„Wir brauchen ein Volks-E-Bike“

Sven Schneider und André Thiele sind mit Smafo auf einen Wachstumsmarkt aufgesprungen. Das Start-up produziert und verkauft ein eigenes E-Bike, bietet außerdem Leasing- und Abomodelle an. 

Dass der E-Bike-Markt boomt, ist fast schon eine Untertreibung. 2020 wurden 43,3 Prozent mehr E-Bikes verkauft als noch im Jahre 2019, wie der Verband der Fahrradindustrie (ZIV) im März stolz verkündete. Die Smafo-Gründer Sven Schneider und André Thiele wollten dort auch mitmischen und haben 2018 ihr Start-up gegründet. Heute – am Tag des Fahrrads – spricht Gründer Sven Schneider über ihre Pläne, die aktuell laufende Crowdfunding-Kampagne – und über die Frage, für welche Start-ups eine solche Finanzierungsform geeignet ist.

Herr Schneider, der Markt für E-Bikes wächst und wächst, gleichzeitig gibt es immer mehr Anbieter, die miteinander konkurrieren. Wie wollen Sie sich von der Konkurrenz abheben?

Es stimmt, wir bewegen uns in einem absoluten Wachstumsmarkt. Das E-Bike hat unserer Ansicht nach das Potenzial, den Wandel der Mobilität deutlich voranzutreiben. Es kann viele Leute dazu bringen, auf das Auto zu verzichten. Um uns von anderen Herstellern abzugrenzen haben wir von Anfang auf ein Abo-Modell gesetzt. Der Umstieg aufs E-Bike soll für Kunden so einfach und sorgenfrei wie möglich sein. Wir brauchen ein Volks-E-Bike, ähnlich wie den Aldi-Computer oder früher den VW-Bus.

Und dabei hilft ein Abo-Modell?

E-Bikes sind oft noch immer sehr teuer. Wer es bei uns abonniert, spart so eine Menge Geld. Die Nachfrage nach den von uns entwickelten E-Bikes ist inzwischen aber so hoch, dass wir sie nun auch direkt zum Verkauf anbieten. Wer eines unserer E-Bikes fährt, erhält zudem Zugang zu Smafo Connect. Dahinter steckt zum einen eine Diebstahlversicherung, wir übernehmen Reparaturen oder tauschen das Rad aus. Zudem kommuniziert ein Modul im Fahrrad mit unserer App. Das wollen wir künftig noch stärker nutzen. Noch in diesem Sommer, wollen wir einen Rettungsassistenten launchen. Wenn ein Sensor im Modul des E-Bikes einen Unfall registriert, wird die App drei Push-Nachrichten über unsere App an den Fahrer schicken. Lässt er alle drei unbeantwortet, schicken wir einen Rettungswagen los. 

Sie haben sich auf die Fahnen geschrieben, ein E-Bike anzubieten, das für die breite Masse der Kunden erschwinglich ist. Ihr E-Bike kostet derzeit 1.799 Euro. Dabei gibt es E-Bikes auch günstiger. Auch Discounter wie Lidl haben bereits entsprechende Angebote. 

Zugegeben, Sie kriegen aber nirgendwo für den Preis so viel geboten wie bei uns. Erst recht, wenn Sie auf das Abo-Modell schauen: Ein Abo, das immer mindestens über zwölf Monate geht, kostet für unser neuestes E-Bike 65 Euro im Monat und damit für ein Jahr 780 Euro. Im Anschluss lässt sich das Abo monatlich kündigen, wer möchte kann das E-Bike auch dann noch erwerben – natürlich zu einem reduzierten Preis. 

Sie haben bisher auf Fremdkapital weitestgehend verzichtet, nun aber eine Kampagne für ein Unternehmens-Crowdinvesting für ein Seed-Investment gestartet, die noch bis zum 7. Juni andauert. Warum führen Sie nicht eine klassische Finanzierungsrunde durch oder versuchen, mit Business Angels in Kontakt zu treten?

Das wäre für uns sicherlich auch möglich gewesen. Wir finden aber, dass Crowdinvesting besser zu unserem Projekt passt. Wir wollen eine Community aufbauen, wollen, dass Kunden wie Investoren uns weiterempfehlen. 

Was bekommen Anleger, die Ihnen nun Geld geben? 

Neben der seltenen Chance sich am Wachstumsmarkt E-Bikes zu beteiligen, erhalten Sie Rabatte, falls Sie ein E-Bike bei uns erwerben möchten. Es gibt aber auch noch ein paar weitere Goodies, je nachdem wie viel sie investieren. 

Sie haben als Finanzierungsziel 750.000 Euro ausgerufen, liegen aktuell bei knapp über 600.000 Euro. Obwohl Ihnen damit noch eine ordentliche Stange Geld fehlt, haben Sie sich entschieden, die Kampagne nicht zu verlängern, warum nicht? 

Zum einen wollen wir die Privatinvestoren, die uns schon zu Beginn der Kampagne Geld gegeben haben, nicht auf einmal vor veränderte Tatsachen setzen. Das empfinden wir als unfair. Zum anderen stecken in dem Crowdinvesting, das wir über Seedmatch organisiert haben, viele Ressourcen drin. Unsere Investmentschwelle liegt übrigens bei 100.000 Euro, wir sind mit dem bisherigen Ergebnis schon sehr zufrieden. Wenn nicht die vollen 750.000 Euro zusammenkommen, dann brauchen wir für das Erreichen des ein oder anderen Ziels lediglich etwas länger.

Hinter ihrer Finanzierungskampagne bei Smafo steckt deutlich mehr als etwa hinter einem Kickstarterprojekt, Sie mussten unter anderem einen Businessplan einreichen und haben ein recht hohes Finanzierungsziel ausgerufen.  Würden Sie eine solche Finanzierungsform auch anderen Gründern empfehlen?

Wenn Sie nebenbei eine Community aufbauen wollten, in jedem Fall. Gründer sollten sich aber im Klaren sein, dass auch dahinter viel Aufwand steckt. Zum einen mussten wir ein gutes Werbevideo präsentieren, zum anderen geht es auch um die ganze Due Diligence, die dahintersteckt. Die mussten wir auch komplett vorbereiten, genau wie bei einer Finanzierungsrunde mit professionellen Investoren. Allein die ganzen entsprechenden Zahlen zu erheben und bei dem zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) einzureichen, ist sehr aufwendig. 

zur Person: 

Sven-Ulrik Schneider kommt eigentlich aus der Automobilwelt. Mit seinem Bruder zusammen eröffnete er 2006 ein Autohaus. 2017 aber wollte Schneider noch einmal etwas ganz Neues aufziehen und tat sich mit seinem Freund André Thiele zusammen. Schneider, der selbst gerne Mountainbike fährt, entwickelte mit Thiele zusammen den Plan, eine Plattform aufzubauen, die Angebote von E-Bike-Vermietern listet. Mit ihr wollten sie vor allem Kunden erreichen, die nur kurzzeitig in der Stadt sind. Doch die Angebotsvielfalt war beiden zu gering, weshalb sie mit Smafo 2018 direkt ihr eigenes E-Bike-Start-up gründeten.


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