Die Ausnahmeerscheinung

Als Michelle Skodowski 2017 die Chance bekam, ein Start-up mitzugründen, zögerte sie keine Sekunde. Heute ist sie als Frau nicht nur Mitgründerin, sondern auch COO von Botfriends. In der Szene noch eine Seltenheit.

Es war nicht immer klar, dass Michelle Skodowskis Weg in den IT-Sektor führen würde. Als sie 18 Jahre alt war, wollte sie International Business studieren. Doch dann hörte sie vom Studiengang E-Commerce: “Ich wusste, dass ich viele technische Fächer haben würde und programmieren muss.” Aber für sie galt: Lieber versuchen als bereuen. Es sollte sich auszahlen: „Ich habe mein Studium geliebt, auch die technischen Fächer, mit denen ich zu meiner Schulzeit nichts zu tun hatte“, erzählt Skodowski. 

An der Würzburger Universität lernte sie auch die drei Mitgründer ihres Start-ups Botfriends kennen, die alle Wirtschaftsinformatik studierten: Kevin Dees, Daniel Rösch und Tobias Gansler. Im Praktikum entwickelten Rösch und Dees Chatbots und legten damit die Grundlage für das Start-up. Auf Skodowski kam Rösch mit der Idee zu und sie zögerte keine Sekunde. „Es war alles noch unkonkret, aber ich hatte nichts zu verlieren“, erzählt sie. Und auch hier galt: Sie wollte es nachher nicht bereuen, sich nicht getraut zu haben.

Heute entwickelt Botfriends Voice- und Chatbots für Unternehmen, die rund um die Uhr Fragen von Kunden beantworten. Die Corona-Pandemie hat dem Würzburger Start-up nicht geschadet: “Es wurde klar, wie gut es als Unternehmen ist, die richtigen Hilfestellungen wie Bots zur Seite zu haben, um zu entlasten”, sagt Skodowski. Die Bots benötigen keine Profis, die Beschäftigten der Unternehmen können sie ohne große Vorkenntnisse selbst installieren. Ihr erster Kunde war Porsche, heute gehören auch TUI, die Telekom und Innogy dazu.

Zu Beginn von Botfriends war Skodowski vor allem für das Marketing zuständig, hat die Webseite aufgebaut und den Auftritt in den sozialen Medien organisiert. „Aber ich habe schnell gesagt, dass ich das eigentlich nicht machen möchte und mich da nicht sehe.“ Also gab sie den Bereich ab, heute leitet sie ihn nur noch strategisch. “Ich wollte näher am Kunden und dem Produkt sein”, sagt sie. Und wurde zur COO von Botfriends, leitet also das operative Geschäft: „Mein Herz brennt eigentlich für unser Solutions-Team. Ich betreue unsere Kundenprojekte, unsere Account-Manager und Entwickler – also alles, was zum Kunden hin gerichtet ist.”

Gründerinnen bei Tech-Start-ups sind immer noch in der Minderheit. Speziell in der IT- und Kommunikationsbranche liegt der Anteil laut des aktuellen Female Founders Reports von Startbase bei gerade einmal sechs Prozent. Auch Skodowski weiß das: „Wenn man in der Szene drin ist, denkt man schnell, es wäre alles toll. Ich kenne viele frauengeführte Tech-Start-ups. Aber die Zahlen sagen etwas anderes und umso wichtiger ist die aktuelle Aufmerksamkeit.“ Gründerinnen rät sie vor allem dazu, sich nicht zu verstecken: “Selbstbewusst sein, die Bühne suchen und nicht glauben, dass die eigene Idee nichts wert ist, das ist entscheidend.”

Skodowski glaubt, dass vor allem die Sorge um finanzielle Sicherheit Frauen abhält: „Gründen ist risikobehaftet und weniger planbar. Das ist sicher unattraktiv.“ Und schiebt nach: „Vielleicht hält auch das Thema Investment viele ab: da ist die Frage, wo man Unterstützung bekommt oder nicht einschätzen kann, wie schwierig ist es wirklich, Finanzierungen zu erhalten und welche Nachteile man als Frau hat.“ Botfriends ist noch selbstfinanziert, Skodowski kam somit noch nicht mit dem Thema Investments in Berührung.

Es gibt Studien zur Investorenbewertung von frauen- und männergeführten Start-ups, auch Skodowski weist auf die unterbewussten Vorurteile in den Finanzierungsrunden hin. Und sieht Nachholbedarf: „Wie wäre es, wenn Investoren sagen würden: Wir investieren ein Jahr lang nur in frauen-geführte Start-ups?“ Aber so ganz glaubt sie selbst nicht an diese Idee: „Am Ende geht’s um die Zahlen.“ Da wollen Investoren sich nicht durch Prinzipien aufhalten lassen. Allerdings: „Wenn man sich Studien anschaut, dann sieht man, dass frauengeführte Start-ups am Ende mehr Umsatz einbringen.“ Eine Starthilfe für Frauen wäre ein Anfang, um die Barrieren abzubauen und mehr potentielle Gründerinnen zu ermutigen.


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