FYI: English edition available

Hello my friend, have you been stranded on the German edition of Startbase? At least your browser tells us, that you do not speak German - so maybe you would like to switch to the English edition instead?

Go to English edition Hide this message

FYI: Deutsche Edition verfügbar

Hallo mein Freund, du befindest dich auf der Englischen Edition der Startbase und laut deinem Browser sprichst du eigentlich auch Deutsch. Magst du die Sprache wechseln?

Deutsche Edition öffnen Diesen Hinweis ausblenden

Der Kontoleser

Nils Wischmeyer
Nils Wischmeyer
Dec '20

Stefan Krautkrämer hat als COO von „Sofort” eine erfolgreiche Bezahlart im Internet geschaffen. Nach dem Exit wollte er sich aber noch nicht zur Ruhe setzen. Über einen, der die Arbeit braucht – mehr als dicke Autos. 

Der Moment, als es bei Stefan Krautkrämer Klick gemacht hat, ist schon ein paar Jahre her. Doch seither ist er sich sicher: Wenn man dem Kunden auch nur einen kleinen Anreiz gibt, werfe der in Windeseile seine Prinzipien über Bord. Bei Krautkrämer, lockige dunkle Haare und bayerischem Akzent, bei dem es ganz gerne mal “paschd” oder “furschtba’ ist, war dieser Moment im Jahr 2007. 

Damals baute er gerade mit einem Freund die „Sofort AG” auf, die viele aus dem Online-Geschäft als „Sofortüberweisung” kennen. Mithilfe der Firma kann man in Internetshops selbst per Überweisung zahlen, indem man sich ins Internetbanking einloggt. Heute unter den Fittichen des schwedischen Zahlungsdienstleisters Klarna und etabliert in der deutschen Szene, war das für damalige Verhältnisse neu, ungewohnt und vielen Leuten obskur. „Ständig riefen Privatkunden bei uns an und fragten, wer wir denn eigentlich wären. Die haben uns auch gefragt, wann das Produkt geliefert wird. So wenig konnten die uns einordnen”, sagt Krautkrämer. 

Doch wie konnte man die Leute vom eigenen Service überzeugen? Bei einem großen Elektrohändler versuchten Krautkrämer und seine Mitstreiter etwas Neues: Es gab einen Rabatt von 50 Cent, wenn man mit „Sofort” bezahlte. Keine Stunde später klingelten wieder die Telefone, doch die Fragen waren andere: Keiner erkundigte sich nach der Sicherheit sondern plötzlich danach, warum die eigene Bank denn nicht dabei wäre oder ob man die Login-Daten fürs Onlinebanking auch per Telefon durchgeben könnte. „Das war der Moment, an dem ich verstanden habe: Was der Kunde sagt, was er tun würde, und was er dann tatsächlich macht sind zwei grundverschiedene Dinge”, sagt Krautkrämer. 

Für Krautkrämer waren das die ersten Früchte seiner Aufbauarbeit. In den Jahren zuvor hatte er als COO die Firma geführt, die ein Freund zuvor ein paar Gießener Studenten abgekauft hatte. Zu Anfang bekam Krautkrämer ein Gehalt von 400 Euro und einen Schlafplatz auf dem Dachboden des Besitzers. Die Mitarbeiter waren zumeist Studenten, die nur programmieren konnten, wenn nicht gerade Vorlesung war. Zu Beginn hatte Krautkrämer Zweifel: „Ich habe mir gedacht: Das macht doch niemand, seine PIN im Internet eingeben.” Doch das Beispiel zeigte: Für ein paar Cent Ersparnis geben die Leute viel her. 

"Wenn ich rumsandel, sitze ich rum und trinke Caipirinha. Das ist eine Woche schön und danach fällt mir die Decke auf den Kopf"

Stefan Krautkräumer

Sofortüberweisung wuchs in den Jahren darauf, expandierte in elf Länder und Krautkrämer hatte ein Team mit mehr als 60 Mitarbeitern unter sich. Zu dem Zeitpunkt war Stefan Krautkrämer, der sich selbst als „furschtbaren” Schüler bezeichnet, gerade einmal 27 Jahre alt. Im Jahr 2014 dann kaufte der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna die Sofort AG für mehr als 100 Millionen Euro. Krautkrämer habe daran nicht schlecht verdient, wie er sagt. Was also tun, wenn man das geschafft hat, was viele Start-ups schaffen wollen, den großen Exit? 

Für Krautkrämer war der Verkauf einschneidend. In Rente wolle er nicht gehen, würde es ihn doch nur langweilen. „Wenn ich rumsandel, sitze ich rum und trinke Caipirinha. Das ist eine Woche schön und danach fällt mir die Decke auf den Kopf”, sagt er. Also arbeiten, nur eben anders: „Ich mag am allerliebsten in kleinen Teams arbeiten, keine Politik, keine Systematik”, sagt er. Ein großes Unternehmen wie Klarna passt da nicht.

Krautkrämer überlegte ein paar Wochen, kündigte und gründete 2014 mit Dirk Rudolf ein eigenes Unternehmen: FintecSystems. Die Idee dazu kam ihm, der morgens zur Arbeit radelt und weite Strecken in der 2. Klasse der Bahn fährt, als er eine Kreditkarte beantragen wollte und aus für ihn unerfindlichen Gründen abgelehnt wurde. „Ich sollte dann meinen Gehaltscheck per Post hinschicken, was natürlich total umständlich ist”, erinnert er sich. „Was aber, wenn die Firma einfach einen schnellen Blick auf mein Konto werfen könnte?” Genau da setzt FintecSystems an, damals aber noch ein wenig im Graubereich. 

Sechs Millionen Euro Umsatz will Krautkrämer einfahren

Erst 2019 änderten sich die Regeln mit der sogenannten „PSD2” und machten den Weg für das Geschäftsmodell der Münchener frei. Über die Plattform des Start-ups können unter anderem Kreditfirmen die Bonität ihrer Kunden analysieren, indem sie auf deren Bankkontos schauen – vorausgesetzt der Kunde akzeptiert das. Immerhin geht es um vertrauliche Daten. Doch viele sind leicht zu überzeugen: „Es geht digital einfach viel schneller. Bequemlichkeit gewinnt. Außerdem hilft, dass wir ein in Deutschland lizenziertes Unternehmen sind”, so Krautkrämer. 

Im Prinzip ist heute wieder vieles beim Alten: Rudolf, ehemals CIO bei Sofort ist ein alter Kollege, das Thema „Konto” ist geblieben und seit 2017 ist, wie zuvor bei Sofort, auch Reiman Investors wieder an Bord. Getroffen hatte Krautkrämer den Geschäftsführer von Reiman Investors, dem Family-Office der Unternehmerfamilie Reiman auf dem Oktoberfest. Der Deal: „Ich zahl das Bier und du schaust dir die Unternehmenspräsentation an.” Eine Woche später wollte das Family-Office einsteigen und ist mittlerweile Anteilseigner. 

Eigenen Angaben zufolge macht FintecSystems dieses Jahr Gewinn voraussichtlich rund sechs Millionen Euro Umsatz. Verkaufen will er seine Firma in nächster Zeit nicht, sagt Krautkrämer, dafür aber mehr Geld von Investoren einsammeln. 15 Millionen Euro sucht er derzeit. Erste Gespräche laufen bereits. 


Like it? Please spread the word: