Warum dieser Top-Verkäufer von LinkedIn zu einem Start-up wechselt

Exklusiv: Phong Lam geht von LinkedIn zu Capmo. Was ihn nach München zieht, warum sein Arbeitstag meist nur zehn Stunden hat und warum er überzeugt ist, dass er bei einem Start-up nicht weniger als bei einem Weltkonzern verdient.

Es ist schon dunkel draußen, als Phong Lam (33) freudig in die Kamera lächelt. Die Haare sind schwarz wie das Hemd, das er trägt und dessen Ärmel er hochgekrempelt hat, die Unterarme auf beiden Seiten stark tätowiert. Im Hintergrund spendet eine Tripod-Lampe Licht, während Lam erzählt. Lange war Phong Lam bei LinkedIn Head of Sales für den deutschen Markt. Mitte Februar wird er nach München zu Capmo wechseln, einem Start-up, das Software für die Baubranche entwickelt. Hier erklärt er seine Gründe. 

Herr Lam, Sie haben LinkedIn verlassen für ein Start-up in München. Wie schlimm war es denn in Dublin? 

Das war keineswegs schlimm (lacht). Im Gegenteil: Das war eine einmalige berufliche Erfahrung mit vielen Leistungen, von denen man in vielen anderen Unternehmen wahrscheinlich nur träumen kann. Es gibt Essen von Spitzenköchen, ein eigenes Fitnessstudio auf dem Campus, und sogar einen hauseigenen Massageservice. Natürlich ist das für junge Talente ein wahrer Magnet, für mich war das eher nebensächlich. Was ich sehr geschätzt habe, war die offene Kultur sowie der Austausch und Wissenstransfer mit inspirierenden Persönlichkeiten, die schon teilweise 20 oder mehr Jahre international in der Tech- und in der IT-Branche unterwegs sind. 

Klingt paradiesisch. Warum sind Sie denn dann nach München gegangen? 

Der Hauptgrund für meinen Wechsel ist die familiäre Situation. Ich bin seit einiger Zeit Vater und da die Kinder nun im Kindergartenalter sind und meine Frau auch wieder zeitnah ihrem Beruf als Gymnasiallehrerin nachgehen möchte, sind die Bedingungen in Deutschland attraktiver. Außerdem sind die Großeltern in der Nähe und können bei der Kinderbetreuung unterstützen. 

Sie haben sich zudem für ein Start-up entschieden statt für einen großen Techkonzern oder einen Mittelständler. Warum das? 

Ich habe sogar überlegt, bei meinem jetzigen Arbeitgeber zu bleiben. Bei LinkedIn lief es für mich zuletzt extrem gut und das hätte auch zwei, drei Jahre so weitergehen können. Nun bin ich sehr glücklich über meine Entscheidung, auf einem Hoch aufzuhören und mich einer neuen Herausforderung zu widmen. Ich habe viele Gespräche geführt, auch mit namhaften Tech-Firmen in München. Das wären natürlich Jobs gewesen, bei dem ich sehr in meiner Komfort-Zone geblieben wäre. Die Frage war also: Gehst du in ein mehr oder weniger gemachtes Nest mit gegebener Infrastruktur oder nimmst die Herausforderung an, setzt deine erworbenen Kenntnisse aus den letzten sieben Jahren in einem jungen Unternehmen um und probierst dich in einer Start-up-Umgebung aus? Die Antwort war dann Capmo

Capmo will die Baustelle digitalisieren. Foto: Capmo

Muss man auf Gehalt verzichten, wenn man in ein kleineres Unternehmen in der Aufbauphase wechselt?

Meiner Erfahrung nach nicht. Gerade im Sales-Bereich, in dem ich mich bewege, gibt es immer einen Fixanteil und einen variablen Anteil. Die variable Komponente ist für jeden Vertriebsmitarbeiter unabhängig von Rang und Position am reizvollsten, weil man selbst dafür verantwortlich ist, mit seiner Performance das Maximum herauszuholen. Das war bei Groupon so, das war bei LinkedIn so und das wird auch bei Capmo so sein.

Wie wichtig ist Wachstum für Capmo in den kommenden Jahren?

Ich bin ein Fan von gesundem Wachstum und nicht davon, einfach um jeden Preis zu expandieren. Bei Capmo wollen wir den Umsatz von Jahr zu Jahr verdreifachen, das ist nachhaltig möglich. Ich habe in der frühen Phase meiner Karriere miterlebt, wie man massiv die Belegschaft global aufgestockt hat, das ganze Unternehmen sich übernommen hat und man am Ende konsolidieren musste, weil der Markt nicht das ausreichende Potenzial für das Wachstum an Personal hergibt. Das darf nicht sein. 

Warum haben Sie sich eigentlich ausgerechnet die Baubranche ausgesucht? Es hätte ja auch ein Start-up im Bereich Kommunikation sein können. 

Ich will nicht das tausendste Start-up betreuen, das die Kommunikation oder die Prozesse am Arbeitsplatz verbessert. Ich wollte eines, das heraussticht und etwas ganz eigenes macht, am besten auf einem Markt, der noch nicht komplett erschlossen ist. Das ist bei Capmo der Fall. Die Baubranche zu digitalisieren, birgt unheimlich großes Potenzial. Überraschenderweise ist diese nämlich fast das Schlusslicht aller Branchen, wenn es um Digitalisierung geht. Da ist einiges nachzuholen. Capmo hat die richtigen Ansätze und das nötige Team, um das zu schaffen und so zum Key Player in der europäischen Bauindustrie zu werden. Das, gepaart mit der Erfahrung der Investoren (Capnamics, UVC Partners und HW Capital), hat mich persönlich überzeugt, hier mein erlerntes Wissen anzuwenden und etwas von Grund auf neu aufzubauen. 

Ein Start-up ist für eine gesunde Work-Life-Balance eigentlich nicht die beste Wahl. Was sagt die Familie dazu? 

Ich habe mit den Jahren und vor allem als Vater gelernt, dass der Job nicht alles ist. Ich arbeite mittlerweile acht bis zehn Stunden sehr effizient und die restliche Zeit gehört meiner Familie. Hierbei ist es wichtig, dass dies klar vermittelt und als zeitgemäßes Unternehmen gelebt und pro-aktiv angeregt wird. Es ist eben entscheidend, in Start-ups auch zu kommunizieren, dass das eine völlig normale und mögliche Entscheidung ist. Da haben wir als Führungskräfte auch die Aufgabe, ein gutes Vorbild zu sein. 

Haben Sie also früher mehr gearbeitet?

Klar bin ich in den Anfängen meiner beruflichen Laufbahn um sieben ins Büro gefahren, habe da den ganzen Tag und bis kurz vor Mitternacht gearbeitet, habe dann die letzte Bahn genommen und bin um drei Uhr mit dem Laptop auf dem Bauch eingeschlafen. Wer kennt das aus der Branche nicht. Das war ganz normal. Und das geht auch eine Zeit lang, aber nicht auf Dauer – ist vor allem nicht smart oder vorbildhaft.

Zum Abschluss einmal Hand aufs Herz: Was ist Ihrer Meinung nach das schlimmste an der Start-up-Szene? 

Was ich beispielsweise in meiner Zeit in Berlin in der Szene beobachten konnte ist, dass sich viele junge Gründer oder sogenannte Führungskräfte in Start-ups oft überschätzen. Mit sehr wenigen oder gar keinen einschlägigen Erfahrungen im Berufsleben bis auf Praktika oder Einstiegslevel bei Consulting Firmen, verhält sich oftmals diese Generation sehr arrogant und nimmt sich selbst viel zu wichtig. Manchmal klappt das, aber meistens scheitern die Gründerinnen und Gründer. Mein Feedback an die Branche: seid bescheiden.  

Ist das bei Capmo denn anders? 

So wie ich Capmo im Interviewprozess kennengelernt habe, wird das Growth-Mindset in diesem Unternehmen sehr stark gelebt. Es ist vollkommen Okay nicht alles zu wissen und sich in diesem Bereich nun erfahrene neue Mitarbeiter mit relevantem und fundiertem Wissen in ein Führungsteam zu holen, das Capmo helfen kann, die ambitionierten Ziele gemeinsam als Team zu erreichen und zu übertreffen.

Vielen Dank für das Gespräch.


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