Die Vermessung des Fußballs

Das Start-up Kinexon hat eine neue Technologie entwickelt, um Bewegungsdaten zu erfassen und damit die zuerst US-Sportwelt und dann den Fußball erobert. Nun stoßen die Münchener zunehmend auch in die Industrie vor.

Es dürfte nicht viele Unternehmen geben, die sowohl mit Gianni Infantino als auch mit Oliver Zipse Geschäfte machen. Der Schweizer Infantino steht seit fünf Jahren dem Fußball-Weltverband Fifa vor, während Zipse seit 2019 den Autobauer BMW leitet. Zwei Welten, die bisher höchstens der TV-Entertainer Stefan Raab bei seinen Autoball-Klamauk-Events zusammenführte.

Doch Ähnliches gelingt auch dem Münchener Start-up Kinexon. Mit seiner Echtzeit-Lokalisierungstechnologie rüstet das Unternehmen sowohl große Industrieunternehmen wie eben BMW aus als auch Sportveranstalter wie die Fifa aus. Vergangene Woche verkündete die Firma stolz, dass man nun Partner des Verbandes sei, wenn es darum geht, den Fußball datenmäßig zu vermessen und für Trainer, Spieler und Fans besser analysierbar zu machen.

„Wir haben gewissermaßen eine Grundlagentechnologie entwickelt“, erklärt Co-Geschäftsführer Oliver Trinchera stolz. Er hatte die Idee für das Produkt, die Kinexon heute erfolgreich vertreibt, gemeinsam mit Alexander Hüttenbrink entwickelt, den er an der TU München kennenlernte. „Wir waren eines Tages gemeinsam in der Allianz Arena und haben festgestellt, wie viel Aufwand dort in die Datenerfassung fließt“, erinnert er sich. Doch was dort erfasst wurde, sei zum einen sehr ungenau und zum anderen sehr aufwändig gewesen: „Teilweise musste ein Mensch auf einem Bildschirm mit der Maus den Bewegungen der Spieler folgen.“

Hüttenbrink und Trinchera kamen schnell auf einen Ansatz, der diesen Prozess vereinfachen sollte. Sie entwickelten einen Sensor, den die Spieler am Körper tragen. Mithilfe von am Spielfeldrand installierten Geräten können so die Bewegungsdaten von allen Athleten punktgenau erfasst, aufbereitet und analysiert werden.

Eine auf den ersten Blick elegante Lösung. Aber wer den Fußball verfolgt, der weiß, wie allergisch die Szene auf Veränderungen reagiert. Trainern etwa, deren Coaching über „Geht’s raus und spielts Fußball“ hinausging, mussten sich lange als „Laptoptrainer“ verspotten lassen. Andere Sportarten sind da empfänglicher für neue Technologien. „Wir sind auch deswegen mit unserem Produkt zuerst in die USA gegangen“, sagt sich Trinchera. Dies sei ein größerer Markt, mit größerer Technologieaffinität. Allerdings auch mit großer Konkurrenz. „Am Anfang wurde uns gesagt, dass wir dort keine Chance haben werden“, so Trinchera. Doch der Schritt nach Übersee zahlte sich aus, innerhalb eines Jahres rüstete Kinexon mit seiner Technologie drei Viertel der Basketballliga NBA aus. Die US-amerikanische Eishockeyliga NHL zog nach, auch die National Football League. Mit diesen Erfolgen im Rücken gelang dann auch der Durchbruch in Europa. „Mittlerweile gehören auch rund 50 Prozent der Bundesligaclubs zu unseren Kunden“, sagt Trinchera.

Angesichts der Vorteile, die der Gründer für seine Technologie auflistet, erscheint das nur logisch. „Die Spieler können mit unserer Technologie Verletzungen vorbeugen, Trainer können die Taktik verbessern, die Fans bekommen einen ganz neuen Einblick ins Spiel“, erklärt er. Bei Kinexon gibt es sämtliche Schritte des Datenverarbeitungsprozess aus einer Hand, die Erhebung, die Darstellung und die Analyse.

Der nächste Schritt ist der Industriebereich. Dort will Kinexon mit seiner Technologie dabei helfen, die Industrie 4.0 Realität werden zu lassen. „Auch in einer Fabrikhalle sind viele Dinge in Bewegung, deren Ortung und Verordnung bei der Automatisierung hilft“, sagt Trinchera. So könne man mit Kinexons Technologie unter anderem Transportroboter oder Paletten versehen, um die Prozesse effizienter zu machen. „Theoretisch können wir sogar jeden Schrauber vernetzen“.


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