Nach Kaufverbot: Trade Republic erntet Shitstorm

Am Donnerstag sperrte die Broker-App aus Berlin vorübergehend viel gehandelte Aktien wie etwa die von Gamestop und Blackberry. Nach heftiger Kritik kam nun die Kehrtwende. 

Der Kampf zwischen Privatanlegern und Hedgefonds in den USA hat spätestens am Donnerstagabend die Berliner Broker-App Trade Republic erreicht. Seit Tagen setzen Kleinlager massiv auf Aktien von unter anderem Gamestop und haben so die Kurse zeitweise stark nach oben getrieben. Damit stellen sie sich gegen professionelle Investoren, die auf fallende Kurse des angeschlagenen Konzerns gesetzt hatten.  

Grund für die Spekulation der Hedgefonds: Die Umsätze von Gamestop sind allein innerhalb der zurückliegenden drei Jahre um 40 Prozent eingebrochen wie die Wirtschaftswoche berichtet. Gerechnet wird zudem mit einem Nettoverlust von 140 Millionen Dollar für das Jahr 2020/21, das noch bis zum 31. Januar geht. 

Die Kleinanleger, die sich in verschiedenen Online-Gruppen auf Reddit organisiert haben,  wollen die Hedgefonds offenbar für das Wetten auf fallende Kurse bestrafen. Denn steigen die Kurse, verlieren die professionellen Anleger Geld. Die Hedgefonds haben nämlich einzelne Aktien leergekauft. Dabei leihen sie sich Aktien von einem anderen Investor für eine bestimmte Zeit und verkaufen diese zum aktuellen Marktpreis, zum Beispiel für 100 Euro. Sinkt dann im Anschluss der Preis für diese Zeit, kaufen sie diese wieder günstiger zurück, etwa für 60 Euro. Die so entstandene Differenz von 40 Euro je Aktie ist ihr Gewinn, abzüglich Leihgebühren. Liegen sie jedoch falsch und der Preis je Aktie steigt, machen sie Verlust – genau das versucht die Community zu erreichen. Das Problem bei der Taktik der Community: Sobald die Kleinanleger ihre Aktien wieder verkaufen wollen, dürften auch die auch die Preise sinken. Wer also zu spät auf teure Gamestop-Aktien gesetzt hat, der könnte Verlust machen und die Hedgefonds gewinnen.

Dass es überhaupt so weit kam, ist einer ungewöhnlichen Situation zu verdanken. Hedgefonds hatten einzeln Aktien zuvor stark leerverkauft. Bei einem solchen Leerverkauf leiht sich Investor A eine Aktie von Investor B für eine bestimmte Zeit. In dieser Zeit verkauft er die Aktie für beispielsweise 100 Euro kauft die Aktie vor Ende seiner Leihfrist zurück, im besten Fall für weniger als 100 Euro. Er wettet also auf einen Kursabsturz. Ist der Deal durch, kassiert er die Differenz, und der Verleiher eine kleine Gebühr.

Die Gründer von Trade Republic entschlossen sich am Donnerstagabend, den Kauf von Aktien wie denen von Gamestop zu unterbinden. „Wegen der mit den extremen Kursschwankungen verbundenen Risiken, sperren wir GameStop, AMC Entertainment, BlackBerry, Nokia, Express Inc. sowie Bed Bath & Beyond vorübergehend für weitere Zukäufe. Bestehende Optionen können weiterhin reduziert oder verkauft werden“, hieß es in einer Meldung vom Neo-Broker an seine Kunden.

Schon am Donnerstagvormittag bekam die App aufgrund der hohen Nachfrage nach Aktiendeals technische Probleme. Bestellungen gingen demnach nicht durch oder konnten nicht geändert werden und das eben auch bei den Werten, die innerhalb kürzester Zeit auf Grund des Kampfes in ihrem Wert schwankten. Nutzer teilten unter anderem auf Twitter Screenshots ihrer Fehlermeldungen.

Bei vielen Kunden kam die am Abend beschlossene Sperrung nicht gut an. Trade Republic erlebt derzeit einen wahren Shtistorm. Einige sprechen gar von Marktmanipulation. „Jemand Tipps für eine ordentliche Plattform, die keine Marktmanipulation betreibt und versucht, Privatanleger für Hedges auszubluten? Würde gern mein Portfolio komplett umziehen“, postete etwa der bekannte deutsche Youtuber „Gronkh“ am Donnerstag bei Twitter. Mehr als 10.000 Nutzer favorisierten allein diese Nachricht innerhalb weniger Stunden.

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg twitterte am Freitag, er habe schon dutzende Beschwerden zu Trade Republic, Comdirect und der Deutschen Bank wegen Handelsbeschränkungen bekommen. Seiner Einschätzung nach sei ein derartiges Leistungsversprechen der Broker nach Gutsherrenart inakzeptabel. „Das Argument, man wolle Kunden vor Risiken schützen, ist verlogen, denn der Handel mit Risiko ist Teil des Geschäftsmodells.“

Im Interview mit Finance Forward rechtfertigt sich Trade-Republic-Co-Gründer Christian Hecker für diese Maßnahme. „Aufgrund des Hypes dieser US-Nebenwerte und der außerordentlichen Volatilität sind wir zu dem Schluss gekommen, dass eine vorübergehende Anpassung des Angebots notwendig ist“, sagte er dort. Weiter sagte er: „Bei dem aktuellen Hype der genannten größtenteils amerikanischen Nebenwerte handelt sich um einen beispiellosen Fall, den wir am Markt so noch nicht gesehen haben und der auch erhebliche Verlustrisiken mit sich bringt.“ 

Am Freitag morgen kam dann die Kehrtwende bei Trade Republic. In einer Mail an seine Kunden hat der Anbieter nun angekündigt, die Beschränkungen wieder aufzuheben. „Diese Beschränkung haben wir aufgehoben. Wir entschuldigen uns ausdrücklich für die vorübergehende Einschränkung Deiner Freiheit im Handel“, heißt darin. Die vorübergehende Sperrung begründete die App darin folgendermaßen: „Um die Stabilität des Handels für den Großteil des Marktes zu gewährleisten haben wir uns dazu entschlossen, Kauf-Orders bestimmter Aktien vorerst nicht mehr anzunehmen.“


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