An Mitarbeiterbeteiligungen führt kein Weg vorbei

Unser Gastautor Eric Demuth fordert, in Europa endlich einheitliche Regelungen für Mitarbeiterbeteiligungen zu schaffen. Andernfalls könnten Start-ups gute Arbeitskräfte nicht gewinnen.

Kein Weltklasseprodukt ohne ein Weltklasseteam: So simpel das auch klingen mag, so bitter gestaltet sich die Umsetzung. Noch nie war der Talentmarkt so hart umkämpft.

Fakt ist, dass es wohl für jedes Scale-up eine Herkulesaufgabe ist, die Crème de la Crème der internationalen Tech-Szene zu bekommen. Meines Erachtens lautet der beste Anreiz überhaupt: Talente am Unternehmenserfolg beteiligen und Angestellte so zu Mitunternehmern zu machen.  

Equity ist der Pull Faktor schlechthin: An Mitarbeiterbeteiligungen führt kein Weg vorbei. Im Silicon Valley haben sie es vorgemacht. Dort kann man seit über 30 Jahren mit dem Thema etwas anfangen. Man nehme nur die Story der Teilzeit-Masseurin, die frühzeitig zu Google kam und schließlich Millionärin wurde. Oder man denke an die sogenannte PayPal-Mafia und ihren höchst nachhaltigen Impact auf die ganze Industrie, indem sehr viele ehemalige PayPal-Mitarbeiter nun selbst sehr große Unternehmen aufgebaut haben oder selbst zu erfolgreichen Investoren wurden.

Die Vorteile von Mitarbeiterbeteiligungen liegen auf der Hand: Angestellte haben mit ihrer Leistung direkten Einfluss auf die Firmenbewertung, können sich einbringen, partizipieren - und daran mitverdienen. Aktienoptionen steigen analog der Bewertung. Wer beteiligt ist, überlegt genauer, wie sie oder er sich im Unternehmen einsetzt und ist mit noch größerem Engagement dabei. Stichwort Retention Management: Mitarbeiterbeteiligung wirkt sich auch auf die Loyalität aus. Kein Bonus kann die gleiche Identifikation mit dem Arbeitgeber erreichen wie der Besitz von Unternehmensanteilen.  Das wichtigste Kriterium dafür ist, dass sich die Personen mit der Vision und dem Unternehmen identifizieren können und an ihren eigenen Impact glauben. Und weitergedacht: Mitarbeiterbeteiligungen können gerade Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stärken. Wer beispielsweise mit Ende 30 schon bei drei erfolgreichen Unternehmen tätig war, hätte bereits ein Portfolio zusammen, dass mitunter für die private Altersvorsorge genutzt werden könnte. Alternativ kann das Kapital für die Gründung eigener Unternehmen genutzt werden - dadurch würde ein Kreislauf forciert, auf den wir bald mehr denn je angewiesen sein werden. Kurzum: Es zahlt sich für alle Seiten aus.

In Österreich sind nur rund sechs Prozent der Beschäftigten an ihrem Arbeitgeber-Unternehmen kapitalmäßig beteiligt. Kaum verwunderlich, da die steuerliche Förderung eher gering ist – was die geringe Bereitschaft, Mitarbeiterbeteiligungen konkret umzusetzen, erklärt. Man muss geradezu kreativ werden, um adäquate Lösungen und Antworten für das Problem der Besteuerung und all die krass veralteten Bedingungen zu finden - der nächste gewaltige Standortnachteil. Wir bei Bitpanda haben dies über virtuelle Beteiligungen gelöst. Was hierbei fehlt, ist die gerechtere Besteuerung durch den Staat. Da haben wir einen massiven Nachteil zu anderen Ländern, die MItarbeiterbeteiligungen steuerlich ordentlich gelöst haben.

Die Technologie-Szene droht, den Anschluss zu verlieren

Blöd auch in Deutschland, das trotz kürzlich vorgenommener Anpassungen noch weit entfernt ist von einem attraktiven und wettbewerbsfähigen Fondsstandort. Ich verstehe diese deutsche Reformangst nicht. Statt über viele Jahre unnütze Minischritte zu unternehmen - bis man kurz vor dem Knall angekommen ist – einmal ordentlich Gesetze anpassen, die der Gegenwart entsprechen.

Fortschrittlichere Lösungen in Sachen Mitarbeiterbeteiligung sind an allen wichtigen internationalen Start-up-Standorten längst Standard. In Großbritannien ist Mitarbeiterbeteiligung sogar Teil der Wirtschafts- und Unternehmenskultur des „popular capitalism”, und wird vor allem als Mittel zur Produktivitätssteigerung gesehen. Das im Jahr 2000 eingeführte und seitdem überarbeitete Enterprise Management Incentive Scheme (EMI) ist ein äußerst vorteilhaftes Programm, das von fast allen britischen Technologie-Start-ups verwendet wird.

Ich wiederhole: Wenn wir es nicht schaffen, den immensen Talentengpass zu überwinden, dann wird die europäische Technologie-Szene den Anschluss verlieren. Im Bereich Finanzierungen durch europäische Geldgeber für Scale-ups haben wir hier bereits verloren.

Die Equity-Thematik kann nicht länger warten, es braucht einfachere Regeln für Start-ups anstatt des umständlichen und bürokratischen Workarounds. Idealerweise sollten die Möglichkeiten und Regeln sogar EU-weit harmonisiert werden. Denn nicht zuletzt verhindern unterschiedliche Steuergesetzgebungen die praktische Umsetzung von Beteiligungen an Unternehmen, die wie wir bei Bitpanda in mehreren Ländern tätig sind. Bei all dem muss im Technologie- und Internetzeitalter gedacht werden, also dreimal so schnell. Andernfalls wird sich der Kampf nach Talenten zwischen EU-Staaten massiv verstärken, und das können wir nicht wollen. Wir müssen anfangen in einem globalen Wettbewerb global zu denken. Derzeit denken wir nicht einmal europäisch, sondern noch immer national.

zur Person: Eric Demuth, 34, ist gebürtiger Norddeutscher, lebt in Wien und hat dort im Jahr 2014 Bitpanda gegründet. Alle zwei Monate schildert er hier seine Sicht auf aktuelle Themen aus der Start-up-Welt.


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