So blickt die Start-up-Welt auf das Triell

Das Triell erwartete auch die Start-up-Szene gespannt, einen Tag später lässt sich die Bilanz für viele Vertreter mit einem Wort zusammenfassen: enttäuschend.

Das Wort „Start-up“ bleibt den meisten Zuschauerinnen und Zuschauern des Triells, dem TV-Dreikampf um das Kanzleramt von Annalena Baerbock (Grüne), Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) am Sonntagabend wohl wenn überhaupt in Erinnerung, weil Armin Laschet angab, ein E-Auto eines Aachener Start-ups zu fahren. Privat selbstverständlich, sein Dienstwagen ist ein Dieselwagen von Audi. Ansonsten spielten Start-ups in der Diskussionsrunde keine Rolle, Themen wie Innovation oder Digitalisierung wurden nicht angesprochen. „So viel Gerede über die Zukunft. Aber wer baut die Zukunft?“, fragt Christian Miele, Chef vom Bundesverband Deutsche Start-ups, daher im Anschluss auf Twitter. Die Frage, welche Rolle Start-ups spielen könnten, blieb aus. Auch das fehlende Wagniskapital war kein Thema. Nur Laschet sprach einmal vom Land der Erfinder und Tüftler, konkret wurde er dabei nicht. 

Investor und Unternehmer Carsten Maschmeyer zieht ebenfalls Bilanz: „105 Minuten Diskussion – und keine Rede von Digitalisierung, #Startups und Gründerinnen und Gründern“, schreibt er auf Twitter. Und nennt es „Schockierend, dass so bedeutende Themen überhaupt nicht auf der Agenda stehen.“ Die Kritik richtet sich dabei aber nicht nur an Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Armin Laschet durch, sondern auch an die Themensetzung durch Moderatorin Pinar Atalay und Moderator Peter Kloeppel. Maschmeyer ist nicht der einzige, der hier Versäumnisse sieht. Auch Miele schreibt: „Die Digitalisierung hat beim #Triell keine Rolle gespielt. In meinen Augen journalistisch nachlässig.” Ähnlich sieht es Investor Frank Thelen: „Das war schwach, auch von den Moderatoren, die ansonsten einen guten Job gemacht haben”, schreibt er auf Twitter. 

Für den Investor, der ohnehin bekennender CDU-Fan ist, geht Armin Laschet als der klare Sieger aus dem Triell hervor, wie er mit #Arministback unterstreicht, er schreibt: „Ich finde @ArminLaschet endlich wieder stark.” Auch andere sehen Laschet vorne, wie Getyourguide-Gründer Tao Tao und Stefan Groß-Selbeck von BCG Digital Ventures gegenüber dem Handelsblatt angaben. Für Maschmeyer gibt es keinen Gewinner im Triell: „Das ging auch gar nicht, denn der war gar nicht anwesend. Für mich war das die @fdp und @c_lindner.” Dass die FDP den Unternehmern und Investoren fehlt, kommt nicht überraschend. Erst vor einigen Wochen verkündeten einige unter ihnen, darunter Thelen und Tao eine Spende über eine halbe Million Euro an die Freien Demokraten vergeben zu haben, auch Investor Georg Kofler spendete schon im April.

Auf Linkedin und Instagram wird Maschmeyer konkreter in seiner Kritik. Was im Triell gefehlt habe, seien Themen wie „Steuerlich attraktive Mitarbeiterbeteiligungen, Zukunftsfonds, breiter Zugang zu Venture Capital, Bürokratiemonster bändigen” oder zusammengefasst „Gründungsfreundliche Politik”. In dem Karrierenetzwerk beklagt auch Mitgründer Hans Uszkoreit von Giance Technologies, dass es bei den Themen viel um Details, aber nicht um „zunehmenden Rückstand in technologischer Innovation und digitaler Transformation” gegangen sei, obwohl dies „entscheidend für wirtschaftlichen Erfolg, bleibenden Wohlstand, erfolgreiche Energiewende und effektive Pandemiebekämpfung” sei. Er fragt: „Gibt es bei den drei größten Parteien denn kein echtes Interesse an einer Lösung?” Enttäuscht zeigt sich auch Aidien Assefi, CEO vom Mainzer Circl Link und twittert: „Wir haben jetzt alles (und nichts) gehört aber StartUps und Digitalisierung kamen nicht vor.

Zwei Chancen, auch die Start-up-Welt zu überzeugen, haben Scholz, Baerbock und Laschet noch: Am 12. September treffen sie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aufeinander, am 19. September bei ProSieben, Kabel Eins und Sat 1.


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