Zwei Gründerinnen, zwei Frauen, zwei Schwestern. Das Hamburger Femtech Startup für natürliche Verhütung und die Gesundheit der Frau wurde von den beiden Schwestern Eva und Lina Wüller gegründet. Wir haben mit Gründerin Lina Wüller über die Pille, Gleichberechtigung in der Start-up Welt und Frauen als Zielgruppe gesprochen.

Liebe Lina, wir freuen uns sehr dass Du uns alle Fragen rund um Ovy beantwortest. Zunächst würden wir gerne wissen: Wie kamt ihr auf die Idee Ovy zu gründen?

Nach fast zehn Jahren hatte ich damals die Pille abgesetzt, da ich meinen Körper nicht mehr mit künstlichen Hormonen belasten wollte. Auch meine Schwester Eva, mit der ich die Firma gegründet habe, hat sie nicht vertragen und sich schon länger mit alternativen Möglichkeiten beschäftigt. Meinen Zyklus mit Zettel und Stift aufzuzeichnen, war mir zu umständlich und nicht mehr zeitgemäß – besonders, da man heute mit dem Smartphone so viele technische Möglichkeiten hat. Wir haben uns daher gefragt: Warum gibt es noch kein Connected Device, das die Basaltemperatur, den ausschlaggebenden Datenpunkt für die Berechnung der fruchtbaren Tage im Zyklus, an eine App überträgt, die dann die Auswertung übernimmt? Eine verlässliche Medizin-App, in der man ganz einfach auch weitere Datenpunkte eintragen kann, um seinen Zyklus zu berechnen. Wir haben im Femtech ein wahnsinnig großes Potenzial gesehen.

Welches Problem wollt ihr mit eurer Idee ansprechen und wie löst ihr es?

Im gesamten Markt für Frauengesundheit gibt es bislang viel zu wenig Innovation. Dass wir uns der Auswertung des weiblichen Zyklus angenommen haben, war der erste Schritt dahin, wo wir langfristig mit diesem Unternehmen hin möchten: smarte und wirksame Produkte zur Verbesserung der Gesundheit von Frauen weltweit zu entwickeln. Mit unserem Device und unserer App helfen wir Frauen, die eine hormonfreie Alternative zur Empfängnisregelung suchen sowie Frauen mit einem Kinderwunsch, ihre fruchtbaren und nicht fruchtbaren Tage im Zyklus zu ermitteln. 

Das Hero Produkt von Ovy: Ihr Bluetooth Basalthermometer mit zugehöriger App ©Ovy

Amorelie, Femtasy, Female Company: Startups von Frauen für Frauen starten gerade voll durch und werden immer wichtiger, wie habt ihr es geschafft euch im Femtech Markt zu etablieren?

Wir haben eine innovative Technik mit eigener Hardware und Medical App entwickelt. Wir haben ein Problem erkannt, vor dem die Hälfte der Weltbevölkerung steht, nämlich Frauen. Die Nachfrage nach solchen Produkten steigt bei Frauen stark. Dadurch bekamen wir von Anfang an viel Aufmerksamkeit. Ein großer Vorteil ist, dass wir als weibliche Gründerinnen nah an den Bedürfnissen unserer Zielgruppe entwickeln können, da wir diese natürlich selbst kennen

Glaubst du, dass Female Founders einen Beitrag zur Gleichberechtigung leisten? Und wenn ja, wie tragt ihr mit eurem Startup dazu bei? 

Female Founders sollten es sich zur Aufgabe machen, den Status Quo kontinuierlich zu challengen. Es ist offensichtlich, dass noch immer keine Gleichberechtigung herrscht. Das ist allein an der Anzahl der Unternehmensgründungen erkennbar und an den Beteiligungen, die in von Frauen gegründete Unternehmen fließen. Ich bin der festen Überzeugung, dass man über dieses Thema mehr sprechen muss und seine eigenen Erfahrungen teilen sollte.

Zwei Frauen, zwei Gründerinnen, zwei Schwestern: Wie ist es, als Geschwister gemeinsam zu gründen, welche Probleme haben euch begleitet oder hat das auch Vorteile?

Man kennt niemanden so gut wie die eigene Schwester. In Terminen wissen wir nach den ersten fünf Sekunden, was die jeweils andere denkt und wie der Termin wahrscheinlich ausgehen wird – ohne, dass wir miteinander sprechen müssen. Das ist definitiv ein Vorteil. Auf der anderen Seite bist du sehr ehrlich und sagst deine Meinung ungefiltert. Wir hatten anfangs einen Coach, mit dem wir entsprechende Prozesse erarbeitet haben, die uns als Gründerinnen-Team extrem gestärkt haben. Interessanterweise ist die Schwestern-Konstellation vor allem für Investoren attraktiv. Sie wissen meist, dass sich Geschwister nicht einfach trennen können. Das ist übrigens einer der häufigsten Gründe, weshalb Unternehmen scheitern: weil die Gründerteams sich nicht einig sind und daher auseinanderbrechen. 

Die beiden Gründerinnen Eva und Lina Wüller ©Ovy

Was war der wertvollste Tipp, den dir jemand während deiner Gründungsphase gegeben hat?

Ich war 25 als ich mein erstes Unternehmen gegründet habe. Damals hat meine Großmutter, die Unternehmerin war, zu mir gesagt: Wenn du dir einen Plan B zurechtlegst, wird Plan A nicht funktionieren. Und das stimmt! Wenn man einen Plan B hat und weiß, dass man weich fällt, wenn Plan A nicht funktioniert, dann rennt man nicht weit genug und springt nicht hoch genug. Meine Schwester und ich haben bei Ovy keinen Plan B. Wir tun alles dafür, dass dieses eine Unternehmen erfolgreich ist.

Wie war das für euch, mit einem technischen Produkt in einer überwiegend männlich dominierten Branche Investoren an Land zu ziehen?

98% unserer Gespräche waren mit männlichen Investoren. Es kam vor, dass das Problem nicht verstanden wurde, das wir mit unseren Produkten lösen möchten, da es natürlich ein weibliches ist. Wir konnten allerdings schnell sehr gute Investoren gewinnen, wie beispielsweise den Medizinproduktehersteller Beurer, der sich frühphasig als Stratege beteiligt hat. Übrigens: Für viele Investor:innen ist Hardware generell ein Red Flag. Das liegt daran, dass es viel Kapital und Zeit erfordert, derartige Produkte zu entwickeln und zuzulassen – und dann ist es den Investoren egal, ob das Unternehmen von Männern gegründet wurde oder von Frauen.

Welche Tipps würdest du anderen Gründerinnen geben?

Erstens: Wenn ihr ein Unternehmen gründet, dann startet mit einem akuten Problem, vor dem eure Zielgruppe steht und löst es. Zweitens: Schreit eure Idee heraus und holt euch Feedback ein. Drittens: Prepare for the (very) long run! Und ganz wichtig: Gründe zu zweit, dann machen die anfänglichen Nachtschichten mehr Spaß. 

Wo seht ihr euer Startup in drei Jahren?

Wir wollen Zukunft weitere Medizinprodukte sowohl im Software- als auch im Hardware-Bereich entwickeln, um die Frauengesundheit nachhaltig zu verbessern. In drei Jahren wollen wir eine neue Hardware in der Hand halten, mit der die Methodik noch einfacher und sicherer gemacht wird.  

Ovy App @Ovy

Welche Frau ist dein größtes Vorbild?

Mich inspirieren viele Frauen aus der deutschen Gründerszene, die Produkte für uns Frauen entwickeln und die sich für Themen einsetzen, die uns Frauen etwas angehen.

Wenn du für einen Tag Bürgermeisterin von Hamburg wärst, was würdest du ändern?

Ich würde mich für Gründerinnen einbringen, die parallel zur Unternehmensgründung Mutter werden. Dabei würde ich dafür sorgen, dass finanzielle Hilfen zur Verfügung gestellt werden, sodass Mütter früh nach der Geburt ins Unternehmen zurückkehren könnten und eine adäquate Betreuung des Nachwuchses finanziell bezuschusst wird. 


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