Maintenance- und Engineering

Corporate Venturing scheitert selten am Startup

Neun von zehn Unternehmen sehen Startups als wichtige Innovationspartner. Bis zur Skalierung kommen laut einer aktuellen Studie aber nur acht Prozent der Kooperationen. Ein abgeschlossenes Projekt des Corporate Venturing Partners ekipa GmbH mit Boehringer Ingelheim zeigt, wie der Zugang zu passenden Startups gelingt. Warum viele Kooperationen danach trotzdem stocken, liegt meist an internen Hürden der Organisation.
News von Marc Nemitz Marc Nemitz · Frankfurt, 20. Juli 2026

Gastbeitrag Justin Gemeri - Deutschland zählt rund 23.000 Startups. Für Unternehmen, die eine passende Lösung suchen, ist das weniger ein Angebots- als ein Orientierungsproblem. 59 Prozent der etablierten Unternehmen tun sich schwer, im Ökosystem den richtigen Partner zu finden. Das zeigt der Report "Collaborate to Innovate 2025" von Startup-Verband und Accenture.

Dieselbe Studie zeigt aber auch, dass die Partnersuche nicht der Punkt ist, an dem es hakt. Von den Kooperationsprojekten sind bei der Initiierung noch 41 Prozent erfolgreich. Beim Proof of Concept sind es 27 Prozent, bei der Implementierung 17 Prozent. Bis zur Skalierung kommen acht Prozent. Der Abbruch passiert nach dem Match, im Übergang vom Test in den Regelbetrieb.

Was der Venture Client Inkubator leistet

Wie die erste Hälfte dieses Wegs aussieht, zeigt der Venture Client Inkubator Hessen, ein vom hessischen Wirtschaftsministerium gefördertes Programm, das die ekipa GmbH umsetzt. Unternehmen definieren konkrete Suchfelder, ekipa übernimmt das Scouting und steuert die Zusammenarbeit bis zum gemeinsamen Proof of Concept. Die öffentliche Ko-Finanzierung hält die Einstiegshürde niedrig.

Boehringer Ingelheim durchlief das Programm 2024/2025. Das Pharmaunternehmen suchte im Maintenance- und Engineering-Umfeld, dort, wo es um die Zuverlässigkeit technischer Anlagen geht. Die Suchfelder reichten von Digital Twins für Gebäude- und Wartungsprozesse über KI-gestützte Datenanalyse bis zu digitalen Showrooms. Als Finalisten gingen die Startups brAIniacs und pickablue hervor. brAIniacs analysiert Sensor- und Log-Daten, um Muster zu erkennen und die Datenverarbeitung im Deviation Management zu automatisieren. Auf solche Lösungen wäre das Unternehmen über seine gewohnten Kanäle nicht ohne Weiteres gestoßen.

Diesen Nutzen beschreibt Maren Göpfert, bei Boehringer Ingelheim Global Head of Maintenance and Engineering Systems, im Recap-Video zum Programm.

Wir haben Start-ups kennengelernt, auf die wir wahrscheinlich so gar nicht gekommen wären. Von daher ist diese Zusammenarbeit mit ekipa und dem Programm total wichtig für uns gewesen.

Maren Göpfert, Global Head of Maintenance and Engineering Systems Boehringer Ingelheim

Der Bruch kommt nach dem Proof of Concept

Sobald die passenden Startups mit dem Unternehmen am Tisch sitzen, kommt der schwierige Teil. Zwei interne Fragen entscheiden über den Fortgang, und keine davon betrifft das Startup.

Die erste ist der Datenzugang. Ein Startup kann seine Lösung nur belegen, wenn es mit den Daten des Unternehmens arbeitet. In regulierten Branchen ist deren Freigabe kein Formalakt. Sie durchläuft Compliance-Prüfung, Risikobewertung und interne Zuständigkeiten. Ein fertiger Pilot liegt deshalb oft wochenlang still, bevor er startet.

Die zweite Frage ist die Verantwortung nach dem Piloten. Ein erfolgreicher Proof of Concept beweist, dass eine Lösung funktioniert. Er klärt nicht, wer sie in den Regelbetrieb überführt. Ohne eine Einheit mit dem Mandat, die Lösung aus dem Pilotstatus zu heben, bleibt sie ein gelungenes Experiment ohne Anschluss. Hier fallen die Erfolgsquoten von 27 auf acht Prozent.

Den passenden Innovator zu finden, lässt sich einkaufen oder mit einem Partner aufbauen. Die interne Vorbereitung lässt sich nicht auslagern. Wer den Datenzugang freigibt und wer die Lösung nach dem Piloten übernimmt, gehört vor den ersten Piloten, nicht danach. Ob ein gelungener Test am Ende zu den acht Prozent gehört, die es in den Regelbetrieb schaffen, entscheidet sich dort.

Justin Gemeri ist Co-CEO und Mitgründer der ekipa GmbH. Als externe Venturing-Unit setzt ekipa Corporate-Venturing-Projekte zwischen etablierten Unternehmen und Startups operativ um.


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