Beyond Saving #FintechPorträts

Magdalena Hinze
Magdalena Hinze
29.07.2021
In Kooperation mit:
fintogether

Finanzbildung für jeden zugänglich machen? Das ist das Ziel von Beyond Saving, dem 2020 gegründeten Start-up von Carlos und Martin. Gemeinsam mit ihrem Team gehen die beiden das Thema Finanzen einfach, verständlich und digital an. Von Haushaltsbüchern über ETF-Sparpläne bis hin zur Altervorsorge, deckt die Bildungsplattform jegliche Finanzthemen ab. Mit uns spricht Gründer Carlos über die Ideenfindung, Förderung und die Entwicklung des Fintech-Markts.

Warum habt ihr euer Start-up gegründet? 

Wir haben jahrelang in der Finanzbranche gearbeitet und hautnah miterlebt, wie schwer sich Menschen mit ihren Finanzen tun. Selbst die grundlegendsten Fragen bereiten häufig große Schwierigkeiten. Dabei ist uns auch aufgefallen, welche Implikationen dies auf den Alltag der Leute hat. Finanzielle Engpässe bzw. Probleme haben erhebliche Auswirkungen auf unser körperliches und mentales Wohlbefinden. Unser Ziel ist es gerade diesen Menschen eine Plattform zu bieten, auf der sie Schritt-für-Schritt in die Welt der Finanzen eingeführt werden.

Was ist das Besondere an eurem Geschäftsmodell?

Was uns besonders macht, ist einerseits die Unabhängigkeit von Provisionen. Während andere Plattformen sich über Affiliate-Provisionen finanzieren, legen wir unseren Fokus auf echte, objektive und unabhängige Finanzbildung. Außerdem betrachten wir das Thema gesamtheitlich. Wir fokussieren uns nicht aufs Spezialthemen, sondern decken sämtliche (für unsere Nutzer) relevanten Finanzthemen ab – vom Haushaltsbuch, über Versicherungen bis hin zur Altersvorsorge. Ein weiterer USP geht in Q3 mit unserer Lern-App an den Start. Mit der Fibi-App möchten wir die Hürde, sich mit Finanzen zu beschäftigen, nochmal niedriger setzen. Unser Nutzer erhalten mit Fibi einen einfachen und unterhaltsamen Zugang zu sämtlichen Finanzthemen – unabhängig von Ort und Zeit.

Eines der Tools, die Beyond Saving anbietet ist ein digitales Haushaltsbuch. ©Beyond Saving

Was war der wertvollste Ratschlag, den Euch jemand während Ihrer Gründungsphase gegeben hat?

Ich kann mich an keinen konkreten Ratschlag erinnern, aber ehrliche Kritik hat uns als Gründer sehr geholfen. Aus dem nahen Bekanntenkreis hört man selten „ehrliches und hartes“ Feedback - aber gerade das braucht man als Gründer. Menschen, die nicht nur „Ja“ sagen, sondern das Geschäftsmodell hinterfragen und herausfordern sind extrem wertvoll in der jungen Gründungsphase. Dazu haben insbesondere andere Gründer und erfahrene Unternehmer gezählt, mit denen wir regelmäßig im Austausch stehen.

Menschen, die nicht nur „Ja“ sagen, sondern das Geschäftsmodell hinterfragen sind extrem wertvoll in der jungen Gründungsphase.

Was waren die größten Hürden, die ihr zu Beginn eurer Gründung bewältigen musstet?

Größere Hürden gab es keine. Mit Martin habe ich einen Co-Founder, der genauso leidenschaftlich an unsere Vision glaubt, wie ich. Hürden haben wir im Team gemeistert – das hat (zum Großteil) sogar Spaß gemacht, weil man aus Herausforderungen eine Menge lernen kann. Als Gründer muss man sich – gerade am Anfang – um vieles gleichzeitig kümmern. Den Fokus zu behalten, kann einem dann schon mal schwer fallen. Aus dem Grund macht es total viel Sinn, wenn man sich bereits in der Gründungsphase überlegt, ob es nicht gegebenenfalls Sinn macht, Verstärkung ins Team zu holen. Je fokussierter man an seinen Themen arbeiten kann, desto besser ist das Endergebnis. Gründer, die alles alleine machen wollen, verlieren sich schnell im Workload und realisieren nicht das gesamte Potenzial ihrer Geschäftsidee.

Welche Unterstützung oder hättet ihr euch bei eurer Gründung gewünscht?

Wir haben aus dem Bekanntenkreis viel Unterstützung erhalten. Das hat uns sehr dabei geholfen unser Geschäftsmodell noch präziser zu definieren. Das Thema Start-up Finanzierung und Förderprogramme hat sich als (kleine) Herausforderung dargestellt. Hier hätten wir gerne einen transparenteren Überblick über unserer Möglichkeiten und den Antragsprozess gehabt. Das ist aktuell noch ein wenig zu komplex und bürokratisch.

Habt ihr mit einem Accelerator zusammengearbeitet?

Nein, wir haben uns bewusst dafür entschieden, erstmal unabhängig von einem Accelerator zu gründen, um flexibler zu bleiben. Wir haben jedoch von vielen Partnern, die in Accelerator-Programmen sind, viel Positives gehört. Gerade, wenn man regelmäßig im Austausch mit Mentoren sein möchte, ist das ideal.

Was hättet ihr euch von einer Zusammenarbeit mit einem Accelerator gewünscht?

Die Mentoring- und Bildungskomponente von Accelerator-Programmen finde ich persönlich sehr spannend, da sie Gründern bei der Professionalisierung ihres Start-ups helfen. Ich habe mich bereits mit vielen Gründern ausgetauscht und gerade beim Thema Finanzplanung & Vermarktung konnten sie viel Inspiration einholen. Das Gleiche würde ich mir von einer Kooperation mit einem Accelerator auch erhoffen. Bei Fragen immer einen Ansprechpartner parat zu haben, der selbst über Erfahrung im Aufbau von Start-ups verfügt. Google-Suchen sind gerade bei komplexen Fragestellung dann doch relativ eingeschränkt.

©Beyond Saving

In Deutschland gibt es derzeit rund 900 Fintechs. Wie schafft man es sich in so einem boomenden Markt durchzusetzen?

Man muss eine klare Vision haben, sich des Wettbewerbs und des eigenen USPs bewusst sein. Als wir gestartet sind, haben wir uns das Marktumfeld genaustens angeschaut und herausgearbeitet, wo wir noch Nischen bzw. Verbesserungspotenzial sehen. Diese Ergebnisse sind dann in unsere Produktentwicklung geflossen. 

Wie empfindet ihr die derzeitigen Förderungsmöglichkeiten für Fintechs in Deutschland?

Es gibt sehr viele Möglichkeiten für Gründer, an Förderprogramme zu kommen. Auch Start-up Wettbewerbe sind sehr beliebt – wir konnten erst kürzlich beim Business Plan Wettbewerb Berlin/Brandenburg den ersten Platz in der Kategorie „BM Canvas“ holen – das war eine tolle Erfahrung und verschafft uns mehr Freiheiten. Gerade im Gründeralltag fällt es jedoch schwer, sich einen Überblick über die ganzen Optionen zu verschaffen, weshalb wir jungen Gründern empfehlen, sich einen Berater an Bord zu holen, der sich um das Thema kümmert. Viele Berater verlangen erst dann eine Vergütung, sobald die Förderung bewilligt wurde, sodass man nicht in Vorleistung treten muss.

Was glaubt ihr, in welche Richtung sich der Fintech-Markt entwickelt?

Der Markt ist aus meiner Sicht von zu vielen Playern besetzt. Ich kann mir vorstellen, dass es früher oder später zu einer Konsolidierung kommt. Einige Fintechs werden aus dem Markt austreten, andere werden miteinander fusionieren und andere wiederum von etablierten Finanzdienstleistern übernommen. Gerade im Bereich DLT/Blockchain/Payments sehe ich für die kommenden Jahre noch viele neue Player. In den eher „älteren“ Bereichen dürfte es zu mehr Fusionen kommen.

Vielen Dank für das Gespräch.

zur Person: Carlos Link-Arad ist in Portugal geboren und studierte Wirtschaftswissenschaften & Physik an der Goethe-Universität in Frankfurt. Im Anschluss daran arbeitete er in verschiedenen Postionen in der Finanzbranche. Im Jahr 2020 gründete er dann mit Mitgründer Martin Klatt ihr Start-up - eine Bildungsplattform für Finanzen. Seitdem widmen sich die beiden ihrem Herzensprojekt: Finanzbildung für jeden zugänglich zu machen.


Über unseren Partner fintogether:

Der Landesaccelerator „fintogether” ist ein frühphasiges Startup Förderprogramm bei dem zielgerichtet FinTechs von der Gründung bis zum Markteintritt unterstützt werden. Ziel ist es eine lebendige und erfolgreiche FinTech Szene in Baden-Württemberg aufzubauen, so dass Unternehmen, Startups und Investoren davon profitieren.


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