So will Upvest eine Million Endkunden erreichen

Das Fintech Upvest will sein bestehendes Geschäftsmodell erweitern und so einen neuen Markt erschließen. Gründer Martin Kassing will damit eine ganz bestimmte Nische besetzen.

Mit dem Taxi-Konkurrenten Uber fahren und als kleinen Kickback ein paar ETF-Anteile aufs Konto bekommen oder bei der Caféhauskette Starbucks einen Kaffee kaufen und den Cashback in Kryptowährungen erhalten: Das mag auf den ersten Blick ziemlich abwegig klingen – passt aber in die die Vision eines jungen Berliner Fintechs.

Upvest, so hat Gründer Martin Kassing das Unternehmen 2017 getauft, will ein Unternehmen sein, das „Investment as a Service“ oder „Custody as a Service“ anbietet. Das bedeutet, dass Fintechs, Banken oder auch andere Firmen in ihren Apps künftig den Handel mit Wertpapieren anbieten können sollen, ohne sich aber um den technischen und regulatorischen Hintergrund zu kümmern. 

Im Vordergrund sieht der Endkunde, beispielsweise Max Müller, dabei das Design der eigenen Bank, im Hintergrund wickelt Upvest den Handel und die Aufbewahrung der Wertpapiere ab. Damit stößt das Fintech in eine Nische, die es so noch nicht gibt, glaubt Gründer Kassing, der das Start-up von einem Ein-Mann-Betrieb zu einem mit 35 Mitarbeitern geführt hat. „Unser Ansatz ist es, eine simplifizierte API anzubieten, mit der Firmen ihren Kunden die Aufbewahrung und Vermittlung von Anlageprodukten anbieten können“, sagt Kassing. Der Fachbegriff API bedeutet in diesem Kontext übersetzt Programmierschnittstelle.  

Angefangen hat Upvest 2017 im Kryptobereich. Damals war Gründer Kassing, der zuvor unter anderem im Bereich Private Equity unterwegs war, bei der Berliner Start-up-Schmiede Finleap angestellt. Der Hype um Kryptowährungen wie Bitcoin faszinierte ihn so sehr, dass er mit Upvest kurzerhand sein eigenes Unternehmen auf die Beine stellte. „Ich hatte immer gehofft, dass Menschen es schaffen, selbstständig ein Vermögen aufbauen. Dazu wollte ich etwas beitragen“, sagt der Gründer im Rückblick. Das Start-up startete zunächst als Aufbewahrer für Ethereum-Vorräte kleinerer Firmen, später kamen auch größere Start-ups wie Bitwala hinzu. Ob und wie viel Profit das Start-up damit bisher macht, wollte Kassing nicht verraten.

Künftig will Upvest auch die Möglichkeit bieten, klassische Wertpapiere wie Aktien, Anleihen oder auch ETFs aufzubewahren und zu vermitteln. Die dafür verbleibenden drei von vier Lizenzen hat das Start-up bei der Finanzaufsicht Bafin beantragt und rechnet in den kommenden Wochen mit einer Erlaubnis. „Wir werden künftig eine digitale Wertpapierhandelsbank sein, die sowohl klassische Wertpapiere aufbewahrt und vermittelt, als auch moderne Assets wie Kryptowährungen oder tokenisierte Wertpapiere“, erklärt Kassing. 

Dass sich Upvest zusätzlich in diese Richtung orientiert, ist nicht ungewöhnlich. Die Menschen kaufen wieder mehr Aktien, Anleihen und legen ihr Erspartes in börsengehandelte Fonds, sogenannte ETFs an. Eine Billionen Euro groß soll der Sektor in Europa jetzt sein, und auch in Deutschland ist die Nachfrage nach Wertpapieren groß. Bereits seit Januar müssen die Kunden für ein Konto bei Firmen wie dem Neobroker Trade Republic lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Es fehlt nach Angaben des Berliner Fintechs schlicht an Videoagenten, die so schnell so viele Leute durchwinken können, auch wenn man bereits eine Lösung habe, die bald eingeführt werde. 

Geldgeber konnte Upvest mit seinen Plänen bereits überzeugen und zuerst sieben Millionen Euro von Investoren wie N26-Gründer Maximilian Tayenthal einsammeln, später investierte unter anderem auch der Wagniskapitalgeber Earlybird und trieb gemeinsam mit Altinvestoren die eingesammelte Summe auf zwölf Millionen Euro. IDNow-Gründer Felix Haas, der ebenfalls Geld gab, begründete das Investment im Wesentlichen mit zwei Punkten. Zum einen sei der Bereich interessant und Gründer Kassing würde ihn gut verstehen. „Zum anderen ist er agil, das heißt er ist einer, der nicht verbohrt einer These unendlich blind hinterherläuft, sondern nach links und rechts adjustiert“, sagt Haas. „Das Modell von Upvest ist ja ein anderes als das ursprüngliche – und das ist super“, so der Investor. 

Mit der Erweiterung des Portfolios will das Start-up sein Produkt nun weiter skalieren und dafür braucht es neue Kunden. In Kassings Fokus stehen zunächst die Neobanken, die ihren Kunden wiederum eigene Investmentprodukte anbieten wollen, im nächsten Schritt dann auch Banken und zum Schluss auch Apps oder Unternehmen, die nicht aus der Finanzwelt kommen. Eine Millionen Endkunden will Kassing bis 2023 über die Schnittstelle anschließen, eines Tages träumt er sogar von wesentlich mehr. „Ich glaube, das Thema Investment as a Service hat das Potenzial 100 Millionen Endkunden oder mehr zu erreichen“, sagt er. 


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