Banxware #FintechPorträts

Magdalena Hinze
Magdalena Hinze
04.06.2021
In Kooperation mit:
fintogether

Miriam Wohlfarth hat ihr erstes Start-up mitten während der Finanzkrise 2009 gegründet. Ihr zweites Start-up folgt während der Coronakrise. Wie eine der ersten weiblichen Fintech Gründerinnen damals angefangen hat, warum sie mit banxware nun wieder einen völlig neuen Markt betritt und was sie angehenden Fintech-Gründern rät, darüber sprechen wir mit ihr.

Liebe Miriam, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Zunächst einmal würden wir gerne wissen, woher die Idee für dein zweites Start-up Banxware kam.

Die Idee für Banxware kam damals aus meinem ersten Unternehmen Ratepay heraus, das ich mitgegründet habe. Ratepay ist ein Online-Payment-Anbieter für Rechnungskauf von Onlinehändlern, der den Händlern garantiert, dass sie ihr Geld bekommen. Die Idee für Banxware entstand dann aus einem Kundenbedürfnis heraus vor ca. 1,5 Jahren. 

Ich habe häufiger die Anfrage erhalten, ob es nicht möglich wäre, dass Ratepay den Händlern auf den Marktplätzen zusätzliche Liquidität gibt- also deutlich früher ausbezahltes Geld. Vor allem kleinere und mittelgroße Händler haben oft das Problem, dass sie kurzfristig Liquiditätsprobleme haben aufgrund von einer fehlenden Finanzabteilung oder weil sie noch nicht kreditwürdig sind. Das ist in Deutschland bisher nicht einfach gelöst, da Händler, die jünger als zwei Jahre sind von der Bank selbst noch keinen Kredit erhalten. Und selbst bei gestandenen Händlern, die kreditwürdig sind, dauert so eine Kreditvergabe rund zwei Wochen. 

Ich habe mich also gefragt, wie ist es möglich die jungen Unternehmen zu fördern und gleichzeitig den Prozess der kurzfristigen Liquiditätsbeschaffung zu beschleunigen. In den USA beispielsweise gibt es dafür schon Lösungen.
Daraus entstand dann die Idee, dass wenn man die Umsätze eines Händlers sehen kann, dass es möglich ist ihm auch schnell und unbürokratisch Geld zur Verfügung zu stellen.

Und das macht ihr nun mit Banxware?

Ja genau, wir vergeben mit Banxware kurzfristig Liquidität an Händler von verschiedenen Plattformen. Dazu haben wir einen dreistufigen Prozess, der die Kreditfähigkeit eines Händlers prüft. Dieser Prozess dauert bei uns 15 min. Sprich in 15 min weiß ein Händler, ob er die Unterstützung erhält oder nicht.

©banxware, 2021

Und wie genau prüft ihr, ob ein Händler kreditfähig ist?

Dazu haben wir verschiedene Möglichkeiten. Zum einen machen wir sogenanntes revenue-based-financing. Sprich wir sehen die Umsätze der Händler, da wir mit den Plattformen kooperieren und können so prüfen wie viel Geld sie einnehmen und welches Angebot für sie das Richtige ist. 

Darüber hinaus haben wir Einsicht in die Konten der Händler und können so eine fundierte Analyse bereitstellen. Und zusätzlich dazu haben wir noch eine künstliche Intelligenz gebaut, die nun auch vermehrt zum Einsatz kommen wird, desto mehr Kunden und Daten wir dazu gewinnen. Somit möchten wir in Zukunft ein noch besseres Credit-Scoring gewährleisten.

Das Geld, dass ihr an die Händler gebt kommt dann von euch?

Nein, dazu kooperieren wir mit der Volksbank Odenwald, die uns ein Kreditvolumen von 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Nachdem wir also das underwriting vorgenommen haben und sowohl nach unseren Kritierien als auch den Standardregulationen der Bank geprüft haben, ob ein Händler kreditfähig ist, erhält dieser noch am selben Tag sein Geld.

Hat das für die Bank auch Vorteile?

Ja definitiv, die Bank baut sich damit einen komplett neuen Absatzkanal auf. Und dafür braucht sie sich kein technologisches Wissen aufbauen, sondern arbeitet mit uns. Wir sind sozusagen die Middleware zwischen den Banken und den Plattformen.

Wenn du dich nochmal an deine Anfänge als Gründerin zurück erinnerst. Was waren da die größten Hürden?

Bei meinem ersten Start-up Ratepay war das definitiv die Finanzierung. Wir haben Ratepay damals im Jahr 2009 gegründet, das war geprägt von der Finanzkrise. Wenn du damals mit einem VC gesprochen hast und ihm ein Finanzprodukt vorgestellt hast, dann haben die gesagt: „Geh mir weg damit, das will im Moment keiner haben.“ Das war ein Teil des Problems, der Andere war, das wir nicht die typischen Gründer waren. Wir kamen nicht von der WHU oder haben in der Beratung gearbeitet. Wir waren nicht auch nicht mehr so jung damals. 

Und wie habt ihr es dann trotzdem geschafft?

Wir hatten dann über einen Freund eine Chance bekommen. Der war ein ehemaliger McKinsey Typ und hatte auch selber schon gegründet. Er hat uns dann geholfen einen Businessplan zu erstellen und uns gesagt wie wir das angehen. Er war im Prinzip wie ein Mentor für uns. 

Glaubst du ein Accelerator könnte auch so eine Rolle einnehmen?

Ja, definitiv. Ich habe zwar selber noch nie mit einem Accelerator zusammengearbeitet, aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass dadurch einige Lücken geschlossen und Probleme gelöst werden können. Ich habe beispielsweise vor Kurzem ein Gespräch mit einem Banker geführt, der mir gesagt hat es wäre eigentlich sein Traum zu gründen. Er hat echt tolle Ideen und würde gerne selber gründen, aber alleine ist es halt schwer. Er meinte zum Beispiel zu mir er kann selber nicht programmieren und bräuchte dann einen Programmierer, der das für ihn übernimmt. 

Ich glaube gerade im Fintech-Bereich gibt es sehr sehr viele tolle Ideen. Aber als Einzelgründer funktionieren die Ideen nicht. Und ich glaube da könnte so ein Accelerator in dem Bereich schon helfen, dass er einfach versucht die richtigen Leute zusammen zu bringen. 

Die meisten Gründer denken immer sie müssen alles selber machen. Ich glaube aber nicht so sehr an diese Einzelgründungen, vor allem nicht im Technologiebereich. Es gibt oft Gründer, die sind sehr sehr schlau und machen ihre Sache wahnsinnig gut, aber dann können sie beispielsweise niemand für ihr Produkt begeistern. Und das gehört genauso dazu: Du musst auch ein Team inspirieren, du musst die Leute anzünden für deine Idee. Und ich glaube alle diese Eigenschaften in einer Person zu vereinen ist sehr schwierig, im Team ist man da viel stärker. 

Deshalb glaube bei einem Accelerator muss das Netzwerk gefördert werden, weil es gibt schon Viele, die mit dem Gedanken einer eigenen Gründung spielen aber nicht so richtig wissen wie sie damit anfangen sollen. 

Das Team von Banxware: Jens Röhrborn, Miriam Wohlfarth, Diogo Simões, Fabian Heiß, Aurel Stenzel, Nicolas Kipp (von links nach rechts) ©banxware, 2021

Welche Tipps würdest du angehenden Fintech-Gründern mit an die Hand geben?

Als ersten Tipp würde ich allen Fintech-Gründern sagen: Holt euch von Anfang an einen Anwalt ins Boot!

Wenn man selber kein juristisches Fachverständnis hat dann ist es sehr schwierig. Oftmals kennen sich die Gründer zu wenig mit den Regulatorien aus. Dann denkt man sich tolle Produkte aus, die lassen sich aber gar nicht umsetzten, weil es einfach nicht geht. Das Problem hatten wir auch teilweise bei Ratepay. Bei Banxware ist es jetzt viel einfacher, da wir einen Anwalt mit im Team haben. Ich kann mich also darauf verlassen was mein Co-Founder Jens sagt, weil er das nötige Know-How hat um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Ansonsten ist es glaube ich das Wichtigste, dass man aus Leidenschaft heraus gründet. Ich habe schon oft Leute scheitern sehen, die gesagt haben: „So, das sind jetzt die 5 heißesten Themen, die funktionieren und da gehen wir jetzt rein“. Da fehlt aber oft die Leidenschaft, dass man ein Produkt hat, das die Welt verbessern kann. Ich glaube die erfolgreichsten Gründungen, sind diejenigen, die Produkte haben die vom Kunden her denken und dessen Bedürfnisse erfüllen.

Was glaubst du, in welche Richtung sich der Fintech-Markt entwickelt?

Ich glaube hier gibt es zwei große Trends, die in den nächsten Jahren eine wichtige Rolle spielen werden. Zum einen sind das Plattformen, Stichwort: embedded-financial-Services und zum anderen Kryptowährung. 

Der Konsument heute hat sich einfach verändert und auch die Rolle der Bank als solche. Den Konsumenten fehlt oftmals der Bezug zu den Banken und die Nähe zum Kunden ist heutzutage durch Technologie viel einfacher abbildbar. Deswegen denke ich gerade embedded-financial-services bieten genau das, was die Kunden von Morgen nachfragen werden. Durch das Kooperieren von Fintechs und Banken wird die Infrastrukutur der Bank mit der Technologie des Fintechs verbunden. Somit ist es möglich näher am Kunden zu sein und dessen Bedürfnisse zu erfüllen und gleichzeitig alle Dienstleistungen rund ums Banking abzubilden.  Die Bank bildet somit den einen Teil der Werschöpfungskette ab und das Fintech den Anderen, schlussendlich wird es die Leistung dann dort integriert wo der Kunde ist und das ist eben sehr häufig auf Plattformen.

Der zweite große Trend, der sich meiner Meinung nach abzeichnet, ist Kryptowährung. Also was kommen wird ist irgendwann programmierbares Geld. Und das braucht natürlich Kryptocode. Wenn man sich überlegt wo die Zukunft hingeht:

Die Geräte sind vernetzt, der Kühlschrank muss irgendwann automatisch einkaufen und dafür muss natürlich auch die Zahlung geleistet werden. Wenn ich aber nun von jeder Applikation eine Zahlung kontrollieren muss, wird das irgendwann zu komplex. An dieser Stelle käme dann die Kryptowährung ins Spiel. 

Vielen Dank für das Gespräch.

zur Person: Miriam Wohlfarth hat ihre Karriere im Vertrieb eines Reisebüros begonnen, kam dadurch in Kontakt mit dem Gründer von Bibit Global Payment Services und erhielt so erste Einblicke in die Online-Payment-Szene. Gemeinsam mit ihrer damaligen Firma baute sie die Online-Payment Branche in Deutschland selber mit auf. 2009 gründete sie als eine der ersten Frauen in Deutschland ein Fintech. 2020 folgt das zweite.


Über unseren Partner fintogether:

Der Landesaccelerator „fintogether” ist ein frühphasiges Startup Förderprogramm bei dem zielgerichtet FinTechs von der Gründung bis zum Markteintritt unterstützt werden. Ziel ist es eine lebendige und erfolgreiche FinTech Szene in Baden-Württemberg aufzubauen, so dass Unternehmen, Startups und Investoren davon profitieren. Weitere Infos via: info@fintogether.de.


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