn schnell auf das Durchdrücken des Pedals. Bis er 100 Kilometer pro Stunde erreicht hat, soll es aber doch fast neun Sekunden andauern, eine Geschwindigkeit, zu der sich das Auto im Test nicht treiben ließ.

Auffällig ist derzeit noch die Lautstärke beim Fahren, der Fahrtwind ist schon bei geringerem Tempo zu hören. Auf der Autobahn dürfte es im Sion in seiner aktuellen Variante also ziemlich laut werden. Sono Motors will hierfür aber noch am Material arbeiten. Im finalen Wagen soll dann deutlich weniger von den Umgebungsgeräuschen mitzukriegen sein. Auffällig ist auch der Frontantrieb: Wer in Kurven bereits ordentlich beschleunigt, bekommt den deutlich zu spüren, das Auto zieht vorne statt von hinten zu drücken. Ein Allradantrieb ist nicht geplant.

Der Weg zum finalen Sion

Noch zwei weitere Prototypen plant das Start-up, bis es sein fertiges Auto hat. Von dem nächsten Sion soll es bereits 30 bis 50 Fahrzeuge geben. Diese Version muss dann auch schon durch den Crash-Test und diverse andere Zulassungsverfahren. Für den nächsten Prototypen will das Start-up bereits Serienbauteile verwenden. Der vierte stellt dann im Grunde schon nahezu die fertige Version da. Bei ihm will Sono Motors die letzten noch anfallenden Kleinigkeiten ausbessern. 


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