Bodenseekreis

Grüne Innovation am Rande der Republik mit Wörner Bau

Wir sprechen mit Ingo Wörner von der Wörner Bau GmbH über die Herausforderungen und Chancen beim Glasfaserausbau im Bodenseeraum. Und darüber, wie ein regional verwurzeltes Unternehmen digitale Infrastruktur möglich macht.
Interview von Marc Nemitz Marc Nemitz · Überlingen, 01. März 2026

Im Rahmen unserer Serie über regionale Innovationen am Bodensee haben wir Ingo Wörner zum Gespräch getroffen. Gemeinsam mit seinem Bruder Oliver Wörner führt er die Wörner Bau-Gruppe, ein familiengeführte Unternehmensgruppe mit Sitz in Überlingen, das seit Jahrzehnten die bauliche Entwicklung der Region mitprägt.

Im Interview gibt Ingo Wörner Einblicke in die Rolle seines Unternehmens beim Glasfaserausbau, von der Trassenverlegung über moderne Bauverfahren bis hin zu nachhaltigen Ansätzen wie Flüssigböden und Recyclingmaterialien. Er spricht über technische und organisatorische Herausforderungen im ländlichen Raum, die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Innovation sowie die zentrale Bedeutung einer leistungsfähigen Bauwirtschaft für die Digitalisierung und das wirtschaftliche Wachstum der Region.

Fragen an Wörner Bau

1. Welche Rolle spielt Wörner Bau aktuell beim Glasfaserausbau in der Bodenseeregion, und welche Projekte sind dabei besonders prägend?

Wir sind kein globaler Tech-Konzern, sondern ein regional verwurzeltes Tiefbauunternehmen. Unsere Aufgabe im Glasfaserausbau besteht darin, die baulichen Voraussetzungen zu schaffen: Trassen herstellen, Leerrohre verlegen und Anschlüsse in den Boden bringen. Gerade in der Bodenseeregion heißt Glasfaserausbau vor allem, Infrastruktur dort zu schaffen, wo bisher nur Erde war. Genau hier liegt unsere Stärke.
Wir haben vor über 12 Jahren mit dem Glasfaserausbau gestartet, unser erstes Projekt war die Verlegung von Glasfaserleitungen im Überlinger Gewerbegebiet. Bis heute haben wir außerdem in den Gemeinden Mühlingen, Beuron (Donautal), Heiligenberg, Herdwangen und dem Deggenhausertal den Glasfaserausbau weiter vorangetrieben.

Mit modernen Bauverfahren wie dem Einsatz von Saugbaggern oder Horizontalspülbohrverfahren versuchen wir Bauzeiten zu verkürzen, Eingriffe zu minimieren und Projekte wirtschaftlich umzusetzen. Unser Beitrag bleibt für viele im Hintergrund, ist für den Ausbau der digitalen Infrastruktur in der Region aber unverzichtbar. Unsexy aber systemrelevant.

2. Wo sehen Sie die größten technischen und organisatorischen Herausforderungen beim Glasfaserausbau im ländlichen Raum rund um den Bodensee?

Die größten Herausforderungen beim Glasfaserausbau im ländlichen Raum rund um den Bodensee liegen eindeutig in der Kombination aus technischer Komplexität und organisatorischem Aufwand. Technisch haben wir es häufig mit engen Straßenräumen, gewachsenen Ortskernen, unbekannten oder schlecht dokumentierten Bestandsleitungen sowie wechselnden Bodenverhältnissen zu tun. Gerade im ländlichen Raum treffen moderne Infrastrukturprojekte auf jahrzehntealte Netze, bei denen Pläne nicht immer der Realität entsprechen.

Organisatorisch ist der Abstimmungsbedarf enorm. Viele Beteiligte müssen koordiniert werden, von Kommunen über Versorgungsträger bis hin zu Anwohnern und Grundstückseigentümern. Gleichzeitig laufen die Projekte unter hohem Zeit- und Kostendruck, während der öffentliche Raum möglichst wenig beeinträchtigt werden soll. Der Glasfaserausbau ist deshalb weniger ein einzelnes Bauvorhaben als ein dauerhaftes Koordinationsprojekt. Wer das unterschätzt, verliert schnell Zeit und Geld.

 3. Welche Vorteile bieten Flüssigböden speziell beim Einsatz im Glasfaserausbau gegenüber klassischen Verfüllmaterialien?

Flüssigböden bieten im Glasfaserausbau klare Vorteile gegenüber klassischen Verfüllmaterialien, vor allem in Bezug auf Bauzeit, Qualität und Nachhaltigkeit. Der größte Vorteil ist die vollständige und hohlraumfreie Ummantelung der Leitungen. Leerrohre liegen spannungsfrei im Boden, Setzungen werden deutlich reduziert und Nacharbeiten vermieden.

Gerade im innerörtlichen und ländlichen Bereich sparen wir durch den Einsatz von Flüssigboden erheblich Zeit, weil lagenweises Verdichten entfällt und Verkehrsflächen schneller wieder freigegeben werden können. Zudem kann der vorhandene Aushub wiederverwendet werden, was Transporte, Entsorgungskosten und CO₂-Emissionen drastisch reduziert.

Allein beim Glasfaserausbauprojekt in Überlingen ergibt sich bereits eine CO₂-Einsparung von rund 164.000 Kg. Das ist für ein einzelnes Projekt eine beachtliche Größenordnung und zeigt, dass hier noch weiteres Potenzial besteht.


4. In welchen Anwendungsfällen haben sich Flüssigböden aus Ihrer Erfahrung besonders bewährt und wo stoßen sie an Grenzen?

Flüssigböden haben sich vor allem im Leitungsbau, bei schmalen Trassen, Hausanschlüssen und innerörtlichen Bereichen bewährt, also überall dort, wo Platz, Zeit und Verdichtung kritisch sind. Sie sorgen für eine gleichmäßige Bettung der Leitungen und reduzieren spätere Setzungen deutlich. An ihre Grenzen stoßen sie dort, wo kurzfristig hohe Punktlasten aufgenommen werden müssen oder wo aus baulogistischen Gründen keine kontrollierte Herstellung möglich ist. Flüssigboden ist kein Allheilmittel, sondern ein Werkzeug, das sinnvoll eingesetzt werden muss.


5. Wie tragen Flüssigböden dazu bei Bauzeiten zu verkürzen und Verkehrs- bzw. Anwohnerbelastungen zu reduzieren?


Der größte Zeitgewinn entsteht dadurch, dass das lagenweise Einbauen und Verdichten entfällt. Verkehrsflächen können schneller wieder freigegeben werden, Baugruben bleiben kürzer offen und die Gesamtbauzeit reduziert sich spürbar. Gleichzeitig entfällt der Abtransport des Aushubs auf die Deponie, da das vorhandene Material wiederverwendet werden kann. Dadurch müssen keine zusätzlichen Lagerflächen vorgehalten werden, was insbesondere bei innerstädtischen Projekten ein erheblicher Vorteil ist, da geeignete Flächen dort oft nur schwer verfügbar sind. Das bedeutet insgesamt weniger Lärm, weniger Staub, weniger Lkw-Verkehr und geringere Einschränkungen für Anwohner und Verkehr. Gerade in bewohnten Bereichen ist das ein echter Vorteil.

 6. Welche konkreten Maßnahmen ergreift Wörner Bau, um Tiefbauprojekte nachhaltiger und ressourcenschonender umzusetzen?

Wir setzen konsequent auf die Wiederverwendung von Aushubmaterial, kurze Transportwege und den gezielten Einsatz alternativer Bauverfahren wie das horizontale Spülbohrverfahren, Grabenfräsen, Kabelpflug, Saugbagger oder neu den Einsatz von Flüssigboden. Zusätzlich optimieren wir Bauabläufe, um Maschinenlaufzeiten zu reduzieren und investieren kontinuierlich in moderne, effizientere Technik. Nachhaltigkeit beginnt für uns nicht beim Marketing, sondern bei der täglichen Baustellenorganisation.

Saugbagger der Wörner-Bau GmbH im Einsatz


7. Welche Bedeutung haben Recyclingmaterialien, CO₂-Reduktion und regionale Wertschöpfung in Ihren Bauprojekten?

Recyclingmaterialien und CO₂-Reduktion sind feste Bestandteile unserer Projekte, keine optionalen Extras. Jeder vermiedene Abtransport und jede Wiederverwertung spart Ressourcen und Emissionen. Gleichzeitig setzen wir bewusst auf regionale Lieferanten und Partner, weil regionale Wertschöpfung wirtschaftlich sinnvoll ist und die Versorgungssicherheit erhöht.


8. Wo sehen Sie aktuell noch Zielkonflikte zwischen Wirtschaftlichkeit, technischen Anforderungen und Nachhaltigkeit im Tiefbau?

Diese Zielkonflikte existieren ganz real. Nachhaltige Lösungen sind nicht immer die kurzfristig günstigsten, und technisch optimale Lösungen passen nicht immer zu engen Budgets oder klassischen Vergabekriterien. Entscheidend ist, Projekte ganzheitlich zu betrachten und Lebenszykluskosten stärker zu berücksichtigen. Wer ausschließlich auf den niedrigsten Preis schaut, zahlt später oft drauf.

Gerade bei größeren Glasfaserausbauprojekten besteht zudem die Möglichkeit, weitere Versorgungsleitungen im gleichen Zuge zu erneuern. Wir arbeiten in diesem Bereich eng mit den zuständigen Versorgungsdienstleistern zusammen. Fördermittelgeber fordern diese koordinierte Vorgehensweise ausdrücklich, um Synergien zu nutzen und spätere Eingriffe zu vermeiden. In der Praxis wird dieses Potenzial jedoch noch nicht konsequent ausgeschöpft, obwohl es sowohl wirtschaftlich als auch nachhaltig sinnvoll wäre.

 9. Warum ist eine leistungsfähige Bauwirtschaft aus Ihrer Sicht eine zentrale Voraussetzung für Innovation, Digitalisierung und wirtschaftliches Wachstum in der Bodenseeregion?

Ohne eine funktionierende Bauwirtschaft gibt es keine Infrastruktur, und ohne Infrastruktur keine Digitalisierung, keine Innovation und kein Wachstum. Straßen, Netze, Leitungen und Versorgungsinfrastruktur sind die Grundlage für alles Weitere. Eine starke Region braucht deshalb auch starke, handlungsfähige Bauunternehmen vor Ort.


10. Wie kann das Zusammenspiel von Bauunternehmen, Kommunen, Forschung und Industrie dazu beitragen, den Bodensee langfristig als Innovationsstandort zu stärken?

Der Schlüssel liegt in einem engeren und frühzeitigen Zusammenspiel aller Beteiligten. Kommunen, Bauunternehmen, Industrie und Forschung arbeiten noch zu oft getrennt voneinander, obwohl viele entscheidende Weichen bereits in der Planungsphase gestellt werden. Werden Bauunternehmen früher eingebunden, lassen sich technische, wirtschaftliche und nachhaltige Lösungen realistisch bewerten und besser umsetzen.

Forschung und Industrie sollten neue Materialien, Bauverfahren und digitale Lösungen stärker praxisnah entwickeln und in realen Pilotprojekten erproben. Bauunternehmen liefern dabei das notwendige Feedback aus der Umsetzung. Wenn Genehmigungsprozesse und Vergabeverfahren diesen Austausch ermöglichen, kann die Bodenseeregion ihre mittelständische Stärke nutzen und sich langfristig als innovativer, leistungsfähiger Standort weiterentwickeln.

Herr Wörner, wir danken für das Interview.


Wir danken Ingo Wörner herzlich für das ausführliche Gespräch und die wertvollen Einblicke in die Arbeit der Wörner Bau-Gruppe. Wer mehr über das Angebot der Wörner Gruppe erfahren möchte, findet weitere Informationen auf der Homepage Wörner-Bau.net.
Deutlich wird, dass leistungsfähige, lokal verankerte Unternehmen die Grundlage für digitale Infrastruktur, Innovation und wirtschaftliches Wachstum im ländlichen Raum bilden. Deutlich wird, wie entscheidend ein kompetenter, regional verwurzelter Mittelstand für den Glasfaserausbau, die digitale Infrastruktur und die wirtschaftliche Zukunft der Bodenseeregion ist. Im vierten Teil unserer Serie Innovation am Rande der Republik: der Bodenseekreis der wenden wir uns dem Thema zu, wie andere Regionen, von der engen Zusammenarbeit zwischen Bauwirtschaft, Kommunen, Industrie und Forschung lernen können. Könnte der Bodenseekreis als eine Art Blaupause für den gesamten DACH-Raum dienen oder gibt es gewisse Fallstricke zu beachten? Teil 4: Innovation am Rande der Republik: der Bodenseekreis als Vorbild

Die einzelnen Teile der Serie:

Teil 1: Grüne Innovation am Rande der Republik, aber mitten in Europa: Der Bodenseekreis
Teil 2: Grüne Innovation am Rande der Republik: Interview Martin Hahn, MdL
Teil 3: Grüne Innovation am Rande der Republik mit Wörner Bau
Teil 4: Innovation am Rande der Republik: Learnings Bodenseekreis


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